Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 507 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054263--5533-3061278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
807 — 13. Dezember 1985. 011 STIMMI Seite 3 lernen und sich dann darin einer Prüfung unterziehen, die alles andere als einfach ist. Beim letzten Examen kamen von 97 Juristen 13 durch. Es ist Gelegenheit, gegeben, die Prüfung zu wiederholen. * „Wir haben nichts gegen die jüdische Einwanderung“, sollen — der hebräischen Tageszeitung „Haboker“ zufolge — einige hundert Fellachen-Scheichs erklärt haben als sie sich dieser Tage im Süden des Landes versammelten, um gegen die Politi der städtischen Aral) er zu demon etrieren: „Wir haben nichts gegen die jlidi sehe Einwanderung — abgesehen davon daß sie nicht genügend landwirtschaftlich ausgebildet ist, wovon bloß die Städte pro fitieren“ —, hier scheint sich also die Kritik der Jowish Agency und der arabischen Scheichs zu begegnen... Auch über das Zu stamlekommen der Versammlung, die einen friedlichen Verlauf genommen haben soll erzählt der „Haboker“ eine merkwürdige Geschichte: Die ländlichen Araber wollten einmal unter sich sein. Und deshalb luden sie zwar erst den Mufti und die anderen arabischen Wortführer aus Höflichkeit ein, aber dann wieder telegraphisch aus, indem sie vorgaben, daß das Treffen verlegt worden sei. Man kritisierte dann das demago giseh-nationalistische Vorgehen der Abwesenden und desgleichen das antizionisti sehe Verhalten des Obersten Moslemischen Rates, der sich nicht um Politik, sondern um religiöse Angelegenheiten kümmern solle. Hingegen haben die Führer der arabischen politischen Parteien auf einer Sitzung in Jerusalem beschlossen, die kommenden religiösen Festlichkeiten, die das Ende des Ramadan-Monats kennzeichnen, zum Zeichen RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. rnborstraüe 12 Opercr) Telephon U 40-5-5? Ausgiebige Braten-Menüs S 1*00 „ Geflügel 8 2*20 lY^-J sowie & la Carte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. des Protestes „gegen den Staat, der gegenwärtig im Lande herrscht“ abzusagen. „Al-Islamia“ wurde von der Regierung wegen eines hetzerischen Artikels verwarnt. « Verschiedenes: Die Arbeiterin rankenkasso der Histadruth (Kupatb Cholim) gab am 1. November einen Mitgliederstand von 49.000 bekannt und gegen den 1. Jänner 1935 einen Mitgliederzuwachs von 12.000. Die arabischen Haifaer Schuhmacher protestierten gegen das syrische Schuhdumping und verlangen Zollschutz. Aus England sind jetzt bessere Nachrichten über den Verkauf der Citrusfrüchte eingegangen. Man zahlt zwischen 9 und 14 Schilling pro Kiste Orangen. Aus Polen kommen gute Verkaufsnachrichten, aus Skandinavien mittelmäßige. In Tel-Aviv will die Regierung sechs Eisenbahnbrücken und -tunnels bauen lassen und sich mit der Stadt in die Kosten teilen. Infolge des ständig wachsenden Stadtverkehres ist das Projekt sehr aktuell. Es wird geprüft. Erich Gottgetreu. Bin beispielloser Erfolg Dat Land der Verheißung DER SCHÖNSTE P ALÄS TI N A-T O N Fl L M Vl&cUste. AufflüUMH$en: Sonntag, 15. Dez., 11 Uhr vormittag Donnerstag, 19. Der., 9 Uhr abends Park-Kino, Hietzing \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\VA\V\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\W\\,V Amalien-Klno, laxenburgerstr. 