Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 511 (31.12.1935)
- Date
- 1935-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g V. 1». b. Nr. SIl| JÜDISCHE ZEITUNG W]on ff novAttlftOU f Afc I Redaktion und AdmlnietrstlON: Wien, l„ Mare>Aurol*Stra8e 8. »rwnj JI« AIVZWUlDer tyjs I T«l.: U 22-S-fll RadiktjonttehliB Mentag und Mittwoch vorm. <Zn * RON ACH ER DIE HAND mit M I LA CIRUL WEITERE dO ATTRAKTIONEN IM JÄNNER MIMODRAMA | (5, Tebeth S696) | 9« Jahrgang Der Gesetzgebende Rat von den luden abgelehnt Wie schon berichtet, hat der Oberkommissär Wauchope in Jerusalem am 21. und 22. Dezember den arabischen und jüdischen Führern den Plan eines Gesetzgebenden Rates für Palästina vorgelegt. Hierüber wird uns weiter aus Jerusalem gemeldet: An die luden Oesterreichs! Trotz des einmütigen Protestes des Ü9. Zionistenkongresses hat die Mandatarmacht die Einführung eines Gesetzgebenden Rates angekündigt. Diesem Beschluß der britischen Mandatsverwaltung muß das jüdische Volk ein unbeugsames „Nein“ entgegensetzen. Der Versuch, Sinn und Wortlaut des Mandats in das Gegenteil zu verwandeln, muß am geschlossenen Widerstand des jüdischen Volkes scheitern. Die Zionisten Österreichs rufen alle Juden auf, ingeschlossener Frontgegen diese Mandatsverletzung feierlich vor aller Welt zu protestieren und den Gesetzgebenden Rat einmütig abzulehnen. Die Zionisten Österreichs stehen in diesem Abwebrkampf geschlossen hinter der Zionistischen Exekutive und werden ihr treue Gefolgschaft leisten. Juden, Zionisten! Die Wiedererrichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina ist das einzige Mittel zur Lösung der Judenfrage. Wir Zionisten haben trotz ungeheurer Widerstände an diesem Werke gebaut und haben die Hindernisse von Seiten der türkischen Regierung, die traurigen Tage Chancellors, das Passfieldsche Weißbuch und andere schwere Angriffe gegen das jüdische Aufbauwerk überwunden. Auch dieser Versuch der britischen Mandatsverwaltung, übernommene Verpflichtungen zu verletzen, wird den Willen des jüdischen Volkes auf Wiedererrichtung des Jüdischen Nationalheims nicht brechen. Juden, Zionisten! Seid einig! Verdoppelt eure Anstrengungen zur Erlösung des jüdischen Volkes! Stärkt die Zionistischen Reihen! Erfüllet eure Pflicht! Zionistischer Landesverband f. Österreich Zionistische Organisation „Binjan-Haarez“ Verband der Judenstaatszionisten Österreichs Verband Radikaler Zionisten Österreichs Verband Misrachi Österreichs. * Protest der Warschauer Jüdischen Gemeinde Warschau, 29. Dezember (2. T. A.) Exekutive und Vorstand der Warschauer Jüdischen Gemeinde faßten in einer außerordentlichen Sitzung eine Resolution, in der energischer Protest gegen die Schaffung eines Legislative Council in Palästina erhoben wird. Der Council-Plan wird in der Resolution als ein Attentat gegen das Recht dos jüdischen Volkes auf Palästina bezeichnet. Die Gemeinde gibt ihrer Solidarität mit dem Kampf des Jischuw in Palästina zur Abwehr des Angriffes auf das Recht der Juden auf Palästina Ausdruck. Die Resolution wurde telegraphisch an die Exekutive der Jewish Agency und an den Waad Leumi gesandt. Resolutionen gleiohen Inhalts wurden von sehr vielen anderen jüdischen Großgemoinden und Organisationen in Polen gefaßt und nach Jerusalem gesandt* ,, Der Oberkommissär erklärte, die Regierung sei, nachd sie das Funktionieren der Munizipalverwaltungen überprüfen