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Die Stimme · 1936-01-17 · Heft 515 (17.1.1936) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 515 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 DIB STIMM! Nr. 515 — 17. Jänner 1936 Weltkongreß für den heurigen Sommer gefordert Die Zion. Bezirkssektion und WIZO Piater gratulieren Herrn Dawid Getbard Sekretär der Sektion, zu seiner Verlobung mit Fraulein Sabine Brauner aus Berlin und wünschen herzlichst 3113 ^,»3 ScUafatn AstU Aus Anlaß des Wiener Besuches von Schalem Asch veröffentlichen wir eine kurze Biographie des jüdischen Dichters. Asch wurde im Jahre 1880 in Kidno (Polen) als Sohn frommer Eltern geboren, lernte bis zum 17. Lebensjahr in Cheder und Beth-Hamidrasch und ernährte sich schon als ISjähriger als hebräischer Lehrer, Asch begann zuerst Hebräisch zu schreiben, ging aber dann auf Anraten von Pcrcz zum Jiddischen über. Seine ersten, in den hebräischen Zeitschriften „Hador,,Bader cch“,„Hazofer“ und „Haschiloah“ gedruckten Erzählungen erschienen in Buchform im Tuschia-Verlag. Auch seine erste dramatische Schöpfung, das Drama „Mit dem Strome“ („Jaza wvchasar“), erschien zuerst in der Zeitschrift „Haschiloah“ hebräisch. Einen Namen erwarb sich Asch durch sein idyllisches Poem in Prosa „Das Städtel“. In Westeuropa wurde er durch sein Drama „Gott der Rache“ bekannt, das 1907 in Berlin von Max Reinhardt mit großem Erfolg aufgeführt wurde und das erste ostjüdische Drama war, das auf westeuropäischen Bühnen gespielt wurde. Dann erschienen von ihm die Dramen „Messiaszeiten“, „Sabbatei Zivi“, „Amnon und Tamar“ (historische (Dramen) und die Einakter „Im Winter“, „Der Sündiger“ und „Der Jichus1911 erschien unter dem Eindruck einer unternommenen Reise nach Palästina eine Sammlung biblischer Erzählungen „ln Erez Israel“. Damals wollte Asch die Heilige Schrift in jiddischer Sprache übersetzt sehen. Er übersetzte zuerst das Buch „Ruth“. Dann entstanden u, Antiquariat G. Szelinskl &Co. Wien, 1. Bezirk, Schottengasse Nr. 9 bietet dem interessierten Leser reichste Auswahl in- und ausländischer Literatur. die Erzählungen „Amerika“, „Schlojme Nagid“ (Poema), „Geschichten aus der Bibel“, „Erde“, ferner das Poem „Die Zerstörung des Tempelsdie Romane „Meri“ und „Der Weg zu sich“ und die Dramen „Der Bund von Schwache“, „Jiftachs Tochter“, „Für unseren Glaubenln Amerika verfaßte Asch zwischen 1914 und 1921 die Romane „Onkel Moses“, „Modke, der Dieb“, „Die Mutter“, und die historischen Romane „Kiddusch haßchem“ (Aus der Zeit der Chmelnitzki- Pogrome), „Die Zauberin von Kastilien“ (Aus der Zeit der Judenverfolgungen durch Papst Paul IV.), sowie die Dramen „Perlenschnur“, „Wer ist der Vater“, „Der tote Mensch“ und „Marane“. (Aus der Epoche in Spanien.) Dann sind zu nennen einige historische Erzählungen aus dem Leben der Juden in Deutschland und im Elsaß, die Romane „Das Todesurteil“, „Chaim Lederers Rückkehr“, Das biblische Drama „Josefsspiel“ und das Drama „Kohlen“. Eines der bedeutendsten Werke des Dichters 'ist die große Romantrilogie „Petersburg — Warschau — Moskau“. Die Krönung seines bisherigen Schaffens ist ohne Zweifel sein neuester Roman „Der Trost des Volkes“, eine große und wunderbare Dichtung. Das Werk spielt in der Zeit nach dm Napoleonischen Kriegen und beginnt mit einer bezaubernden Schilderung der Kindheit des Helden „Jachiel“, der aus ärmlichen Verhältnissen durch seine reine und starke Menschlichkeit und die Tiefe seines unerschütterlichen Glaubens emporwächst zum religiösen Führer seiner Gemeinde, zu