Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 508 (17.12.1935)
- Date
- 1935-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 OIE STIMME 508 — 17. Dezember 1935. ihm erhofften Präsidentschaft dieser Körperschaft würde er auf einmal Einfluß auf die Steilung de*$ Mufti gewinnen. Dies ist eine der Forderungen, die seine ..Partei der Nationalen Verteidigung“ beim Oberkommissär für das Statut des Gesetzgebenden Rates stellt, und um deren Durchsetzung schickte er vor einiger Zeit einen besonderen Emissär nach London. Dagegen wird eich nun der Mufti mit Händen und Füßen wehren, und so weit bisher zu beurteilen ist. offenbar nicht ohne Aussicht auf Erfolg, wenn auch bisher keine Einzelheiten über da.s jetzt in London behandelte Projekt bekannt geworden sind. Nebenbei: man sieht, welche großen Trümpfe bei der Maehtverteiilung im Lande das Projekt des Gesetzgebenden Rates der Regierung in die Hand gibt.,'und man geht wchl in der Annahme nicht fehl, daß bei der Abwägung des Für und Wider dieser Frage diese Chance nicht wenisr auf der Proseite ins Gewicht fiel. Paiästinafragen vor dem Unterhaus aus gutem Hause, schöner Handschrift, wird aufsrenommen. Unter „Strebsam“ an die Admin. Weltverband der Allgemeinen Zionisten Tel-Aviv, 13. Dezember. (2. T. A.) Unter dem Vorsitz von Jehoschua S uprasky fand in Tel-Aviv eine Sitzung der Palästinaleitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten statt. Im Namen der europäischen Leitung des Weltverbandes referierte Dr. Emil Schmorak über die Lage der allgemein-zionistischen Bewegung und legte die Richtlinien für die Arbeit in nächster Zeit dar. Dr. Schmorak befaßte; sich auch mit der Stellung des Verbandes i zum Irgun der Allgemeinen Zionisten in ■ Palästina. Nach einer Aussprache, an der | sich Suprasky, Usieli, Dr. Löwenstein und j Heftmann beteiligten, wurde eine Reihe von Beschlüssen gefaßt. Um den Transfer Jerusalem, 12. Dezember. (2. T. A.) In einer der Öffentlichkeit übergebenen Erklärung nimmt die Zionistische Exekutive Stellung gegen den Feldzug, der gegenwärtig in Palästina zwecks Liciuidierung des Transfer-Abkommens Deutßchlan d—P alästina geführt wird. Die Exekutive nennt dde Gründe, die im Verlauf dieses Feldzugs gegen das Transfer-Abkommen ins Treffen geführt werden, „irreführend“ und erklärt, der Transfer sei der einzige W e g, um ein Maximum von Kapital der deutschen Juden nach Palästina zu bringen, ohne daß Deutschland aus dieser Transaktion Gewinne zieht. Das für die deutschen Waren bezahlte Kapital fließe nicht nach Deutschland zurück. Außerdem — so heißt es am Schluß der Erklärung — überwache die Zionistische Exekutive gemäß dem Beschluß des Luzerner Kongresses genau alle Transaktionen der Haavarah, sie habe ihre eigenen Vertreter im Ausschuß und im Rat der Haavarah. Leumi schließt sich den Luzerner Kongreßbeschlüssen an Jerusalem, 13. Dezember. (2. T. A.) Die Frage des Transfer-Abkommens Deutschland—Palästina bildete den Gegenstand einer erregten Auseinandersetzung in der Sitzung des Waad Leumi. Grün bäum forderte leidenschaftlich die Ablehnung des Transfer und erklärte, den Boykott deutscher Waren als einzigen Weg zur Rettung der deutschen Judenbeit und — für die Zukunft — auch der Judenheiten anderer Länder. Ben Gurion verteidigte den Transfer als den einzigen Weg zur Rettung kapital besitzender deutscher Juden aus der deutschen Hölle. Transfer bedeutet Zionismus, Ablehnung des Transfer bedeutet Unterstützung der Assimilation. In dem gleichen Sinne sprach Dr. Werner S en a t o r. London, 12. Dezember. (2. T. A.) Im