8 VWWWWWWWWWWWNWWWWWWWWWWWWWWWWNWWWWWWV Karten bei: Cafö Drill, Laxenburgerstr. Nr. 16; Steigmann, Quellenstr. 142; Freilich, Favoritenstr. 83; Perlmutter, Uhlandetraße 2, Wiedner Hauptstr. 73; Eisinger, Favoriten« tr. 6; JelHnek, Marga-retenstraße 76; Klein, Sohellingstr. 7; Restaurant Hacke, Pernerstorferg. 25; Mejstrik, Wollzeile 6; Lanyi, Kämtnerstr. 44 beim Zionistischen Landeskomitee, Marc AurelstraBe 5 Restliche Karten bei: Roth, Lainzerßtraße 84, Tel. R 37-3-90; Pasternak, Nisselgasse 8, Tel. R 31-8-12; Prager, Opernring 13, Tel. B 22-0-31; Buchhandlnng Poilak, Mariahilferstraße 140, Tel. R 85-0-34 und an den Kinokassen Hebräische Universität und Diaspora Von Dr. Viktor Kellner Direktor des Chajesrealgymnasiums Gegen den Strich zeigt sich die Qualität. Elaatisch, rasch und sicher gleitet die Hathorn Hall heim Mufti Jerusalem, 11. Dezember. (2. T. A.) Der Chefsekretär der Palästina-Regierung, Sir John Hathorn Hall, hat dem G r o ß vn u f t i von Jerusalem aus Anlaß des Ramadan-Festes einen Besuch ahgestattet. Grand Caft Central Wien, II., Taborstraße 8. Tel. R 47-5-80, R 47-5-81 A'ifliegeu sämtlicher indischer Zeitungen (deutsch, jiddisch, hebräisch) Das Reisebüro „Francopol“, III., Ronnweg Nr. 1, veranstaltet untor bewährter Führung Weih nachts- und Neujahrs-Sonderfahrten naeh Polen und Czernowitz mit D-Zug in geheizten Pullmanriwagen. Abfahrten 19. und 22. Dezember 1935, 2. und 21. Jänner 1986. Rückfahrten am 6. Jänner und 12, Februar 1986, Tel. U 16-4-90. Wir beiachteten in unserer Dienstag- Nummer über die Grtindungevensammlung des Vereine« der Freunde der Hebräischon Universität Jerusalem in Wien. Bei dieser Gelegenheit hielt Direktor Dr. Kellner die folgende Ansprache: Welchen Sinn hat die Gründung des Ver eines? Es ist augenfällig, daß dieser Sinn zunächst einmal im Praktischen liegt. Wie Sie wissen, ist seitens der Hebräischen Universität die Parole ausgegeben worden, in der ganzen jüdischen Welt hunderttausend Menschen zu werben, die durch Entrichtung eines Mitgliedsbeitrages von einem Pfund im Jahr die Universität fördern. Der Gedanke, der dieser Werbung zugrunde liegt, ist der, das Budget der Universität durch reguläre Beiträge zu sichern, sie dadurch unabhängig zu machen und 30 zu ihrer äuße ren und inneren Festigung und zu ihrem systematischen Ausbau beizutragen. Es geht bei der Gründung des Vereines zunächst uicht um außergewöhnliche Leistungen vermögender Menschen, so erwünscht solche Leistungen auch sein mögen, sondern es geht um alltägliche Pflichterfüllung und um Übernahme einer Verantwortung. Große Opfer machen oft stolz und hochmütig; solche Affekte gilt es von der Arbeit, der wir uns hier weihen, fernzuhalten. Nichts ist in gewissem Sinne schwerer als die Pflichterfüllung im kleinen, diie fern ist von jedem Heroismus und den Lohn einzig und allein in sich trägt. Es gelte hier das Wort der Sprüche der Väter: „sschar mizwa mizwa: Der Lohn der guten Tat liegt in ihr selbst.