Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 513 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 513 — 0. Jänner 1036 DIB «TIMME Sette 5 OER OtE STM« STAFA-KINO VII. VOTIVPARK-KINO IX. OPERN-KINO I, MSI Famillenatizelgeti In der „Stimme“ In der „Stimme“ wird von der nächsten Nummer an eine ständige Familienrubrik erscheinen. Wir bitten unsere Leser um direkte Mitteilungen über Eheschließungen, Geburten, Bar Mizwoth und Todesfälle. Die Veröffentlichung erfolgt völlig kostenlos. Wir machen unsere Leser aufmerksam, daß in dieser Rubrik nicht etwa Darstellungen von Festlichkeiten abgedruckt werden sollen, sondern nur die Namen der Beteiligten. Zur Erleichterung unserer Arbeit bitten wir daher, alle Einsendungen in ihrem Text auf deren Namen zu beschränken. Es genügt also etwa eine Postkarte folgenden Inhalts: „Eheschließung N. N. und X. X.“ und Absender mit Adresse. RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Opcrcr) U., faborstraße 12 Telephon R 46-6-57 ■liH«. Ausgiebige Bralen-Menüs S 1*60 l wJ „ * Geflügel- S 2-20 sowie ö 'a Carte, Speisen am Rost Fm Theatersaal täglich 8 Uhr abends Theater der Komiker. Max Brods Vorlesung in Wien Nach sehr langer Zeit wird das Wiener Publikum wieder Gelegenheit haben, den Dichter Max Brod am Varlesetisch zu begrüßen. Der noch immer jünglingshafte fünfzigjährige Prager Dichter und Kunstkritiker hat sich längst einen würdigen Platz in der ersten Reihe der europäischen Dichter gesichert. Man denkt hier vor allem an seine großen dichterischen Erfolge als Autor von „Tycho Brahes Weg zu Gott'*, an „Reubeni, Fürst der Juden“, an „Das Leben Heinrich Heines“, „Die Frau, nach der man sich sehnt“. Max Brod ist aber auch als Autor zionistischer Schriften und als überaus wirksamer Propagator der zionistischen Idee, der er seit seiner frühesten Jugend treuer Diener ist, bekannt. Dem Zionistischen Landesverband für Österreich ist es gelungen, Max Brod für eine Vorlesung in Wien zu gewinnen. Die Vorlesung findet am 18. Jänner 1936 im Offenbachsaal, IV., Treitlstraße 3, statt. Die Veranstalter sind überzeugt, den zahlreichen Anhängern und Freunden Max Brods eine willkommene Gelegenheit gegeben zu haben, mit dem Dichter nun auch persönlichen Kontakt zu gewinnen. Notizen aus Erez Israel In der nächsten Zeit kommen aoht Juden zur Ausmusterung aus der Offiziersschule der Polizei. Drei der neuen Offiziere kommen in den Süddistrikt Jaffa—Tel-Aviv, einer nach Nathanyah und drei nach dem Norden zur Dienstleistung. * Die Regierung gcab zwei Autobusgösellßchaften die Konzession für die Strecke Jaffa—Ghaza. Die Folge davon war die Verbilligung des Fah.rpreis'ds von 15 auf 5 Gurusch, was die arabische Zeitung „EI falestin“ veranlaßt, zu behaupten, die Regierung tue dies nur deswegen, um die Konzession, nachdem die beiden arabischen Gesellschaften infolge der unsinnigen Konkurrenz zusa-mmengebrochen sein würden, einer jüdischen Kooperative zu geben. * Soeben wurden die Zahlen, die den Außenhandel Palästinas im August 1935 betreffen, veröffentlicht. Der Import stieg von 1,239.000 im Monat zuvor auf 1,527.000 L’ay, •während der Export von 64.000 L’ay auf 50.000 fiel, das heißt, daß der Import um 23 Prozent stieg, während dio Ausfuhr um 7 Prozent Fiel, was eine schwere Belastung der Handelsbilanz des Landes darstellt. Hingegen stieg im gleichen Monat der Transitverkehr durch Palästina auf 52.800 Pfund, wovon mehr als die Hälfte nach dem Iräq ®ing. * Dio transjordanischo Zeitung „El ordun“ behauptet, daß 1500 Dunam der Landschaft Gür nimriu in zionistischen Besitz übergehen. Drei arabische Landagentem ans Jerusalem, Liftah und Räm-ullah hätten den Verkauf dor Böden an den Keren Kajemeth dorart vermittelt, daß der Besitztitel zuerst auf den Sohech eines großen transjordanischen Stammes, dann auf sie und schließlich ap, dis Zionisten überging. Gelegentlich einer Schlägerei beim Damaskustor in Jerusalem wurden einige Araber verhaftet. Einer der Verhafteten wurde als der Mörder eines vor dreizehn Jahren in der Altstadt ermordeten Juden erkannt. Der Täter wohnte seit vier Jahren, völlig unbehelligt, in Jerusalem. * Eine arabische Zeitung will erfahren haben, daß die Polizei von Tel-Aviv und von Jaffa zusammemgeleigt wird und daß die Teuerungszulagen