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Die Stimme · 1935-12-31 · Heft 511 (31.12.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 511 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Salt« 2 DR STIMME Nr. 511 — 31. Dezemberr 1935 im Bei Abfahrt 5. Jänner 1936. — Anmeldungen Offizielles Po.nische« Reisebüro „Orbit**. Wlan, I., KärntnetstraA« Nr. 41» l elepbon R 21 5-78. des Völkerbundes, der in der Präambel den Willen zum Frieden beteuert, der Kellogg-Briand-Vertrag, der die Achtung des Krieges ausspricht, — das ist von der Diplomatie ins Gegenteil verkehrt worden und die militaristische Denkungsart hat sich der Massen, ihres Fiihlens und Sinnes bemächtigt. Und das Erstaunlichste ist, daß die Generation, die durch die Schützengräben und durch die Entlausungs- Stationen, durch die Stacheldrahtlager gegangen ist, noch am Werk ist und fast willenlos in die Augen der Kobra starrt. Es ist der Wille zum Bösen, der die Menschen beherrscht und ihre freie Vernunft umnebelt. * Wir Juden haben diesen Willen zu verspüren bekommen und dieses Jahr hat uns überreich mit seinen Manifestationen be- Prozeß gegen die , der die Fälschung schenkt. Der Berner ,,W eisen von Zion , aufdeckte, ist fast vergessen. Er ist wirk angele* vorbeigegangen. Das deutsche Volk, das sein Verhältnis zu den Juden gerade auf diese Entstellung aller guten Sitte aufgebaut hatte, will das Ergebnis von Bern nicht zur Kenntnis nehmen. Es hat Judengeeetze eingeftihrt, die den Juden außer Recht stellen, ihm die kollektive und persönliche Ehre absprechen, weil der Jude von Natur aus minderwertig und ehrlos sei: Es ist in keinem Sinn eine Verteidigung des deutschen Volksgefühls gegen eine Übermacht jüdischen Geistes, wie das immer so dargestellt wird, sondern ein auf physische und seelische Vernichtung des Judentums abgestelltes Unternehmen, das sich nicht auf Deutschland beschränkt, sondern dem Judentum überhaupt als Gemeinschaft gilt. Das Dritte Reich vergißt an nichts, nicht an die Lebenden, nicht an die Toten und es sucht sein Gift durch tausend Kanäle überallhin zu verbreiten, wo Juden leben. Nie hat das jüdische Volk ähnliches durchgemacht, hie ist es vor einer härteren Probe auf seine seelische Kraft, auf seinen Mut und sein Vertrauen zu sich selbst gestanden, und diese Belastung der Nerven ist um so schwerer, als die Tage der Prüfung noch nicht vorbei sind. Und nicht nur die Juden Deutschland« haben arges zu erdulden. Die Verfallserscheinungen, von außen her durch listige Gesetze, durch zweideutige Maßnahmen, durch Heuchelei und kaum verhüllten Haß gefördert, zeigen sich in Polen, in Rumänien; jüdische Menschen wandern zu Tausenden durch die Welt, „ungastlichen Landes Gast“, Millionen Juden sind maussichtslose Verarmung gedrängt. * Wenn es irgend etwas gibt, das die Schrecknisse dieser Lage leichter erträglich macht, so ist es die Entwicklung in Palästina, die unverdrossene Arbeit des politischen Zionismus, der dem Judentum den Weg in die Erlösung aufgeschlossen hat. Auf dem Luzerner Kongreß ist die Einheit der Organisation hergestellfc worden. Das Unkraut des Parteiwesens konnte leider nicht ausgejätet werden. Wir sind nicht ungestraft durch zwei Jahrtausende Europa hindurohgegangen, haben nicht spurlos jüdisches Wesen durch die Ghetti getragen, denn wir sind nie aus dem Ghetto herauegekommen, und wir haben das