Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 515 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite IV DIB 8TIMMI Nr. 515 — 17. Jänner 1936 DER BERÜHMTE DICHTER BIALIK-KLUB, WIEN, L, BRAUNERSTRASSE 7 -10 SCHALOM ASCH Präsident des Jüdischen Pen-Klubs und Ehrenmitglied des Welt-Pen-Klubs spricht als Gast des Bialik-Klubs. Samstag, den 25. Jänner 1936, tun 8 Uhr abds., im Gr. Konzerthaussaal, Wien, III., Lothringerstr.20,über dasTbema „Die geistigen Bestrebungen der Juden und des Judentums" Karten erhältlich von S 1 — 6: Keren Kajemoth, T.. Marc Aurclstr. 5, Tel. U 29-1-29, Zionistischer Landesverband, I., Marc Aurels'tr. 5, Tel, U 22-2-11, „Wizo“, I., Schottenring 25, Tel. A 11-0-26, Jüdische Kunstslelle, I., Franz losefs-Kai 3, Tel. U 28-2-36, Bücherstube Rath, II., Taborstr. 20a, Tel. Ii 45-305, Bücherstube Lanyi, I., Kämtnerst. 44, B 25-0-75, KarlcnbürO Gronner,I., Graben 28, Tel. U 22-4-45, Bücherstube Lowit,I., YVollzeileO, Tel. R 21-2-45, und am Vortragsabend b. d. Konzertkasse III., Lothringeratr. 2o noch das Publikum, das für hebräisch geschriebene Werke solcher Art aufnahmefähig wäre. Es ist daher ein verdienstvolles Unternehmen der Philosophischen Fakultät der Hebräischen Universität, wenn sie sich bemüht, die philosophischen Klassiker sukzessive ins Hebräische übersetzen zu lassen. Bis jetzt sind zirka 15 Bände erschienen. Der Leiter dieses wissenschaftlichen Unternehmens ist Prof. Roth, der selbst seine philosophischen Bücher in Hebräisch schreibt — wie auch Prof. Bergmann, der derzeitige Rektor der Universität. Ein dritter philosophischer Autor in hebräischer Sprache, Jacob Klatzkin, wohnt in Europa, hält sich aber gegenwärtig in Palästina auf. Er bemüht sich, von hier aus das Weitererscheinen der j.Eneyclopaedia Judaica“ in die Wege zu leiten. Die deutsche Ausgabe ist auf 15 Bände berechnet, von denen bisher zehn erschienen sind, die hebräische auf zwölf, von denen zwei im Druck, der dritte druckfertig vorliegen. Ermäßigungen für die Reise zur Levante-Messe Jerusalem (Palcor). Die Länder Österreich, Estland, Bulgarien, Belgien, Deutschland, Dänemark, Holland, Griechenland, Litauen, Lettland lind die Türkei haben mitgeteilt, daß sie all denen, die an der im April 1936 in Tel- Aviv stattfindenen Levante-Messe teilnehmen, Ehsenbahnermäßigungen in Höhe von 25 bis 30% gewähren werden. Die Ermäßigungen werden denjenigen gewährt werden, die naehweisen, daß sie wirklich zur Messe fahren, das heißt, die eine Dauerkarte zur Levante -Messe erworben haben. Der Rücktransport der auf der Me>ee ausgestellten Waren wird ferner von jeder Gebühr befreit sein. Ferner haben folgende Schiffsgesellschaften ihre Bereitschaft zur Gewährung von Ermäßigungen für die Teilnehmer an der Levante-Messe gemeldet: „Donau-Dampfschiffsgesellschaft", ,, Königlich Niederländische Schiffsgesellschaft“, der bulgarische Seedienst und andere. Ferner wird die polnische Luftfahrtsgesellßohaft „Lot“ Ermäßigungen gewähren. Entdeckung, die ich heute (am 22. Kißlew) in einer der Inschriften (im 6. Brief) gemacht habe und die meine ganze Meinung über die in Lachisch auegegrabenen Briefe ändert. Es scheint mir, daß man auch dio Verbesserungen Jaluns akzeptieren kann. Ich hoffe, in Kürze auf diese Frage zurückzukommen, dio an einigen Stellen der ausgograheneti Briefe eine neuo Deutung orforder lieh macht.