Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-12-31 · Heft 511 (31.12.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 511 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054267--5572-3061321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 6 Oll ITIMMI Nr. 511 — 31. Dezemberr 1985 Theater * Kunst * Literatur Für eine „Große Koalition 4 im TebAviver Stadtrat Tel-Aviv, 29. Dezember. (2. T. A.) Im Hause des Bürgermeisters D i z e ng o f f hat eine Besprechung der im Tel- Aviver Stadtrat vertretenen Parteien zwecks Schaffung einer aus sämliehen Gruppen bestehenden Großen Koalition stattgefunden. Die Arbeiter-Fraktion, die darauf hinweist, daß über 11.000 Stimmen, das sind 51 Prozent aller abgegebenen Stimmen, auf ihre Liste entfielen, daß ihr aber infolge der Ordnung bei der Verteilung der Reststimmen nur 6 von den 13 Mandaten zufielen, fordert eine auf deT Grundlage der gleichen Rechte und Pflichten aller Bürger, der aktiven Unterstützung der Autorität der zionistischen Institutionen und der Gleichberechtigung aller Gruppen bei der Leitung der Stadtangclegenheiten basierende K o a 1 ition. Bürgermeister Dizengoff ist gegen die Schaffung einer Koalition auf Grund eines gemeinsamen Programms, sondern tritt dafür ein, daß etwa entstehende Meinungsverschiedenheiten geschlichtet werden. Rabbiner Emit Cohn von der Gestapo verhaftet Berlin, 29. Dezember. (Z. T. A.) Der bekannte Berliner Rabbiner, Gelehrte und Dichter Dr. Emil Bernhar d-C o h n (Pseudonym Emil Bernhard) wurde vor einigen Tagen aus einer Versammlung in Berlin-Köpenick, wo er eine Ansprache hielt, heraus verhaftet und in das C o 1 u m b i a - H a u s zu Berlin überführt, wo er sich seitdem befindet. Ein Agent derGestapo, der der Versammlung in Köpenick beiwohnte, unterbrach Dr. Emil Cohn mitten in seiner Rede und erklärte ihn mit der Begründung, daß er „ironische“ Bemerkungen zu den Nürnberger Gesetzen, besonders zur Hausangestellten-Klausel, gemacht hat, für verhaftet. Die Versammlung wurde für aufgelöst erklärt. Dr. Emil Bernhard-Cohn ist einer der führenden Zionisten in Deutschland, er mußte 1907 wegen seiner zionistischen Überzeugung sein Rabbineramt in Berlin aufgeben und nach Bonn gehen, 1926 wurde er wiederum als Rabbiner nach Berlin berufen. Er ist ein erfolgreicher dramatischer Schriftsteller. Mehrere seiner Dramen wurden von ersten deutschen Bühnen mit Erfolg gegeben, sein „Brief d e s U r i a“ ist ein Repertoirestück des hebräischen Theaters Habimah. Er übersetzte den Divan von Jehuda Halevy ins Deutsche. Er ist 55 Jahre alt. In den Jüdischen Künstler spielen setzt Sevilla Pastor ihre Erfolgserie fort. Nach der geradezu unübertrefflichen Darstellung von Getzlß „Schlimasl“ erzielt sie diesmal in einer rein jüdischen, im ohassidiscben Milieu eines osteuropäischen Städtchens spielenden musikalischen Komödie „Tanzt, J i d a- 1 e c h, tanz t!“ womöglich noch stürmischeren BeifaLl und vollbesetzte Häuser. Echte jüdische Typen, Hochzeitsszenen im Robbens Hoif, jüdische und chassidische Gesangsmotive — was wollt ihr von „Tanzt, Jidalec-h, tanzt!