Unterhaus fragte Sir E. Graha m- Little den Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, ob im Hinblick auf die wachsende Verfolgung der Juden in Deutschland sofortige Schritte unternommen werden würden, um die Quote der jüdischen Einwanderung nach Palästina zu erhöhen und diese Erhöhung den Juden, die Deutschland infolge des einzig aus rassischen Gründen gegen sie geübten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykotts zu verlassen genötigt sind, zugute kommen zu lassen. Minister Thomas antwortete: Was Einwanderer betrifft, die als Arbeitnehmer nach Palästina kommen, so werden 500 von den vor kurzem der Jevish Agency for Palestino als V o r s c h u ß für die laufende Halbjahrs- Arbeiter-Schedule übergebenen 1000 Einwanderungszertifikaten deutschen Juden zugeteilt werden. Wie ich erfahre, untersucht gegenwärtig die Palästina-Regierung die Möglichkeit weiterer Erleichterungen für die Zulassung deutschjüdischer Einwanderer anderer Kategorien. Es wird jedoch darauf Wert gelegt werden, daß das Ausmaß der Einwanderung nach Palästina zu jeder Zeit vom High Commissioner im Verhältnis zu der Aufnahmefähigkeit des Landes bestimmt wird. Der Abgeordnete Morgan interpellierte über die Durchführung der neuen Kanalisation für Tel-Aviv, deren Pläne bereits vor zwei Jahren der Palästina-Regierung vorgelegt wurden. Eine zweite Anfrage ist an den Staatssekretär für Überseehandel gerichtet und bezieht sich auf die Unterstützung englischer Aussteller auf der L ev a n t e - M e s s e unter Hinweis auf die seinerzeit englischen Ausstellern auf der Brüsseler Messe gewährte Unterstützung. Die Zertifikate Im britischen Unterhaus fragte Tom Smith die Regierung, weshalb sich die Ausgabe der Sehe d ule für jüdische Arbeiter-Einwanderer nach Palästina für das Halbjahr Oktober 1935 bie März 1936 so sehr verzögert hat, und ob man darauf sehen wolle, daß in Zukunft solche Verzögerungen vermieden werden. Der Kolonienminister J. H. Thomas erwiderte: „Die Schedule für das mit 31. März 1936 endende Halbjahr ist wohl bis zum heutigen Tag noch nicht festgesetzt worden, aber die Administration Palästinas hat der Jevish Agency anfangs November einen Vorschuß von 1000 Einwanderungszertifikaten auf diese Schedule gegeben. Die Vorschläge der Jevish Agency betreffend die Höhe der laufenden Schedule haben sich durch Umstände, die nicht vorauszusehen waren, verzögert; sie wurden erst am 6. Dezember dem High Commissioner, dessen Prüfung sie jetzt unterliegen, unterbreitet.“ Die jüdischen Ärzte aus Deutschland Tom Smith fragte den Kolonieum/inister weiter, ob er im Hinblick auf den Protest der Jowish Agency gegen die Beschränkung der Erteilung von Lizenzen an einwandernde jüdische Ärzte aus Deutschland den Grund für diese Einschränkung dem Hause mitteilen wolle. Minister J. H. Thomas erwiderte: „Die Ergänzungsverordnung über Beschränkung der Ausübung der ärztlichen Praxis bezieht sich einzig und allein auf Personen, die nach dem 1. Dezember 1935 Palästina-Bürger wurden oder die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt in Palästina erhielten. Personen, die von anerkannten medizinischen oder anderen wissenschaftlichen Institutionen zur Arbeit eingeladen werden, sind von der Beschränkung a u sgenommen. Die Beschränkungsverordnung erwies sich im Hinblick auf den starken Zustrom von Medizinern in den letzten Jahren, durch den seit langem etablierte Ärzte von Ruf in ihrer materiellen Existenz gefährdet wurden, als notwendig. Dieser große Zustrom wurde durch die unseligen Zustände in Deutschland hervorgerufen. Angehörige des Ärzteberufes haben sich an die Regierung um Schutz gewandt.