der Tel-Aviver Polizeisoldaten gestrichen werden. * Drei Viertel der Straße von Ber sheva nach Aqabah (am Roten Meer) sind bereits Nachdem die deutsche Presse das Schreiben des zurückgetretenen Hochkommissars für die deutschem Flüchtlinge, James G. M a c D o n a 1 d, an den Völkerbund, in welchem ein Einschreiten der Mächte gegen die Unterdrückung und Austreibung der Juden seitens Nazi-Deutschlands gefordert wird, mit Schweigen übergangen hat, veröffentlicht eine Reihe von Zeitungen in Berlin und im Reiche am 3. Jänner einen Auszug aus dem MacDonald-Brief nebst einem vom Deutschen Nachrichten-Büro zu gekommenen Kommentar. In diesem Kommentar heißt es: „In Deutschland ist man der Auffassung, daß der Völkerbund zunächst einmal allen Anlaß hätte, sich darum zu kümmern, wie innerhalb der Völkerbundstaaten selbst die Minderheiten und Konfessionen behandelt werden, bevorer eine Aktivlegitimation für sich in Anspruch nehmen kann, eich , darum zu kümmern, wie Deutschland aus den materiellen und moralischen Erfahrungen seines Zusammenbruches heraus den inneren Aufbau seines Volkes vollzieht.“ Die einzelnen Zeitungen schlagen in ihren Kommentaren einen noch weit schärferen Ton an. Unter der Überschrift ,,Ein durchsichtiges Manöver“ ärgert sich der „Völkische Beobachter“ darüber, daß sich der Völkerbund mit den inneren Zuständen in Deutschland zu beschäftigen wagt, und schreibt: Wenn man schon in Genf angesichts der Mißerfolge des Völkerbundes glaubt, es nötig zu haben, wenigstens in Fällen, die nicht gefährlich erscheinen, den Menschheit6begl ücker zu spielen, Terrorverbände In Bulgarien aufgelöst Sofia, 6. Jänner. (2. T. A.) Der bulgarische Innenminister General S p o w veröffentlicht eine Mitteilung, daß die bulgarische Regierung die beiden nationalistischen Organisationen „Narodna Zaschtita“ (Heimwehr) und „Nationalistische Liga“ aufgelöst hat. Die beiden Organisationen waren bereits einmal aufgelöst, aber im Vorjahre abermals zugelassen worden. Sie haben von je neben ihren nationalistischen Zielen eine scharfe antisemitische Terrorpolitik getrieben. ln der Mitteilung des Innenministers wird auf die nazideutsche Orientierung der aufgelösten Bünde hingewiesen. fertiggestellt. Entlang dieser, besonders für strategische Zwecke sehr wichtigen Wüstenstraße werden Brunnen gegraben. * Die Regierung gibt soeben den Bericht des Departements für Gesundheitswesen für das Jahr 1934 heraus, dem folgende interessante Zahlen zu entnehmen sind: Von den Gesamtausgaben von 137.154 pal. Pounds erhielten die sanitären Institutionen der Juden 1195, überdies 3000 Pfund für das Krankenhaus im Emek. Es gab im Jahr 1934: 3 Pestfälle, 2009 Typhusfälle, davon in Haifa 296 Araber und 202 Juden, in Jaffa 176, respektive 56, und iin Tel-Aviv 142 Juden (gegen 121 iin Vorjahr). dann empfehle sich dafür doch ein anderes Objekt ale die deutsche Gesetzgebung zum Sohutze des deutschen Blutes. HelldorS beschlagnahmt Mendelssohn-Stiftung Berlin, 5. Jänner. (Z. T. A.) Auf Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten Graf H e 11 d o r f ist das Vermögen von 300.000 Mark einer wohltätigen jüdischen Stiftung, die im Jahre 1795 von Angehörigen der Familie Mendelssohn gegründet wurde, ohne Angabe des Grundes beschlagnahmt worden. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat bis zum Jahre 1933 der Stiftung als Mitglied angehört. Gestapo in Berliner Modehäusern Aus Berlin wird telegraphiert: Die Gestapo hat in den letzten Tagen bei verschiedenen großen jüdischen Modehäusern in Berlin Einsicht in die K unde nkonten genommen, um festzustellen, wer heute noch in jüdischen Häusern kauft. Ein Gesetz, das dieses Vorgehen auch nur im entferntesten rechtfertigt, gibt es auch heute noch nicht in Deutschland. Bei Müdigkeit, Gereiztheit, Angstgefühl, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Brustdruck regt das natürliche „Franz-Josef“- Bitterwasser sowohl die Darmtätigkeit, als auch den Blutkreislauf im Unterleibe nachhaltig an und wirkt sehr beruhigend auf die Wallungen. ,5Ärztlich bestens empfohlen.