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Die Stimme · 1935-12-31 · Heft 511 (31.12.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 511 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Off STIMME S«!t# 5 JTf. ölf — 5f. Dezember 1985 ä Wie der Suezkanal englisch wurde Von M. y. Ben-Gavriel (Jerusalem) Neueröffnung! Am 22. Dezember wird in dem weltberühmten Thermalbad und Winterkurort mit prachtvollem Skigeländo HOFGASTEIN (Österreich) eine streng rituelle "lUO Pension unter Aufsicht der Wiener Adnss Jlsroel-Gemelnde (Schlffschul) Im Knrhotel „Alte Post“ eröffnet. — Wiener Küche, schöne Zimmer, Zentralheizung, Thermalbäder im Hause. FahrprelsermftBlgnng 1 Anfragen an Frann. Wolif, florgasteln „Alte Post". sehen Judentum drohenden Unterganges wenigstens teilweise zu beseitigen. Eine Lossagung von der „Haava.ra“ würde bedeuten, einen großen Teil jener wenigen Juden und ihres Besitzes dem Untergange preiszugeben, der sich in den letzten Jahren aus der deutschen Hölle gerettet hat. Professor Brodetsky verteidigt das Abkommen London, 29. Dezember. (Z. T. A.) Professor Selig Brodetsky, der Leiter des Politischen Departements der Zionistischen Exekutive, hielt vor dem Anglo-Palestine Club eine Ansprache, in der er den Transfer Deutschland-Palästina verteidigte. Er führte aus: Von der Haavarah profitieren allein die Juden, die mit dem zu ihrer Niederlassung in Palästina erforderlichen Minimum aus Deutschland entkommen. Deutschland erhält weder in Bargeld noch in Waren einen Gegenwert. Wenn ein Jude nicht sein kleines Vermögen aus Deutschland herausbekommt, ist er zur Verelendung verurteilt. Ohne den Transfer würde Palästina mit billigen deutschen Waren durch jüdische Einzelpersonen überschwemmt werden, die miteinander konkurrieren, um das zur Niederlassung in Palästina benötigte Geld zu realisieren, während für einen großen Teil importierter Waren Deutschland wahrscheinlich in bar bezahlt werden würde. Man darf den Transfer nicht mit einem „Handeln“ mit Deutschland verwechseln. Die durch den Transfer aus Deutschland ausgeführten Waren bedeuten einen definitiven Verlust für Deutschland in der Höhe ihres Wertes. Gewiß liegt auf deutscher Seite kein Altruismus vor. Deutschland zieht seinen Vorteil daraus in der Weise, daß der Anteil vieler Juden am deutschen Wirtschaftssystem liquidiert wird. Ich teile durchaus den Abscheu der Juden, etwas mit den Produkten deutscher Fabrikanten zu tun zu haben. Aber wenn deutsche Juden nach Palästina gehen, sind solche Importe eben unvermeidlich. Am 81. Oktober 1935 betrugen die der Haavarah in Berlin gezahlten Summen rund 30,000.000 Mark. Hievon waren 24,500.000 Mark in Palästina ausgezahlt worden, so daß noch rund 5,500.000 Mark zu bezahlen blieben. Man schätzt, daß bis jetzt rund 5000 Juden sich der Haavarah bedient haben, um nach Palästina einzu wandern. Es sei zwar unmöglich, gänzlich zu vermeiden, daß durch die Haavarah Geld aus Deutschland via Palästina in ein anderes Land verschoben werde, aber es ist als definitive Bedingung niedergelegt worden, daß die Haavarah nur Menschen zugute kommt, dio wirklich nach Palästina einwandern. Es wird alles getan, um eine Beeinträchtigung der Interessen palästinensischer Fabrikanten durch Einfuhr von Waren unter der Haavarah zu vermeiden; dio Federation of Jewish Manufacturers in Palestine hat immer Gelegenheit, die strengstmögliehe An w’e n d u n g dieses Grundsatzes zu sichern. So weit als möglich beschränkt sich die Haavarah auf große Waren und vermeidet kleine Artikel, die leicht in den Handel in Palästina eindringen könnten, zum Nachteil der solche Artikel erzeugenden Palästina-Industrien, sowie zum Nachteil der Moral des Jischuw. Es ist auch dafür gesorgt, daß Wettbewerb mit englischen Importen nach Palästina