Kontagium nie bekämpfen können. Und so scheiden wir uns hier im Exil und dort in Erez Israel weiter nach links und rechts und es ist schon eine große Errungenschaft, daß in Luzern wenigstens äußerlich eine Überbrückung zustande kommen konnte. Ein Heer, das sich zur Freiheit durchschlägt und sich nach Parteien sondert! Aber wir hoffen, daß die Notwendigkeiten des Aufbaue«, das immer weitergreifende Werk der neuen Siedlung diese sonderbare Groteske zurückjagen werden. Denn die Einigkeit ist heute nötiger denn je. Gerade vor Jahresschluß hat die Mandatsregierung das Projekt des Gesetzgebend en Rates auf den Tisch gelegt. Es ist ein unwürdiges Spiel mit dem Sinn des Mandats. In dem Land, in dem das nationale Heim errichtet werden soll, soll das Judentum auf die Rolle der Minderheit festgenagelt werden. Seine Entwicklung soll durch Mehrheitsbeschlüsse bestimmt werden, wobei der englische „Unparteiische“ die letzte Entscheidung haben soll! Dem Mann, der ßic-h au formale Demokratie klammert, mag dieser Parlamentsersatz nicht gar so arg erscheinen, bei dem sieben Juden elf Arabern gegenüberstehen. Aber da« Gewicht, liegt nicht in der Tatsache, als vielmehr in der Schätzung, die der englische Kolonialbureaukrat, in den Spuren Herbert Samuels wandelnd, dem neuen Judenvolk entgegenbringt, in der Art, wie das Mandat durch listige Aus-, legung umgebogen und zu einem Spielzeug für Kronjuristen gemacht wird. Die Mandatsregienrag will über Hoffnungen und tiefgegründete Empfindungen hinweggehen. Sie weiß es nicht, oder will es nicht wissen, mit welch gläubiger Sehnsucht da« 17-Millionen- Volk auf diese Zelle seines Trostes blickt. Heute sind die Juden 7 :11. Vielleicht werden sie einmal in absehbarer Zeit gleich sein. Dem muß vorgebeugt werden, denn der Vizekönig von Indien hat. es den Mohammedanern versprochen, damit sie dort leichter gegen die Hindus ausgespielt werden können. Denn über das Judenscbicksal befindet nicht der Völkerbund, nicht das verpfändete Wort Europa«, sondern das koloniale Interesse Englands. Aber es ist so: wir hängen aioht mehr von der Laune eine« Paschas ab. Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand. Mehr Menschen, mehr Geld, mehr Land! Da« lehrt uns wieder dieses Jahr 1935, das uns zu dem Schweren doch auch das Bewußtsein gibt, daß d i c Zukunft unserist, wenn wir wollen. Und dieser Wille gründet «ich auf Einigkeit, auf Arbeit und auf Selbstvertrauen. Wir werden frei werden. Trotz allem! Der Kampf gegen den Gesetzgebenden Rat (Fortsetzung von Seite 1.) Palästinas zueinerMinderbeit herabdrückt, dieses fundamentale Recht des jüdischen Volkes verletzt“, daß eine Kristallisierung des Status quo der in dem Brief des Premierministers (MacDonald) zum Ausdruck gebrachten Zusicherung widerspricht, und daß „die Gewährung legislativer Vollmacht an jene, die offen das Mandat zurückweisen und zum Jüdischen Nationalheim in Opposition stehen, nur als eine Verletzung des Mandates betrachtet werden kann“. Ben Z w i bekannte sich namens des Waad Leumi zu der Resolution des XIX. Kongresses. A1 m e 1 a h gab namens der Sephardischen Gemeinde eine ähnliche Erklärung ab. Rabbi Blau als Vertreter der Agudath Israel fragte, ob der Legislative Council- Vorschlag die Anwendung der Einzelheiten des Mandats darstelle: die Antwort des Chefder Palästina-Regierung, John Hall, In diesem Punkt war uosekretärs