“, das auch „Zweimal Hochzeit“ heißen könnte, mehr? Das Publikum will auch nicht mehr, ist restlos begeistert, und das ißt vielleicht nächst der wirklich einzigartigen Künstlerpersönlichkeit der Pastor das zweite zu einigem Nachdenken zwingende Moment dieses Gastspiels. Das Publikum steht Kopf, wenn die Pastor ihr heiles Organ erklingen läßt, wenn sie auf die Bühne tritt, ein Wort nur, und sei es das harmloseste, spricht. An der Kasse wieder steht das Publikum Schlange — welches Theater kann auf ähnliche Theaterfreudigkeit hinweisen?! Fast ebensoviel Menschen, die das Theaterchen faßt, gingen dieser Tage ohne Karten weg — und erst im Saale selbst, da gibt es einen Kontakt zwischen Bühne und Publikum, wie er wohl kaum in einem zweiten Wiener Theater festzustellen ist. Sevilla gibt wieder eine ihrer reizenden Jungenrollen. Gleich bezaubernd in der parodistischen Gestaltung als junger Rebbe im .Kaftan, als auch als bart- und schläfenlockenloser Junge — ein besonders hübscher Junge überdies, dem sie ihren feingeschnittenen Etonkopf leiht. Bezwingend ihr Humor, rührend ihr Schluchzen, entzückend ihr Singen und Sprechen. Sie wird diesmal in bemerkenswerter Weise durch das Ensemble unterstützt, das in der Wiedergabe solcher milieugebundener Stücke seine Vorzüge — saftiges und farbiges Volksspiel — zeigen kann. Recht gut diesmal Fräulein Erna Siegler, von derber, in einigen Szenen vielleicht etwas übertriebener Komik Frau Siegler und Herr Nachbar, von bemerkenswerter Stille Frau Ella Silber, von großer Spielfreudigkeit die kleine Silber, Frau Kussowsky weint echte Tränen und ist auch sonst jeder Zoll eine Rebbezin, M. Siegler gibt dem alten Rebbe Haltung, Sigal meistert wieder ausgezeichnet eine Episodenfigur, von grotesker. Komik M. Pastor. Es gab stürmischen Beifall. j* r. Oer Turm von Babel Jüdische« Oratorium von Anton Rubinstein Nach mehrjähriger Pause wurde dieses leider so selten gehörte Werk am Samstag im Großen Musikvereinssaale aufgeführt, und sagen wir gleich, in einer ganz prächtigen Wiedergabe. Dr. Kurt Pah len ist ein zielbewußter und energischer Leiter sowohl des jüdischen Gesangsvereines als auch des Orchesters des Bundes jüdischer Frontsoldaten. Man hörte die emsige, gewissenhafte, aber auch a.nfeuermle Probenarbeit heraus. Die analoge und somit einigende Stabführung beim Chor uncl Orchester ist der ganzen Aufführung sehr zugute gekommen. Dr. Pahlen hat einiges aus dem Werke gestrichen, gewiß nicht, zum Schaden der Gesamtwirkung. Von den Solisten sind besonders Prof. Max Klein (Aufseher), dessen sonore Stimme und vorbildliche Stimmkultur schon längst bekannt ist, und Ernst Urbach hervorzuheben. Dieser junge, vielversprechende Baritonist hat vor allem eine ganz ausgezeichnete Diktion. Trotzdem einige Stellen seiner Partie ihm zu tief liegen, sang or frei und mit tiefem Ausdruck. Über eine schöne, manchmal noch nicht, ganz ausgeglichene Tenorstimme verfügt Max Danemanis, der unter kluger Führung eines umsichtigen Gesangsmeisters gewiß Ersprießliches noch leisten wird. Weniger befriedigend war der Knabenchor, der über allzu wenig gute Stimmen verfügt. An der Orgel bekundete Siegmund L ö w e n herz seine unbestrittene Musikalität. Der Erfolg war sehr groß und dürfte Dr. Pahlen hoffentlich ermuntern, sein zielbewußtes, künstlerisches Streben und Wirken auch weiterhin jenen Werken zuzuwenden, die unseren Herzen nahe liegen und die man leider allzu selten zu hören bekommt. Jul. W o 1 f s o h n. Max Brods Vorlesung ln Wien Nach sehr langer Zeit wird das Wiener Publikum Gelegenheit haben, den Dichter Max Brod am Vorlesetisch wieder zu begrüßen. Max Brod, der noch immer jünglingshafte fünfzigjährige Prager Dichter und Kunstkritiker, hat sich längst einen würdigen Platz in der ersten Reihe der europäischen Dichter gesichert. Man