Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 508 (17.12.1935)
- Date
- 1935-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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508 — 17. Dezember 1935. DIB STIMMI Seite 3 Weltmann und Smilansky \ Jerusalem, 13. Dezember, (t. T. A.) Bei Anwesenheit von über 200 Delegierten aus allen Teilen de? Jischmv wurde in Tel-Aviv die Jahreskonferenz des Verbandes jüdischer Bauern Palästinas (Ilistarlruth Haikariin) eröffnet. Der Präsident des Verbandes Mosche Smi- 1 a n s k y sprach Glückwünsche für das Mitglied des Obersten Gerichts der USA Louis Brandeis zu. seinem Eintreten ins 80. Lebensjahr, für Miß Henrietta Szold zu ihrem 75. Geburtstag und für die Kolonie Dagania zum 25. Jahre ihres Bestehens aus. Er°berichtete über die Arbeit des Verbandes im letzten Jahr und bezeichnete es als notwendig, daß die Regierung einerseits die Anlage weiterer Zitrusplantagen beschränke, anderseits die Palästina-Zitrus-Erzeugnisse auf den Weltmärkten schütze. In einem Überblick über die politische Situation übte er Kritik an dem Revisionismus und sprach sich gegen den Boykott der durch die Haavarah aus Deutschland importierten Waren aus. Er kritisierte den Waad Leumi und die Zionistische Exekutive, die eine engere Zusammenarbeit mit dem Bauernverband anscheinend nicht wünschen. Der Präsident der Jewish Agency, Doktor Chaim W e i z m a n n, hielt dann eine Ansprache, in deren Verlauf es zu einem Wortwechsel zwischen ihm und Smilansky kam. Weizmann erklärte: Wir stehen in einem schweren politischen Zwist in einer Zeit, da wir die volle Einigkeit aller Teile des jüdischen V olkes und des Jischuw so sehr nötig haben. Weizmann schlug die Bildung einer Kommission zur Beseitigung der Mißverständnisse zwischen dem Bauernverband und der Zionistischen Organisation vor. Smilansky sagte (zu Weizmann): Ich bin Ihr größter Bewunderer und Anhänger, was Ihr allgemeines politisches Programm betrifft. Ich bin aber der größte Gegner Ihrer internen Palästinapolitik. Einigkeit ist nur möglich, wo jeder Anlaß zu Feindschaft vermieden wird und nicht auf der einen Seite das Bestreben vorherrscht, alle Tätigkeiten zu monopolisieren. Überzeugen Sie uns durch die Tat von Ihrer Bereitschaft zu Zusammenarbeit, dann werden auch wir Bereitschaft zeigen. Dr. Weizmann erwiderte: Wo ein Wille, da ein Weg. Laßt uns, wenigstens für kurze Zeit, Zusammenarbeiten; weiset nicht die ausgestreckte Hand zurück! In der zweiten Sitzung referierte Doktor Biram von der Landwirtschaftlichen Hochschule über die Entwicklung dieser Anstalt. Mehrere Delegierte kritisierten scharf die Politik der Regierung gegenüber dem Jischuw. Auch gegen Smilansky selbst richtete sich heftige Kritik wegen seiner Haltung in der arabischen Frage. (Smilansky forderte unlängst im „Boustenay“ sofortige Schritte zu einer Aussöhnung mit den Arabern, da es für die kommende Generation hierzu zu spät sein würde.) Ein Geschenkwerk von bleibendem Wert: JUDEN UND JUDENTUM in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten herausgegeben von Franz Hobler Eine der vielen PregBeatlmmen; Ein historisohor Roman in Briefen, wie er von keinem Historiker und keinem Dichter fesselnder gestaltet werden kann. Preis des selittnen Leinenbandes 4 A ifiA (Umfang 410 Setten) S I Jm DU In Jeder Buohhnndlung Das Jüdische Palästina als Käufer In der Tschechoslowakei hat die Regierung bisher den antisemitischen Ausschaltungsbestrebungen Widerstand geleistet. Sie duldet auch nicht den stillen Boykott. Diese Haltung wird vor allem im padästinensichen Judentum anerkannt. Wie 4er Vorsitzende des tschechoslowakischen Zionistenverbandes, Dr. Josef Rufei s e n, mitteilt, plant Palästina im kommenden Jiahre in der Tschechoslowakei außerordentliche Einkäufe für etwa 50 Millionen Tscheohenkronen neben den normalen Bezügen, die im Vorjahre 52 Millionen Tschechenkronen und in der ersten Hälfte dieses Jahres 40 Millionen Tschechenkronon erreichten. Palästina wird auch weiterhin teohechoslofwakigchvQ Erzeugnisse toor- SSmtllche bisherige Vorstellungen Ausverkauf« DAS LAND DER VERHEISSUNG Der große Palästina-Film der Fox NÄCHSTE AUFFÜHRUNGEN; SoHhtafy, 22. Dtzetnfec (für Schüler der Haupt- und Mittelschulen) ttUttwacU, 25. Dezefn&cc dotoMtsicify, 2 6. im FLIEGER¬ KINO IX. Liechtensteinstr. 