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Die Stimme · 1935-12-31 · Heft 511 (31.12.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 511 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 511 — 31. Dezember 1935 DIE STIMME Sette 3 Die Proklamierung verschoben? „El Liwa“, das offizielle Organ der vom 'Jerusalemer Mufti geführten Partei, teilt mit, daß Sir Arthur Wauchope den Präsi denten der Jevish Agency, Dr. Chaim W e i z m a n n, für Samstag, den 28. De zember, zu sich geladen hat, um mit ihm die Angelegenheit des Legislative Council noch mals zu besprechen. In diesem Zusammenhang weiß „El Liwa“ zu melden, daß die Proklamierung des Legislative Council unbeschadet der bereits erfolgten offiziellen Ankündigung aller Wahrscheinlichkeit nach verschoben werden wird. Das Colonial Office in London, so meldet die Zeitung weiter, habe den High Commissioner in Jerusalem angewiesen, weitere Schritte in der Angelegenheit des Legislative Council solange nicht zu ergreifen, als nicht die Ergebnisse der einschlägigen Verhandlungen mit der Zionistischen Exekutive in London vorliegen. Lord W i 11 i n g d o n, der Vizekönig von Indien, übe — schreibt „El Liwa“ — auf das Colonial Office einen Druck aus, den Legislative Council in Palästina möglichst bald zu errichten, um das von der britischen Administration seinerzeit den indischen Muselmanen gegebene Versprechen, dem Wunsch der palästinensischen Araber nach einem Gesetzgebenden Rat nachzukommen, zu erfüllen. Das zweite offizielle Organ der Mufti Partei, „El Jamijah Al isiamijah“, ferner die palästinensisch-arabische Zeitung „A Difaa“ lind die ägyptische Zeitung „Mokkatam“ kritisieren scharf den Plan des Legislative Council, der ihrer Meinung nach die Wünsche der Araber in nur sehr geringem Maße erfüllt; sie fordern die arabischen Führer auf, sich mit ihrer Antwort an die Regierung nicht zu beeilen. Heute Silvester- Premiere II. Taborstraße 12 Tel. Nr. R 46557 DAS VOLLST. NEUE JÄNNER-PROGRAMM Die Zertifikate Jerusalem, 29. Dezember. (2. T. A.) Die Palästina-Regierung hat als Arbeiter- Einwanderungsschedule für das laufende Halbjahr 4350 Zertifikate bewilligt. Davon gehen die bereits vorschußweise ausgegebenen 1000 Zertifikate, sowie 1200 Zertifikate ab, die als Reserve für die Legalisierung des Aufenthaltes illegaler Einwanderer zurüokbehalten werden. 1900 Zertifikate sind für Angehörige in Palästina ansässiger Juden bestimmt. Zu diesem Communique wird miitgeteilt, daß von der Jewish Agency 11.000 Zertifikate angefordert worden sind. Nach den Schätzungen der Regierung beträgt die Gesamtzahl der jüdischen A rb e i t s 1 o s e n in Palästina zur Zeit rund 3500. Der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency Mosche Shertok besuchte den High Commissioner Sir Arthur Wauchope und stellte an ihn das Ersuchen, die Angelegenheit der sogenannten jüdischen illegalen Einwanderer in der Weise einfür allemal zu regeln, daß allen diesen Einwan derern A u f o nth a 1 t s z e r t i f i k a t e gegeben werden. „Felestin“ meldet aus Beirut, daß an der Grenze zwischen dem Libanon-Gebiet und Palästina acht aus Rußland gekommene Juden beim Versuch, ohne Pässe die Grenze nach Palästina zu überschreiten, verhaftet worden sind. Jevish Agency akzeptiert nicht die neue Scheduie Jerusalem, 29. Dezember. (2. T. A.) Die Jevish Agency hat bis jetzt ihr Einverständnis mit der für das Halbjahr Oktober 1935—März 1936 bewilligten Einwandercr-Schcdulo nicht erklärt. Die Exekutive wird wahrscheinlich sowohl gegen die geringe Höhe der Scheduie als auch gegen den ungerechtfertigten Abzug für illegale Einwanderer Einspruch erheben. Von den neu bewilligten '0150 Zertifikaten bleiben nach Abzug der 1200 Zertifikate für Illegale bloß noch 1 9 0 0 Zertifikate zur Verteilung übrig. LUX■ TON ■ PALAST, XVI., NEULERCtiENFElPERSTR. 