denkt, hier vor allem an seine großen dichterischen Erfolge als Autor von ..Ticho Braches Weg zu Gott“, an „Reubenis, Fürst der Juden“, an „Das Leben Heinrich Heines“, „Die Frau, nach der man sich sehnt“ u. v. a. Max Brod ist aber auch als Autor zionistischer Schriften und überaus wirksamer Propagator der zionistischen Idee, der er seit seiner frühesten Jugend treuer Diener ist, bekannt. Dem Zionistischen Landesverband für Österreich ist es gelungen, Max Brod für eine Vorlesung in Wien zu gewinnen. Die Vorlesung findet am 18. Jänner 1936 statt. Die Veranstalter sind überzeugt, den zahlreichen Anhängern und Freunden Max Brods eine willkommene Gelegenheit gegeben zu haben, mit dem Dichter nun auch persönlichen Kontakt zu gewinnen. Ein posthumes Werk eines Frühvollendeten ist soeben erschienen: Leopold Thaler: „Weinlngers Weltanschauung“, mit einer Einleitung von Z. F. Fink eist ein. Ein Werk, das Weiningers Ideen vom jüdischen Standpunkt neuartig behandelt. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Lebenserinnerungen von Theodor Lessing• Der erste Band der gesammelten Schriften Theodor L e s s i n g s ist im Verlag Mercy & Sohn in Prag (in Kommission bei Dr. H. Glanz, Wien) erschienen. Dieses Buch umfaßt die Zeit von 1872 bis 1900 und gibt neben allen persönlichen Bekenntnissen eines nach Wahrheit ringenden Menschen ein Stück Zeitgeschichte, mit der allgemeinen Gültigkeit für das jüdische Schicksal und das jüdische Familienleben der damaligen Zeit: „Ich weiß, daß diese Erinnerungen nicht nur eigenpersöuliche, sondern auch allgemein gültige Bedeutung haben, denn es besteht das köstliche Wunder, daß, wer in den innersten Punkt des nur Persönlichen, des einmaligen Gewissens vordringt, damit auch das Allgemeine, das Ewiggii11ige erreicht.“ Theodor Lessing ist gestorben für viele. Der Mord an iihm ist zu deuten als ein Symbol Bilden Kampf des Ungeistes gegen den Geist und die Wahrheit. Die Wahrheit suchte er immer, das zeigt dieses Buch. „Für die Traumblendungen unserer Jugend tauschten . wir graues Wissen um graue Wirklichkeit. Für das Traumgold der Phantasie die harten Groschen der Erfahrung.“ Die philosophischen Werke Theodor Lessings folgen in späteren Bänden, ebenso die herrliche Naturtrilogie „Tiere, Blumen und Dämonen“. Aber in diesem ersten Buche erkennt man schon klar, daß die Philosophie Theodor Lessings kein totes Wissen, keine bloße Wissenschaft ist, sondern daß das, was er als Philosoph zu sagen hat, Blut bei ihm wurde und aus seinem Leben kam. Man muß das Leben eines schaffenden Menschen kennen, man muß das Milieu kennen, aus dem er kommt, nur dann versteht man seine Werke und dann erlernt auch der einfachste Mensch das „Erkenne dich selbst“. Jüdische Künstlerspiele, II., Praterstraße 34, Tel. R 45-4-94. Die Direktion der Jüdischen Künstlerspiele legt Wert auf die Feststellung, daß Frau Sevilla Pastor am 31. Dezember nur in den „Jüdischen Künstlerspiele n“ und nicht auch hei anderen Veranstaltungen auftritt. Die beliebte Künstlerin spielt bei der unter-der Devise „Literatur am Karmelitermarkt“ stattfindenden sensationellen SilvesterveranstaL tung zuerst die Titelrolle in der dreiaktigen Komödie „D u w i d 1“, hernach in der von Direktor J. Gold flies zusammengestohlenen und in Szene gesetzten Satire „C h a s s i d i m p r a w e n Silvester“ und wird schließlich! auch noch einige ihrer bekannten Lieder singen. Die Direktion hat für große Überraschungen gesorgt, so werden unter anderem auch Simon Fost-el, Sigal Rosenbach, Mundi Hausknecht und viele andere als Gäste auftreten. * Die bisherigen Vorstellungen von „Tanzt Jüdalech, tanzt“ waren ausverkauft. Die letzte Novität der Jüdischen Künstlerspiele hat einen,’ beispiellosen PublikumscrfoLgerrungen. Die nächsten Aufführungen dieser im cilias sidis oben Milieu _ spielenden musikalischen Komöde finden Mittwoch, den 1. Jänner 1936, Freitag, der* 3. Jänner, Samstag, den 4., Sonntag, den 5.