vermieden wird. Die Haavarah ist eine unsaubere Sache. Aber wir Juden sind gezwungen, sie zu berühren, damit schließlich Sauberkeit und Menschlichkeit herrschen. Das Reisebureau „In die Welt“, (Doktor S. Tockor), IX., Liechtonsteinstraße 2, Tel. A 14-504, veranstaltet am 2.,° 5. und 21. Jänner 1986 billigo Reisen nach Polen und Czernowitz. Diese Reisen erfreuen sigli fjtoeita großer Beliebtheit '' Die Bedeutung des Suezkanals in diesem Augenblick der italienisch-englischen Spannung läßt es interessant erscheinen, die Geschichte dieses künstlichen Seeweges, dessen Besitz, wie vorausgeschickt werden soll, England vor allem der Existenz Abessiniens — und drei Juden verdankt, zu rekapitulieren. Die Idee, das Rote Meer mit dem Mittelmeer zu verbinden, ist beinahe so alt wie die Geschichte der organisierten Seefahrt. Schon 1300 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung baute der Pharao Ramses II. einen Kanal; 500 vdgZ. ahmte Darius Hystas p e s dieses Beispiel nach und auch der Römer T r a j a n ließ das Festland an seiner schmälsten Stelle durchstechen, um den römischen Handelsschiffen einen Weg in die ersehnten Landschaften der arabischen Gewürze zu ermöglichen. Alle diese Kanäle verfielen aber wieder und versandeten, bis in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts der österreicherNegrelli dem damaligen Khediven Said Pascha den Vorschlag einer neuen Verbindung der beiden Meere machte. Die Idee wurde von ägyptischer Seite sofort aufgenommen und es gelang, französisches Kapital dafür zu interessieren. England, das die Gefährdung seines indischen Besitzes durch eine derartige Wasserstraße erkannte, suchte das Unternehmen zu verhindern. Sein Premier, Lord Palmerstone, ging sogar so weit, im Parlament wiederholt vor diesem „Schwindel- Unternehmen“ zu warnen. Der Nachfolger des Despoten Said, der zähe, energische, aber geradezu krankhaft verschwenderische Ismail Pascha betrieb das Unternehmen — das nun dem großen Ingenieur und ebenso großen Spekulanten Ferdinand v. Lesseps übergeben wurde (der später eine bedeutende Rolle im Panamaskandal spielte) — und fand dabei die Unterstützung Frankreichs und Österreichs. Der Bau wurde durchgeführt und die Eröffnung des Kanals fand in einem der größten und Täuschendsten Feste aller Weltgeschichte, das den Gläubigern Ismail Paschas Millionen kostete, ihren Abschluß. Ismail Pascha aber, der sich infolge seiner Verschwendungssucht in einer außerordentlich mißlichen finanziellen Lage befand, konnte des großen Werkes nicht recht froh werden, wiewohl er einen Großteil der Anteilscheine der Suezkanal-Gesellschaft sein eigen nannte. Das Unternehmen, das enorme Summen verschlungen hatte, schien anfänglich nicht allzu vielversprechend zu sein und schüttete in den ersten Jahren keine Dividende aus. Dazu kamen noch gewisse hochfliegende Pläne des Khediven, so insbesondere der Wunsch, den in Abessinien gelegenen Tsanasee in seinen Besitz zu bringen, der sein Wasser an den Blauen Nil, an die Lebensader Ägyptens also, abgibt. Alle diese Umstände drängten ihn zu dem Entschluß, seinen Besitz an Aktien der Suezkanal-Gesellschaft zu veräußern. Er trat zu diesem Zweck mit Frankreich in Verbindung. Seine Forderung für die 170.000 Aktien, die er zu verkaufen hatte, betrug vier Millionen Pfund. Diese Summe aber schien Frankreich zu hoch, so daß die Verhandlungen sich hinzuschleppen begannen. Da trafen sich eines Abends des Jahres;.875 der Bankier Oppenheim und der Chefredakteur der „Morning Post“, des Organs der Konservativen, in einem Londoner Restaurant. Der Bankier erzählte im Laufe des Gespräches dem Journalisten — ganz nebenbei nur — von der Angelegenheit. Der Zeitungsmann aber erkannte sofort die ungeheure Wichtigkeit der Angelegenheit und berichtete sie noch am