“ Es sind also noch interessante Entdeckungen bei der Entzifferung der In Schriften zu erwarten. Parteiungen unter den Arabern Von Ch. Halter, Tel-Aviv*) II. Die Inschriften von Lachisch Jerusalem (Palcor). Die Ausgrabungen in Lachisch haben eine sehr lebhafte Diskussion in den Kreisen der palästinensischen Gelehrten hervorgerufeu. In der letzten Nummer der Zeitschrift für archäologische Forschungen „Mitteilungen der jüdischen Gesellschaft zur Erforschung Palästinas und seiner Altertümer“ (3. Jahrgang, 3. Heft) treten Dr. Ch. A. G i n s b u r g, Dr. Sch. J e w i n und Ch. J a 1 u n scharf gegen die Entzifferung der Inschriften auf, die von Prof. Torczyner vorgenommen und jetzt in der Sammlung „Knesset“ zum Andenken Bialiks veröffentlicht wurde. Dr. Ginshurg erklärt, daß die Dokumente von der Zeit Zidkijahus, nicht aber von der Zeit des Propheten Jeremia und des Königs Jehojachin sprechen. In der genannten Zeitschrift wird auch eine Antwort Prof. Torczyners veröffentlicht, der die Ausführungen der genannten Gelehrten zum Teile widerlegt. Am Schluß seines Aufsatzes macht Prof. Torczyner folgende Bemerkungen: „(Nach dom Abdruck meines Aufsatzes.) Inzwischen habe ich die ganze Frage noch einmal gründlich studiert und ich akzeptiere einen großen Teil der Ausführungen Ginsburgs auf Grund einer neuen Beh konz Realbüro Ing.M.Mühlbauer Kau| und Verkaut von Realitäten, Hypotheken I., II. und III Sätze, Bau- und Zwlsdienkredife Gebäudeverwaltung Büro: Franz-Josefs-Kai 11 lei R-25-0-44 Wohnung; II., Vorgarlenslr. 150, Tel. R-4D8-88 Zu einem Mittelpunkt einer weiteren Parteigruppierung ist seit Anfang dieses Jahres Dr. Hussein C h a 1 d i, der Bürgermeister von Jerusalem, geworden. Mit ihm zusammen verließen eine bedeutende Anzahl angesehener Personen, darunter die Bürgermeister einiger Städte, die Partei Naschasohibis. Mit dessen Führung von früher her unzufrieden, benützten sie die Wahl Cbaldis, um mit ihm die „Reform-Partei“ zu gründen. Ihre programmatischen Forderungen: nationale arabische Regierung für Palästina, Ablehnung der Balfour-Deklaration, Einigung der arabischen Länder, stehen denjenigen der beiden anderen Parteien an Radikalität nicht nach, denn ohne diese Pustulate ist in Palästina eine politische Akfclonsgruppe heute nicht denkbar. Die Partei stellte sich, — womit sie ihr Erscheinen auf dem politischen Felde rechtfertigte —, ein großes Ziel. Sie will das arabische politische Leben reformieren, Gegensätze unter den feindlichen Gruppen ansgleichen, Frieden stiften. Es sind im arabischen Lager Kräfte vorhanden, die die Wiedererrichtung der Arabischen Exek u t i v e auf neuer Grundlage anstreben, und da gibt die Reform-Partei vor, dabei als ehrlicher Makler dienen zu wollen. Das wird ein schweres Werk sein, solange die Chaldis im Jerusalemer Stadthaus sitzen und die Mufti-Partei von ihrer beanspruchten Vorherrschaft nichts abtreten will. Naschaschibi suchte bisher seine politische Schwächung durch eine verstärkte Aktivität wettzumachem. Seine Partei ist bemüht, sich eine politische Gefolgschaft unter dei arabischen Arbeiterschaft durch Errichtung von Arbeitervereinen in verschiedenen Städten zu sichern. Er scheute keine Opfer, um die drei großen Jaffaer Tageszeitungen, den christlichen „Felestin“, die „Al-Islalia“ und „A-defah“ auf seine Seite zu ziehen, womit er eine publizistische Überlegenheit über den Mufti gewann. Allerdings hört man, daß dieser die Herausgabe einer großen Tageszeitung neben seiner „Al-Jamea“ beabsichtigt, um einen Ausgleich zu schaffen. Aus all dem geht hervor, daß die Gegner mit der Mobilisierung und Formierung ihrer Kräfte noch vollauf beschäftigt sind. Sehr wichtig sind in der arabischen Bewegung die Jugendorganisationen, dio unter der Führung von Jakob Bey G e s s j a n stehen. Es Ist ein ständig gärendes, zum Aktivismus strebendes Element. Der Nazismus gewanu unter ihnen große Popularität und der Haß gegen die Juden einen