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Die Stimme · 1936-01-17 · Heft 515 (17.1.1936) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 515 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 515. — 17. Jänner 1936 DIK STIMME Seit« m EREZ ISRAEL (Nachdruck verboten!) Komml die große Wüstenbahn? Von M. Y. Bett’Gavriel Als im Jahre 1872 England durch die Öffnung des Suez-Kanals die vielleicht größte diplomatische Schlappe in seiner ganzen Kolonialgeschichte erlitt, begann man sich in London eines Planes zu erinnern, dessen Ausführung die Folgen dos Durchstiches von Suez vielleicht paralysieren konnte. Man erinnerte sich, daß im Jahre 1856 in England eine Gesellschaft gegründet worden war — mit einer Million Pfund Kapital —, die nichts anderes vor hatte, als eine Bahn von Palästina nach Bagdad durch die Wüste zu bauen, die alte Idee also, die Verbindung zwischen Europa und Indien möglichst zu reduzieren, in Wirklichkeit umzusetzen. Die Gesellschaft von 1856 scheiterte damals an außenpolitischen Umständen, die in der Türkei und in Frankreich zu suchen waren. Nun aber, da ein außerhalb englischer Kontrolle stehender Suez-Kanal den indischen Besitz gefährdete, wurde das alte Projekt wieder aktuell und schien erfolgversprechend zu sein, so daß man wieder eine Gesellschaft gründete. Gladstone aber ließ den Plan (1880) fallen, als innerpolitische Gründe ihn dazu zwangen. Dann, nach 1880 begann sich der deutsche Einfluß in der Türkei auszubreiten, der dazu führte, daß die Konzession für den Bau der Anatolischen, beziehungsweise der Bagdadbahn sich sicherten, die „Berlin mit der alten Kalifenstadt verbinden“ sollte. Die Ausführung das Projekts wurde durch den Krieg verhindert. Da die Verbindung über Anatolien — auch wenn das noch fohlende Stück ausgebaut wird — außerhalb der Kontrolle Eng- Indusfrieproblenae in Ercz Israel Wie können die Schwierigkeiten der Industrie in Erez Israel behoben werden? Die Frage ist viel diskutiert, aber noch lange nicht beantwortet worden. Jeder Beitrag zu ihrer Klärung ist willkommen. Wir veröffentlichen Mer eine interessante Analyse unseres Tel-Aviver J.-S.-Korrespondenten über die Probleme der Produktion in Erez Israel. sein lands steht, anderseits aber ziemlich umständlich ist, kam von neuem das Projekt von 1856 auf die Tagesordnung und es gingen bald nach dem Krieg englische Vermessungskolonnen in die Wüste, die sich aber nach einigen unglücklich ausgefallenen Scharmützeln mit Beduinenabteilungen ergebnislos wieder zurückziehen mußten. Erst im Jahre 1931 gelang es unter Aufbietung von etwa fünfhundert Mann und einem Kostenaufwand von rund hunderttausend Pfund, zu entgültigen Ergebnissen zu kommen. Diese Ergebnisse waren nicht gerade sehr ermutigend, denn die natürlichen Widerstände gegen den Bau der 685 englische Meilen langen Strecke, die zumeist durch Wüsten führt, erwiesen sich als ungeheuer. Der palästinensische Teil des Verkehres zwar, der nur unwesentliche Vorkehrungen bedürfte, könnte zur Gänze auf der bereits bestehenden Linie der Hidjasbahn von Haifa nach Beth-scha geführt worden. Jenseits des Jordans aber beginnt das überaus schwielige Gebiet der großen Höhenunterschiede. Jetzt ist das Wüstenbahn-Projekt wieder aktuell geworden. Es scheint, daß seine Anhänger die Oberhand gewonnen haben über die Verfechter der Idee einer großen, asphaltierten Autostraße. Es wird jetzt immer weiteren Kreisen klar, wie groß die Vorteilo einer Verbindung Bagdads mit Haifa wären. Ganz abgesehen vom rein strategischen Interesso des British Empire, sind es in erster Linie ungeheure ökonomische Vorteile, die aus der Realisierung