gleichen Tag dem damaligen Ministerpräsidenten D i s r a e 1 i (Lord Beaconsfield), der in seiner ungeheuren politischen Kombinationsfäbigkeit den einzigen für das British Empire möglichen Schluß zog: England muß zur Wahrungseines indischen Besitzes verhindern, daß Frankreich oder irgend eine andere Macht den Kanal in seinen Besitz bringt. Nun stand aber Disraeli die notwendige Summe, die der Ankauf der Aktien erforderte, nicht zur Verfügung, während anderseits ohne Anrufung des Parlaments keine Anleihe aufeunehmen war. An eine solche Anrufung aber war nicht zu donken, vor allem, weil dadurch die Konkurrenz alarmiert worden wäre, anderseits aber, weil es mehr als fraglich gewesen wäre, ob das Haus seinen weitgrei- £enden Plänen beigestimmt hätte. Er ging daher zum Chef des Hauses Rothschild und bat um vier Millionen Pfund, wobei er aber darauf hin wies, daß er nicht imstande sei, irgend welche Sicherheiten zu geben. Ara gleichen Tag noch konnte er dem britischen Vertreter in Kairo telegraphieren, er möge dem Khediven mitteilen, daß Großbritannien das Aktienpaket gekauft hätte. Als die Sache bekannt wurde, erhob sich im Parlament ein Sturm, der aber Disraeli, der die Königin als Rückendeckung hatte, nicht wegfegen konnte. England erhöhte seinen Aktienbesitz dann auf 350.000 Stück, also auf die überwiegende Mehrheit der ausgegebenen Aktien. Die Regierung ihrer britischen Majestät, war mithin Besitzerin der vielleicht wichtigsten Seeverbindung der Welt geworden und das — übrigens unglücklich verlaufene — abessinische Abenteuer Ismail Paschas kostete Ägypten seine Unabhängigkeit. Wohl wurden die Rechte der Anteilscheinbesitzer im Statut der Gesellschaft, respektive im Vertrag mit Ägypten, mit dem Zeitraum von hundert Jahren begrenzt, das heißt, daß im Jahre 1968 England und die wenigen privaten Aktionäre alle Rechte und Einkünfte an die ägyptische Regierung abtreten müßten. Wiewohl aber bis dahin noch dreiunddreißig Jahre mit allen ihren Möglich- Inland ■onnnn Die jüdischen Rechtsanwälte Wiens an die Regierung Die Fertigstellung der Ernennungsliste zum Vorstand der Wiener Advokaten- Kammer steht in eklatantem Widerspruch mit der Zusammensetzung der Wiener Anwaltschaft. Trotz der großen Zahl der Juden im Advokatenstand wurden nur sehr wenige Juden auf die Ernennungsliste gesetzt. In der Hauptsache sind es die Mitglieder des dem Rassenprinzip huldigenden Verbandes deutsch-arischer Rechtsanwälte, die sich um die Ausschaltung der Juden aus der Leitung der Kammer bemühen und insbesondere die Absetzung des internationales Ansehen genießenden Präsidenten der Kammer, Doktor Kantor, der gleichzeitig Vizepräsident der Internationalen Advokat e n-U n i o n ist, betreiben. Die Vereinigungen jüdischer Advokaten in Wien haben im Hinblick auf diese Umstände die folgende Depesche an den Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, an den Justizminister und an den Generalsekretär der Vaterländischen Front gesandt: „Sicherem Vernehmen nach wurden mit wenigen Ausnahmen samt flehe bisherigen jüdischen Mitglieder des Ausschusses der Rechtsauwalt&kammer in Wien von der Wiederernennung in den Ausschuß ausgeschlossen, beziehungsweise wurden jüdische Rechtsanwälte in den Ausschuß als neue Mitglieder überhaupt nicht entsendet. Unter Berufung auf die Rechtsanwaltsordnung, Gesetz Nr. 300 vom Jahre 1934 und die Bundesverfassung vom Jahre 1934, Artikel 16 und 181, welche Diskrimi ni er ungen jüdischer Bundesbüger ausschließen, erbitten die Unterzeichneten Verbände vaterlandstreuer jüdischer Rechtsanwälte die Wiederernennung der um den Rechtsanwaltsstand hochverdienten bisherigen Ausschußmitglieder, beziehungsweise um Entsendung einer gleichen Anzahl neuer Mitglieder aus ihren Reihen. Sektion der Rechtsanwälte im Bunde jüdischer Frontsoldaten. Advokatenrunde Verein jüdischer Rechtsanwälte.