Hasthorn klar. Sir Arthur schlug vor, daß weitere Fragen schriftlich unterbreitet werden sollten. Rabbi Blau verlas sodann die Erklärung der Agudath Israel, wonach diese nicht gegen Autonomie für die Bevölkerung Palästinas opponiert, aber die Zeit für eine solche noch nicht für reif erachtet Er begründete diese Haltung mit der durch die jüngsten Unruhen ln Haifa bezeugten wachsenden arabischen Erregung und der Tatsache, daß Palästina die einzige Hoffnung für verzweifelte Juden, besonders in Deutschland, Ist. Die Erörterung eines Legislative Council würde ihre letzte Hoffnung vernichten — daß Großbritannien in der Durchführung der ihm von der Vorsehung auferlegten Aufgabe, das jüdische Volk nach Palästina zurückzuführen, nicht ermüden wird. Erklärung der Jevish Agency In einer Mitteilung an die Jüdische Telegraphen-Agentur erklärte die Jewish Agency, daß die vom High Commissioner empfangenen jüdischen Vertreter ihrer Opposition gegen die Errichtung des Council klar und einmütig Ausdruck gegeben hätten. Auf eine Erklärung in dem am 21. Dezember herausgegebenen Regierungscommuniquä, laut welcher die Juden um Zeit zum Studium der Einzelheiten des Projektes angesucht haben, verweisend, betonte die Jewisb Agency, daß dies sich anscheinend auf die Antwort beziehe, die dem High Commissioner auf seine Frage erteilt wurde, ob über unklare Punkte in der von ihm mitgeteilten offiziellen Erklärung irgend welche Nachfragen bestünden. Die jüdische Delegation habe, so erklärte die Jewish Agency, erwidert, daß eine Beantwortung dieser Frage ohne sorgfältiges Studium des offiziellen Textes unmöglich sei, habe jedoch zu dem ganzen Vorschlag auf Errichtung des Legislative Council einmütig, klar und endgültig mit „Nein“ geantwortet. Schaffung eines Legislative Council ablehnen, kommt auch in der Stellungnahme der jüdischen Presse Palästinas zum Ausdruck. Die englisch geschriebene „P a- 1 e s t i n e Post“ stellt die Frage, ob im Hinblick darauf, daß die arabischen Führer das Mandat offen mißachten und die Terroristen verherrlichen, die auf die Abschaffung des Mandats hinarbeiten, die Zeit für die Schaffung dies Rates wirklich reif sei. Die Einsetzung eines Legislative Council bedeute einen direkten Schlag gegen das Jüdische Nationalheim. „Dava r“, das Organ der Arbeiterpartei, führt aus, das jüdische Aufbauwerk habe unter dom türkischen Regime existieren können, es habe dio Unruhen während der Administration des Lord Chancellor Überstunden, auch Lord Passfields Weißbuch habe ihm nichts anhaben können, es w'erde auch unter dem erniedrigenden Regime des Legislative Council seine Kraft beweisen. Demonstrationen gegen den Legislative Council Tel-Aviv, 29. Dezember. (Z. T. A.) T©1- Aviv war am Abend des 21. Dezember der Schauplatz erregter Demonstrationen. Tausende Menschen füllten den Second of November Square und den Mögen David Square und veranstalteten einen spontanen Protest gegen die Verkündung des Legislative Council. Unzählige stürmische Versammlungen wurden unter freiem Himmel abgehalten; die Redner erklärten jeden Juden, der eine Nominierung zu dem Council annehmen würde, als „Verrate r“, der die Konsequenzen zu tragen haben würde. Die Demonstranten sangen die Hatikwah. Polizeiabteilungen zerstreuten die Menge und nahmen eine Anzahl Verhaftungen vor. Die palästinensische Presse zum Council-Plan Die Geschlossenheit, mit