43 Einmalige Aufführung am Sonntag, 5. Jänner 1936, V»12 Uhr vorm. Das Land der Verheißung Der gewaltige Pa I ä s t i n a - To n f i I m der o x Vorher die neue Tonfilmreportage DER ZIONISTENKONGRESS IN LUZERN Zwei Filme, die jeden Juden angehen. - Ansprache Di. Oskar Grünbaum, Präsident des Zion. Landesverbandes für Österreich Kartenvorverkaufsstellen: Cafe Baldiahof, XVI., Ottakringerstraße 102, Tel. A 21381 Falticzek, XVI., Brunnengasse 54 Stamm, XVII., Hern. Hauptstraße11 Wechsler,XVII., Hem. Hauptstr.119 CafeZeilerhof,Vll., Zieglergasse83, Telephon B 30586 Meisler, XVII., Traung. 4, B 45827 und an der Kinokasse, Tel. A 25512 Ai James MacDonald an den Volkerbund James MacDonald hat zum Abschied von seiner Funktion ale Völkerbundkommissär für Flüehtlingswesen eine Denkschrift verfaßt, die im größten Teil die Folterung der Juden in Deutschland darstellt. Es 'ist das erstemal, daß eine offizielle Persönlichkeit der inter nationalen Politik in solcher entschiedenen Weise Stellung nimmt und auf amtliche Urkunden Deutschlands selbst ge stützt, die Frage der Juden als ein politisches Problem behandelt, das nur von der Gesamtheit der Nationen gelöst werden kann. Die Schrift MacDonalds ist so deutlich, daß es dem Völkerbund schwer sein wird, die Taktik des Vorbeihörens fortzusetzen. Der scheidende Oberkommissär läßt die Diplomatie beiseite: „Mehr als eine halbe Millionen Menschen sind unter vorläufig stillschweigender Assistenz des Völkerbundes der Vernichtung preisgegeben, einzig und allein, weil sie nicht das sind, was die Nationalsozialisten „nordisch“ nennen. Zehntausende sind im Begriff, aus Deutschland zu fliehen, aber der Nationalsozialismus, der sie im Innern des Landes zum Tode verurteilt, läßt sie nicht einmal ziehe n.“ Hier wird die intellektuelle M i tchuld des Völkerbundes an den deutschen Greueln festgenagelt. Was diese stillschweigende Assistenz verschuldet hat, ist in keinem noch so dicken Band zu schildern, und ihr ist es zuzuschreiben, daß die Wildheit und Roheit nationalsozialistischer „Säuberung“ sich von Jahr zu Jahr gesteigert hat bis zu dem Katz- und Mausspiel, das Hitler die Voraussetzung für ein erträgliches Verhältnis nennt. Schon die Art, wie MacDonald zum Oberkommissär bestellt worden ist, hat den Einfluß des Dritten Reiches gezeigt. Für das Amt gab der Völkerbund Sympathien und herzliche Wünsche, aiber auf Verlangen Deutschlands kein Geld. Die Versorgung des neuen Amtes Ist ausschließlich aus Mitteln der privaten Wohltätigkeit geschehen, wobei sich die arisch-christliche Gesellschaft sehr zurückhaltend erwies. Fast nur Juden haben gegeben. Von jüdischer Seite ist stets hervorgehoben worden, daß es sieh um eine politische Frage handelt. Vergebens. Herr MacDonald zieht in seiner Denkschrift die Bilanz, daß rein philanthropische Maßnahmen nicht ausreichen. Er fordert dias Einschreiten des Völkerbundes. „Wenn die innere Politik eines Landes hunderttausend« Menschen schuldlos entrechtet und eine Barbarei aufrichtet, dann hat sie au f g e h ö r t, eine interne Politik des betreffenden Landes zu sein. Die Schande der Judenverfolgung in Deutschland bedroht den Weltfrieden.