“ Es wäre aber meines Erachtens verkehrt, den Aufgabenkreis des neuzugründenden Vereines auf diese seine materielle Leistung zu beschränken. Geldsammlung allein, ohne daß Herz und Geist in stärkster innerer Beziehung zu dem Zweck der Sammlung steht, muß sich selbst erschöpfen und aufheben. Es wird Sache des Vereines sein, in seinen Mitgliedern das Gefühl zu wecken und zu erhalten, daß Palästina heute schon uns mehr zu geben vermag als es von uns verlangt. Der Verein wird nun dann seine Pflicht erfüllen, wenn er den inneren Zusammenhang mit dem neuen Volks-, Staats- und herzustellen vermag Einwanderungsland Kulturwesen Palästinas Palästina ist heute ein großen Stils geworden Die Mittel, deren sich die Palästinabewe gung bedient, um eine möglichst große Zahl von Menschen ins Land zu bringen und so zu retten, sind vielfach materieller und un geistiger Art. Es gilt aber heute schon, das geistige Ziel, das menschlich-religiöse und über nationale, nicht aus den Augen zu verlieren. Es gibt keinen verkehr teren Gedanken als den: erst möglichst viele Menschen, gewaltige Massen um jeden Preis ins Land zu bringen, ohne jede Rücksicht auf eine geistige, jüdischmensohlicbe Ziel Setzung. De<r Geist werde schon von selbst kommen, meint man, wenn die Menschen einmal da sind. Wir müssen demgegenüber erkennen, daß die Mittel, die wir wählen, den Zweck zu heiligen haben und daß es auf jeden Stein des großen Baues ankommt. Geistiges wird nicht von selbst. Es bedarf der konzentrierten Kraft des lebenden Geschlechtes und derer, die nach ihm kommen, um nicht nur wirtschaftlich und politisch, sondern auch geistig und sittlich, national und religiös die Fundamente zu legen. Es gilt, in dem neuzugründenden Verein Sinn und Herz offen zu halten für solche Probleme. Eine besonders schwere Frage, die das ganze große Palästinaaufbauwerk immer von neuem stellt, ist die der Geistespropaganda. Wie macht man das ge waltige jüdische Geschehen, das größte in unserer Zeit, den jüdischen Menschen der Diaspora anschaulich, ohne jene zudringliche, oft geschmacklose Reklame, die eine schwere Störung der Aufbauarbeit bedeutet, ohne ein Allgemeines, rein Äußerliches, im Deklamatorischen Verbleibendes, ohne Protzen und Prahlen? Dieses Problem ist noch lange nicht gelöst. Wissenschaftliche Arbeit im besonderen entzieht sich ihrer Natur nach der Mitteilung an weite Kreise; sie wird meist nur im kleinen Kreis von Fachgelehrten verstanden und gewürdigt. Der neue Verein bedeutet meines Erachtens Zionistisch« Bexlr kssektlon Jos« fstadft- Alsergrund IX., WÄHRINGERSTRASSE 6/8 - TEL. R 52-0-12 _ Samstag, den 21. Dezember 1935, pünktlich 9 Uhr abends im Osterr. Handelsmuseum IX., BERGGASSE 9 Festrede Medizinalrat Dr. Isidor Schallt Oberkantor SAMUEL POSTOLOW - SEVILLA PASTOR von den Jüdischen Künstlerspielen — Der 15jahrige Violinvirtuose HANS GEIGER ELSE KAUFMANN vom „Simplizissimus“—Tanzmusik Jazz „Elite-Kiddies“ - bis S 3*50 bei allen Ausschußmitgliedern und an der Abendkassa Große Makkabäer-Feier Mitwirkend: Karten von S 1* Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zahne. ODOL- Zahnpaste reinigt gründlich. ODOl- Zehnpaeti macht Zähne wie Perlen! <&A m Kleine Tube S —SO GroOe Tube S IAO THEATERSAAL DER JÜDISCHEN KULTURSTELLE, II. FRANZ-JOSEFS-KAI 3 tonntag, 15.0ezember1935,5 Uhr Erstes Sonntagnadimittags-Konzert 1. Segal-Roienbach singt neuhebräische und jiddische Kunst- und Volksüeder, u. a. die Lieder der palästinensischen Filme Am Klavier Uli Rlegler „Das Land der Verheißung“ und „Das ist das Land“ Karten erhältlich in der Jüdischen Kulturstelle, I. Frani-Josefs-Kai 8 (Tel. R 28-2-38) »um Preise von 8 1*60 bis —•60 einen der Versuche, dieses Problem der Geistespropaganda zu lösen. Er soll ein Organ bilden der Aufnahme für die g e i s t i g e n Werte, die in Palästina ge-: schaffen werden und auch für jene Werte, die zu schaffen noch möglich ist. Es gilt, nicht mit dem Vorhandenen sich zu begnügen, sondern immer wieder nach den großen Möglichkeiten und Notwendigkeiten der nahen und der ferneren Zukunft zu forschen und zu suchen, aus einem tiefen Gefühl kultureller Verantwortung heraus den geistigen und seelischen Kontakt mit dem Großen, das da wird, herzustellen. Es gilt, das Wunder Palästinas in uns wirkend zu machen, damit wir durch dieses Wunder gewandelt und in unserem Judentum gefestigt werden. Über die Aufgaben und Leistungen der Universität im Konkreten zu sprechen kann ich unterlassen, weil Sie nachher einen kurzen Bericht darüber hören werden. Ich möchte aber einige allgemeine Gedanken darüber äußern. Den Kern der Universität bildet die judaistische Abteilung. Die Arbeit dieser Abteilung hat nicht bloß theoretische Bedeutung, Ihr Sinn und Ziel ist, den Zusammenhang herzustellen mit der großen geistigen Tradition unseres Volkes und diese Tradition für das Leben des Landes wirksam und fruchtbar zu mar chen. Wir dürfen nie vergessen, am wenigsten in Palästina, daß wir ein religiöses Volk sind. Die allgemeinwissensehaftliche Arbeit der Universität bedeutet eine legitime Fortsetzung der wissenschaftlichen Tradition Europas. So wenig wir verzichten wollen und können auf die stolzen Positionen, die wir in der allgemeinen Wissenschaft Europas in den letzten 150 Jahren errangen haben, so müssen wir doch erkennen, daß ein Prozeß der Ausscheidung jüdischer Wissenschaftler eingesetzt hat. Wir wollen, daß die Universität, wie sie es bisher gewesen ist, auch weiterhin werde eine Zuflucht für Schüler und Lehrer, die an den europäischen Forschuugsstätten keine Lern- und Wirkeusmöglichkeit hüben. Aber wir wollen noch mehr: das jüdische Volk soll auch in der Wissenschaft als Volk wieder schöpferisch werden. Sind doch die Leistungen der jüdischen Menschen bisher Leistungen von Individuen, die nicht dem jüdischen Volk als solchem gutgeschrieben werden, sondern jenem Volk, dessen Kulturkreis der Gelehrte angehört. Durch die Hebräische Universität wird diesem Zustande ein Ende gemacht werden. Von nun an wird die Leistung eines Juden als jüdische Leistung gewertet werden. Der jüdische Gelehrte, wo immer in der Welt er wirkt, wird die Möglichkeit haben, durch innere und äußere Verbundenheit mit der Hebräischen Universität in Jerusalem seine Leistung auch als eine jüdische Leistung zu Ehren zu bringen.' Es ist ein erhebendes und tröstliches Gefühl in dieser für die Juden so tragischen Zeit, daß die vielen Quellen und Ströme jüdischer geistiger Arbeit und Leistung zusammenfließen werden zu einem gewaltigen Sammelbecken geistiger Energie und schöpferischer Kraft. „Jikkawu hammajim: Es ollen sieh sammeln die Wasser“, so heißt es im Schöpfungsbericht der Bibel. Die lebendigen Wasser jener Wissenschaft, die wir unter den Völkern der Welt gelernt und gelehrt, aufgenommen und geschaffen haben, sie werden sich vereinigen und das Leben von Volk und Land durchströmen und befruchten. Daß die Universität neben ihrer Bedeutung für das Volk auch eine gewaltige praktische Bedeutung für das Land hat, kann hier nicht ausgeführt, nur angedeutet werden. Der Zusammenhang zwischen Leben und JViflssnschaft2