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Die Stimme · 1935-12-20 · Heft 509 (20.12.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 509 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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509 — 20. Dezember 1985 DIC STIMM« Sette 5 Ägide dee Völkerbundes stehenden oder der BIZ angegliederten Bank wird man in Deutschland nicht so verfahren kön nen wie mit schutzlosen deutschen Juden oder mit einer auf den „guten Wille n“ der Hitler-Regierung angewiesenen reinen Transferbank. Man wird einem solchen Institut nicht gut die Ausfuhr oder doch die anderweitige Verwertun; angekauftcr oder belehnter Objekte verweigern können. Auch bieten sich einem solchen selbst innerhalb des engen Rahmens der deutschen Gesetze und Devisenbestimmungen noch zahlreiche andere VerwertungsmöglWikeiten, die nicht mit einer atigenblich’-’e1•'m Verschleuderung um jeden Preis gleichbedeutend sind, Möglichkeiten, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Schlimmstenfalls kann ein solches genügend kapitalskräftiges Institut mit einer Verwertung auch bis zu einem günstigen Zeitpunkt zuwarten. Es muß die von ihm angekauften oder belehnten Objekte nicht sofort um jeden Preis losschlagen. Dies umsoweniger, wenn diese Bank — wie gerüchtweise verlautete — auch noch eine größere britische oder gar mit Hilfe des Völkerbundes eine international garantierte Anleihe erhalten sollte. Die Stellung eines solchen Institutes gegenüber den deutschen Stellen wäre unzweifelhaft und in jeder Beziehung eine ganz andere und unvergleichlich stärkere als etwa jene einer Transferbank, von der hilflosen Lage der zur Auswanderung genötigten deutschen Juden gar nicht zu sprechen. Aus den eingangs skizzierten Richtlinien der Devisenreichsstelle, in welchen erklärt wird, daß das Vermögen jüdischer Auswanderer einen Teil des deutschen Volksvermögens bilde und durch die Auswanderung (des Eigentümers) „der deutschen Volkswirtschaft nicht verloren gehen dürfe“, geht die konfiskatorische Absioht der deutschen Regierung mit aller Deutlichkeit hervor. Ebenso aber auch die Tatsache, daß die mit der Auswanderung der deutschen Juden zusammenhängenden Probleme nicht von einer von der Gnade der deutschen Regierung abhängenden und mit dieser als schwächerer Partner paktierenden Transferbank, sondern bloß auf breiter internationaler Basis, mit Hilfe internationalen Kapitals und unter dem Schutz überstaatlicher Instanzen gelöst werden können. EPHRUSSI&CO. GEGRÜNDET 1856 Bankgeschäfte aller Art Abteilungen für Wertpapiere u. Devisen WIEN, IX., WASAGASSE 2 Sämtliche bisherige Vorstellungen ausverkauf« 1 ■■..... DAS LAND DER VERHEISSUNG Der große Palästina-Film der Fox NÄCHSTE AUFFÜHRUNGEN: Somtia#, ZZ. Dczembec (für Schüler der Haupt- und Mittelschulen) JflätwacU, Z5. Vezem&ec D<MvMMbaty,Z6. dezemfec im FLIEGER¬ KINO IX. Liechtensteinstr. 