“ Was ist adßo zu tun? Der Völkerbund hat die bulgarischen Flüchtlinge angesiiedolt, den Austausch der griechisch-türkischen Bevölkerung durcligeführt, und er befaßt sich amtlich, offiziell mit der Frage der Umsiedlung der Assyrer. „Die Schaffung des Mac- ~ Donald-Amtes hatte den Zweck, die Hilfs- Ernte, shul bereits eingelahgt. Erhältlich bei | aribelten der Staaten fllr dl° l lüchtllll«e S. Holpern, OL, FöntHgawa 0, Tal. A46-4-18.1 durch eilte Oi^aniaatloin au leisten, die unter der direkten Kontrolle des Völkerbundes steht. Jetzt ist es klar, daß die Wirkung dieser Bemühungen des Hochkommissars geschwächt wurde, und zwar von allem Anfang an durch das Kompromiß, das man bei der Schaffung des Amtes machte, indem inan es endgültig vom Völkerbund trennte, um das Veto Deutschlands zu verhindern, das damals noch Mitglied des Völkerbundeswa r.“ Wird dieses Versäumnis jetzt gutgemacht werden? Das Macdonald-Amt wird aufgelöst und soll in einer noch zu bestimmenden Weise mit der Nansens eben Staatenlosenhilfe vereinigt werden, sobald die Frage der materiellen Bedeckung gelöst sein wird. Die Sache liegt also noch ganz im Dunkel, und es ist einstweilen nur das eine feststehend, daß zwei Jahre nutzlos vergeudet worden sind. Der Oberkommissär geht auf die p oldtische Linie zurück, die niemals Billige Reisen nach POLEN ICZERNIIÖITZ Abfahrt 5., 21. Jänner 1936. Rückfahrt 5. Jänner, 12. Februar 1936 mit D-Zug in geheizten Pullmannwagen unter bewährter Führung. (yFrancopol*S III. Rennweg I, Tel. U 16-4-90 hätte verlassen werden dürfen und die bereits vorgezeichnet war. „Die Völkerbundversammlung hat im Jahre 1922 die Verpflichtung aller Staaten zur Einhaltung der Miinderheitreohte hervorgehoben und die Versammlung von 1933 hatte gegen die einzige Stimme Deutschlands noch hinzugefügt, claß die Minderheitenreohte ohne Ausnahme auf alle Kategorien der Staatsangehörigen, die sich von der Mehrheit durch Rasse, Sprache oder Religion unterscheiden, angewendet werden müssen.“ Demgemäß beantragt MacDonald: „Die moralische Autorität des Völkerbundes und seiner Mitgliedsstaaten muß zu einem entschlossenen Appell an die deutsche Regierung verwendet werden, im Namen der Menschlichkeit und um des Prinzipes der Menschenrechte willen in Europa. Man muß eine Änderung dieser Politik verlangen, weil sie eine ständige Quelle der Unruhe und der Erschütterung der Wellt darstellt, eine Herausforderung der gesitteten Menschheit durch eine ständige Bedrohung der legitimen Interessen der Staaten, die durch die Einwanderung der deutschen Flüchtlinge getroffen werden, Die wachsenden Leiden der verfolgten Minorität in Deutschland und die Gefahr der steigtenden Auswanderung verlangt eine freundschaftliche, aber entschlossene Intervention bei der deutschen Regierung sowohl von seiten des Völkerbundes als auch von seiten der Mitgliedsstaaten und anderer Mitglieder der Gemeinschaft der Nationen, Mitleid und Vernunft in gleicher Weise müssen die Hoffnung erwecken, daß die Interventionen von Erfolg begleitet sein werden ... Das Problem muß bei der Quelle behandelt werden, wenn eine Katastrophe vermieden werden soll. Hier liegt die Aufgabe des Völkerbundes! Das Völkerbund Statut gibt dem Rate