Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-12-13 · Heft 507 (13.12.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 507 (13.12.1935)
Date
1935-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054263--5534-3061279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 DIB STIMM! 507 — 13. Dezember 1935. Neu erschienen! Neu erschienenI .Z.KANNER Josef Trumpeldor Ein iiidischer Held Hier wird dem Arbeiter von Daganiah, dem Löwen Judas, in objektiverWeise ein neuzeitliches Monumentalwerk geschaffen 250 Seiten, 13 Bilder, leinen S S’25 In jeder Buchhandlung erhältlich Verlag Josef Belf, Wien, I. Rabensteig 3 Standardwerk der jüdischen Literaturi die bei uns in so schmerzlicher Weise fast immer geschieden waren, wird wieder ein n a fc ü r 1 i c h e r u n d organischer werden. Die Wissenschaft wird das jüdische Leben Palästinas durchdringen und das Volk, das nach Bildung verlangt, aus ihren Quellen speisen. Darüber hinaus wird die Wissenschaft uns in der mannigfaltigsten Weise das Land erschließen. Sie ist eines der wichtigsten Instrumente des realen Aufbauwerkes. Hugo Bergmann, der neugewählte Kektor der Universität, hat in seiner bedeutsamen Rede über den Zusammenhang zwischen Religion und Wissenschaft gesprochen. Er hat hervorgehoben, daß die Wissenschaft keine letzten Ziele zu setzen vermag und daß es Grenzen gibt zwischen Forschung und Religion. Er hat aber auch mit Recht betont, daß die Forschung frei sein müsse. Auch ich bin der Meinung, daß die Wissenschaft nicht das Letzte und Höchste ist. Für uns Juden ist und bleibt das Höchste die Durchdringung des Lebens m i t d e m Geist, die Gestaltung des Lebens von innen her, die Heiligung •des Alltags. Unser höchstes Prinzip ist eine tiefe, eine göttliche Diesseitigkeit. Wir weichen der Wirklichkeit nicht aus. sondern steilen uns ihr zu einem oft tragischen, mitunter fruchtbaren Kampfe. Hugo P> e r gm a n n hat als letztes Ziel menschlicher Entwicklung das Gottesveich auf Erden hingestellt, indem er aus dem Alenu die erhabenen Worte zitierte: ,,letakken olam bemalchuth schaddaj: die Welt zum Gottesreich zu wandeln.” Mir fällt ein anderes Wort hier ein, das Wort des Propheten Jesaja, das da lautet: „Und die Erde wird voll sein der Erkenntnis Gottes, so wie die Wasser den Meeresgrund bedecken.“ Möge die Hebräische Universität über ihre unmittelbaren wissenschaftlichen Aufgaben hinaus solchen höchsten Menschheitszielen dienen und möge der Verein, den wir heute gründen, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich bewußt und verantwortlich, Anteil nehmen an diesem Werk der Erfüllung, Anteil an dem neuen jüdischen Leben unseres Landes, an dem ewigen Leben der jüdischen Kation, das in ihrem Ursprungslande von neuem Gestalt und Wirklichkeit gewinnt. „Das Land der Verheißung“ im Kino Lustspieltheater. Sonntag, den 29. Dezember, 11 Uhr vormittags. wird dieser grandiose Palästina-Tonfilm im LiiÄtspielt.heater, Ausstellungsstraße, zur Aufführung gelangen. Reichhaltiges _ Beiprogramm. Kartenvorverkiauf: Zionistische Sektion Prater. Jungstraße 8, täglich ab 6 Uhr abendis. Optiker Karl Seidner, L, Franz-Josefs- Kai 83. Tel. U 28-9-66. Es wird empfohlen, sich rechtzeitig Karten zu sichern. II Voraus muß man denken/ sidi sichern — versichern i 11[ n: [ | ÜOOk! i Phönix | ,:m I Allgemeine Versilberung»* Ges*, Wien, IX», Alserplals 3 Die WIZO und die Förderung der hebräischen Sprache Von Dr. Amalie Kantor. Es war seit jeher das Bestreben der WIZO, ihre gesamte Tätigkeit im Zeichen der hebräischen Sprache abzuwickeln. Von vornherein hatte mau die Notwendigkeit erkannt, im Hebräischen eine sprachliche Brücke zwischen den einzelnen Gruppen der jüdischen Frauenbewegung zu benützen, als Bindemittel zwischen den kulturellen und auch ihrer Umgangssprache nach oft recht differierenden Schichten des Judentums zu fungieren. Tatsächlich hat man förmlich von Jahr zu Jahr den Fortschritt beobachten können, den die Hobräisierungsbestrebungen in der WIZO aufzuweisen hatten, zu Beginn ihrer Tätigkeit waren es nur verhältnismäßig wenige Frauen, die eich bei ihrem öffentlichen Hervortreten der hebräischen Sprache bedienten. So war es dementsprechend oft wirklich recht schwer, eine Verständigung unter den in allen Weltsprachen redenden Delegierten, insbesondere auf den WIZO-Konferenzen, zu erzielen. Nichtsdestoweniger bedurfte es relativ nur kurze Zeit, um hier Wandel zu schaffen. Wie dringend das Bedürfnis nach einer einheitlichen, gemeinsamen Sprache des Judentums geworden ist, hat mit aller Deutlichkeit neuerdings die VIII. Weltkonferenz der WIZO gezeigt. Sie fand als erste in Erez Israel selbst statt und war daher von den in Palästina lebenden Frauen sehr stark be-j schickt. Mit Genugtuung konnte festgestellt werdep, daß nicht nur die aus dem Lande! stammenden Delegierten sich der hebräischen | Sprache ausnahmslos bedienten, sondern daß j auch sehr viele aus der Galulh kommende Frauen hebräisch sprachen. Jene aber, die es noch