“ Ein griechisch-palästinensisches Transferabkommen Athen, 5. Jänner. (Z. T. A.) Im Aufträge der Anglo-Palestine Bank hat Dr. Alfred Werner Verhandlungen mit der Griechischen Nationalbank in Athen über den Abschluß eines griechisch-palästinensischen Transferabkommens aufgenommen. Mit Hilfe dieses Abkommens soll griechischen Juden, die sich in Palästina niederlassen wollen, die Mitnahme ihres Vermögens und den zionistischen Fonds die Überführung der in Griechenland gesammelten Felder ermöglicht werden. Gleichzeitig erwartet man von einem solchen Abkommen eine starke Hebung des griechischen Exports nach Palästina, dessen Wert in den beiden letzten Jahren 96.000, beziehungsweise 74.000 Pfund betrug. Wir haben den 12. 5696 unseren geliebten Vater resp. Großvater, Herrn DR. NATHAN BERGER zur ewigen Ruhe gebettet. JTDSWn Dr. Paul Berger Familie Grete Sternberg Der Verewigte war der zionistischen Idee voll ergeben. Wir ersuchen daher, alle seinem Andenken zugedachte Spenden an den Keren Kajemeth für den „Dr. Nathan Berger Garten“ abzuführen. Die deutsche Presse zu MacDonalds Brief Haupttrefferglück bei Schelhammeri Bei der am 2. d. M. stattgefundenen Ziehung der 1925er Bau lose entfiel dor Haupttreffer von S 8 0.0 0 0 auf das vom Bank- und Wechselhaus S e h e l h a rumor & S c h a 11 0 r a, Wien, I., Stephansplatz 11, seinerzeit verkaufte Los Serie 4965 Nr. 33. Ebenso wurde der zweite Haupttreffer von S 4 0.0 0 0 der Staatswohltätigkeitslotterie, deren Ziehung am 30. Dezember v. J. stattfand, mit einem Sc helhammerlos gewonnen. Tagung des Aktionskomitees des Makkabi-Weltverbandes Banska Bystrica, 3. Jänner. (Z. T. A.) Die oberste Instanz des Makkabi-Weltverbandes, das Aktionskomitee, wird laut neuester Entscheidung weder in Paris noch in Bratislava, wie ursprünglich geplant, sondern während der Winterspiele vom 18. bis 24. Februar 1936 in Banska Bystrica tagen. Die Sitzung des Aktionskomitees unter Vorsitz des Präsidenten des Makkabi- Weltverbandes Prof. Dr. Brodetsky, London, wird von Delegierten aus wenigstens 15 Staaten beschickt werden. Mendele-Feier. Anläßlich des 100. Geburtstages von Mendele Moc her Sforim veranstaltet der )iidische Kulturklub „Jawne“ am Sonntag, den 12. d., 7 TJhr abends, in der Toynbeehalle, XX., Denisgasse 33, eim Mendele-Feier. Festrede: Dr. L. F. Fink eist ein. Mitwirkend: Oberkantor W a h rmann, Kapellmeister K. F u c h s g elb, Izhar und M. Lustig. Regvebeitrag 50 Groschen. PENSION ECKSniN-Sennerini Arisch - deutscher Geschäfts* weiser Die Firma Funke und Loos, Linz a. D., schreibt uns: Sie schreiben in der Zeitung „Die Stimme“ vom Dienstag, den 17. Dezember 1935, Nr. 508, Jahrgang 9, auf Seite 2, unter dem. Titel „Deutscharisches Geschäftsbuch für Österreich“, daß dem Vorwort dieses Adreßbuches zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Funke & Loos, I., III., VII., XIV., XVI., XXI., Arbeitskleider, den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorwort nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnis enthaltene Firma Funke & Loos, I., III., VII., XIV., XVI., XXI., Arbeitskleider, den Bestich jüdischer Kunden nicht wünscht. * Die Firma Riedel und Beutel schreibt uns: In Ihrem Blatte Jahrgang 9 Nr. 508 vom 17. Dezember 1935 machen Sie Mitteilung, daß unsere Firma, welche im arischen Wegweiser aufscheint, auf jüdische Kunden keinen Wert zu legen scheint. Wir bitten Sie um die Feststellung, daß unsere Firma seit vielen Jahrzehnten in gleicher Weise bestrebt ist, den Wünschen Ihrer israelitischen und arischen Kundschaft gerecht zu werden. * Zu diesen Zuschriften ist wieder nur zu sagen, daß die Firma auf das Wichtigste nicht reagiert: auf die Frage, ob ihr Name mit ihrem Einverständnis in das „Deutscharische Geschäftsbuch“ aufgenommen worden ist. Einer, der dbrücht. Wir erhalten von Herrn Julius Curjel folgende Zuschrift: Unter Bezugnahme auf die in der Zeitschrift „Die neue Welt“ vom 17. Dezember 1935, Nr. 522, auf meine Person sich beziehenden Bemerkungen bitte ich von dem nachstehenden Schreiben gefälligst Gebrauch machen zu wollen, * Alle meine Bekannten und Freunde, die mich seit meiner Jugend kennen, wissen genau, daß ich weder im privaten noch itn geschäftlichen Verkehr oinen Unterschied zwischen Ariern und Nichtariern rnacho, noch gemacht habe, und es erübrigen sieh daher alle Schlüsse, die auf das Erscheinen der Annonce in dem „Deutsch-Arischen Adreßbuch“ für Österreich gezogen worden sind,