37 vorm. 7*11 u.7412 Uhr Karlen bei Mejslrik, Wollzelle 6, Jüdische Kultursteile, Franz-Josefs-KaK 5, und an der Kinokasse zugen, falls die tschechoslowakischen Preise den Weltmarktpreisen zumindest annähernd gleichgestellt werden. Palästina plant in der Tschechoslowakei insbesondere den Einkauf von Entwässerungelind Bewässerungsröhren sowie Kanalisierungsanlagen für die größeren Städte Palästinas. Im Zusammenhang mit der Finanzierung dieser Einkäufe wird unter den Anfang und Ende der Arabischen Exekutive Das repräsentative Organ einer Gemeinschaft kann auf zwei verschiedenen Voraussetzungen entstehen: a) Auf der Grundlage einer politisch und gesellschaftlich rückständigen Masse tun sich einige aktive oder einflußreiche Personen zu einem ihnen gemeinsamen Zweck zusammen und präsentieren sich mit mehr oder minderem Rechte als legale Vertreter der Masse, solange diese keinen Widerspruch erhebt; b) eine politisch bewußte und gesellschaftlich differenzierte Gemeinschaft bildet als den organisierten Ausdruck ihres gemeinsamen Willens ein zentrales Organ, das stets nur in Wechselwirkung mit jener handeln kann und so die in ihnen wirkenden realen Kräfte widerspiegeln. Auf der Grundlage der zuerst angeführten Konstellation ist im Jahre 1920 in Palästina die Arabische Exekutive als nationale Repräsentanz des palästinensischen Arabertums und unter helfender Einflußnahme britischer Beamter entstanden; in einer Atmosphäre geschwellter nationaler Hoffnungen nach dem beendeten Krieg und der Befreiung vom türkischen Joch. Sie setzte sich aus den Angehörigen einiger einflußreicher Familien mit dem alten Musa Kasam Pascha el Husseini als Präsidenten zusammen. Ein organisierter Volkswilie stand nicht hinter ihnen, aber es bestand auch kein Widerspruch gegen die beanspruchte Autorität. Ihren stärksten Rückhalt bildete die Anerkennung durch die palästinensische Regierung als nationale Vertretung. Die Möglichkeit zu wichtigen politischen Aktionen fehlte ihr. Die großen Dinge in und um Palästina wurden von stärkeren Kräften entschieden. Es fehlte ihr aber auch der innere moralische Gehalt, der jenes Minus zu ersetzen geeignet gewesen wäre. Nach kurzer Zeit war die Begeisterung geschwunden, und es begannen die inneren Reilbungen und Kämpfe der um den Vorrang ringenden Familien. Durch die unmittelbaren Beziehungen zur Regi rung war für die jeweilig obon Befindlichen Verschiedenes zu gewinnen. Mit Musa Kasam als tschechoslawakischen Zionisten eine Anleihe von 100.000 Palästina-Pfund (rund 12 Millionen Tschechenkronen) aufgelegt werden. Die Tschechoslowakische Nationalbank, mit der hierüber bereite verhandelt wurde, steht der Transaktion wohlwollend gegenüber. Man achtet eben in Palästina genau darauf, was in der Welt vorgeht. Präsidenten der Exekutive und Emin als Präsidenten des Obersten Muslimischen Rates gewann die Familie der Hussein! im Laufe der Jahre ein entschiedenes Übergewicht. Die Opposition war durch ihren permanenten Kampf gegen dieses Übergewicht gekennzeichnet. Diese innere Auseinandersetzung der Interessen und Interessenten, so verschiedene Gesichter sie zeitweise annahm, füllte das interne Dasein der Arabischen Exekutive aus. Im Laufe der Jahre wurde die innere Leerheit dieser Körperschaft weitesten arabischen Kreisen klar, und sie wurde immer mehr das Ziel sich steigender Angriffe. Den Höhepunkt ihrer Bedeutung erlangte die Arabische Exekutive beim Ausbruch der blutigen Unruhen im Jahre 1929 und in dem von Untersuchungen, Gerichtsverhandlungen und politischen Spannungen erfüllten darauffolgenden Jahr. Damals schien sie ihre Existenz zu rechtfertigen. Es war der letzte, große, unter scheinbar günstigen äußeren Umständen unternommene Versuch einer gewaltsamen Änderung des politischen Status des Landes. Und das erste Zeichen des Mißlingens des Unternehmens war keineswegs in der Niederschlagung der Unruhen und der Aburteilung einer Anzahl der mißbrauchten Teilnehmer zu erblicken, sondern erst nach einem Jahr schwersten Kampfes der zionistischen Bewegung gegen das ihr drohende Verhägnis in der Erlangung des Mac Donald-Briefes an Doktor Weizmann. Das bedeutet, trotz der vielen begleitenden Beeinträchtigungen der jüdischen Position im Land, die endgültige Abwehr des von den Arabern unternommenen Generalangriffes auf die Balfour-Deklaration. Di« Folgen der Niederlage blieben im arabischen Lager nicht aus. Di« Stellung einer nationalen Körperschaft, die einzig und