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Die Stimme · 1936-01-17 · Heft 515 (17.1.1936) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 515 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S.tt« 4 Dlt tTIMMI Nr. 616 — 17. .TKnnfir 1086 RABENSTEIG3 HIMMilPfORTO. 5 KOLLNERHOFC. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA - HEMDEN (von S 680 aufw.) Die Pariser HerzKDokumenfe Ecuador ungeeignet Der Auswandererhilfsverb a n d H I C E M (Hins Ica Emigration Trust) in Paris gibt die folgende Mitteilung über Ecuador aus: Wir erachten es für notwendig, die Aufmerksamkeit der Organisationen aufs neue auf die gefährlichen Illusionen zu lenken, die die über die Möglichkeiten der Einwanderung und Kolonisation i n Ecuador veröffentlichten irrigen Informationen bei der jüdischen Bevölkerung der Atxswanderungsländer entstehen lassen können. Zur Zeit sind diese Möglichkeiten praktisch g 1 e i c h N u 11. Wir sind in der Lage, diese Behauptung durch die folgenden Mitteilungen stützen zu können:! 1. Das Land ist äußerst arm; 2. die Eingeborenen in den Städten und auf dem Lande begnügen sich mit äußerst bescheidenen Löhnen und haben im allgemeinen keine Arbeit; 3. das Land kann nicht viel Handwerker aufnehmen und berufslose Einwanderer haben keinerlei Aussicht, den Lebensunterhalt verdienen zu können; 4. es gibt keinerlei Möglichkeiten für Intellektuelle und Angehörige freier Berufe; 5. die Unbeständigkeit der politischen Verhältnisse des Landes erlaubt nicht, Kolonisationsprojekte ins Auge zu fassen; 6. die Gebiete, die die Regierung abgeben könnte, sind minderwertig und liegen weit, ab von Eisenbahnlinien und Wasserstraßen; gute Straßen fehlen, die Produkte werden auf Mauleseln befördert; 7. die Gebiete, in denen eine Kolonisation erwogen wird, sind ihrer Höhenlage und ihrem tropischen Klima nach für Europäer ungeeignet. Restaurant Rillet w: Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S V90 u. 2'60 ll.,Hammerpurgstal gas$e3 (nächst Sa'ztorbrödce) Der Herzl-Forscher Dr, Tulo N u s s e tibi att hat auf Grund seiner Arbeiten im Wiener Herzl-Archiv das Vorhandensein von Herzl-Dokumenten festgestellt, die von Herzl während seines Pariser Aufenthaltes bei der „Academie des Sciences des L'Institut de France“ hinterlegt worden und deren Inhalt bisher unbekannt waren. Der Testamentsvollstrecker Theodor Herzls, Direktor Moritz Reichenfeld, veranlagte nun die Eröffnung dieser von Herzl hinterlegten Dolmmente. Wie uns Herr Direktor Reichenfeld mitteilt, fand die Eröffnung am Montag, den 13. Jänner, statt,. Nach den bisher Herrn Direktor Reichenfeld von seinem Vertrauensmann in Paris gemachten Mitteilungen handelt es sich um ein Herr Dr. Nussenblatt übermittelt uns die Abschrift eines Briefes, den Herzl (12. Februar 1896) nach dem Erscheinen des „Judenstaat“ an die jüdischnationale Ferialverbinditng „Gamala“ gerichtet hat. Der Brief läßt bereits erkennen, wie stark der Eindruck des „Judenstaat“ bei der jüdischen Jugend war. Der Brief lautet: 29. Februar 1896. An das Präsidium der „Gamala“! Für Ihren freundlichen Brief und die Einladung zum Diskussionsabend sage ich Ihnen herzlichen Dank. Wie sehr mich auch die Wahrnehmung freue, daß wenigstens unsere Jugend auf mich hört, werde ich doch nicht zur Diskussion hinkommen. Was ich vorläufig zu sagen hatte, habe ich in meiner Schrift gesagt. Darum gehe ich weder in Ihre noch in eine ändere Versammlung wo der , Judenstaat“ auf der Tagesr ordnung steht. Unsere Sache braucht Streiter, deren Kopfe nicht von Selbstgefälligkeit umnebelt sind. Daß Ihr Ziel auch das mdnige ist, habe ich Schauspiel, „Das G he tt o“, vermutlich die Urform des bekannten Herzl-Stückes „Das neue Ghetto“. Durch die Auffindung des Schauspiels „Das Ghetto“ ist wieder ein Beweis dafür geführt, daß die vielfach aufgestellten Behauptungen, daß Herzl erst durch die Dreyfus-Affäre auf die Judenfrage hingelenkt worden sei, unrichtig sind. Herzl hat sich, wie dies aus seinem Notizbuch das bisher nur in hebräischer Sprache veröffentlicht wurde, hervorgeht, schon seit seiner Jugend mit der Judenfrage befaßt. Dies beweisen auch seine Aufzeichnungen Uber Dühring und Chamberlain, und dies ergibt sich auch aus der nunmehr auf gefundenen Handschrift des „Ghetto“. schon gezeigt, und hoffe es auch weiterhin zeigen zu können. Licht muß es zunächst in den Köpfen werden. Wer von Ihnen, meine lieben Freunde, unserer hohen Sache ergeben ist, muß in seinem Kreise den modernen Zionsgedanken erklären. Das ist unser nächstes Ziel. Die älteren Leute wissen noch gar nicht, um was es sich handelt. Darum spotten sie. Mit dem Judenspott müssen wir ziierst ringen. Wir werden ihn niederringen. Man wird sich gewöhnen müssen, an den Ernst und die Zukunft unserer Sache zu glauben. Mit herzlichem Zionsgruß Ihr treuergebener Theodor Herzl. Schön möbliertes Gassenzimmer Mezzanin, eventuell mit Pension, Nähe Salztorbrücke, bei besserer jüdischer Familie per sofort zu vermieten. Gefällige Anfragen unter Telephon A 48-2-22. Die Überführung der Gebeine Th. Herzls Das Aktionskomitee hat bekanntlich beschlossen, daß die Überführung der Gebeine Theodor Herzls nach Palästina bis spätestens Kaf Tammus (dem Todestage Herzls) des heurigen Jahres durchzuführen. Das vom Aktionskomitee gewählte Komitee hüllt sich aber bis jetzt in Stillschweigen, was in den Kreisen der Herzl-Freunde ln der ganzen Welt Befremden und Unwillen hervorruft. Wie wir erfahren, ist der Zionistische Landesverband für Österreich ln dieser Angelegenheit bei der Exekutive vorstellig geworden und es wird alles unternommen werden, um spätestens bei der nächsten Aktionskomitee-Sitzung im Frühjahr die Details und den Termin der Überführung endgültig zu fixieren und der Ansicht des Wiener Herzl- Komitees zum Durchbruch zu verhelfen, daß Herzl gemäß seinem letzten Wunsche a m Karmel und allein zur ewigen Ruhe bestattet werden soll. Das Bahrtiudh für die Überführung Herzls Das Bahrtuch für die Überführung Herzls ist fertiggestellt. Es wurde von dem inzwischen verstorbenen Professor Oskar S t r n a d entworfen und erregt das Entzücken aller Kunstsachverständigen. Die hebräischen Schriftzeichen stammen von dem bekannten Künstler Arthur Weiß. Sobald der Termin der Überführung feststeht, wird das Bahrtuch zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt werden. Jede jüdische Frau wird die Möglichkeit haben, gegen Entrichtung einer Spende für den Keren Kajemeth an der Umsäumung des Bahrtuches mitzuarbeiten. Schon jetzt sind für diese Arbeit Deputationen von Frauen aus der österreichischen Provinz und aus den Nachbarstaaten beim Zionistischen Landesverband und der WIZO angekündigt. Nadi dem Erstellten des „ludenslaaf" De. BeehUacd ItfacUsleitt Zur ersten Wiederkehr seines Todestages (15. Jänner 1935). Von Studienrat Dr. M. 