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Die Stimme · 1936-01-09 · Heft 513 (9.1.1936) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 513 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JTr. 518 9. Jänner 1938 Oll ITIMMI Seffd 3 Urtigan Verfärbungen aohOltl ODOL-ZahnpatU Ihre ZAhna. ODOL- Zahnpaata ralnlgt gründlich, OOOL- Zahnpaata macht Zlhna wie Parlant IS Tuba 8 —.00 Grofia Tuba S IAO Moses Mendelssohn Vor anderthalb Jahrhunderten ist Moses Mendelssohn in Berlin gestorben, jener Aufklär ungsphilosoph, der auf das Leben des Judentums biis tief in das 19. Jahrhundert hinein den stärksten Einfluß geübt hat, dessen Spuren heute noch merkbar sind. Es ist ein unheilvoller Einfluß gewesen, an dessen Tiefe es nichts ändert, da,ß Mendelssohn vom besten Willen beseelt war und der schändlichen Stellung der Juden in Deutschland damit entgegenwirken wollte, daß er sie der deutschen Bildung näherbringen wollte. Seine Tätigkeit war ■der erste Ansatz zu einer jüdischen Politik, die später in Gabriel Rietzer den stärksten Ausdruck des Assimilationswillens fand. Wie sie geendet hat, dais haben wir alle in den Jahren seit 1933 erlebt. Aber sie war schon lange vorher auf den schroffen Widerstand aller Deutschen gestoßen, und die Zeit Stoeckers brachte bereits alle Elemente des großen Sieges Hitlers, und mit nichts anderem konnte sich der N a t i o n a! s o ,z i ia 1 i e m u s durchsetzen als mit der suggestiven und bedenkenlosen Wiederholung der Thesen, die schon in den Tagen Mendelssohns die deutsche Seele beherrscht hatten. , Mendelssohn war im Jahre 1729 in Dessau ails Sohin eines jüdischen Lehrers geboren. Der kleine, durch eine Rückgratverkrümmung entstellte Junge ging mit vierzehn Jahren nach Berlin. Man schrieb das Jahr 1743, und der Knabe mußte den L e i b z o 11 zahlen, die deutsche Judensteuer, die allem Miauten eingehoben wurde, als Entgelt für königlichen Schutz. Er war dann Hauslehrer und später nomineller Teilhaber der Seidenfirma Bernhard, doch hat er niemals irgend ein kommerzielles Talent entwickelt. Er geriet in den Kreis Lessing,s und machte von da an alle Kämpfe ln der deutschen geistigen Atmosphäre mit. Seine Freude, als der verachtete, bespuckte Jude von dem großen Lessing als Freund aufgenommen zu werden, führte ihn in heftige literarische Fehden. Er verteidigte den Optimismus L e i b n i z’ gegen Voltaire und war der erste und energischeste Bahnbrecher der Kantschen Ideen, wobei vielfach zu wenig beachtet worden ist, daß Mendelssohn in dem von ihm geschaffenen Begriff des Empfindungsvermögens bereits die Kantsohe Urteilskraft vorweggenommen hatte. Er selbst hat dies vornehm verschwiegen. Der Dank Kants ist nicht ausigeblieben. Der E önigsibcrger Professor hat ihm später im Verlauf einer literarischen Auseinandersetzung schnöde verleugnet. Das immer wieder losbrechende antisemitische Geschrei veranlaßt« Lessing in seiner Schrift „Über religiöse Macht und Judentum“ die jüdische Religion als die den Forderungen der Aufklärung am meisten entsprechende zu erklären. Ihm trat außerordentlich scharf ein Zollverwalter namens H a mann — der Mann bat wirklich so geheißen — entgegen, der in einer Streitschrift „Golgatha und Scihebliivrini“ laut und vernehmlich das II e p p, Hopp anstimmto. Interessanterwoise hat er sich in diesem- Pamphlet vor allem hingegen gewendet, daß die Vernunft als das höchste | Prinzip gelten solle. Es führt ein direkter Weg von diesem Hamann zu Hitler... Als dann Leasing wegen seiner Vorliebe für Spinoza angegriffen wurde, trat Mendelssohn Ln der Broschüre „An