konnte, zu der Ansicht gelangt, daß die Zeit für die Einführung des Legislative Council reif sei. Deshalb lege die Regierung den Plan für die Schaffung eines solchen Councils vor. Er soll aus 28 Mitgliedern bestehen, davon Sieben juden, fünf Vertretern der Regierung, drei christlichen Arabern, elf Mohammedanern und zwei Vertretern der Wirtschaft. Von diesen wird wahrscheinlich einer ein Jude sein. Die jüdische Delegation, der als Vertreter der Jewish Agency Dr. W e i zwird uns weiter mitgeteilt: Der Präsident des Legislative Council (Gesetzgebender Rat) soll nicht gewählt, sondern ernannt werden; er wird vermutlich ein englischer Beamter aus London sein. Von den jüdischen Mitgliedern würden drei gewählt und vier ernannt werden. Von den elf Moslems würden drei nominiert und acht gewählt werden. Einer der beiden Kaufleute dürfte unter den Juden ausgewählt werden. Einer der acht gewählten Moslemiten wird ein Beduine sein. Jede Person, die das 25. Lebensjahr vollendet hat und seit zwei Jahren in Palästina ansässig ist, hat das Recht, zum Legislative Council zu wählen. Der Aufstellung der Stimmliste wird eine Volkszählung nicht vorangehen. Auch die jüdischen Frauen haben Wahlrecht. Die gegenwärtige Verteilung der Sitze im Rat basiert auf dem numerischen Verhältnis der verschiedenen Gemeinden zur Gesamtbevölkerung. Eine Neuzuteilung von Sitzen wird während der Dauer von fünf Jah- Die jüdische Delegation weilte über eine Stunde beim High Commissioner. Sir Arthur Wauchope verlas die Regierungserklärung, die den Beschluß auf Errichtung des Legislative Council mitteilt und fragte, ob die Delegation dazu etwas zu bemerken habe. Daraufhin erklärte Dr. W e 1 z m a n n, d a ß die Vorschläge mit den im Mandatniedergelegten Internat! om a n n, Ben G u r i o n und S h e r t o k, als Vertreter der Aguda Rabbi Blau, ferner der Vorsitzende des Waad Leumi J. B e n Zwi und ein Vertreter der sephardischen Juden angehörten, hat die Vorschläge der Regierung einmütig zurückgewiesen. Die Vertreter der Araber erklärten, sie könnten jetzt zu den Vorschlägen noch nicht en dgü 11ig Stel 1 ung nehmen. Ihre Antwort werde am 7. Jänner erfolgen, nachdem eine zu diesem Zweck einberufene Konferenz der arabischen Parteien sich mit der Frage befaßt haben wird. Der Großmufti von Jerusalem ist gegen die Einführung des Legislative Council. r e n nicht erfolgen. Mitglied des Rates kann werden, wer das 30. Jahr vollendet hat und die Palästina-Bürgerschaft besitzt. Die M i tglieder sollen auf fünf Jahre gewähltwerden und ein Gehaltvon 200 bis 300 Pfund jährlich beziehen. Der High Commissioner ist ermächtigt, Vertreter für jede Gemeinde zu ernennen, die die Beteiligung am Rat ablehnt. Der Rat soll während drei Monaten im Jahr oder zweimal jährlich je sechs Wochen tagen. Acht gewählte Mitglieder würden ein Quorum bilden. Wenn Stimmengleichheit über einen Antrag besteht, entscheidet das älteste Ratsmitglied. Der Rat soll nicht für alle politischen Fragen zuständig sein, sondern sich mit Fragen des Budgets und der Gesetzgebung befassen. Während die Frage der Arbeiter-Schedulen nicht in die Kompetenz des Rates fällt, sollen die gewählten Mitglieder das Recht haben, Fragen zu stellen und Resolutionen anzunehmen. nalen Verpflichtungen nicht übereinstimmen. Er verlas die vom XIX. Zionistenkongreß angenommene Resolution, die gegen die Errichtung des Legislative