Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 515 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 515. — 17. Jänner 1938 DIB STIMME Sefte 3 Schon Kinder sollen die Zähne mit ODOL-Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund Klein« Tu6« 6 -PO GroS« Tub« 8 1.40 jtapu' Se&schaft Jüdisches Kulturtheater. Mit dem Stück von Anton Slonims ki „Lopes* Erbschaf t“, ins Deutsche übertragen von Friedrich J ar osy und Maurice Hirschmann, konnte das Jüdische Kulturtheater einen zweiten großen Erfolg buchen. Es ist nicht leicht, auf der kleinen, primitiven Bühne alle Illusionen der Rampe zu wecken, um so größer das Verdienst, daß es gelang. Abgesehen von den Längen im zweiten und dritten Akt, die durch einige wohltuende Striche behoben werden können, folgt man mit Spannung und Vergnügen den Vorgängen „in Portugal“. Das Thema ist nicht neu. Der verlorene Sohn (hier Bruder) hat in Amerika große Beichtiimer erworben. Nicht auf die sauberste Art. Er wurde von den Geschwistern verleugnet und verfemt und stirbt ohne Nachkommen. Die Erbschaft bringt den einzig ihn überlebenden Bruder, Lopes Argote, einen Kunstmäcen, Schöngeist und sein Judentum verleugnenden Assimilanten, in die größte Verlegenheit. Erst will er auf den unsauberen Nachlaß verzichten, dann aber siegt die Habgier und er führt den Prozeß um das Vermögen. Vor sich und den Seinen rechtfertigt er sich damit, daß er große Stiftungen machen will und Wohltätigkeitsanstalten unterstützen. Die Kinder sind vernünftiger als er, sie wollen um ihr Geld kämpfen. Sie wissen genau, daß Geld Macht und gesellschaftliche Position schafft und nicht die Versnobtheit des Vaters. Wie nun diese Erbschaft verrinnt, noch ehe sie tatsächlich vorhanden ist, wie Argote zu Vernunft und Judentum zurückgeführt wird — das wird in drei amüsan- PENSION ECKSTEIN-Mir ten Akten erzählt. Manchmal wird die Komödie zur Grroteske, die einheitliche Linie erscheint nicht immer gewahrt — aber diese Fehler sind gering, wenn man die Vorzüge der flotten Aufführung bedenkt. Die Schauspieler sind durchwegs zu loben. Ganz besonderes Lob aber gebührt der Darstellerin von Tante Caroline, J ul a B ened elc. Eine Figur wird da vor uns lebendig, so voll Leben und Kraft, daß man sie nehmen und auf eine allererste Bühne verpflanzen möchte. Ein großes sprühendes Talent, ein Mensch, der sehen und hören kann, beobachten und nackempfinden. Wieso hat man diese Frau noch nirgends gesehen? Hier wächst eine Werbezirle heran. Harry Flatow hat als Lopes Argote eine schwere Aufgabe. Daß er nicht allzu sehr übertreibt und versucht, doch stets sympathisch zu bleiben, muß ihm hoch angerechnet werden. Joachim La atz zeigt viel karikaturistische Begabung. Sein Baron ist eine Meisterstudie eines degenerierten Bemis, hart an der Grenze des guten Geschmacks, und doch nie abstoßend. Die Gattin des Kunsthändlers und die beiden modern erzogenen Kinder waren bei Alice Koch, llerta Schick und Hanskarl Magn u s in besten Händen. Marcel L e rner soll nicht vergessen werden, er stellte diskret und mit wirklich gutem Geschmack den Commis Perlmann dar, der zum Schluß Raisonneur und Moralist der Komödie wird. Ein lustiges Stück, ein gutes, gut eingespieltes Ensemble — kein verlorener Abend der Jüdischen Kulturstelle! —ete— Noch warten Tausende auf das große Erlebnis: „DAS LAND DER VERHEISSUNG“ ein Palästina-Tonfilm der Fox Im Vorprogramm die Interessante Tonfllmreportage: „DER LUZERNER ZIONISTENKONGRESS“ NSchste Aufführung Sonntagf 26. Jänner 1936, %11 Uhr vormittags. Im IMPERIAL-KINO Wien, l„ Rotenturmstraße (Eingang Rothgasse) Vorverkaufsstellen: Jüdische Kulturstelle, Franz-Josefs-Kai 3, Tel.: R 28-2-36. Bücherstube Rath, Taborstraße 20a, Tel.: R45-303. Josef WeiB; Installateur, II., Rotensterngasse 22. Mathias Grünwald, Caf6 Commers, II., Hoilandstraße 8, Tel.: A 16-0-80. Adolf Lederer, Juwelier, IV., Schleifmtlblgasse 12 und an der KinokaSSO Landeskonferenz der jüdischen Frontkämpfer Polens Im großen Saal de« Warschauer Stadtrats wurde am 7. ds. die zweite Landeskonferenz de« Verbandes jüdischer Teilnehmer an den Kämpfen für Polens Unabhängigkeit im Beisein von Delegierten aus ganz Polen eröffnet. Der Verbandspräsident Leo B r e g m a n teilte mit, daß der Verband über 5000 Mitglieder in 65 Ortsgruppen zählt lind sich zur Aufgabe gestellt hat, die drei Millionen Juden in Polen Was macfwiSiejeden Mertd? „Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!4' —„Warum gerade mit Diana-Franzbranntwein?