allein von einem negativen Ziel getragen wird und keine konstruktiven Aufgaben hat, muß von Haus ans schwer sein, muß für die Dauer unhaltbar werden, wenn ihr die Möglichkeit zur aktiven Betätigung in der Richtung der Negation im Raume benommen wird und sie sich auf die deklarative Arbeit, die allmählich jede Resonanz verliert, beschränken muß (in unserem Haus erlebten wir das —- bei den Revisionisten). Sie ist noch schwerer zu behaupten, wenn auf der Gegenseite positiv wirkende Kräfte schöpferisch da« Gesich der Wirklichkeit, in der man selbst eingestellt ist., täglich ändern und sogar die eigenen Reihen in ihren Bannkreis ziehen. Kein Wunder, daß die Arabische Exekutive seit 1931 immer mehr an Einfluß verlor und mit dem im März 1934 erfolgten Tode des Präsidenten Musa Kasam Pascha praktisch zu bestehen aufgehört hat. Da man sich auf dio Wahl eines anderen Präsidenten nicht einigen konnte (der Mufti bestand auf die Wahl seines Neffen Dschemal, was die Gegner ebenso entschieden able.hnten), faßte die Exekutive in ihrer letzten Sitzung im August 1934 einen Beschluß, der erklärte, daß die Lage des Landes die innerpolitische Organisierung auf neuer Grundlage, den anderen Kulturländern analog, erfordere. Infolgedessen seien politische Parteien mit klaren Programmen zu errichten, dio den nationalen Interessen, des Landes dienen sollten. Modernisierung der ParteU formen Die innerpolitische Neuorganieierung befindet sich seit einem Jahr unter ständigen Parteiüamilien und Personenkämpfen, die manchmal krasse Formen annehmen, in vollem Gang. Der Mufti von Jerusalem gab seiner Anhängerschaft den Namen „Palästinensische Volkspartei“, an deren Spitze er seinen Neffen Dschemal el Husseini stellte, einen Mann voller Klugheit und Initiative. Die Partei prätendiert als die Repräsentanz des Volkes schlechtweg zu gelten, und es ist nicht zu leugnen, daß sie wohl im Lande den meisten Einfluß hat.: Der panarabische Plan steht im Zentrum ihrer Bestrebungen. Sie übernahm als Erbschaft nach der Arabischen Exekutive die Verbindungen mit den außerpalästinensischen arabischen und moslimischen Ländern, die zum größten Teil das persönliche Werk Mufti und Dschemals waren, der als Sekretär der Arabischen Exekutive die vielen Appelle und Denkschriften über die FESTTAGE . . . .! r, Heut®. beSlnnt der große Festtags-Ausschank bei R Zeilinger. Eine Auslese der feinsten und edelsten Weine H Ueht für die Festtage bereit. Mit Liebe haben wir jeden H Tropfen.gepflegt. Sie dürfen von allen Sorten eine edleH Reife, ein schönes Bukett und eine seltene Feinheit er- H warten. 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H Lage in Palästina und die Bedrohung durch die Juden verfaßt hat. Als nächste im Range ist die von R a g i b Bey Naschaechibi, dem Führer der Opposition in der Arabischen Exekutive und vom Mufti gestürzten Bürgermeister Jerusalems gebildete „Partei der Nationalen Verteidigung“ anzuführen. Früher, gegenüber dem Mufti, Vertreter einer „gemäßigten“ Richtung, warf er sich seit dem politischen lind Prestigeverlust, von dem er betroffen wurde, voll von Ressentiments mit ungeheurem Furor in das politische Meer, in dem er an Radikalität seither den Mufti zu übertrumpfen sucht. Er ist in seinem Haß gegen seinen überlegenen Widersacher nicht zu bändigen, und in Erinnerung ist noch seine sensationelle Preßkampagne gegen den Mufti, in dem er ihn als Parteigänger Italiens zu brandmarken suchte. Naschaschibi setzt seine große Hoffnung auf den kommenden Gesetzgebenden Rat, in dem er auf den Präsidentenstuhl zielt und dadurch seine politische Entschädigung zu erlangen hofft. Dafür hat er einen klaren Plan: Die Logik und das nationale Interesse gebieten es, daß der Oberste Moslemische Rat, deren Präsident und unabhängiger Schalter der Mufti ist (jährliches Budget 60.000 Pfund, über deren Verwendung der Mufti keine Rechenschaft abzugeben braucht), als eines dor Verwaltungs-Departemente der Kontrolle des Gesetzgebenden Rates, als oberstem nationalem Organ, unterstellt werden solle, Als Leites der von JÜDISCHES KULTURTHEATER - REZITATIONSABEND JEHUDA EHSENKRANZ Donneistag, den 19. Dezember, pQnktlicb 7.8 Uhr Jüdische Profile der Gegenwart' Karton von 8 —.00 bl« 8 MO orhültlloh In der JUdloohen Kulturvolle, I. Box., Franx Josefakai 3 — Telephon Nr. R 28-2-36 Parteiungen unter den Arabern Palästinas Von Ch, Haller, Tel-Avlv