der die Juden aller Richtungen in Palästina den Plan der Mil der „Czernowltzer Allgem. Zeitung“ nach POLEN und C2ERNOWITZ am 6. Jflnnei 1936. Letztei Anmeldetag 2. Jflrtner 1936. Oeaterr. Verkehrahltro, Teleph. B 27-600, U 29-0-36, l'oln. Relaebtiro „Orbis“, Telephon R 21-8-76 und Reisebüro „Marlcnbrüeke“, Telephon R 24-2-86/87. „Haboker“ führt aus: Unsere Einwände gegen den Legislative Council stützen sich darauf, daß erstens das Mandat bei Wahrung der bürgerlichen Rechte aller Gemeinschaften Palästinas den Juden auch nationale Rechte gibt; zweitens wurde das Nationalheim dem jüdischen Volk in der ganzen Welt versprochen, während der Legislative Council uns zu einer lokalen Gemeinschaft einengt; drittens worden wir den Arabern nicht das Recht zuerkennen, das jüdische Nationalheim zu erörtern, solange sie das Nationalheim nicht voll anerkennen. „Haare z“ glaubt, daß die zionistische Bewegung und dio Judenheit Palästinas im Hinblick auf dio gegenwärtigen historischen Notwendigkeiten einig sind in dem Wunsch nach enger Zusammenarbeit. Auch England kennt die Gefahr, die das sogenannte Parlament für das Jüdische Nationalheim darstellt. Neue Jaffa-Orangen und drape-Fruits iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii eingelangt; überdies sämtliche Palästina-Produkte erhältlich bei S. HALPERN, Wien, II., Förstergasse 6 Telephon : A 46-4-12 Die Stellungnahme der österreichischen Zionisten Sonntag fand eine Beratung sämtlicher der zionistischen Weltorganisation angehörenden zionistischen Gruppen statt, bei der unter anderem einmütig die Absendung des folgenden Telegrammes an die Zionistische Exekutive beschlossen wurde: „Die Zionisten Österreichs stehen geschlossen hinter der Exekutive in der Frage des Gesetzgebenden Rates und verlangen energische Abwehr und verstärkte Aufbauarbeit. Zionistischer Landesverband, Binjan Haarez, Judenstaat, Radikale, Misrachi, A C-Mitglieder Griinbaum, Stricker, Waldmann, Sokal.“ Brodetshy beim Kolonienminister London, 29. Dezember. (2. T. A.) Der politische Dezernent der Exekutive der Jevish Agency, Prof. Dr. Selig Brod e t s k y, ist von dem Minister für die Kolonien J. H. Thomas empfangen worden. Es verlautet, daß in dieser Unterredung die Proklamiening de« Legislative Council für Palästina besprochen wurde. Stuhlverstopfung. Nach Urteilen ärztlicher Autoritäten zeichnet sich das natürliche „Franz- Josef“-Bi tterwasser durch sichere Wirksamkeit bei angenehmen Gebrauch aus. DEN PRIVATANGESTELLTEN DIE VORSORGE-VERSICHERUNG MONATLICHE PRÄMIE IC H I L LIN Ci 3*60 DIS LEISTUNG STERBEGELD RENTE UNFALL-TOD UNFALL- INVALIDITÄT KOSTEN- BEITRÄGE: SPITAL OPERATION S 300*—* S 15<— S 300*— S 300*—! S 5*— f 100*— LEBENSVERS.-GES. PHONIX WIEN, I., R I E M E R C A J S E 2 ZIONISTISCHER LANDESVERBAND FÜR ÖSTERREICH Samstag, 18. Jänner 1936, V.9 Uhr ah9nds, Offenbachsaal, IV., Treltlstraße 3 (neben Porrhaus) spricht der berühmte Philosoph und Diditer MAX BROD „INDIVIDUUM - VOLK-MENSCHHEIT“ Karten erhältlich; Zion. Landesverband, I., Marc-Aurel-Str, 5, U 22-2-11/ Sämtl. Zion. Bezirkssektionenf Wizo, L, Schottenring 25, A11-6-26/ Jüdische Kunststelle, I,, Franz-Josefs-Kai 3, R 28-2-36/ Bücherstube Rath, II.,Taborstr. 20a, R 45-305/ Bücherstube Lanyi, 1, Kärntncrstr. 44, B 25.6-75/ Bücherstube Löwit, I., Wollzeile 6, R 21-4-25

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