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Die Stimme · 1936-01-17 · Heft 515 (17.1.1936) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 515 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Preis die-er Kummer 20 g Max Brod spricht am 18. Jänner im OSSenbach-Saal, Treitlstraße Nr. 3, über Individuum, Volk und Menschheit JÜDISCHE ZEITUNG Gütertransporte und Ubersiedlunsen ULLMANN RINK & (0. Wien, Judenplatz 5, Tel. U 22-2-54 Frachtvertretung derPalestineShlppingCo. Ltd.D. „Tel Aviv" und der „Ätid Navigation Co." Nr. S15 | Wien, 17. Jänner 1936 | Radaktion und Administration: Wien, i„ Mare-Aurel-Straßa 5. Tal.: U 22-3-91 RedaktlonssehiuB Montag und Mittwoch vorm. | (22. Tebeth 5696) | 9. Jahrgang Das Attentat gegen das Mandat Sieben zu elf. In diesem Verhältnis, das für die jüdische lind die arabische Vertretung im Gesetzgebenden Rat festgesetzt werden soll, drückt sich Englands Stellung zu Palästina aus. England scheint anzunehmen, daß die Zusammensetzung der Bevölkerung auf der Basis 9:11 stabilisiert ist und daß sich die weitere politische Entwicklung im Rahmen dieser Relation vollziehen wird. Dieses Verhältnis wird in einem Zeitpunkt eingeführt, wo England inmitten der weltpolitischen Spannungen ringsum das Mittelmeer den Nahen Osten fester an sich binden und ihn der Konstruktion des Imperiums eingliedern will. Das kleine, aber militärpolitisch wichtige Gebiet soll durch eine parlamentsartige Körperschaft geleitet werden, deren nationale Teile ziffermäßig nahe genug' aneinander sind, um innere Arbeit zu leisten, aber fern genug, um sich nie gegen die Verwaltung zu einigen. Fragen, die mit Außenpolitik, das heißt mit dem Mandat Zusammenhängen, bleiben dem Rat entzogen. Das sieht wie eine Konzession an die Juden aus. In Wirklichkeit ist es . eine Konzession an die Araber. Denn während die Araber durch Irak, Saud-Arabien und Ägypten ihre Forderungen betreiben können, haben die Juden keine Stelle für ihre Fragen. Der Gesetzgebende Rat ist für sie bedeutungslos und wenn sie ihm fernbleiben, dann ist er es auch für die Welt außerhalb Palästinas. Es ist als Verneinung des Mandates gedacht. Die Abstinenz der Juden macht dies sichtbar und schafft auch für die Mandatskommission des Völkerbundes eine neue Situation. Denn sie kommt jetzt nicht um die Frage herum, wozu das Mandat erteilt wurde. Es hatte die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zum Ziel und diese Bestimmung wird durch die Institution eines Rates, der die Juden als Minderheit festhält, sabotiert. Der verstorbene Oberrabbiuer Doktor C h a j e s hat in der im Jahre 1927 erschienenen Sammelschrift: „Zehn Jahre Balfour-Deklaration“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er, der in San Remo zur Zeit des Beschlusses anwesend war, das folgende erklärt: „Der Satz ,Schaffung einer nationalen Heimstätto in Palästina4 läßt keine verschiedenartige Auslegung zu, sondern bedeutet zweifellos: Schaffung des jüdischen Staatswesens. Und so habon den Inhalt dio Vertreter aller Mächte verstanden, welche der Balfour-Deklaration ihre Zustimmung g e g e b o n h a b o n.“ In derselben Schrift ist ein Artikel des damaligen Außenministers und jetzigen Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Dr. Eduard B o n e § enthalten. Dieser Staatsmann, der mit der Sachlage vollkommen vertraut war, sagt dort: „Das Mandat ist zweifellos vielleicht noch nicht die vollkommene und ideale Verwirklichung der alten Erwartungen und Hoffnungen, aber es ist nichtsdestoweniger ein großer Schritt nach vorwärts. Es ist vielleicht zumindest die Schaffung der Grundlagen des künftigen Staates.“ Seit 1927 hat sich in Palästina viel geändert, aber nicht in der Richtung, daß dio jüdische Arbeit vermindert worden wäre. Leistung und Zahl sind gewachsen und da- Englands antisemitische Mandatspolitik Die heute vorliegenden Meldungen aus Jerusalem lassen erkennen, daß die Mandatsregierung daran festhält, eine Verstärkung der jüdischen Position mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Während sie einerseits durch den Plan des Gesetzgebenden Rates die Juden auf dem Niveau einer Minderheit fixieren will und so das Mandat aushöhlt, geht sie anderseits daran, die Einwanderung der Juden noch zu erschweren. Sie hat durch eine neue Verfügung die „Illegalen“ allen Schikanen der Bureaukratie und allen Denunziationen ausgeliefert und sie bereitet neue Ordonnanzen vor, die den Nachweis des Eigenbesitzes der sogenannten Kapitalistenklasse auf das doppelte erhöht und die Ausnützung des Zertifikats zeitlich begrenzt. Diese Anordnungen würden, wenn sie Gesetz werden, gerade die deutschen Juden in den besitzenden und arbeitenden Kategorien auf. das empfindlichste treffen. Sie müssen sich aber auch gegen die Juden Polens und Rumäniens katastrophal auswirken. Zweifellos stehen alle diese Pläne miteinander in Zusammenhang. Sie zeigen das Bestreben, sich den arabischen Forderungen gefügig zu erweisen. Die neue Asienpolitik Englands sieht das Recht der Juden in diesem Teil des vorderen Orients als leutnant Charles H. F. Cox, und dem Premierminister von Transjordanien, Ibrahim Pascha Haschern, ein ernster Konflikt wegen des Problems der Ansiedlung von Juden in Transjordanien ausgebrochen. Die arabischen Zeitungen erklären, die Transjordanier seien für dio Zulassung jüdischer Ansiedlung in Transjordanien, während der englische Vertreter sich dem energisch widersetze und erkläre, er brauche keino „neuen Kopfschmerzen44. Jerusalem, 14. Jänner. (Privat.) „Al liwwa44 glaubt Änderungen in der englischen Orientpolitik Vorhersagen zu können, die dahingehen, die Araber zu versöhnen, um von dieser Seite in diesem schwierigen Augenblick keino Schwierigkeiten zu haben. Eines der ersten Ergebnisse dieser neuen Ostpolitik soll eine Änderung im a n g 1 otransjordanischen Vertrag sein. Ein neu aufzunehmender Punkt wird aus- Handelsobjekt an, das je nach Bedarf auf den politischen Markt gebracht wird. Damit die Mohammedaner Indiens hübsch bei der Stange bleiben und sich gegen die obstinaten Hindus einsetzen lassen, bekommen die Araber Palästinas eine Gefälligkeit nach der anderen auf Kosten der Juden, von deren Arbeit Palästina lebt. Zugleich werden durch diese Dinge die Tendenzen der europäischen Nationalsozialisten aller Riten ermutigt. Geradezu grotesk muß die Gestaltung der transjordanischen Frage anmuten. Während die dortige Regierung ihr Land dem jüdischen Fleiß aufschließt und eine jüdische Einwanderung im wohlverstandenen Interesse der Wirtschaft wünscht, sperrt sich England gegen eine solche Lösung des Problerfls, die beiden Teilen, Juden und Arabern, zum Nutzen und der Mandatsregierung keineswegs zum Schaden gereichen würde. England will überall vollzogene Tatsachen schaffen und die Degradierung der Juden durchführen, um dann mit der pseudodemokratischen Einrichtung des Gesetzgebenden Rates seine eigene Stellung einzurichten: auf Kosten der von den diversen Antisemiten gequälten Juden! findet, und daß Boden verkauf an F r e m de unters a g t wird. Die Meldungbängt offensichtlich mit der Angelegenheit des Verkaufes des Bodens von Gur nimrin an Juden zusammen. — Die Abtrennung Transjordaniens ist, wio bekannt, von Herbert Samuel durch geführt worden. Ersdiwerung des* Einwanderung Washington, 14. Jänner. (2. T. A.) Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß die Pa 1 ä s t i na - R eigi e r u n g einschneidende Änderungen der Einwandcnings Vorschriften durchzuführeii beabsichtigt. Es soll der für die Einwanderungin der Kategorie A bisher als Eigenkapital geforderte Mindestbetrag von 1000 Pfund a u f 2000 P f u n d erhöht werden. Gleichzeitig wird die Erhöhung der von Touristen verlangten Kaution von 60 auf 80 Pfund erwogen. Außerdem wird erwartet, daß durch die neuen Vorschriften auch die Möglichkeit der Ausnutzung von Einwanderungszertifikaten zeitlich begrenzt werden wird; und zwar sollen Zertifikate von Einwohnern europäischer Länder drei Monate nach ihrer Ausgabe, Zertifikate für Amerikaner nach vier Monaten und solche für Bewohner , der fernöstlichen Länder nach fünf Monaten ihre Gültigkeit verlieren. Roosevelt für jüdische Massen« Siedlung in Palästina Washington, 14. Jänner. (2. T. A.) Präsident Roosevelt empfing am 12. Jänner im Weißen Haus den Ehrenpräsidenten de» American J-ewieh Congress und Vorsitzenden des Comite des Delegations Juives Dr. Stephen S. Wise zu einer längeren Unterredung. Nach dem Empfang erklärte Dr. Wise, Präsident Roosevelt habe seine „tiefe Sympathie“ für die Pläne der Überführung einer großen Zahl von Juden aus Deutschland nach Palästina zum Ausdruck gebracht. Der Präsident erörterte mit Dr. Wise auch den Plan der Einberufung einer .allgemeinen zionistischen Reichskonferenz der Verein i g t e n S t a a t e n am 1. Februar, bei der die aus Sir Herbert Samuel, Viscount Bearste d und Simon M arks bestehende englisch-jüdische Abordnung Vorschläge betreffend die Auswanderung lind Seßhaftmachung großer Massen von Juden aus Deutschland erstatten soll. Palästinensische Christen gegen den Council Jerusalem, 15. Jänner. In Jerusalem fanden zwei Versammlungen der Christen statt, die sich gegen den Gesetzgebenden Rat aussprachen. Die Einberufer der Versammlungen waren christliche Honoratioren, die der Partei des Mufti nahesteheil. Der bekannte Rechtsanwalt Moghranam, einer der Führer der Nashashibi-Partei, verließ die .Versammlung unter Protest. Der christlich - arabische „Felestin“ schreibt, daß die Katholiken nur den einen Wunsch hätten, daß England auch weiter die Rechte der Katholiken in Palästina, wie es dies zu tun bei Übernahme des Mandates versprach, schützte. England versprach damals, die Rechte aller Einwohner des Landes auf Grund des Status quo zu schützen. Nun wird aber der Status quo durch dio Errichtung einer Gesetzgebenden Versammlunggestört, da eine solche Versammlung, wenn sic ihren Namen zu Recht führt, dio Geschäfte der bisherigen Regierung übernimmt. Es wäre daher am Platz, daß neue Versicherungen abgegeben werden, an denen 300 Millionen Katholiken in der ganzen Welt interessiert sind. England gegen die Öffnung Transjordanaen§ Jerusalem, 14. Jänner. (2. T. A.) Arabidrücklieh erklären, daß die Balfour-Deklaraschen Pressemeldungen zufolge ist zwischen j tion auf Transjordanien keine Anwendung dem englischen Vertreter in Amman, Oberstmit auch die wirtschaftliche Bedeutung. Aber dio Entwicklung ist nicht zum Stillstand gekommen, sondern sie zeigt deutlich dio Tendenz nach oben. Der Gesetzgebende Rat hat, wenn er zustandekonunt, die Wirkung, dies zu unterbrechen. Und vielleicht ist dies der Zweck. Der entschlossene Widerstand des jüdischen Volkes, das unter Abwehr dieses Angriffes einig ist, wird das Attentat vereiteln. ‘STQfVfc' BESTE QUALITÄTEN ANTHRAZIT KOHLE KOKS BASCH IV., ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL SERIE U 47-5-40

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