“ Schließlich nahm der Waad Leumi eine Resolution an, die, analog dem Kongreßbeschluß und der letzten Erklärung der Jevish Agency, dem Transfer-Abkommen die volle Zustimmung gibt. Ein Vertreter des Waad Leumi wurde in die Haavarah-Kommission delegiert. An len Jischuw wurde appelliert, den Feldzug zur Herbeiführung eines Plebiszits gegen Haavarah als von unverantwortlicher Seite ausgehende Aktion zu ignorieren. Mehrere Redner kritisierten scharf die Regierang wegen Nichtunterstützung des jüdischen Gesundheitswesens, ein Streiktag aller jüdischen medizinischen Institutionen wurde angeregt. S h e r t o k sprach für Fortführung der Verhandlungen mit der Regierung. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Haltung der Regierung gegenüber den jüdischen medizinischen Institutionen Protest eingelegt wird. Schwere Strafen für jüdische Wächter Haifa, 13. Dezember. (2. T. A.) Vor dem Haifaer Gericht unter dem Vorsitzo des Richters S h e r w e 11 fand der Prozeß gegen die vier Wächter des Bodens der Mcshek Company, die der Ermordung des Beduinen Mohamed el Alyan und des Mordversuches an vier anderen Beduinen am 19. August auf dem Kuskus Taboun-Gebiet beschuldigt waren, statt. Der Beduine Saleh Kassam sagte aus, er und vier andere Beduinen wollten zwei jüdische Traktorenlenker am Pflügen hindern, es kam zu einem Zusammenstoß, wobei die vier jüdischen Wächter feuerten. Das Gericht verurteilte den Wächter Jizehak Hankin zu zehn Jahren schweren Kerkers, die Wächter Mordechai Misrachi, Josef Domai und Arje Abrahamson zu je zwei Jahren Gefängnis. Regierung errichtet Tech• nische Schule für Araber in Haifa Jerusalem, 12. Dezember. (2. T. A.) Die an Stelle der verbotenen „Adifaa“ erscheinende „El Sirat al Mustakim“ berichtet, daß das Schatzamt der Palästinaregierung 32.000 Pfund für die Errichtung der Technischen Schule für Araber in Haifa ausgeben wird, die, entsprechend einem Beschluß der Palästinaregierung, gebaut werden soll. An der Schule werden Abteilungen für fünf verschiedene Lehrfächer bestehen. Der deutsche Nationalsozialismus, der sich mit Vorliebe an Studenten heranmacht, erhält somit aus jüdischem Geld neue Ansatzpunkte für seine Hetze gegen die Juden und Engländer gerade im jüdischen Land. Richtigstellung. In dem in unserer letzten Nummer der „Stimme“ veröffentlichten „Brief aus Erez Israel“ werden die Einnahmen deß Keren Kajemeth im vergangenen Jahre mit 348,000.000 Pfund Sterling beziffert. Leider ist diese Rekordziffer nur durch die großzügige außortourliche Spende des — Setzers entstanden, der an die Ziffer von 848.000, sowie an die weiteren im Berichte erwähnten Ziffern einfach die Millionen liebevollst hinzugefügt hat. Jüdisches Ferienheim „ATID ff bietet Ihrem Kinde 14 Tage W i nt e r* sport vom 21. Dezember bis 5. Jänner in den Schladminger Tauern (1300 m), unter ständiger ärztlicher und pädagogischer Aufsicht bei reichlicher, sehr guter ritueller Verpflegung. Verpflegskosten inkl. gemeinsamer Hinu. Rückfahrt f. 14 Tage S 85'—. 8 Tage S 60.