ebner Persönlichkeit, von der Trost, Glauben und Zuversicht auf sein Volk ausstrahlt. Asch zählt zu den anerkanntesten Vertretern der jüdischen Literatur. Charakteristisch für sein Schaffen ist die suptile Beobachtungsgabe, das starke Naturyefühl und die plastische Darstellungskunst. Seine Werke wurden in fast alle europäische Sprachen und selbstverständlich auch ins Hebräische übersetzt. Demnächst eYscheint im Druck sein neuestes Werk „Der Abgrund“. Die Exekutive nahm eine Entschließung an, wonach die Einberufung des Jüdischen Weltkongresses nicht, später a.le für Sommer 1936 tax erfolgen habe; der Kongreß solle ein Welttribunal schaffen, welches ermächtigt wäre, im Namen der Juden der ganzen Welt zu sprechen. Die Exekutive beschloß ferner, die Vertreter des amerikanischen Judentum« zum Jüdischen Weltkongreß aus allgemeinen jüdischen Wahlen, die überall in Amerika abgehalten werden sollen, hervorgehen zu lassen. Die Exekutive faßte weiters eine Resolution, in der gegen die Errichtung eines Legislative Council in Palästina protestiert wird. Schließlich forderte die Exekutive die amerikanische Regierung auf, gegen die Verfolgung der Juden durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland zu intervenieren. . Nach Palästina zu Pnrim I Billige Gesellschaftsreise I mit oder ohne Verpflegung, Auflfltlge im Lande, I nach Ägypton und Syiien unter bewährter Führung fl Madige Preise ab S 550.. H Nähere Auskünfte bei Dr. S. Toeker Im Reisebüro ■ „In die Welt“ (W. M. Kenner), Wien, IX., Liechten- H steinstraUe 2, Tot. A 14-;>04 B dem Muster der in Amerika schon bestehenden, schafft. Die jüdischen Ingenicurvcrhände in der Diaspora sind die Filialslellen. Der Arbeitsplan sieht zunächst folgende Aufgaben vor: 1. Überprüfung der zur Verwertung angebotenen Erfindungen und Neuheiten in technischer, kommerzieller und patentrechtlicher Beziehung. 2. Praktische Unterstützung des Erfinders. 3. Verwertung seiner Ideo in Palästina durch Herstellung einer Verbindung zwischen Erfinder und Kapital. 4. Verwertung palästinensischer und außcrpalästinensiseher Erfindungen in der Diaspora. 5. Anregung des jüdischen Erfindergeistes zur Befriedigung von technischen Bedürfnissen für den Aufbau Erez Israels. Iwmmammmmmmmmmmmmatmnm Die Zion. Bezirkssekton und WIZO Prater B betrauern den Verlust ihres Vorstandsmitgliedes B des Herrn B Abraham David Paporisch 1 und übermitteln der Witwe und allen Angehörigen B den Ausdruck ihres innigsten Beileids, B mnmmmmmsnmmmmmmmmsmnm Uberreidiung des GoldeBudu Diploms an Oberrabbiner Dr« Feudifwang Vergangenen Sonntag wurde Oberrabbiner Dr. F eucht w an g durch den Präsidenten der Kultusgemeinde, Staatsrat Doktor Friedman n, hm Beisein von Rabbiner Babad, Dr, Löiuenherz und der Delegierten der Landeskommission der KKL. Dr. Rothblum, Dr. Tartakower und Leo Schräge das Diplom seiner Eintragung ins Goldene Buch des KKL. überreicht. Staatsrat Dr. Friedmann hob in seiner Ansprache hervor, daß die Eintragung durch die Zionisten Österreichs erfolgt sei als Zeichen des Dankes dafür, daß der Oberrabbiner die zionistische Bewegung stets nach besten Kräften gefördert habe. Tief gerührt erwiderte der Oberrabbiner, daß ihn keine Ehrung anläßlich seines 70. Geburtstages so gefreut habe, wie die Eintragung bis Goldene Buch des Keren Kajemeth, weil er dieses Buch als Befer Hachajim, als das Büch ansehe, das dem Eingetragenen einen Dauerbestand im Gedächtnis des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes sichere. Heldengedenktalel der jüdischest Frontsoldaten im 9* Bezirk Die Bezirksgruppe IX.