-, und Montag, den 6. Jänner, statt. Mittwoch, den 1., nachmittags, geht bei ermäßigten Preisen „Dem Taten Sindel“ in Szene, Donnerstag* den 2. Jänner, abends, „Hochzeit im Asyl“. Da&oUz qUm SeUmuke Josef Kamen liest Man freute sich über das Wiedersehen mit Idealen. In der unvergeßlichen Aufführung der diesem Künstler. Man freute sich, feststellen zu können — und dieser Abend bot hiezu reichlich Gelegenheit —, daß eine unbändige Vitalität Kamen wieder zu jenen künstlerischen Höhen führt, die das junge Talent Josef Kamens schon vor Jahren andeutete. Welcher jüdische Theaterbesucher erinnert sich nicht an die herrlichen Theateraufführungen der alten „Wilnaer Truppe“ vor bald anderthalb Jahrzehnten in der Wiener Rolandbühne? Eine Elitetruppe von Künstlern führte uns in die Welt des neuen modernen jüdischen Kunsttheaters ein, offenbarte uns durch glanzvolle Aufführungen von bis dahin im Westen unbekannten Dichtern eine neue Welt voll inneren Reichtums, voller Mystik und innerer Glut. In einer kleinen Episodenrolle fiel uns da der junge Josef Kamen auf, dessen Talent schon damals die große Schauspielerklasse erkennen ließ. Ein Jahrzehnt war ins Land gezogen. Die alte Wilnaer Truppe zerstob indes in alle Windrichtungen. Eine neue Wilnaer Truppe kam nach Wien. Das war vor drei Jahren. Ihr Führer war niemand anderer als Josef Kamen. Aus dem Episodisten war längst ein ausgereifter Künstler geworden, von scharfer eigenartiger Gestaltungskraft und ganz besonderer Charakterisierungskunst, ein Vertreter und Verfechter einer eigenen Richtung im modernen jiddischen Kunsttheater, ein Schauspieler, erfüllt von köstlichen Komödie „Herschele Oetro poler“ von M. Lifschitz erlebten wir damals einen neuen Kamen. Diese Aufführung des jü dischen Till Eulenspiegels wird mit Kamen für immer verknüpft bleiben. In der Figur des Herscheie, des L e z, hat sich Kamen selbst ein Denkmal gesetzt. Hochfliegende Träume erfüllten dae Herz Josef Kamen« in jenen Tagen. Er wollte diese und jene literarische Aufgabe lösen. Allein ein tragisches Geschick, eine schwere Erkrankung warf den ausgezeichneten Schauspieler aus seiner Laufbahn. Und sohon drohte diese Heimsuchung die so verheißungsvolle Schauspielerkarriere Kamens jäh abzubrechen. Doch nun vollzog sich das Wunder. Mit bewundernswerter Kraft hat Josef Kamen nicht nur physisch, sondern auch psychisch diese furchtbare Krise seines Lebens überstanden und überwunden. Kamen hat den Weg zur Arbeit wiedergefunden, den Weg zu sich, zu seinem Künstlertum, das durch die überstandenen Leiden nicht nur nichts gelitten, sondern womöglich noch gewachsen ist. In welchem Maße zeigte sein jetziger Wiener Vorlesungsabend. „Theater ohne Schminke“ ist dio richtige Bezeichnung für seine Rezitationen. Denn Kamen ließt nicht wie der landläufige Rezitator. Dazu ist er ein zu vitaler Schauspieler. Das Vorlesepult wird zur Bühne. Jedes Wort zu einem plastischen Bilde. Jede Vorlesepiece zur gan« tortimaten MwtöeMm