günstigen Boden. Sie stellten die Scharen zu jeder hemmungslosen Hetzarbeit gegen das jüdische Werk. Sie sahen ihre Stelle über denParteien. Ihre Kritik ist manchen mit allerhand Schatten behafteten Führern oft unbequem, trotzdem blieben sie stets ein umworbenes Element. Die Jugendorganisationen dienten oft, wenn die Alben einzuschlafen drohten oder von ihren opportunistischen Überlegungen sich zu sehr beeinflussen ließen, als Initiatoren und Antreiber zu politischen Aktionen ( so is der Ursprung der Ereignisse vom Oktober 1933 wesentlich auf ihr Konto zu setzen), denen sieh die offiziellen Führer beugten, aus Bedenken, sich sonst dem Vor wurf der nationalen Unzuverläs *) Siehe „Dio Stimme“ Nr. 508 vom 17. De zember 1935. s i g k e i t auszusetzen. In lctzer Zeit scheint es aber der Mufti-Partei gelungen zu sein, diese Organisationen vor ihren Wagen zu spannen, wesentlich wohl durch die großen Anstrengungen Dschemal el Husseinis, die Jugend zu militarisieren, ihnen damit ein Ziel für ihren Tätigkeitsdrang setzend. Einen wichtigen Faktor in der innerpolitischen Parteistrategie bildet das Verhältnis zu zwei politischen Zentren, die außerhalb Palästinas liegen. Die zwei herrschenden ßeduinenfamilien der Haschamiden und Ibn-Sauds von Hedschas, zwischen lenen eine kaum überbrückbare, nur von England ni’ödergehaltene, Feindschaft besteht. Waren zu Ende des Weltkrieges Hussein von Hedschas und dessen Söhne der Mittelpunkt der nationalen Einheitshoffnungen der befreiten arabischen Länder, so änderte sich dies in den letzten Jahren. Der Mufti von Jerusalem und seine Anhängerschaft verwandelte sich zu starken Gegnern rler Haschamiden, und der Grund dazu sind wesentlich zwei Umstände: die überragenden politischen Erfolge Ibn-Sauds, an dessen Herrschaft über den wichtigsten Teil Arabien Hoffnungen auf eine E i n i g u n g aller arabischen Länder geknüpft werden, und zweitens die unmittelbar in die eigenen Machttendenzen hineinspielenden Bestrebungen der Hasehamiden, deren Repräsentant seit dem Ableben seiner Brüder F a i s a 1 und Ali, Abdallah von Transjordanien ist, auch auf die Gestaltungen in Westjordanien PHnfluß zu gewinnen Man erinnere sich der wiederholt behandelten Gerüchte von einem Plan, den Emir als König beider Landesteile einzusetzen, wofür dieser die Durchführung der Balfour- Deklaration in bestimmten Grenzen gutheißen würde. Besonders stark umschwirrten diese Kombinationen die vorjährige Reise des Emirs nach London, wozu das damalige Verhalten des Emirs nicht wenig beitrug. Dies gab damals dem Mufti zu einer äußerst scharfen Kampagne gegen Abdalla Anlaß, die selbst das Mißfallen vieler Kreise im eigenen Lager erregten. Der Mufti hatte aber dazu seine schwerwiegenden Gründe. Faßt Abdallah Fuß in Palästina, so ist kein Platz mehr für die von ihm verteidigte und angestrebte Stellung im Lande. Der Mufti handelte schnell. Er benützte den vorjährigen Krieg gegen Jemen, um — das Bestreben, einen Bruderkrieg zwischen zwei arabischen Ländern einzustellen, ist ein lobenswertes Werk — an der Spitze einer Friedenstiftuings-Delegution nach Mekka zu gehen. Der Frieden wurde geschlossen, wenn auch nicht als Folge des Eingriffes seitens des Mufti als vielmehr der Niederlage Ibn Jechijahs von Jemen und der politischen Eingriffe Englands. Dafür aber schloß der Mufti mit Ibn Saud einen Freundschaftsbund, dor seine Ausstrahlungen in das eigene Interesse gebiet Palästina bekunden sollte. Die Ergebnisse der starken Propaganda für das Haus Ibn Sauds wurden sichtbar, als vor einigen Monaten der Thronfolger von Hedschas auf seiner Heimreise von London, den arrangierten offiziellen Besuch