-Alsergrund des Bundes jüdischer Frontsoldaten Österreichs beabsichtigt, zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten des Wiener 9. Bezirkes im Mtillner- Tempol eine Gedenktafel zu errichten. Die Bezirksführung ersucht die Angehörigen, Kameraden und Freunde um Bekanntgabe der Namen, Geburts- und Todestag, Charge, Regiment, Auszeichnung sowie Begräbnisstätte aller gefallenen jüdischen Krieger, die im 9. Bezirk gewohnt haben. Diesbezügliche Mitteilungen sind schriftlich oder mündlich an die Bezirksorganisation IX. dos Bundes jüdischer Frontsoldaten, W}en, IX., Liechteneteimstraßo Nr. 121, oder persönlich jeden Mittwoch ab 20 Uhr an obige Adresse erbeten. Die Juden im Saargebiet Saarbrücken, 14. Jänner. (2. T. A.) Der Gauloiter des Saarlandes B ii r c k e I hart, auf der Abendkuiidgebung in der Wartburg a.m 13. Jänner einen Rechenschaftsbericht erstattet, wobei er erklärte, daß bis zum 1. März, dem Tage, an dem der einjährige Schutz der Rechte der Juden im Saargebiot erlischt, mehr als 95 Prozent aller Juden das Saargebiet verlasen haben worden. Die Juden, die inn Saargebiet noch verbleiben, würden nach den im ganzen Reich geltenden Gesetzen behandelt werden. Das Saarland würde nach dem 1. März das judenreinsto Land der Welt sein, auch wenn sich James MacDonald darüber noch so sehr aufregen würde. Jüdische Arbeitslosigkeit Von Dr. A. Sdimerler Aufrichtig mul hingebungsvoll wollen die Juden in Österreich ihre positive Einstellung zum ueugeordneten Staat nicht nur durch Bekenntnis, sondern durch mitaufbauende Tat bekunden. Aber die Schwierigkeiten, die in dieser Richtung sich entgegenstellen, sind schier unüberwindlich, so daß selbst bei aller Einsicht unsere Zuversicht gelähmt wird. Die schulentlassene Jugend erstrebt im Sinne der Umschiehtungstendenzen manuelle Berufe, aber sic findet nirgends Lehrstellen; die jüdischen Absolventen der Mittelschulen sehen mit offenen Augen die Ausschaltungserseheimingen der Jetztzeit und können nicht, angesichts ihrer Mittellosigkeit, nur des Titels wegen die akademische Laufbahn beschreiten; die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden leiden unter der katastrophalen Schrumpfung des zwischenstaatlichen Güteraustausches und der verheerenden Folgen der Ausfuhrverbote, der hohen Zölle, der Devisenbewirtschaftung usw. sowie unter der Überdimensionierung vieler Maßnahmen im Inlande und sind erwerbslos; die jüdischen Angestellten und Arbeiter führen infolge ihre Beschäftigungslosigkeit ein jämmerliches Dasein, denn die öffentlichen Arbeitsbeschaffungsaktionen (Elektrifizierung der Eisenbahnen, Straßenbau, Flußregulierung, Förderung der Erwerbslosensiedlungen, Einreihung in den Heeresdienst usw.), die einen Teil der Arbeitslosen der Arbeit zuführen und Linderung bringen, wirken sich unter den jüdischen Arbeitlosen nicht aus, dazu kommt noch, daß eie auch in der Privatwirtschaft als Stiefkinder des Schicksals behandelt werden, Ein Hinweis auf die trostlose Lage der Juden in den freien Berufen und auf die unverhältnismäßig kleine Zahl derselben im öffentlichen Dienste erschöpft noch lange nicht das triste Bild im wirtschaftlichen Leben, denn der graue Alltag im Kampfe ums Dasein ist grausamer als jede Norm. Und doch wollen wir noch immer glauben und hoffen, daß die jüdische Erwerbs- und Arbeitslosigkeit keine ständige, sondern eine vorübergehende Erscheinung ist und d'ie Frage, ob sie Struktur- oder konjunkturbedingt ist, außeracht und unbeantwortet lassen. * Auf der Suche nach