37 vorm. 7*11 u. s/412 Uhr Karten bei Mejstrik, Wollzelle 6, Jüdische Kulturstelle, Franz-Josefs-Kal 5, und an der Kinokas»e Deutschland, dann kann dreeos kollektive Verbrechen nicht mehr den normalen Grenzen entsprechend bestraft werden und als erejtes Land muß Frank reich den Sehrei nach der Gerechtigkeit und Sühne vernehmen. Die Juden leiden zur Zeit unter antisemitischen Verfolgungen in drei europäischen Ländern. Verlangen wir nicht Solidarität, Philanthropie und menschliche Duldsamkeit. Schlagen wir kein Kapital aus diesem Unglück und appellieren wir nicht an Mitleidsgefühl. Bei den Abessiniern bewundern wir den Willen zum Widerstand und das Bestreben, das eigene Mißgeschick nicht zur Schau zu tragen. Israel, in den polnischen Ghetfis gemartert, im Dritten Reich gedemütigt, in Rumänien gequält, muß die Absolution seiner Totengräber zurückweisen. Es muß die Skrupel, den Groll des Bagnos überwinden; sowohl im eigenen Interesse als auch dem Ewigkeitsbestand zuliebe. Wenn der Jude heute kämpfen muß, dann soll er kämpfen, mit Haß gegen den Feind, mit Liebe für den Frieden, der ihm verweigert wird, mit Leidenschaft für die Freiheit, die man ihm ein schränkt. Israel stirbt, wenn es nicht versteht, sich das Leben zu verdienen. Es genügt nicht das Ausharren allein, wenn man vornehm leben will. Ich habe den Heben Christen, die uns unterstützen, gesagt: Bringen Sie Ihre Hochßchätzung und Ihre Freundschaft nur den Juden entgegen, die bestrebt sind, ihrem eigenen Wohle zuliebe die von den Cäsaren beherrschte und von den Narren betrogene WTelt zu retten. Bei zahlreichen Beschwerden des weiblichen Geschlechts bewirkt früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef“-Bitterwasser die allerbeste Erleichterung. Palästina meldet: Wenn Israel stirbt.. Von Bernard Lacache Der bekannte französische Politiker veröffentlicht in „Le droit de vivre“ den folgenden Aufsatz: Ich habe absichtlich den Titel eines alten Werkes genommen. Als ich aus den Pogromländern zurückgckohrt war, schrieb ich „Wenn Israel stirbt“, und ich hoffte, daß mir die Zukunft recht geben würde. Wie die meisten meiner Freunde, glaubte ich an die Zivilisation und an den Primat bestimmter moralischer und geistiger Werte im politischen Leben. Zahlreiche Erschütterungen, eino sehr ausgeprägte Feinfühligkoit, ein starkes Empfinden für die Leiden einer Rasse, die ich sehr liebgewonnen habe, vorliehen mir die Seele eines Besiegten. Eiu unbeschreiblicher Schmerz ist als Folge der dunklen Ohnmacht geblieben. Das Leben lehrte mich hart und geduldig sein und stellte mich dann vor konkrete Tatsachen. Ira Ja.hro 1935 ist nicht Zeit zu klagen. Diese Zeiten der nationalen Pseudo Versöhnung verlangen Aktivität und lassen koinen Raum für mitleidiges Jammern. Was in Frankreich geschieht, wird sieh später in den primitiven Ländern auswirkon, dio von der Gewalt regiert werden. Trotz der großen Fehler unserer Vertreter ist das Verhältnis Frankreichs zu den Frerndon unverändert. Aber wenn Israel Irgendwo stirbt, in Polen, Rumänien oder Die Wahlen in TeUAviv Tel-Aviv, 18. Dezember. (2. T. A.) Bei den Wahlen zum Stadtrat in Tel- A v i v wurden insgesamt 21.697 Stimmen abgegeben. Die Zählung der Stimmzettel ist noch nicht beendet. Von den bis zum 17. Dezember gezählten 8345 Stimmen waren 4156 für die Arbeiterpartei. Im bisherigen Stadtrat war die Arbeiterpartei bekanntlich in der Minderheit. Die zweite Generation im Emek-Jesrcel Wie bereits gemeldet, wird jetzt' im Emek Jesreel, in den Bergen bei Naha lal, zum ersten Male eino landwirtschaftliche Siedlung geschaffen, in der dio Söhne und Töchter der Siedler von Nahalal und aus den übrigen Siedlungen Emek Jesreels zur Ansiedlung gelangen werden. Diese neue Siodlung