und Vollständig neu renoviert, modernst ehemals Cafe Residenz/ I. Franz-Josef-Kai 29-31/ Ecke Morzinplatz Nr. 5 \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\^^^^ BürgerlicHe Preise Bridge-Saal o Schach-Zimmer o 4 Seifert-Billards o Klubräume o Asphaltierte Kegelbahn Kalte und warme Küche Erstklassige Weine Bier vom Faß Der „Angriff“ fragt und Kareski antwortet Im „Angriff“, dessen Besitzer der Minister Goebbels ist, erschien am 23. Dezember ein Interview mit Herrn Kareski: Es besteht aus sieben Fragen und den korrespon dierenden Antworten. Selbstverständlich sind die Fragen so gestellt, daß Kareski nicht anders als zustimmend antworten muß, zumal sich das Ganze auf dem Hintergrund des braunen Reiches abspielt. Dazu muß man sich vor Augen halten, daß das Dritte Reich zur Propaganda für die Olympiade einen Juden alsEideshelfer braucht. Es hat ihn in Kareski gesucht und gefunden. Kareski ist wie Hitler für eine reinliche Scheidung zwischen deutschem und jüdischem Volkstum; ' die Nürnberger Gesetze scheinen ihm — von ihren staatsrechtlichen Bestimmungen abgesehen — ganz in der Richtung des beiderseitigen Eigenlebens zu liegen. Herr Kareski ist weiter für jüdische Schulen, die dem Reichs verband jüdischer Kulturbünde (d. h. dem Herrn Kareski) zu unterstellen wären. Er ist für jüdisches Theater und er ist gegen die Mischehe und gegen den „jüdischen Conferencier“. Es wäre gegen die Antworten Kareskis nichts einzuwenden, wenn es, wie gesagt, nicht so ausgesuchte Fragen wären, die nicht das Wesen der Dinge berühren. Das jüdische Volle in Deutschland ist diffamiert, es wird in den Hunger getrieben und ist vom gelben Fleck nicht so weit entfernt. Wenn ihm heute noch eine Art innerer Kulturarbeit belassen worden ist, so wird sich dies wohl nach der Olympiade ändern. Aber selbst dto Autonomie ist nichts anderes als eine Kopie der Indianerreservation. Das ist ja auch dem Herrn Kareski bekannt und deshalb muß man von dem Frage- und Antwortspiel mit Ekel Kenntnis nehmen. Man kann schon von einem Fall Kareski sprechen. Es ist bekannt geworden, daß bei seiner in solenner Form erfolgten Bestellung zum Kultusführer auch der Spitzel Bene* b e r zugegen war, der Kareski in London als Mitspitzel bezeichnet hat. Wir sind, so lange nicht in einem öffentlichen Verfahren eine Prüfung der Angelegenheit möglich ist, nicht geneigt, an eine solche Tätigkeit Kareskis zu glauben, obwohl bedenkliche Umstände vorhanden sind. Eher ist anzunehmen, daß Kareski einer jener Wichtigmacher ist, die für Verständigung eintreten — solcher gibt es seit Alfred Nossig in Menge —* und die sich bemühen, den Gegenpart objektiv zu würdigen, so objektiv, daß sie schließlich den Boden unter den Füßen verlieren und sich dem Gegner in die Hände spielen. So lange es sich um politisch ehrliche Gegner handelt, mag der Schade nicht so groß sein, und es ist möglich, ihn zur richtigen Zeit abzustellen. Anders aber ist es in diesem Deutschland. Dort steht dem jüdischen Politiker — die Gestapo gegenüber und da verwischt sich sehr rasch die Grenze zwischen — sagen wir Vortraulichkeit und Spitzelei: Es ist möglich, daß Herr Kareski geglaubt hat, Gutes zu tun und ian besten Willen zu handeln. Aber er ist unversehens auf die schiefe Ebene geraten und wird so — wer hätte dies geglaubt — zu einem, Zeugen für Goebbels und Hitler«.j

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