in Palä stina abstattote und hier mit großen Ehren als arabischer Herrscher und als Verkörperung des Strebons nach Wiederherstellung der nationalen Glanzzeit von früher gefeiert wurde. Der Mufti,- der während der ganzen Zeit nicht von dor Seite des fürstlichen Besuchers wich (und damit das Zustandekommen, manchen ihm unerwünschten Kontaktes verhinderte), konnte mit seinem Erfolg zufrieden sein. Dafür wird die Fahne der Haschamiden, die ihre Abkunft vom Propheten Mohammed herleitcn, von Naschaschibi um so höher geschwungen. Der Emir Abdallah ist Ehrenmitglied seiner „Partei der Nationalen Verteidigung“, die für ihn den Boden in Palästina zu bereiten sich bemüht. Das politische Ergebnis, das der Emir im Vorjahre von seiner Londoner Reise für Palästina mitbrachte, war allerdings gering. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß cs in der neuerlichen Versicherung des Kolonialministeriums bestand, daß die palästinensischen Araber ihren Gesetzgebenden Rat erhalten würden. Diesen anzunehmen, Ist Naschaschibi unter allen Bedingungen, ob schlecht oder recht, bereit, denn an ihn knüpfen sich seine wesentlichsten Hoffnungen. Hingegen kann man dies keineswegs vom Mufti annehmen, wenn .auch den Gesetzgebenden Rat ab zu lei inen im arabischen Palästina heute eine gewagte Sache ist. Aber der Mufti hat seine Gründe für seine kalte Beziehung zu diesem Projekt, das er schon vor dreizehn Jahren Herbert Samuel gegenüber brüsk zurückgewiesen hat. Kurze Nachrichten aus Erez Israel Jerusalem, Mitte Jänner. Das Hadassa-Hospital in Safed wurde als scchzigbettigo Lungenheilstätte neueröffnet. In Ramat-Gan bei Tel-Aviv fand die Grundsteinlegung für ein „Bialik-Kulturzentrum“ statt. Propaganda französischer Geistesart. soll eine Bibliothek dienen, die in Räumen der Französisch-Palästinensischen Gesellschaft in Anwesenheit des französischen Generalkonsuls in Tel-Aviv eingeweiht wurde. Die Regierung soll einer Meldung des „Haarez“ zufolge ein Millionenprogramm für die Ausführung öffentlicher Arbeiten ausger arbeitet haben, das lediglich noch der Ratifizierung durch die Londoner Regierung bedürfe In Rischon-le-Zion, das bisher nur Weinzentrum war, wurde die erste palästinensische Bierbrauerei in Betrieb gesetzt. Präsident Dr. Weidmann tat den ersten Schluck. Eine Ausgrabung am Jerusalemer Stephans- Tor brachte eine aus dem ersten Jahrhundert stammende griechische Inschrift zutage, dio den Christen das Betreten des Tempelplatzcs untersagt. Um dio gesamte Altstadt von Jerusalem, also längs der Stadtmauer, soll ein vierzig Meter breiter Boulevard gelegt worden. Im Wege steht ihm vor allem der Riesenbau eines französischen Klosters. Verhandlungen 'sind im Gange. Schneller wird Jerusalem zu einem Riesenkino (mit 1350 Plätzen) kommen. Es wird daran gebaut. In Haifa läuft augenblicklich nach der Tol-Aviver Premiere, Max Reinharts gefilmter „Sommernachtstraum“. Aber Shakospearo wird nicht nur ins Filmische, sondern auch ins Hebräische übersetzt. Richard llosenheim wird sein neues Ilaifacr Theater mit „Othello“ eröffnen. Regio: Bonno Fränkel. An Stelle des vor einigen Tagon verstorbenen Friedensrichter von Haifa, Sohel'iq-begdadjani, soll — nach arabischen Quellen — ein Jude ernannt worden. Das „Ohel“ spielt augenblicklich unter der Leitung Lobes den „Schwojk“. Avigdor Hameiri hat das Opus Hasek-Rcimann-Brods übersetzt- Wenn Schwojk sieh oino Viertelstunde nach dom Weltkrieg im „Kelch“ verabredet, lacht man auch in Palästina. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMEW A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen f. 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