des Projekts sich ergeben würden. Es ist zu erwarten, daß Haifa der große Umschla.gplatz für den gesamten vorderen Orient auf dem Wege nach Europa werden wird. Persien, das heute schon über ansehnliche Mengen exportfähiger Agrikulturprodukte verfügt, wird, wenn es Befördcningsmöglichkeiten haben wird, die neue kurze Streeko sehr intensiv benützen, ebenso wie der „Irak“, der über kurz oder lang seine Anbaufläche wird verdoppeln können. Selbstverständlich wird auch der Importhandel in die heute noch fast unbegrenzt aufnahmsl’ähigen Gebiete jenseits der Wüste sich von dem langen Weg über Suez und den Persischen Meerbusen loslösen und die neue Strecko zu einem lukrativen Geschäft machen. Tel-Aviv, im Jänner. Die Untersuchung der Lage, der Aussichten und der Möglichkeiten der Produktion in Erez Israel wird sich vor allem in folgende Kapitel gliedern müssen: Fragen der Technik, des Absatzes und der Finanzierung. Fangen wir also bei der Maschine an. Der Preis für die Maschinen setzt sich zusammen aus den Anschaffungskosten, den Transportkosten und den Montagekosten. Da die Transportkosten hier in Erez Israel recht bedeutend sind, da alle Maschinen von weither gebracht werden müssen, liegt es auf der Hand, daß die Aufstellung alter Maschinen, die vielfach erfolgt, deren Anschaffungspreis sich etwas billiger stellt als der neuer, nicht am Platz ist. Aber auch neno Maschinen werden in dein hiesigen feuchten Klima, bei nicht genügender Wartung, rasch verwahrlost und altern besonders schnell. Wenn man dabei bedenkt, daß Reparaturen größerer Art im Land unmöglich, kleinere Reparaturen ebenfalls fast unmöglich, zumindest sehr erschwert, langwierig und teuer sind, daß die Teile vielfach nach Europa geschickt werden müssen, um dort wieder hergerichtet zu werden, daß Reservebcstandteile nur ungenügend vorhanden sind, so wird man selbst ermessen können, was für Schwierigkeiten sich hier der Produktion entgegenstellen. Die Rohmaterialien, die auf diesen Maschinen verarbeitet werden, sind größtenteils aus dem Ausland bezogen. Da die Transportdauer eine lange ist und auch vielfach mit einer mehrwöchigen Lieferfrist gerechnet werden muß, ist eine große Lagerhaltung notwendig, die hier immer direkt von den Fabriken besorgt wird, fast gar nicht von Importeuren, da die tiefen Preise den Zwischenhandel bei Halbfabrikaten unmöglich machen. Die hiesige Industrie ist eigentlich keine Massen-, sondern Qualitätsproduktion, weshalb es häufig notwendig wird, Umstellungen und. j Änderungen, die von der Mode und anderen Umständen bedingt werden, vorzunehmen. Die großen Lager und die lange Transportdauer machen aber solche Veränderungen und Umstellungen schwierig und zeitraubend, so daß die Fabrik schwerer beAveglich ist als Fabriken gleicher Größe in Europa. Endlich ist durch die große auch eine größere düng, also höhere Schuldenlast,'gegeben. Mittelbar zum Problem der Maschine gehört das Problem der Arbeit, denn von ihr hängt doch der Nutzeffekt der Maschine ab. Vom Arbeiter, der hier viel höhere Löhne bezieht als die Arbeiter in den Nachbarländern, muß dementsprechend eine Höchstleistung verlangt werden. Ob er diese überall erringt, ist eine andere Frage. Akkordlöhne, Prämien und alle Faktoren, Avelcho das persönliche Interesse des einzelnen Arbeiters mit dem des Betriebs in Einklang bringen, sind ziemlich unbekannt. Die positive Einstellung der einzelnen zum Betrieb fehlt leider völlig. Infolgedossen ist der Nutzeffekt, an europäischen Ziffern gemessen, ein sehr geringer und eine Leistungssteigerung unbedingt notwendig. Zur zweiten Frage, dem Problem des Absatzes, ist vor allem zu sagen, daß