dioFreunde Les singe“ ihm an die Soite, regte sich aber in der Diskussion derart auf, daß er kurz nach Erscheinen seiner Schrift, am 4. Jänner 1786 starb. In der deutschen Philosophie ist Mondolsisohai bald vergossen worden. Seine bedeutendste Leistung aber, die Übersetzung des Pentateuchs ins Deutsche, hat dem Judentum gegolten, und sie hat das Judentum m innere Krisen gestürzt. Die Entnationalisierung hat von dieser Übersetzung ihren Anfang genommen. Zwar hatte Mendelssohn der jüdischen Jugend, insbesondere des Ostens, eine neue Weilt aufgeschlossen, aber es erwies sich, daß diese neue Sonne zu stark brannte. Mit der deutschen Bildung kam auch der Abfall, die Sucht nach dem Fremden. Das im Ghetto vegetierende Judentum konnte seine nationalen Hoffnungen nur in Gebeten ausdrüoken; die hebräische Sprache war sein Vaterland. Der Berliner Philosoph — der die Übersetzung ursprünglich nur für seine Kinder herstellte — gab mit einem Schlag einer unvorbereiteten Masse ein Gebiet geistiger Tätigkeit, dem sie nicht gewachsen war. Sie ließ das Albe abseits und ging in die Assimilation. Sie hörte zugleich mit dieser Übersetzung aiuch Leasings „Die Juden“, „Nathan den Weise n“, las die Schriften Dohms, der „die bürgerliche Verbesserung der Juden“ forderte — und glaubte, daß das deutsche Volk nur aus Leasings und Dohms bestehe. So ist der Prozeß der Entfremdung und Entseelung des jüdischen Volkes emgeledtet worden, der sich binnen weniger Jahrzehnte fast bis zur Vernichtung des jüdischen Empfindens steigerte und erst Ende des 19. Jahrhunderts der Selbstbesinnung wich, als H e r z 1 im Lärm der Dreyfus-Affäre den „Judenstaat“ schrieb. Die jüdische Jugend hatte an ein Weltbürgertum geglaubt und suchte den Weg zu ihm in einer schrankenlosen Angleiohung, löste den Zusammenhang mit den ihr unverständlich gewordenen Worten ihres Volkes und rannte jeder neuen Lehre, jeder neuen Mode nach, wenn sie sich nur recht unjüdisch gab. Wie eine seelische Leiche ist es durch das Judentum gegangen, und an ihrem Anfang steht die Bibelübersetzung Mendelssohns, der nicht einmal seine Kinder festhailten konnte. Als er starb, war keines seiner Kinder mehr im Judentum. Wir sind heute unseres Volkstums sicher. Wir haben die Assimilation bitter gebüßt, aber sie doch, wenn auch nicht beseitigt, so doch eingeschränkt. Und so können wir heute auch unbefangener uns ziu Mendelssohn stellen, diesen reinen Tor, der für seine Hingabe an das deutsche Wesen als das Höchste von Friedrich II. zum privilegierten Schutzjuden ernannt wurde. Als ihn für seinen „P h ä d o n“, die damals meistgelesene Abhandlung von der Unsterblichkeit der Seele, die Berliner Akademie zum Mitglied wählte, strich Friedrich seinen Namen aus. Mendelssohn hat sich in seiner Zeit geirrt. Er glaubte an die deutsche Kultur. Aber ihr Ausdruck waren nicht Lessing und Dohm, sondern Kölbele, Michaelis, Hamann. Und heute ist Mendelssohns Urenkel wieder privilegierter Schutzjude von Hitlers Gnaden. Die katholischen Rechte in Palästina Wie berichtet, hat die „Reichspost“ vor kurzem einen Artikel über die Gefährdung der katholischen Rechte in Palästina veröffentlicht, in welchem auch erwähnt wurde, daß seit 1933 in Brüssel ein Komitee zur Verteidigung dieser Rechte bestehe, ln dem Artikel war gefordert worden, daß der Völkerbund in einer Erklärung die Sicherheit der katholischen Rechte verbürge. Es war darin auch von dem Aufruf eines Exekutionskomitees in Tel-Aviv die Rede, welcher sich unter Drohungen gegen die Veranstaltung eines katholischen Neujahrsfestes gewendet habe. Wir haben darauf