Idm luulibMriJgtti tarn fitetabgiittigi ob h die e c h u 1 a c h-Szene aus dem „D y b u k“ oder den ergreifend packenden, dramatischen Dialog zwischen dem Gabe und dem Rebbe aus Anskys „Tag und Nacht“ bringt. Dabei darf nicht vergessen werden, daß Josef Kamen hier Szenen vorführt, in denen ganz große Vorbilder in der Erinnerung auf steigen. Wer denkt da nicht an den Meschulach des alten Noe Nachbusch, an seine ergreifende Anklagerede gegen Sender Brinitzer, oder an den grandiosen Josef Bulow als Gabe, den seinerzeitigen Partner und Freund Josef Kamens, der heute zu den berühmtesten jüdischen Schauspielern Amerikas zählt Mit dramatischer Wucht gestaltet Kamen die Szene aus „Gott der Rache“ von Schalom Asch, da der Hold Jankel Schabschowitz seine Zwiesprache mit Gott hält. Am großartigsten wohl gelingt Kamen die „Ballade Herscheie Ostropolers mit dem Monde“ von I. Manger, einem sehr talentreichen jung-jiddischen Dichter. Hier erreicht Kamens ureigenste Gestaltungs¬ und Parodisierungskunst den künstlerischen Höhepunkt. Er ist der Lez gebüeben, voll listigen Charmes, Witzes und herzerquickenden Humors, der Lez wie er als „Herschele“ vor Jahren war. Kamen erwies sich, wie dieser Abend zeigte, als Interpret von Humoresken, von eindringlicher Wirkung, gleichgültig, ob er Ts choch o w s köstliche Skizze „Die Nacht vor der Gerichtsverhandlung“ oder T u n k e 1 e r oder Schalom Alejchem, oder schließlich dio reizenden Sachen von dem sehr begabten Moische Nadir brachte. Zum Schluß rezitierte Kamen ein Gedicht „T r i 11, tritt“ von einem im Programm namentlich nicht angeführten Verfasser. — Ob nicht Ka-1 jma Mlbsb dar Auto* tot?. „Tritt* tritt“ sriaaerii im Thema stark an Rudyard K y p 1 i n g s „Füße“, die Vision eines Soldaten, der während des Weltkrieges einen Marsch durch die Wüste mitmacht und nichts als „Füße“ vor sich sieht. „Tritt, tritt“ ist wuchtiger, auch' dramatischer und wird durch Kamens außerordentlichen Vortrag zu einer einzigen ergreifenden Anklage der menschlichen Kreatur gegen Krieg und Gewalt. Ein ganz ungewöhnlich tiefer Eindruck von aufwühlender Stärke. So zeigte dieser Abend Kamen als vielseitigen Gestalter des Wortes, das durch ihn Odem und Leben erhält. Er offenbarte neue Seiten seines reichen Könnens und Künstlertum«. Trotz seiner virtuosen Beherrschung aller tragischen und dramatischen Akzente, bleibt er ein Meister der Parodie, ist das Satirische, Humoristische, Spielerische, kurz dae, wenn man so sagen darf — „Lez“-Artige seine ureigenste Domäne, dio in ihm den unübertrefflichen Interpreten und Dolmetsch findet. Der Abend, der überdies die Bekanntschaft mit einer Reihe interessanter Talente der jungjüdischen Sehriftfitellorgoneration vermittelte, war mehr als ein großer persönlicher Erfolg Kamens. Der herzliche Beifall des vollbesetzten Hause8 brachte mehr als bloßen Dank für die Darbietungen des Künstlers zum Ausdruck. Josef Kamen hat in einer sehr verheißungsvollen Weise dort wieder angokniipft, wo er vor drei Jahren aufgehört hat. Wir aber haben au diesem Abend den Glauben an die Kraft des Geistes, der sich den Kürpor baut, an dio schöpferische menschlicho Kunst wieder gewonnen. Es war ein schöner, ein wortvoller Abend. Jßkob Rosenthal 53234848484823482353234848235353535353485348535323485348535348485323482348484848535353235323534848232353232323234848484853234853235353484853484848482348484853535348485348

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.