“ — Weil ich mich überzeugt habe, daß nur Massage mit Diana solche Schmerzen lindert, welche von Ueberanstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Eben darum kaufe ich nur clticl FRANZBRANNTWEIN mltMENTHOL enger mit dem polnischen Staate und dem polnischen Volke zu verbinden. Er protestierte scharf gegen die antisemitische Aktion der Nationaldemokraten, die die Juden, welche seit 1000 Jahren mit polnischer Kultur und Zivilisation verbunden sind, aus dem öffentlichen Leben Polens ausstoßen wollen. Der Vize-Kriegsminister General Gluc h o w s k i hielt eine Ansprache, in der er die Namen vieler Juden auf zählte, die ihr Leben dem Kampf um Polens Unabhängigkeit opferten; diese Helden mögen dem polnischen Judentum als Muster dienen, denn „der Kampf dauert fort und heischt weitere Opfer“. Es wurde eine Begrüßung des Generalinspektors der Armee, Ridiz Szmygli, verlesen, der der Konferenz Erfolg wünscht. Richter Maximilian Fr y d e begrüßte die Konferenz im Namen der jüdischen Organisationen und wandte sich gegen die ,,d u n k 1 e n Kräfte, die die Juden in ein mittelalterliches Ghetto stoßen wollen“. Der Redner forderte die Regierung auf, die Interessen der jüdisch-polnischen Bürger, die im Dritten Reich entgegen dem internationalen Recht unterdrückt und entrechtet werden, zu schützen. In der zweiten Sitzung kam es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den jüdisch-national und den assimilatorisch gesinnten Frontkämpfern. Eine Ansprache hielt der Chef des Militärrabbinats, Rabbiner Major Steinberg. Der Sejm-Präsident Oar begrüßte die Konferenz. Abhilfe bei Bruchleiden „ABSO“ -Bruchbänder mit drehbaren Schwammgummipelotien, elastischem Guitverschluß, ohne Schenkelbänder; für empfindliche Fälle: Bruchbandagen nach Dr. Barröre ohne Federn, ohne Pelotten. Alleinvertrieb: INSTITUT BSTANDIGv I.. Teinfaltstr. I, Ecke Freyung 5 Fachmännische Beratung bei Fußleiden kostenlos! Jüdssch-apahssche Verhandlungen? Luftpostbericht unseres B.-g. Korrespondenten Die Diskussion über die Gesetzgebende Ver-1 Sammlung hält in der arabischen Presse mit. unverminderter Stärke an. Wie „Al liwwa“ behauptet, bemüht sich die Regierung, durch ihre Beamten in den arabischen Führerkreisen zu sondieren, um sich ein Bild ihrer Haltung zu machen, ehe sie noch dem Hochkommissar ihre endgültige Antwort, übergeben werden. Angeblich soll d'ie Regierung einigen bedeutenden Führern der Extremisten Regierungsposten für den Fall ihrer Zustimmungzur Gesetzgebenden Versammlung versprochen haben. „El felestin“ weiß gleichfalls von jüdischarabischen Besprechungen zu berichten. Angeblich kam vor einigen Tagen der Führer einer arabischen Partei in Petaeh-Tikwah mit Herrn Shertok zusammen, um über gemeinsame Schritte zwecks Verhinderung der Gesetzgebenden Versammlung zu beraten. Die gleichen Verhandlungen würden, dem Blatt zufolge, auch in Jerusalem zwischen jüdischen Journalisten und Vertretern der arabischen Extremisten geführt. „In unseren Händen“ — schreibt „Felestin“ — „sind Nachrichten, daß Vollständig neu renoviert, modernst C'ß'^C’ Sfcc&uß ehemals Cafe Residenz, I. Franz-Josef-Kai 29-31, Ecke Morzinplatz Nr. 5 \\\\m\\\\\\\\\\\\\\m Preise Bridge-Saal o Schach-Zimmer o 4 Seifert-Billards o Klubräume o Asphaltierte Kegelbahn Kalte und warme Küche Erstklassige Weine Bier vom Faß Im Souterrain Klubraum mit Kegelbahn noch für einige Tage in der Woche zu vergeben Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß einzelne arabische Führer, die früher gegen die Versammlung waren, sich jetzt positiv zu ihr stellen, während andere ihre früher positive Stellung nun ins Gegenteil kehrten. Mit großer Vorsicht ist die Nachricht des gleichen Blattes aufzunehmen, wonach Doktor Weizmann vor einigen Tagen an einen bedeutenden arabischen Führor einen Brief gesendet habe, fordern er ihm ein Übereinkommen vor¬ CKÄßSTE I NIE IN WÜRDIGER FORM AUS 0 f N WERKSTATT EN WUIKAN & NEUBKUNN MI.RTNNWTG 110 * ST. MARX ' SEIT 1802 schlägt, das dahin geht, Zusammenstöße in der Gesetzgebenden Vorsammlung zu verhüten, wogegem diosoi aiabiseho Führer und seine Anhänger bei der Wahl unterstützt würden. die Juden — um den Einfluß der Jewish Agency zu erhalten — gemeinsam mit einem Teil der Araber gegen das Parlament kämpfen werden.