hingewiesen,. daß die Rechte deT Christen im Mandatstext ausdrücklich gewahrt werden, und daß der angebliche Aufruf eine glatte Erfindung darstellt. Die Veröffentlichung der „Reichspost“ hat aber zur Folge gehabt, daß sich die englische Regierung mit der Sache befaßte und Erhebungen einleitete, die es als zumindest fraglich erscheinen lassen, < ein solches Komitee in Brüssel überhaupt besteht. Es handelt sieh bei diesem Aufsatz um den Versuch, England im Zusammenhang mit der Lage im Mittelmeer Schwierigkeiten zu bereiten. Wie der „Haarez“ in Tel-Aviv mitteilt, ist eine Anfrage der englischen Regierung an Wien bezüglich der Unterlagen der in der „Reichspost“ enthaltenen Beschwerden zu erwarten. Inzwischen aber wird in Wien die Aktion fortgesetzt. Aus christlichsozialen Kreisen wird die folgende Verlautbarung versendet: Die Lage der Katholiken in Palästina Die politische und wirtschaftliche Entwicklung Palästinas brachte es mit sich, daß die Stellung der Katholiken trotz einer gewissen Freiheit, die sie seit dem Aufhören der Türkenherrschaft besaßen, immer schwieriger wurde. Es ist begreiflich, daß sich alle katholischen Kreise für diese Fragen des Heiligen Landes sehr interessieren und daß besonders jene Katholiken, die schon einmal das Glück hatten, die heiligen Stätten besuchen zu dürfen, darüber etwas Näheres erfahren wollen. Deshalb veranstalten die drei Stellen, die bisher von Österreich aus Pilgerfahrten nach Palästina gemacht haben (Generalkommissariat des Heiligen Landes, Akademische Studien- und Pilgerfahrten, österreichisches Pilgerfahrtenkomitee), am Donnerstag, den 16. Jänner, Vil Uhr abends, im großen Sitzungssaal des Niederösterreichischen Landhauses, Wien, I., Herrengasse 13, eine Versammlung, bei der Kardinal-Erzbischof Dr. I n n i t z e r, Bundesminister a. D. Dr. Czermak und Prälat Fried über die „Lage der Katholiken in Palästina“ sprechen werden. Hiezu müssen wir neuerlich erklären, daß weder von Seite der Mandatsregierung, noch von Seite der Juden irgend etwas geschehen ist, was die Stellung der Katholiken „schwieriger“ gestaltet. Der Schutz der heiligen Stätten und der Rechte der christlichen Religionen ist im Mandat feierlich verbürgt, und wir nehmen aus guten Gründen an, daß England zu der Angelegenheit Stellung nehmen wird. SCHWEDEN-KINO Sonntag, 12. Jänner, vormittags 11 Uhr Sondervorstellung veranstaltet von der Leichtathletik-Sektion der „HAKOAH “ Das Land der Verheißung dazu die Tonfilmreportage Der Luzerner Zionistenkongreß Karten bei: Jüd. Kulturstelle, I., Franz-Josefs- Kai 3, Tel. R 28-2-36; Kartenbüro „Aida“, II., Taborstr. 3, Tel. A 48-5-51; Buchhandlung Mejstrik, I., Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53; Bücherstube M. Rath, II., Taborstr. 20a, Tel. R 45-305; Sekretariat der „Halcoah“, I., Wiesingerstr. 11 Tel. R 25-0-10 Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek bittet 'ihre Freunde, ihr bei der Erlangung der nachfolgend verzeiohneten Werke zu helfen. Die Bücher werden am besten direkt per Drucksache an die Adresse „Jüdische National- und Universitätsbibliothek, Jerusalem, Palästina“ gesandt. Doch können für die Bibliothek bestimmte Sendungen auch Prof. Dr. Edmund Jerusalem, Wien, XIX., Paradisgasse 20, abgegeben werden, der den Weitertransport nach Jerusalem besorgen wird. Grohmann-iAr nold: Denkmäler islamischer Baukunst aus dem 7. bis 18. Jahrhun-, dert; Glück H.: Die indischen Miniaturen des Haemzae-Romanes, Wien; Strzygowsk i- Glück: Die Miniaturen im Schlosse Schön-, brunn, Wien; Bossert H. Th.: Das Ormv denn jeder ist den Unbilden einer Verkühlung ausgesetzt, die von verhängnisvollen Folgen begleitet sein kann. Der beste Schutz gegen Verkühlung ist die Abhärtung und die Stählung des Körpers, die am besten erzielt wird durch ständigen Gebrauch von Sei gi<f)tif(f)eit Sef^merbett uitb £opffdjmetjen toirft Sogal rafdj unb fidjer. 