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Die Stimme · 1935-12-31 · Heft 511 (31.12.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 511 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Olt STIMM! Nr. 511 — 31. Dezemberr 1935 der V o 11 v n r 6 a, m m 1 u n g die Grw a. 1 t, e i e. h mit allen Dingen, die in der Sphäre des Völkerbundes liegen o d e r den Frieden der W e 11 bedrohen, zu befassen. Wenn die Bemühungen de« Völkerbundes, die Ach* fnng vor der Persönlichkeit, des Menschen wc-herzusteilen, auch nicht, auf ausdrücklichen Bestimmungen des Statut« oder in internationalen Verträgen basiert sind, so linden sie doch sicherlich eine Grundlage in den Tatsachen, daß die Beschütznng des Individuums gegen rassische und religiöse Intoleranz eine lebenswichtige Bedingung des internationalen Friedens und der Sicherheit ist.“ Wir wollen annehmen, daß der Völkerbund oder die Völkerb andstaaten eich zu einem Schritt in Berlin entschließen. Haben eie auch den Willen, auf einer positiven Antwort zu bestehen und die Durchführung etwa gegebener Zusagen zu k on tr o 11 ie ren? Denn sie stehen doch einem System gegenüber, das, wie MacDonald ausführt, den Juden gegenüber Meineid, Lügen, Fälschungen und Betrug anwendet Dieses System weicht immer zurück, wenn es einen festen Willen verspürt. Man hat dies im Juli 1934 in Österreich gesehen. Wenn nicht hinter der Intervention der Hinweis auf die Eventualität von Sanktionen steht, dann ist sie ver geblich. Besetzung der deutschen Grenzen, Einstellung de« Posturad Eisenbahnverkehrs, Absperrung der Häfen — davor hätten die Hitler und Goebbede Respekt, Aber auch darin liegt keine Lösung der Frage. Dae deutsche Volk ist antisemitisch und selbst Schichten, die eich früher ablehnend verhielten, sind durch die ununterbrochene Propaganda für das Henkerregime gewonnen worden. Die nächste Generation ist verseucht. Eine Hilfe kann nur schaffen werden, wenn der Völkerbund unter seiner Kontrolle die Auswanderung der Juden organisiert, die Verschleuderung oder Konfiskation ihres V ermögens verhindert und ein energisches Wort mit England spricht, um die Einwan derung nach Palästina freizugeben und das Ostjordanland zu öffnen. Die Geldmittel müssen vom Völkerbund gestellt werden als kleine Sühne für das Unrecht, das er durch seine Passivität an den deutschen Juden verübt hat. die ,.Arag“ eine arisch-rassische Gesellschaft ist, handelt es eich hier wohl um die Anwendung eine« arisch-nordischen Drehs, dessen Wirkung dadurch verstärkt werden soll, daß dieser Führer gratis algegeben wird. Die Zion. Sektion und Wizo Prater spricht ihrem Vorstandsmitglied, dem Obmann des Bethausvereines„Petach Tikwah“, Herrn Wolf Beizer, anläßlich des Ablebens seiner Gattin Sali das tiefste Beileid aus. Polen schützt nicht seine jüdischen Bürger in Deutsch• land : % Die Zionistische Bezirkssektion und; „Club Erez Israel” gratulieren ihren % Mitgliedern, den Gesinnungsgenossen | Heinrich und Rene Deutsch, % geb.Blau herzlichstzu ihrerVermählung 5 ^\v\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\vv,\\\\\v\vv\\\\\\vl Arisch*deutscher Geschäfts weiser Die Firma Josef Pfeningbergers Söhne sendet uns folgende Zuschrift unter Berufung auf § 23 des Preßgesetzes: „Sie schreiben in der Zeitung .Die Stimme' Nr. 508, vom 17. Dezember 1935, 9. Jahrgang, auf Seite 2, unter dem Titel ,Deutsch-arisches Adreßbuch für Österreich^ daß dem Vorworte dieses Adreßbuches zu entnehmen sei, daß die im Verzeichnisse enthaltene Firma ,Josef Pfeningbergers Söhne, Linoleum' den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß dem Vorworte nicht zu entnehmen ist, daß die im Verzeichnisse enthaltene Firma , Josef Pfeningbergers Söhne, Linoleum' den Besuch jüdischer Kunden nicht wünscht. Josef Pfeningbergers Söhne.