“ Gegen die Jüdischen Arzte In der Rubrik „Der Leser hat das Wort“ bringt das „N e u i g k e i t s - W e 11 b 1 a 11“ eine Zuschrift „Christliche Ärzte für Wiener Spitäler!“, in der ee heißt: „Die überwiegende Mehrzahl der Wiener Einwohnerschaft verlangt heute nach dem bodenständigen christlichen Arzt, der sie auch gefühlsmäßig bis ins Innerste versteht. Mit Genugtuung ist es zu verzeichnen, daß mit dem Erstarken des vaterländischen Gedankens ein gesunder Instinkt die heimattreue Bevölkerung Auf dem Siegeszug um die Welt in Wien! LUSTIGE SCHEIDUNG mit Ginger Rogers und Fred Astaira SCHWEDEN-KINO ’/, 4, 7,6, 7,8, 7,10 am 31. Dez. 5, 7, 9 und um 11 Uhr keiten zu verrinnen haben, bemüht sich heute schon die Gesellschaft, also England, um eine Verlängerung des Vortrags um weitere fünfzig Jahre, wobei auf die gewaltigen Ausgaben hingewiesen wird, welche die Erweiterung und die Erhaltung des Kanals erforderten und noch erfordern. GROSSER EHRBAR - SAAL IV., Möhlgasse 30 (2 Haltest, mit Linie 63 von Oper) Mittwoch, 8. Jänner 1936, 8 Uhr abends ABSCHIEDSABEND UUüdO' wmmmmmmammmmmmmammmmmm Einziger Jiddischer Abend. Neues Programm: Asch, Chejn, Hasas, Lussin, Nadir, Opatoschu, Scholem Alejchem, Stahl. Karten v. S l.— bis 4.-— bei R. Lanyi, Kärntnerstr. 44, Jild. Kulturstelle, Kal 3, M. Ralh, Taborstr. 20a, K. Z. Gronner, Graben 28, G. Schmidt, Museumstr. 8 die christlichen Ärzte bevorzugen läßt, und auch von den Behörden Maßnahmen getroffen wurden, um ein weiteres Überwuchern volks fremd er Elemente in der Ärzteschaft, soweit sie öffentliche Funktionen besitzt, hintanzuhaiten. Als Überbleibsel hinter uns liegender Zeiten, in denen auf diese selbstverständliche und gerechte Forderung viel zu wenig geachtet wurde, ist noch immer eine überaus große Zahl jüdischer Ärzte in führender Stellung, weit mehr, als es dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung auch nur annähernd entsprechen würde. Eine Interpellationsbeantwortung des Bürgermeisters Schmitz in der Budgetsitzimg der Wiener Bürgerschaft hat vor kurzem ein grelles Licht auf diese Tatsache geworfen und sollte den zuständigen Behörden Veranlassung geben, mit Strenge auf die Durchführung eines ebenso gerechten wie notwendigen Ausgleiches hinzuwirken. Erworbene Rechte sollen niemand genommen, kein Primararzt davongejagt werden —i abor bei Neubesetzung wichtiger und verantwortungsvoller Posten muß der christlich-deutsche Nachwuchs zura Worte kommen. Die überwiegende Mehrzahl der Wiener Bevölkerung wünscht und fordert es!“ * Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung wünscht und fordert nur gute und humane Ärzte, ohne sich um ihre Nation oder Konfession zu kümmern. Dio Hetze wird nur von den Postenstürmern betrieben und kann Österreichs Ansehen nur schädigen. JÜDISCHES KULTURTHEATER I., Kai 3 — Tel. R 28-2-36 * Autorenabend iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii „G. Schofmann’s zeitloser Genius“ Einleitende Worte: Martin Rathsprecher Aus den Werken des Dichters liest Joachim Laatz Karten in tfer Jüdischen Kulturstelle, l„ Kai 3, Tel. R 28-2-36 Venizelos will Frieden mit den Juden Saloniki, 29. Dezember. (2. T. A.) Die Führer der Venizelos-Partei Sofoulis, Gotanas und Zannas veröffentliehen eine Erklärung, in der sie den Gerüchten entgegentreten, als ob sie sich bei der Regierung für die Wiedererrichtung des getrennten jii disehen Wahlsektors in Saloniki, dee von den Juden verpönten „Wahl-Ghettoe“, einsetzten; sie versichern, daß sie Frieden mit den Juden wünschen und diese nicht mehr augreifon werden. Die Regierung habe denn auch den früher.erwogenen Plan, den jüdischen Wahlsoktor wieder zu errichten, Men gelassen,

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