hier fast niemand einen richtigen Verkaufsapparat für das Inland besitzt. Man darf nicht glauben, daß die relativ kleinen Industrien hier Aveiß Gott Avas für komplizierte Verkaufs- Organisationen, Vertreter oder Avas sonst noch brauchen AVÜrden, aber ein Mensch, der sich nur mit dem Verkauf befaßt, ist für jeden Betrieb unumgänglich notwendig. Der fehlt aber leider fast überall. Aus Syrien, avo fast alle Betriebe ihre Vertreter haben, erhalten sie schöne Aufträge. Hier wundern sie sich, daß das nicht der Fall ist, vergessen aber ganz, daß diese Schuld größtenteils am Mangel einer a u sg i e b i g o ri Kundenbearbeitung liegt. Das ist auch der Vorteil des Auslande s, das hier nur mit Vertretern arbeitet, die natürlich den Markt mehr bearbeiten als es der heimische Fabrikant tun kann. Außerdem gewährt das Ausland im allgemeinen auch längere Ziele als es der Inlandsfabrikant zu tun in der Lago ist. Im Inland wird billiges Genre in guter Qualität verlangt. Vielfach haben sich die hiesigen Fabriken auch noch nicht auf dieses Genre eingestellt und bringen zu gute oder zu ger i n g e Qualitäten. Doch sind sie selbstverständlich in der Lage, das GeAvünsohte zu liefern, wenn sie sich darauf erst eingestellt haben. Der Auslandsfabrikant Avird durch seine Könsularvertretungen und durch Handelskammern unterstützt, während der inländische Fabrikant von Regierungsbehörden fast keine Unterstützung erfährt. Die Jewish Agency, die großes Interesse an der Industrie nimmt, hat leider nicht die Macht, um wirklich industriefördemd auftreten zu können. Die gegenseitige Konkurrenz ist außerordentlich scharf und alle Bestrebungen, zu Kartellierungen oder sonstigen Zusammenfassungen zu gelangen, bleiben immer ergebnislos. Das Anlagekapital, das durch die teueren Grundpreise in den Städten und auch schon auf dem Land, durch hohe Baukosten, hohe Transportkosten für die Maschinen und hohe Montagespesen überhöht ist, sucht manchmal den Ausweg, Fabriken in Miete unterzubringen, womit aber die Basis für Hypothekarkredite gesperrt ist. Jedenfalls ist das Anlagekapital hier höher als bei gleich großen Betrieben in Europa. Das gleiche gilt vom Betriebskapital, Avobei der Hinweis auf große Lagerhaltung, die ■langsame Produktion und das lange Ziel, das den Kunden geAvährt Averden muß, genügt. Das E ig e n k a p i t a 1, eine der Hauptfunktionen dos Fabrikanten, ist, ge« Avöhnlich zu gering, fremde Gelder, trotz der Geldflüssigkeit des Landes, sind aber sehr teuer. Es ergibt sich daher fast stets die Notwendigkeit mit Krediten zu operieren, wobei die Warenschulden, die mit Akzepten gedeckt sind, noch die einfachste Form sind. Dio übrigen Kredite, bei denen als Deckung Kundenwechsel, Warenlombard oder Hypotheken als Sicherstellung gegeben werden — sind, Avie erwähnt, ziemlich teuer und vielfach nur kurzfristig. Langfristige Kredite in Form von Aktien oder Obligationen sind hier nur beiden größten Betrieben usuell. Als Heilmittel Aväre vor allem eine I n düst r i e b a n k nötig, die aber schon bei der l n d u s t r i e p 1 a n u n g mitwirken müßte. Das American Comitteo, die Handelskammer, die Handelsdepartements von Regierung und Soehnut, alle Verbände geben ausgezeichnete Informationen: doch gehen alle Informationen von der Tendenz aus, hier eine neue Industrie zu gründen und gehen zu Avenig auf das Problem ein, wie diese Industrie hier wird bestehen können. Es wäre eine dankenswerte Aufgabe, im Rahmen eines umfassenden Plans auf lange Frist einen Industrieaufbau für Erez Israel festzulegeii, Avobei die Gefahr vonFehlinvestitionen durch gleichzeitige Gründung gleichartiger Unternehmungen