“ «■ Wir bringen diese Entgegnung, obwohl sie den Bestimmungen des Preßgesetzes nicht entspricht, denn die Firma Pfeningbergers Söhne hat das „Deutsch-Arische Adreßbuch“ nicht herausgegeben. Sie war aber damit einverstanden, in dieses, die jüdische Geschäftswelt diskriminierende Adreßhuch aufgenommen zu werden, denn auf diese Tatsache weiß sie nichts zu entgeg- Es gibt auch einen „Christ• liehen Geschäftsweiser44 Irn „Neuigkeite-Weltblatt“ teilt ein Herr E. flubmayer mit, daß die „Arag“ einen „Christlichen Geschäfteweieer“ herausgibt, der „einwandfreie christliche Geschäftsleute verzeichnet, die auch bestimmt über jeden Ba Die polnische Gesandtschaftin Berlin informierte die Jüdische Telegraphen-Agentur, daß sie bei den deutschen Behörden hinsichtlich der schlechten Behandlung und Ausweisung von Juden polnischer Staatsangehörigkeit keinerlei Schritte unternommen hat und dazu auch keinen Anlaß sieht. Diese Erklärung erfolgte, nachdem in der Auslands- Presse Berichte erschienen waren, daß die polnische Regierung durch ihre Gesandtschaft in Berlin gegen die Anwendung der antijüdischen Nazi-Gesetze auf polnische Staatsbürger protestiert habe. Es wird zugegeben, daß die Diskriminierungen gegen polnische Juden Massencharakter annehmen, und erklärt, daß die polnischen diplomatischen Vertreter jede jüdische Beschwerde bei den deutschen Behörden einzeln zur Sprache )ringen; sie haben jedoch nicht die Absicht, der deutschen Regierung eine Protestnote zu unterbreiten. Auch habe die Gesandtschaft aus Warschau keinerlei Anweisungen erhalten, eine solche Note vorzulegen. Das Problem der polnischen Juden in Deutschland sei sehr kompliziert. Alle Ausweisungsorders gegen polnische Juden sind in den deutschen Gesetzen verankert, so daß eine Intervention seitens der Gesandtschaft nicht nicht möglich ist. Weiteren hunderten Juden polnischer Staatsbürgerschaft wurden in der letzten Woche durch die Behörden die Arbeitsbewilligungen entzogen. Nach dem 81. Dezember d. J. werden sie Deutschland verlassen oder ohne Arbeit im Lande bleiben müssen. Die für diese Woche angekündigte Konferenz polnischer Juden in Deutschland wurde infolge des Verbotes öffentlicher Versammlungen auf die zweite Jännerhälfte verschoben. rellen, Oberschlesien und Lodz erhalten ihre Instruktionen a u s W a r s c h a 11. Diese Instruktionen beziehen sich oft auf a ntisemitische Propaganda und 1 e i 1nahme an an ti j ii d i s ch e n Ausschreitungen. Besonders die L o d z c r Gruppe tut sich hierin sehr hervor. Die antisemitische Hetzpropaganda wird — wie aus einer solchen ..Instruktion“ hervorgebt — getarnt unter der Marke: „A b w e h r der Greuelpropaganda der Jude n.“ Die polnische Landesgruppe untersteht der AuslandsparteiorganLaticn in Hamburg. Die Balkanländer gegen den Numerus clausus Wie der „Nowy Dziennik“ mitteilt, fand kürzlich in Belgrad eine Konferenz der Hochsch ul Vertreter in Angelegenheit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter den Akademikern statt. An dieser Konferenz nahmen vier Balkanstaaten, und zwar Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Jugoslawien teil. Unter anderen wurden einhellig eine Resolution angenommen, wonach der „Numerus clausus“ keinesfalls zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter der beruflichen Intelligenz beiträgt. Besonderes Gewicht müsse auf die Qualität und die Tüchtigkeit der Hochschüler geleit werden. Interessant ist die Tatsache, daß auch die vier Professoren als Vertreter der rumänischen Universitäten für diese Resolution gestimmt haben. PENSION ECKSTEIN Alexander Petöfi an die Antisemiten D a s Bi ul ap e s t e r 1 i 11 e ra 1 - d en i o k r a t i s eh e Wochenblatt Dr. Zoltan Klars ..Tavsadalom“ veröffentlicht im