Council opponiert, und betonte, daß „jede legislative Körperschaft, die auf der Basis dergegenwärtigen Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung Palästinas errichtet wird und somit die Juden (Fortsetzung auf Seite 2.) Das Rad der Dinge Ein Jahr ist aus, ein neues kommt. Eind Pause ist nicht vorhanden. Man las gestern in der Zeitung den Kriegsbericht aus Abes-: sinien und liest heute wieder einen. Und' wäre nicht das Datum auf Briefen und Zeitungen — die Umwelt ließe in nichts erkennen, daß zwölf Monate um sind, voll von' Geschehnissen, die ehedem für ein Jahrhundert ausreichten, und die alle, so wie sie aus den früheren Jahren kamen, in die Zukunft hineinreichen. Denn es gibt keinen Anfang und kein Ende, und wer da ver-. meint, es könne doch irgendwann eine Unterbrechung, ein Ablauf der Dinge eintreten, der möge nur an die Unrast seines eigenen Daseins sieh erinnern, das nur zum geringsten Teil von ihm selbst, in der Hauptsache von seiner Um- und Mitwelt gestaltet wird. Niemand steht für sich allein, jeder ist an das Rad der Dinge gefesselt. Und so stehen auch die Völker in einem unentrinnbaren Zusammenhang miteinander, jedes Ereignis, auch das entfernteste, reflektiert in irgend einer Weise auf alle. Und da immer auf der Welt sich ein Geschehnis ereignet, so gibt es niemals eine Pause. Dieses Jahr ist ein böses gewesen, und so wird es sich auch unheilvoll auswirken. Es hat den Krieg in Ostafrika gebracht und jetzt, da es schließt, steht die Gefahr eines allgemeinen Brandes groß und rot am Himmel. Die Friedensvorschläge, die von Laval und Hoare ausgearbeitet wurden, sind tot und begraben. Hoare ist gestürzt, an seiner Stelle ist Eden, der Mann der konsequenten und kompromißlosen kollektiven Sicherheit getreten, und schon liegen die Erklärungen der Mittelmeerstaaten vor, daß sie im Falle eines „nichtprovozierten Angriffes“ alle Verpflichtungen aus dem Artikel 16 des Völkerbimdstatut3 auf sich nehmen, jedoch militärische Sanktionen ablehnen. Daß im gegebenen Falle die Hilfeleistung gegen nichtprovozierten Angriff unweigerlich zu den militärischen Sanktionen führen muß, liegt auf der Hand. Das Unglück schreitet rasch vor und wenn man so die Schar derer sieht, denen das Geschick der Welt anvertraut ist, dann erkennt man den furchtbaren Zustand der geistigen Rückständigkeit Europas, das keinen einzigen Mann besitzt, der fähig wäre, der Katastrophe entgegenzutreten. Der Verfall der Diplomatie, die sehend mit offenen Augen die Völker bis zum Abgrund führt, ist wohl der folgenschwerste Erbe des 19. Jahrhunderts, das 2000 Jahre kultureller Entwicklung in einem einzigen Augenblick vernichtete, als es das System der Bündnisse . und des Gleichgewichtes ins Leben setzte. Was seither versucht worden ist, die Aufrichtung BILLIGE REISEN NACH Polen u. Czernowitz Abfahrten 2., 5., 21. Jänner 1936. ■— Rückfahrten 5., 7. Jänner, 12. Februar 1936, — Auskunft auoh Uber PalSsllnarelsen bei Dr. S. Tocker. X., LIECHTENSTEINSTRASSE 2, — TELEPHON A14-604 (Reisebüro „In die Welt*, W. M. Renner) ALLE IN’S CAF£ WEGHUBER (hinter dem Volksthe ater) ‘ GROSSE SIIVESTERFEIER Stimmungskapelle IST GEIGER * TANZ Im Solot Stimmungskanone CH ARLBS JIRK A, MIMMIIKIRCHBERG, LEO ILLMAR Beginn 9 Uhr abends Rechtzeitige Tisdibestellung erbeten Besucherkarte S 1*50 Uber die Organisation des Gesetzgebenden Rates Das Nein der jüdischen Führung