Brot, zur Stillung des Hungers im Wege der Arbeit, ist eine Noraadü sierung im wirtschaftlichen Leben der jüdischen Menschen wahrzunehmen: Ingenieure der Technischen Hochschule, mit und ohne Praxis, bitten um Hilfsarbeiterstellen, RechtsanwaltB- Anwärter sind glücklich, eine Kontoristenstelle zugewiesen zu bekommen, weibliche Graduierte mit Doktortiteln nehmen Haushaltstellen an, Großkaufleute und abgebaute, führende Bankbeamte suchen Beschäftigung als Vertreter, langjährige Angestellte und qualifizierte Arbeiter wollen „jede Stelle als Geschäftsdiener, Mitfahrer, Hausbesorger, Inkassanten“ annehmen. Und was bleibt für die große Armee der sogenannten „ungelernten Arboiter“, für die jeder Staat Arboitsschlachton schlägt und sie der Arbeit zuführt, übrig? Diese Unterhöblimg mußte zu einer Deklassierung, Proletarisierung und Pauperisierung weiter und breiter jüdischer Schichten führen. Kein Wunder, daß diese aus der öffentlichen und privaten Wirtschaft ausgeschalteten Arbeitslosen, die zwischen Himmel und Erde, Hoffnung und Verzweiflung schweben, täglich zu Hunderten im jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis mit dem brennenden Wunsch erscheinen, von der tödlichen Umklammerung der Arbeitslosigkeit befreit und in den Arbeitsprozeß eingegliedert zu werden. * Alle Menschen der Erde setzen der Gemeinschaft der Not Taten der Selbsthilfe entgegen, aber die jüdische Gemeinschaft versagt. Jüdische -Solidarität in wirtschaftlichen Belangen ist heute in Österreich ein imaginärer und kein Wirklichkeitsbegriff. Einst setzte sie in der Not ein und wirkte wie ein Wunder, und heute bleibt sie aus und wirkt deshalb wie eine Wunde. Schwer ist dieser Vorwurf, aber noch schwerer die Zurückhaltung der Begründung desselben, denn diese kann weder in Wort noch in Schrift, sondern in Tränen angesichts der hungernden und zermürbten jüdischen Arbeitslosen erfolgen. * Jüdische Arbeitgeber, erfaßt den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffungsaktion zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und. fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmesse rgasse 4, Tel. U27-0-65, an ♦ SCHWERHÖRIGE. Große Erleichterung durch Hörtrommel mit Membrane nnd Dr. Ranke. Schallstärkend, nnsichtb. b. Tragen, ohrschütz. Vollkom. klar. Versteh, d. Gesproch. Paar S7.-. ST. P0T0XK, Wien, VI., Stiegeng. 15. Seit 80 J. Organisation der jüdischen Erfinderarbeit Der Verband der jüdischen Ingenieure und Techniker in Österreich hat in-seiner Vorstandssitzung beschlossen, die Organisation der jüdischen Erfinde-arbeit zu übernehmen. Die Gesichtspunkte sind: Der Export Erez Israels und seine Handelsbilanz könnten eine wesentliche Steigerung und Sicherung erlangen, wenn es gelingen würde, die Produkte jüdischer Erfiudungsarbeit zunächst der palästinensischen Industrie selbst zur Verfügung zu stellen und dann ms ihnen ein Exportgut — Patente, Linzenzen — zu schaffen. Die jüdische Gesamtsituation erfordert, daß jüdische geistige und erfinderische Arbeit künftig als solche gekennzeichnet wird. Die Durchführung der Organisation der jüdischen Erfinderarbeit soll in der Woiso erfolgen, daß der palästinensische Ingenieurverband oine Erfindungs-Verwortungsgesellschaft, otwa nach AUCH IM NIENER RATHAUSKELLER r\\S STOBERIPREISE Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbadh. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend : Stimmungssänger Hans Blasdiek und Violinvirtuose R. Ohlenschläger? Reservieret 14. März 1936 f

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