Zusammenhang mit den a. n t i j ti d i s c h en P 1 a k a t, e n des christliehsozialen Parteiführern Karl W o 1 f f, der die christliche Bevölkerung zum Boykott der jüdischen Geschäfte in der Weihnachtszeit aufforderte, eine Stelle aus dem Tage.huche des ungarischen Freiheitshelden und Lyrikers Alexander Petöfi vom 20. März 1848 (also 5 Tage nach der berühmten Verlautbarung seine« Gedichtes „Talpra Magyar“), in der er im Namen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit dagegen protestiert, daß gewisse Kreise die Aufnahme von jüdischen Bürgern in die Nationalgarde verhindern wollen. Petöfi schrieb unter anderem: „Könnet ihr Gerechtigkeit für euch erwarten, wenn ihr ungerecht gegen andere seid? Und. warum verfolgt ihr die Juden, hier, bei uns? Fiel denn ein Tropfen eures Blutes, als das Vaterland erworben oder beschützt wurde? Ihr seid Hergelaufene, kaum einer ist unter euch, der nach weisen könnte, daß sein. Großvater hier gestorben, geschweige denn geboren sei... Einige W i n k e 1 Provokateure sind Apostel dieser zum Himmel schreienden Judenverfolgung geworden, und wer für die Gerechtigkeit seine Stimme erhebt, wird beschuldigt, von den Juden bestochen zu sein... Die Elenden! Sie können oder wollen es nicht glauben, daß es anständigere Menschen gibt als sie selbst, die nicht Sklaven schmutziger Selbstsucht, sondern die Freunde der reinen Wahrheit des Humanismus sind!“ und Jevish Agency zur Transferfrage Numerus clausus für Rindvieh Warschau, 29. Dezember. (2. T. A.) Der Warschauer Stadtrat hat einstimmig einen an ihn von antisemitischer Seite herangetragenen Vorschlag, ein Schächtverbot zu erlassen, abgelehnt. Dagegen hat der Stadtrat beschlossen, für die Verbilligung von Koscherfleisch, sowie dafür Sorge zu tragen, daß nur eine dem Bedarf der jüdischen Bevölkerung entsprechende Menge von Schlachtvieh geschachtet werde. Dieser Beschluß, der auf Grund eines Kompromisses der interessierten Kreise zustande gekommen ist, stellt immerhin eine schwere Beeinträchtigung des jüdischen Fleischhandels dar. Man erwartet, daß eine der Folgen des Beschlusses eine Preiserhöhung nicht rituell geschlachteten Fleisches sein werde. Hitler-Parteizentrale in Polen Wie die polnische Presse mitteilt, ißt in Warschau eine Zentrale der deutschen Nationalsozialisten tätig, die sich „Lan desgruppe Polen der NSDAP.“ nennt. Ihr unterstehen „Kreisgruppen“ und „Ortsgruppen“ in sehr vielen Städten Polens. Die Zentrale wird von einem gewissen Karl Birgam geleitet; ihm attachiert ist ein gewisser Rolf Gutmann, 21 Jahre alt, früher Studierender an der Berliner Universität, jetzt Hörer der juridischen Fakultät an der Warschauer Universität. Er ist gleichzeitig Vertreter der „Reichsjugendführung“. Die Zentrale gibt eine eigene Zeitschrift „Idee und Wille“ heraus, die in Lodz gedruckt und von Parteimitgliedern verbreitet wird. £21$ Iß Bmh tonn*4 trägt Die Exekutive der Jevish Agency in Jerusalem veröffentlicht über die „Haavara“, die Überführung des Vermögens der Juden Deutschlands nach Palästina eine Erklärung, in dev gesagt wird: Deutschland gehört zu den Ländern, in denen die Ausfuhr von Kapital verboten ist Juden, die aus Deutschland nach Palästina einwandern und einen Teil ihres Vermögens mit sich nehmen wol len, können dies nur dadurch tun, daß sie Waren aus Deutschland in dem Umfange exportieren, in dem mit Genehmigung der deutschen Regierung der Gegenwert für diese Waren nicht nach Deutschland zu fließen braucht, sondern dem Einwanderer in Palästina zur Verfügung ge stellt werden darf. Ein deutscher Jude oder eine zionistische Instanz, die Gelder aus Deutschland nach Palästina transferieren will, bezahlt In Deutschland in Reichsmark an den Exporteur der Ware ihren Gegenwert. Der Einwanderer, beziehungsweise