wurde durch dio Anpflanzung dos Waldes auf den Namen König G o o r g V. ermöglicht. Bei den Arbeiten in der Näho dieses Waldes, der über eine halbe Million Bäume umfassen wird, diie jetzt auf KKL-Boden in den Borgen boi Nahalal auf einer Fläche von 2000 Grand Caf6 Central Wien, II., Taborstraße 8. Tel. R 47-5-80, R 47-5-81 Aufliegen sämtlicher indischer Zeitungen (deutsch, jiddisch, hebräisch) Dunam angepflanzt werden, werden etwa 40 Arbeiter 5 bis 7 Jahre lang 7 Monate jährlich beschäftigt sein. Diese Arbeit bohafft die Grundlago für diie neue Siedlung der erwachsenen Kinder aus Nahalal und den benachbarten Siedlungen. Die Siedlung wird 50 Familien umfassen, von denen jodo 20 Dunam erhalten wird, entsprechend der intensiven Landwirtschaft. Mit Hilfe ihres Arbeitslohnes von der Anpflanzung des Waldes werden sio imstande sein, zu existieren, biß sie sich von ihrer eigenen Wirtschaft ernähren können. Auf ähnlicher Grundlage wurde vor einigen Jahren dio lvwuza Kefar Chassidim in den Bergen um Nahalal mit Hilfe der Aufforstungsarbeiten, die der KKL durchführte, geschaffen. Mittelstandskolonisation des Keren Kajemeth Im vorigen Jahr sind in Polen durch einen Beauftragten der Jewish Agency 100 Mittelstandsfamilien mit einem Eigenkapital von je 500 Pfund zwecks Ansiedlung in Palästina ausgesucht worden. Der Jüdischo Nationalfonds hat nunmehr den nötigen Boden für dio Durchführung dieser Ansiedlungsaktion bereitgestellt. Bisher haben 40 Familien den Siedlungsvertrag unterzeichnet, eine Anzahl von ihnen hat das erforderliche Kapital voll eingezahlt und dio Jewish Agency hat die Einwander u n g s z o r t i f i k a t e für sie erhalten. In der letzten Zeit hat der Jüdische Nationalfonds folgende Bodenparzellen zum Bau von Wohnhäusern und zur Anlegung von Hilfswirtschaften für Pflanzungsarbeiter erworben: in Kfar Saba 200 Dunam, in Chedera gogen 250 Dunam, in Petach Tikwa 30 Dunam, in Gan Jawne 20 Dunam. Dio Ansiedlung soll nach folgenden Grundsätzen durchgeführt werden: Jedo Arbeiterfamilie bekommt eine Parzelle von einem Dunam für ein Haus und eino kleino Hilfswirtschaft. Somit werden auf diesem Boden otwa 400 Familien angesiedelt werden können. In Chedera wurde bereits mit dem Bau der ersten 40 Häuser der neuen Arbeitersiedlung begonnen. 500 Dunam von der Bodenreserve des Keren Kajemeth in der Umgebung von Ramat- Jochanau im Emek Sebulun wurden für die' Ansiedlung dos Kibbuz „Hanoar Hazioni“ bestimmt, der sich bisher in Kirjat Annwim bei Jerusalem befand. Auf diesem Boden sollen 40 Familien angesiedolt werden, dio Gelegenheit zu Außenarbeit in benachbarten Wirtschaften haben werden. Es werden* auch bereits Vorbereitungen zu neuer Kolonisation auf dem großen Bodenkomplex unternommen, den der Jildi- Schon Kinder sollen die Zähne mit ODOL-Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahn pasta erhält die Zähne schön und gesund m m m llllfi I« I Kleine Tube S —50 GroOe Tube S 1.4Q Israelitische Kultusgemeinde Wien — Stellenausschreibung Der Bewerbungstermin für die mit Kundmachung vom 29. November 1935 erfolgte Ausschreibung der Stelle eines Ersten Sekretärs und Amtsdirektors wird bis einschließlich 31. Dezember 1935 verlängert. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Bet Alfa und Bet Schean erworben hat. Eine Kommission erfahrener Kolonisationsfachleute hat einen Plan für die Bewässerung und die Anlegung neuer Siedlungspunkte ausgearbeitet. Meldungen der arabischen Presse zufolge ist ein neuer Bodenkonflikt zwischen dem Keren Kajemeth und einem gewissen Scheich El Zinati entstanden, der Eigentumsansprüche auf Grundstücke des Keren Kajemeth im Kreis Bet Schean erhebt. Die Behörden haben beiden Streitteilen die Bearbeitung des betreffenden Bodens bis zur Klärung des Konfliktes untersagt. RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) U„ raborstraße 12 Telephon K 46-5-6V Ausgiebige Braten-Menüs S 1*60 ■■■•*■» IWJ „ Geflügel ,. S 2*30' Ifc7- sowie ä la Carte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzügeben. sclio Natioualfouds vor kurzem zwischen I Triest, der Hafen der Auswanderung nach Palästina W-enn heute dio Aufmerksamkeit der ganzen Welt der gegenwärtigen politischen Lage und ihren Auswirkungen im Verkehrswesen zugewandt ist, so gilt dies im besonderen Maße für das jüdische Volk, das an den Zufahrtswegen nach Palästina das vitalste Interesse hat. Nun ist das wichtigste Ausfallstor für die Auswanderungsbewegung von Zentral- und Osteuropa nach Palästina stets der Triesfcer Hafen gewesen: 15 Jahre lang sieht Triest nun die Auswandererströme durchziehen und es ist bemerkenswert, daß dio Steigerung der absoluten Ziffern der jüdischen Auswanderung in den letzten Jahren auch gleichzeitig eine relative Erhöhung des prozentuellen Anteils Triests an dieser Auswanderung mit sich gebracht hat. 1980 erreichte Triest den höchst bemerkenswerten Prozentsatz von 85 Prozent an der GesamtausWanderung aus Zentral- und Osteuropa, das Jahr 1933 brachte einen Rekordstand von 21.183 Auswanderern, welche über Triest nach Palästina fuhren, und das laufende Jahr wird diesen Rekord noch überbieten, da schon Endo Oktober 1935 die Ziffer 24.000 überschritten wurde. Dabei ist zu sagen, daß in diesen Ziffern dio als Klassenpassagiere reisenden „Kapitalisten“ statistisch nicht erfaßt sind, obwohl dieso Kategorie von Passagieren zweifellos gleichfalls zu den Auswanderern zu zählen sind. Die Frage, ob die jüdischo Bewegung nun nicht etwa durch die Sanktionen bedroht oder gar lahmgelegt werden könnte, welcho seit dem 18. November gegen Italien angewendet werden, kann glücklicherweise mit vollster Entschiedenheit verneint werden. Wir haben die Erklärung des Professors Brodetzky, des Chefs der politischen Abteilung der Jewish Agoncy und der Londoner Zionistischen Organisation, bereits veröffentlicht, in welcher er sagte: „Ich darf nun mit Freude fest-steilen, daß es auch nach dem 18. November keinerlei Schwierigkeiten bezüglich der Beförderung der Auswanderer nach Palästina auf italienischen * Schiffen geben wird.“ Was endLich die Regelmäßigkeit dos Passagierverkehres auf den italienischen Linien anlangt, so sei hier noch eino Notiz aus dem „Hajnt“ vom 15. November wiedergegeben: „Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle, daß die Gerüchte über Störungen im Passagierverkehr Italiens infolge der Anwendung der Sanktionen vollkommen unbegründet sind. Alle ausländischen Schiffe legen nach wie vor in italienischen Häfen an und alle Dienste der italmnischen Sehiffahrtslin’en verkehren nach wio vor regelmäßig in alle Welt.

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