“ Nach Meinung der Zeitung „Ad-diafa“ ist der neue Vorschlag schlechter als der von 1922, aber wenn die Araber ihn nicht annehmen, werde ein dritter kommen, der noch schlechter sein wird, als der gegenwärtige. Man müsse in die Versammlung gehen, um alle Möglichkeiten auszunützen, so die Ausschaltung der Jewish Agency, Erweiterung der Rechte der Gesetzgebenden Versammlung und I Erhöhung der Zahl der Abgeordneten und be- 1 sonders Verhinderung der Bodenkäufe durch Juden. (Wir bringen diese Nachrichten aus arabischer Quelle, denen mit größter Reserve zu begegnen ist. Der strikte ablehnende Standpunkt der Jowish Agency gegenüber dem Gesetzgebenden Rate ist inzwischen durch uie Zustimmung der gesamten Judenschaft Palästinas bekräfl igt und dem Oberkommisr'ir no- | tifiziert worden. — Red.) Neues W erter Konservatorium I., Bösanrfo ferstrafla 12 (Musikvereinsgebäude) II. Semester (Beginn 3. Februar) Unterricht in allen musikalischen Fächern von den ersten Anfängen bis zur letzten Ausbildung. Klavier, Violine, Gesang und alle Orchesietinstrumente. Oper Schauspiel Operette Tonfilm Jazz StaatsprUiungskurs Eigene Klnderabtellg. Neusräffnste Abteilung für Klavier, Violine und Theoiie in Floridsdorf tin der Hilfsschule Ecke Schloßhofer- und Schüpileuthnerstrai'e). Anmeldungen füglich in der Schulkanzlei I., Büsendorferstraße 12 (Tel. U 4C-4-37) Max Brod: Individuum - Volk - Rasse - Menschheit mm Illll mm. "t mm Max Brod, der sich in seinen letzten Romanen „Stefan Rott“ und „Die Frau, di<5 nicht enttäuscht“ mit wachsendem Nachdruck auf die Philosophie Platons stützt^ macht in seinem Vortrag „Individuum _ Volk — Rasse — Menschheit“, der Samstag, den 18. Jänner, um 149 Ulrf, abends, im Offenbachsaal, IV., Treitlstraßei Nr. 3 (neben Porrhaus), stattfindet, den Ver^ such, gegenüber den kollektivistischen Über*! betonungen der „Gemeinschaft“ die Bedeutung des Ich, des Individuums, wiederherzustellen. Eine scharfe, fundierte Ablehnung der nationalsozialistischen Rassentheorie, wie sie in Brods neuestem Buch „RassentheorieundJudent'um“ ihren wissenschaftlich wie literarisch gleich gewichtigen Ausdruck findet, verbindet der Autor mit dem unvoreingenommenen Blick des religiösen Menschen auf die aktuellen Fragen, insbesondere auf die heutige Situation des jüdischen Volkes und der zionistischen Bewegung. Dem Vortrag Brods wird großes Interesse entgegengebracht. Restliche Karten erhältlich: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, U 22-2-11; Jüdische Kunststelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, R 28-2-36; Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a, R 45-305; Bücherstube Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, B 25-6-75; Bücherstube Löwit, I., Wollzeile 6, R 21-4-25. Jugendliche erhalten eine beschränkte Anzahl ermäßigte Karten. Anmeldung im Landeskomitee. 353*659 Juden in Warschau Laut der letzten Volkszählung loben in Warschau 852.659 Juden; davon gaben 333.554 ihre Muttersprache als jiddisch, etwa 19.000 als polnisch an. Hilfsaktionen für die hungernden Juden Bessarahiens London, 15. Jänner (2. T. A.). In einer Sonderversammiung des Exekutivkomitees des Verbandes jüdischer Hilfsorganisationen in London wurde beschlossen, einen Fonds für die jüdischen Opfer der Hungersnot in Bessarabien zu schaffen. Ein erster Beitrag von 100.000 Lei soll für die Kinder der hungernden Familien gewährt werden, die jetzt aus den Hungergebieten zu den weniger betroffenen Städten Bessarabiens überführt werden. Es wurde auf der Konferenz festgestellfc, daß 50.000 Juden in Ressarabien brotlos seien. Die gegenwärtige Hungersnotkalastrophe isti d.c drille, die die Judenin Belara! um innerhalb der letzten zwölf Jahre betroffen hat.