die zionistische Instanz erhalten ihrerseits den Betrag in Palästina von dem palästinensischen Importeur in palästinensischer Währung. Der Wert der Ware fließt auf diese Weise nicht nach Deutschland — wie das beim normalen deutschen Export üblich ist —, sondern bleibt in Palästina in den Händen des jüdischen Einwanderers aus Deutschland oder der zionistischen Instanz, die den Betrag in Palästina erhält. Der Umfang der Tätigkeit der „Haavara“ beträgt heute jährlich 1 MillioD Pfund. Obwohl der Druck der Juden, die einen Ausweg aus Deutschland suchen, gewaltig ist kann die „Haavara“ den Umfang ihrer Tätigkeit nicht erweitern, weil die Aufnahmefähigkeit Palästinas für die Waren jedes einzelnen fremden Landes begrenzt ist. Die „Haavara“ kann daher nur für die dringendsten und wichtigsten Bedürfnisse der Einwanderung aus Deutschland und des Palästinaaufbaus benutzt werden, und hat ihre Tätigkeit heute ausschließlich auf die folgenden drei Grundsätze abgestellt: 1. Transferierung der bewilligten 1000 Pfund für Kapitalisten, die Einwanderungszertiflkate für Palästina erhalten. Die deutschen Behörden genehmigen heute die Mitnahme eines Kapitales dieser Art in bar außerhalb des Rahmens dor „Haavara“ durchschnittlich monatlich nur 20 Palästinawanderern. Die Zahl der für die Erteilung von Einwanderungs-Zertifikaten vorgemerkten Kapitalisten aus Deutschland bealle diese Auswanderung,skandidaten gezwungen sein, darauf zu warten, daß sie die Möglichkeit zur Mitnahme ihres Kapitals in bar außerhalb des Rahmen& de' „Haavara“ bekommen, dann würde sich die Einwande-: rung allein dieser heute bereits Vorgemerkten auf über sieben Jahro erstrecken. Nur durch das Bestehen der „Haavara“ ist die Möglichkeit gegeben, diese Kapitalisteneinwanderung etwas zu beschleunigen und den Zustrom des Kapitals nach Palästina und seine Investierung zu verstärken. Neben dieser Hilfe, die: die „Haavara“ der Einwanderung von Kapi-. talisten über die geringe Ziffer hinaus ge-< währt, die heute monatlich die Erlaubnis er-* halten, mit barem Geld Deutschland zu ver-* lassen, ermöglicht die „Haavara“ die Ein-i Wanderung von jungen Leuten und Chaluzim aus Deutschland. Ohne das mit Hilfe der Haavara“ aus Deutschland transferierte Kapital wäre es unmöglich, diese Menschen in Palästina anzusiedeln lind für sie Arbeit zu finden. 2. Transferierung der in Deutschland für die nationalen Fonds gesammelten Gelder und der Mittel, die in Deutschland für die zionistischen Kolonisa-; tionsinstanzen aufgebracht werden. 3. Zahlungen, die aus Deutschland zum Unterhalt in Palästina lebender deutscher Juden eingehen und die nur mittels der Haavara“ ihrer Bestimmung zugeführt werden können, zum Beispiel Pensionen für ehemalige Staats- und jüdische Gemeindobeamte, Schulgelder für in Palästina lebende Schüler, besondere Beträge für die Jugcnd-Alijah aus Deutschland usw. Weiter heißt es in der Erklärung: Das furchtbare Unglück, das die deutschen Juden betroffen hat, hat das jüdische Volk überall bis ins Innerste erschüttert und die nationale Solidarität des jüdischen Volkes in der ganzen Welt offenbart. Diese Solidarität muß nicht nur im gemeinsamen Kampfe des ganzen jüdischen Volkes gegen jedes System, das die Ehre des jüdischen Volkes mit Füßen tritt und ihm seine Menschenrechte raubt, seinen Ausdruck finden, sondern auch in der treuen Hilfe für die jüdischen Opfer eines Systems der Gewalt und Bedrückung. Die deutschen Zionisten und die Einwanderer aus Deutschland, die die „Haavara“ organisiert haben, haben dies nicht getan, weil sie sich der Not ihrer Brüder in Deutschland entziehen wollten, sondern im Gegenteil, weil sie nach einem praktischen Weg suchten, ipdjte ^ef&bt dem denk

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