'Rosenfeld II. Wenn im bisherigen eine gewiß unzulängliche und nur flüchtige Skizze des literarischen Schaffens des Forschers Wachstein versucht wurde, so sei im folgenden der Versuch unternommen, auf die grandiosen Leistungen des Bibliotheksdirektors Wachstein zu verweisen, auf jenes vollgerüttelte Maß von Arbeit, das er in drei Jahrzehnten — einer von Krieg und materiellem und geistigem Niedergang gezeichneten Epoche — für die reichhaltige Bibliothek der Wiener jüdischen Gemeinde geleistethat. Anläßlich der Übersiedlung der Gemeindebibliothek aus der Seitenstettengasse in die Ferdinandsstraße publizierte Wachstein in der „österreichischen Wochenschrift“ einen Aufsatz: „Die Bibliothek der jüdischen Gemeinde in Wien“ (1906), im welchem er das Bethamidrasch als die Keimzelle der jüdischen öffentlichen Büchersammlungen bezeichnet. In der kurzen Geschichte dieser Bibliothek erwähnt Wachstein, daß das Anwachsen der jüdisch-natio. nalen Bewegung den Benutzer- und Leserkreis der Bibliothek bedeutend erweitert hat. Er erzählt, daß die Bibliothek ursprünglich der Religionsschule angegliedert, trotz der anfangs unglaublichen Dotation durch den Gemeindevorstand namentlich durch die Widmung der Nachlässe von Mannheimer, Leopold Breuer, L. Kompert, Gerson Wolf, Harnmerschlag, Baron Moses Waldegg und ändere eine bedeutende Bereicherung erfuhr. Der Aufsatz schließt mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Schaffung eines Katalogs auf bibliographisch-wirssensohaftlieher und bibliothekarisch-praktischer Grundlage, Wenn die in diesem Aufsatz erwähnte Schaffung von Katalogen und bibliothekarischen Hilfsmitteln das Arbeitsprogramm Wachsteins sein sollte, dann muß man anerkennend und dankbar feststeilen, daß er sein Programm restlos erfüllt hat. Die von Bibliotheksdirektor Dr. Wachstein angelegten und unter Beihilfe Saul Chajes, Dr. Ernst Müller und Dr. Ilona Löwy bearbeiteten Kataloge zerfallen zunächst in zwei Hauptkategorien : Gedruckte und publizierte und ferner Zettelkataloge, deren Drucklegung, so gigantisch das Werk auch wäre, für die Wissenschaft einen großen Gewinn darstellen würde. Derzeit genießen nur die Benutzer der Bibliothek ihren Segen. Die stattliche Anzahl von Inkunabeln, die die Bibliothek besitzt, ist teilweise im Katalog II der Salo Cohnschen Schenkungen (1914, Sammlung S. H. Halberstam-Bielitz) beschrieben. Der Katalog l der Schenkungen dieses letzten Mäzens des Wiener Judentums umfaßt den von ihm erworbenen Nachlaß des Rabbiners Naohiim Beer Friedmann aus Sadagora, erschienen 1911. Neben der Ausgestaltung des deutschen Zettelkataloges unternahm es Wachstein, den hebräischen Katalog, m dem der Literat S. G. Stern die ersten Vorarbeiten geleistet hatte, zu einem überaus nützlichen Werk auszubauen. Dieser Katalog, der außer den Hebrracis, die jiddischen und jüdisch-deutschen Bestände der Bibliothek umfaßt, gibt, den rieh t ig e n Titel eines jeden Buches, eine keineswegs wortarme Inhaltsangabe und daß Ergebnis eingehender Untersuchungen a/n. So zum Beispiel ob Plagiat unterschoben oder sonstwie im Inhalt von den Angaben des Titelblattes abweichend. Sein reiches Material ist in mehreren Spezialkatalogen ausgewortet, so i;m Schlagwortkatalog und vielen anderen, j Ein Katalog der bibliographischen Werke ist ein unschätzbares Hilfsmittel schöpferischer Gelehrtenarbelt. Der Autorenkatalog verzeichnet hinsichtlich der gesamten Bestände der Bibliothek die Verfasser, Herausgeber, Nebenautoren, Editoren und Vorredner nach streng bibliographischen