ATermieden würde. Die Anglo Palestine Bank, quasi als Nationalbank, kann diese Aufgabe nicht erfüllen, die kleineren Banken aber sind nicht genug kapitalskräftig. Selbstverständlich müßte diese Industriebank ihren Einfluß auch in Fragen der Kartellierung und Produkt i o n s r e g e 1 u n g geltend machen. Anderseits müßte sie aber auch den bestehenden gesunden Industrien mit langfristigen Krediten Unterstützung gewähren. Lagerhaltung e. g. Jerusalem, Mitte Jänner. Am 63. Geburtstag Bialiks sah der im Blumenschmuck prangende Versammlungssaal der Jewish Agency ein festlich gestimmtes Publikum von Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern. Das vor Jahresfrist von der Jewish Agency gegründete Bialik- Institut verteilte zum erstenmal seine jährlichen Preise für Literatur (Berichterstatter Prof. Klausner) und für bedeutende Iv a d i t a 1 s b i n wissenschaftliche Leistungen (Berichterstatter Prof. N. S 1 o u s h). Den ersten Preis für Schöne Literatur in Höhe LP 200.— bekam Salman Schneur für seine „Pirko Jaar“ (Der Wald), eine Sammlung epischer und lyrischer Naturdichtungen. Der zweite Preis von LP 100.— wurdo geteilt zwischen Yehuda Burla, der ein ausgezeichnetes Werk über das Leben der sephardischon Juden erscheinen ließ, und Avigdor H a m e i r i, dessen „Buch der Lieder“ von stärkster lyrischer Kraft ist. Saul TschernikoAvski AAiirde als Übersetzer der „Iliade“ mit LP 75.— preisgekrönt. Für Jugendliteratur Avurde ein erster Preis nicht verteilt, der zAveito zAvischen Anda P i n c e r f i e 1 d und Eliesor S m o 1 i halbiert. Als beste Avisenschaftliche Werke Avurden Israel Davidsons „Ozar Haschirim Avehapijut“ (Schatz der Lieder und Poesie), ein vom Nüav-Yorker Rabbinorseininar herausgegebenes Monumentalwerk über dio Ent- Avicklung der hebräischen Dichtung, mit LP 200.—, B a a r-D r o m a s geographische Studie über Südpalästina und die Sinai- Halbinsel und Michael A s s a i s Werk über die Geschichte der Araber in Palästina mit ise , je LP 50.— ausgezeichnet, während der Preis von LP 75.— für die beste wissenschaftliche Übersetzung zAvischen Alexander S c h o r r und Josef O r geteilt wurde: Schorr übersetzte „Herodot und Tacitus“, Or „Locke und Hume“ ins Hebräische. Die hebräische Öffentlichkeit ist mit den Entscheidungen der Prüfungskommission im großen und ganzen zufrieden. Wie Aveit es der Kommission gelingen wird, auch unbekannte oder gar verkannte Talente zu fördern, kann sich naturgemäß erst bei den Preisverteilungen kommender Jahre zeigen. Jüdisdie Gesdiidiler judasdte Philosophie Der Zionistenkongreß hat im Budget der JeAvish Agency jährlich LP 4000.— für die hebräisch-kulturellen Zwecke des Bialik- Instituts abgezweigt. Mit dem größten Teil dieser Summe werden Avesentlich Avissenschaftliche Arbeiten subventioniert: so Avird das bereits in Angriff genommene „Sefer Hajischmv“, das sieben Bände umfassen soll, eine Geschichte der Juden in Palästina von der Zerstörung des zweiten Tempels an bildeu, während das auf fünf Bände berechnete „Sefer Hazionut“ sich speziell mit der inneron und äußeren EntAvieklung des Zionismus befassen soll. Das Jahrbuch „Knesset“ hat soavoIü wissenschaftlichen wie belletristischen Charakter. Die der Pflege der hebräischen Sprachforschung g'CAvidiueto Zeitschrift „Lcsehonenu“ wird gleichfalls unterstützt. Noch manche andero Kulturausgabo Avird von diesem 4000- Pfund-Budgot bestritten. * Verhältnismäßig gering ist vorläufig noch die Zahl der Philosophen, ui-, in hebräischer Spraoho schrtiben, und klein ist wohl auch «ÄtlÄe) fc KeRil KOMett! Ül. Plffi 1 ll' 11

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