5ßrei3 S 2.40. $Ijnen btefer betrag $ubiel, toentt 0te $Ijre ©djmterftett log toerbett Kinnen? @in SBerfud) überzeugt! Sogal betoäljrt fi$ immer. $n ollen Styotfjefcn erfyältltcfy FRANZBRANNTWEIN mii ment Hö't Die Frage der Saar-Juden vor dem Völkerbund Das C o m i t e d es Delegations J u i v e s hat an das Sekretariat des Völkerbundes und an die Mitglieder des Rates des Völkerbundes «in ausführliches Memorandum über die Lage der Juden im Saargebiet überreicht. Durch ein umfangreiches Material weist das Memorandum nach, daß Deutschland seinen Verpflichtungen hinsichtlich der Gleiohberchtigung und gleichen Behandlung aller Minoritäten, die es für das erste Übergangsjahr übernommen hat, nicht eimhält, und daß dauernd Repressalien, Boykottmaßnahmen und Verfolgungen der jüdischen Minorität im Saargebiieit am der Tagesordnung sind. Amerikanischer Minister studiert die Judenfrage in Deutschland Der Unterstaatssekretär (Vize-Außenminister) der Vereinigten Staaten von Amerika, Wedell Phillips, ist zu einem zweitägigen Besuch in Berlin eingetroffen. Der Besuch trägt keinen offiziellen Charakter, doch weiß man, daß sich Phillips für die Position amerikanischjüdischer Unternehmungen in Deutschland interessiert. Seitens der deutschen Regierung wurde, wie verdautet, Herrn Phillips versichert, daß amerikanisch-jüdisches Kapital und von amerikanisch-jüdischem Kapital kontrollierte Unternehmungen keinerlei Diskrimi-: nierung unterworfen sind. mentwerk. Eine Sammlung angewandter farbiger Ornamente und Dekorationen. Berlin, 1924; Schmutzler E.: Altorientalische Teppiche in Siebenbürgen. Leipzig, 1933; W o v r i n g e r W.: Sämtliche Schriften; S t. r z y g o w s k i J.: Baukunst der Armenier. Wien, 1908. — Altai- Iran und die Völkerwanderung. Leipzig, 1917. -- Orient oder Rom. Leipzig," 1901; Bauer- Strzygowski: Eine alexamlrinisehe Weltchronik. Wien, 1905; Strzygowski: Kleinasien im Neuland der Kunstgeschichte. Leipzig, 1903. — Koptische Kunst 1904; Berstl H.: Das Raumproblem in der altchristlichen Malerei. Bonn-Leipzig, 1920; Adler I.: Die Clouet. Versuch einer Stil-’ kritik. Wien, 1929. — Festschrift Heinrich Wölfflin. München; Bieber M.: Entwicklungsgeschichte der griechischen Tracht, von der vorgriechLsohen Zeit bis zur römischen Kaiserzeit. Berlin 1934; G e r s t i n g e r II.: Die griechische Buchmalerei. 2 Bände. Wien, 1928; Glück H.: Der Ursprung des römischen und abendländischen Wölbungsbaues. Wien, 1933; Martiny G.: Die Kulturrichtung in Mesopotamien. Berlin, 1932; B o s t o wtzew M.: Sythien und der Bosporus. Berlin, 1931; Herzfeld E.: Die vorgeschichtlichen Töpfereien. — Band V der Ausgrabungen von Samarra; Wachtsmuth F.: Raumschöpfungen in der Kunst Vorderasiens. Marburg 1929; Hassinger II.: Kunsthistorischer Atlas der Reichßhaupt- und Residenzstadt Wien und Verzeichnis der erhaltenswerten historischen und Naturdenkmale des Wiener Stadtbildes, Wien, 1916; Weitzmun n K.: Die armenische Buchmalerei. Verlag des archäologischen Institutes des Deutschen Reiches. 1933." Hofmeister, Hauslehrer für alle Mittelschulty.pen in.it Kenntnissen fremder Sprachen, vermittelt prompt und unentgeltlich der Jüdische Iloehsehiilac'sclmß, Wien, IX, Alserstraße 26, Tel. A 25-2-28, von 1 bis 5 Uhr, .

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