Grundsätzen und auf Grund kritischer Untersuchungen. Alles irgendwie Charakteristische, sowie Bezugnahmen und oft auch Besprechungen Anden hier Berücksichtigung. Welche Arbeitssumme in den Sachkatalogen steckt, die ältere Realkataloge weiterführen, soll an einigen Beispielen gezeigt werden. So sind unter Bibel und Talmud die vorhandenen Ausgaben 1. nach Druckjahren geordnet; 2. nach den beigedruckten Kommentaren, und 3. nach Übersetzungen; letztere wieder nach Sprachen. Die Liturgie erscheint nach Riten geordnet, unter Anführung der Orte mit besonderem Ritus. Ein nach Druckorten geordneter Katalog gibt, zudem innerhalb eines jeden Druckortes die Aufstellung nach Erscheinungsjahren. Er enthält außerdem Drucker- und Setzernamen und Vermerke über Ausstattung und Illustrationen. Ein topographisch-bibliographischer Katalog gibt eine Übersicht über alle Orte, die in den Büchern besonders behandelt werden. Er stellt somit ein fast geschlossenes Quellenmaterial für. die Abfassung von Arbeiten über die Lokalgeschichte jüdischer Siedlungen dar. Er wird nach seiner Drucklegung ebenso wie der biographische und der i k o n q# graphische Katalog dem Historiker unentbehrlich sein. Im ikonographisohen Katalog sind allo Bücher verzeichnet, die Bildnisso und; Bildwerke (Bauten) enthalten; die Bildnisse nach Abgebildeten geordnet. Der internen bibliothekarischen Arbeit dienen die Standort- Kataloge, ohne welche zum Beispiel eine Revision undenkj bar wäre und einigo andere. Die überwiegend größere Zahl der Kataloge erfüllt neben ihrem wissenschaftlichen Werk den eminent praktischen Zweck, dem Leser die Benützung der Bibliothek zu erleichtern und ihm durch rasche Orientierung sehr viel Zeit zu ersparen. S6 die jedes zweite Jahr erschienenen Zuwachskataloge. Ganz besonders bei der in der hebräischen Literatur seit je eingelebten Eigentümlichkeit, Bücher nur unter dem Buchtitel m nennen und die Autoren zu vernachlässigen, sind derartige mit solcher Akribie bearbeitete Behelfe überaus nützlich. Außer den bereits genannten Arbeiten sind aue seiner bibliothekarischen Tätigkeit eine größere Anzahl bibliographischer Schriften Wacheteins herausgewachsen, die jede in ihrer Art originell sind und den geistigen Stempel ihres Autors an eich tragen, so die hochbedeutsame Bibliographie der Gedächtnis- und Trauervorträge in der hebräischen Literatur (4 Folgen 1922 bis 1932) u. a. Eine Reihe weiterer Arbeiten dieser Art ißt bis zur Druckreife gediehen. Ihre Herausgabe wäre eine der nächsten Aufgaben der Gemeindebibliothek. In einer Zeit, ln welcher wahrlich der Anwürfe nicht wenige sind, die von allen Seiten gegen unser Volk erhoben werden, erscheint es nicht überflüssig, darauf hinzuwoisen, daß das jüdische Volk verdiente Kulturforscher, Männer vom höchsten geistigen Format wie Wachstein sein eigen nennt. Nun ist er seit Jahresfrist nicht mehr. Vorzeitig ist seiner nimmermüden Hand die Feder entsunken. Doch die reichen und edlen Früchte seines ragenden Geistes, mit dem Wachstein, dieser bis zur Selbstvergessenheit emsige und treue Arbeiter, die Wissenschaft des Judent u m s beschenkt hat, mit dem er für die Wiener jüdische Gemeindebibliothek Unschätzbares und Unübertreffliches geleistet hat, sie sichern ihm einen unsterblichen Namen in der Geschichte unseres Volkes, ein verehmngsvolles und dankbares Andenken in der Wiener jüdischen Gemeinde,

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