—. Mindestaiter 10 Jahre. Anmeldungen im Sekretariat: Wien IX.,Schwarzspanierstr.l 2,T el.A 26-3-73 Minister Becks Sympathien für den Zion smus Warschau, 12. Dezember. (2. T. A.) Der gegenwärtig in Polen weilende Direktor dos Hauptbüros des Keren Hajessod in Jerusalem, der hebräische Dichter Leib J a f f e, erhielt vom polnischen Außenminister Oberst Josef Beck das folgende, vom 8. Dezember 1935 datierte Schreiben: „Herr Direktor! Während unseres Gesprächs am 2. Dezember d. J. haben Sie meine Aufmerksamkeit auf das 15jährige Jubiläum des Bestehens des Keren Hajessod gelenkt. Mit wirklichem Vergnügen ergreife ich nun die Gelegenheit, meine besten W ti n s c h e zum Gedeihen des Keren Hajessod zum Ausdruck zu bringen, jener Institution, die unter Ihrer Leitung so viel zur Entwicklung und Befestigung des Jüdischen Natiunalheims in Palästina beigetragen hat. Polen, welches selbst lango Zeit um eine eigene ricationale Existenz gekämpft hat, ist am besten dazu in der Lage, seine Sympathie für die Idee der j ti d ischen nationalen Renaissance zu bezeigen. Übrigens hat die polnische Regierung, durch den Mund ihrer Delegierten beim Völkerbund, niemals eine Gelegenheit versäumt, die Bemühungen der Zionistischen Organisation auf diesem Gebiet zu unterstützen. Andererseits unterliegt es keinem Zweifel, daß das große Werk des Aufbaus Palästinas neue Perspektiven für die kulturelle und ökonomische Entwicklung der zahlenmäßig großen jüdischen Bevölkerung öffnet, die seit Generationen auf polnischer Erde lebt und jetzt die durch die Konstitution garantierten Rechte genießt, einer Konstitution, die nach Polens traditionellem Toleranzprinzip gebaut ist. Ich bitte Sie, Herr Direktor, den Ausdruck meiner Hochachtung entgegenzunehmen. J. Beck.“ Dieser Berufung auf das traditionelle Toleranzprinzip muß man die Tatsachen gegenüberstedlen. Die Praxis der Behörden und der Gesetzgebung gebt dahin, die Juden zum Hungertod zu treiben. Dies nimmt dem Dokument jeglichen politischen Wert. Zionistischer Kultus• gemeindesieg in Jugoslawien Die Zionisten erobern die Agramer Kultusgemeinde. Von unserem Berichterstatter. Bei der dieser Tage stattgefundenen Wahl in die jüdische Kultusgemeinde Zagreb (Agram) wurden bei 3159 Wählern 2028 Stimmen abgegeben. Auf die zionistische Liste entfielen 1496 Stimmen, auf die revisionistische 189, auf die assimilatorische 343. Die Zionisten haben damit einen großen Sieg davongetragen. Sie erhielten die absolute Majorität und haben den Präsidenten und die beiden Vizepräsidenten zu stellen. Dieses Wahlergebnis sichert eine konstruktive positive Arbeit im zionistischen Sinne. I. b. M. Das Reisebüro „Francopol“, HL, Rennweg Nr. 1, veranstaltet unter bewährter Führung Weihnächte- und Neujahrs-Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz mit D-Zug in geheizten Pullmannwagen. Abfahrten 19. und 22. Dezember 1935, 2. und 21. Jänner 1936. Rückfahrten am 6. Jänner und 12. Februar 1986, Tel. U 16-4-90. Magendarmbeschwerden. Zahlreiche Ärzte wenden das natürliche „Franz-Josef“-Bitterwasser auch bei hochgradigen Gärungs- und Zersetzungsvorgängen im Magendarmkanal mit recht günstigem Erfolg an. Veranstaltung des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich. Der grandiose Palast na-J ont Um // wird Mittwoch, den 25. Dezember l. J„ vorm. ’/,// Uhr und 9Ut2 Uhr im ('Hege*-Kino, IX, Liechtensteinstr. 37 zur Aufführung gelangen, REICHHALTIGES BEIPROGRAMM« Vo rverkaufss teilen: Zionistischer Landesverband, l.,Marc Aurelstr. 5, V22-2-11* — A Melist'ik, L, Wollzeite 6, A' 25-4-53 — Bücherstube Lanyi, /., Kärnterstr, 44, B 25-6 75. — Bücherstube Rath, //., 7 aborstraßn 2Ua, R 45* 3-05, — Jüdische Kultur stelle, 1„ Franz fosetskai 3. P 26-2-36. — Und Zionistische Bezirkssektion, IX., Wähnnger- Straße 6/8, i< 52-0-12 und an der Kasse des Fliegerkinos. infolge lebhafter Nachfrage nach Karten werden keine Karten an der Kinokasse erhältlich sein. Es empfiehlt sich daher, Karten schon jetzt durch das Landeskomitee, I. Mdrc-Auielstr. 5 (U 22211) zu besorgen.