nicht so weit gebracht hatten, hebräisch zu verstehen, fühlten cb nun mit aller Deutlichkeit, wie dringend erforderlich die Kenntnis der hebräischen Sprache heute geworden ist. So ist es denn auch verständlich, wenn als erste unter den Resolutionen der VIII. WIZO-Konferenz die Hebräisierung der WIZO beschlossen wurde. Diese denkwürdige Konferenz verlangte wohl eben deshalb, weil sie iin Lande selbst tagend, die Erfordernisse der Praxis um so genauer kennen lernte, die umgehende Anwendung der hebräischen Sprache in der Gestion der WIZO. Sie stellte sich ferner auf den Standpunkt, daß alle Föderationen und Gruppen der WIZO in den verschiedenen Ländern möglichst umgehend dafür Sorge zu tragen haben, daß die Erlernung der hebräischen Sprache allen Mitgliedern zur Pflicht gemacht wird. Zu diesem Zwecke sind auch allenthalben für die jüdischen Frauen Kurse und Lehrgänge für die hebräische Sprache einzurichten. Ebenso wurde der Beschluß gefaßt, die offizielle Zeitschrift der Organisation „Pioniere und Helfer“ nunmehr auch in hebräischer Sprache erscheinen zu lassen. Man hofft in einem Zeiträume von bloß zwei Jahren dieses Programm zur Hebräisierung der WIZO im wesentlichen durchführen zu können und die nächste Konferenz bereite zur Gänze in hebräischer Sprache abhalten zu können. Es wird dies wohl eines der erfreulichsten Ergebnisse sein, welches die letzte WIZO-Tagung gezeitigt hat. Die WIZO rechnet damit, daß ihr auf diesem Wege wie bisher auch weiterhin die jüdischen Frauen treueste Gefolgschaft leisten. Hat eich doch in ihren Reihen immer stärker die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß die Erlernung und der Gebrauch des Hebräischen in doppelter Hinsicht ein zwingendes Muß darstellt. Mit Hilfe der hebräischen Sprache allein ist ee möglich, die Kontinuität jüdischer Kultur und Geschichte aufrechtzuerhalten. Nur die hebräische Sprache ermöglicht es, den Geist und das Wesen altjüdischer Kultur voll zu erfassen, führt zum richtigen Verstehen der Geschichte und Entwicklung des jüdischen Volkes und erweckt die Sehnsucht nach der historischen Heimat. Einzig und allein die hebräische Sprache ist heute das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ist die Brücke, die uns mit Palästina verbindet. Über sie führt der Weg der jüdischen Jugend als Trägerin der Zukunft des jüdischen Volkes. Und Vorbild für die Jugend zu sein, ist eine der hehrsten Pflichten der WIZO. Dazu kommt die andere Seite der Vorteile, welche die Kenntnis der hebräischen Sprache mit sich bringt. Es ist dies die Gewähr eines leichteren Wurzelfassens in der neuen Heimat. Das moderne, ganz auf hebräische Sprache und Kultur eingestellte Erez Israel benötigt, in erster Linie zu seinem st-aat.liclion mul sozialen Aufbau Kräfte, die zumindest, die natürlichste Erfordernis eines Staatsvolkes erfüllen, die Kenntnis der eigenen Sprache. Dies erscheint mn so wichtiger, wenn man die Notwendigkeit vor Augen picht, die aus allon Teilen der Galutli zusammenströmenden nufbamvilligen Kräfte zu einer nationalen Einheit zu verschmelzen. Es kommt dabei auch nur darauf an, den Kontakt, zwischen dem Judentum in der Diaspora und den Volksgenossen in der neuen Heimat so innig und rege wie möglich zu gestalten. Es ist, klar, daß bei den außerordentlichen Verschiedenheiten der politischen und sozialen Anschauungen, wie sie uns auf der ganzen Welt entgegentreten, dieser Kontakt in erster sich auf das kulturelle Getßnglisdien Spradiunterridil für Paläßina- Jahrer erteilt fiaatl. gepr. Sprachlehre/m. Mäßiges Honorar. Nähens durdt die Adminifiration dieses Blattes. biet erstrecken muß. Er kann nur durch das einigende Band der hebräischen Sprache hergestellt werden. Die jüdische Frau, der es obliegt. das jüdische Haus jüdisch zu machen, wird pich ihrer Aufgabe nicht entziehen und dem Rufe der Stunde, wie ihn die VIII. VVcltkonferenz der WIZO aussprach, begeistert Folge leisten. Sie wird Sorge dafür tragen, da.ß im Zeichen der hebräischen Sprache ihre Kinder. ihre Familie und ihr Heim wertvolle Glieder im künftigen Judenstaate sein werden. JÜDISCHER SPORT Ein Brief 4er Hakoah an die „Stimme“ Sportklub Hakoah Wien An die Redaktion der „Stimme“ Wien I. Sehr geehrte Herren! Der Sportklub „Hakoah“ hat mit größter Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß eich endlich eine jüdische Zeitung gefunden hat. die gewillt ist. die dem jüdischen Sport schon seit, langem zukommende Beachtung zu schenken, ln ihrem einführenden Artikel ist der ..Hakoah“ da« Kompliment des größten Allrouudsportvereine-s der Welt gemacht worden und man glaubt im allgemeinen, sowohl im Ausland als auch in Wien, daß sie auch der reichste Verein sei. Das ist jedoch leider nicht so und die Andeutung, daß sich der Verein nur mit Miilm über Wasser hält, entspricht noch lange nicht der traurigen Tatsache. In der ..Hakoah“ sind zur Zeit über 8000 ausübende Sportler tätig, die zum größten Teil den ärmsten Schichten der Bevölkerung angehören und kaum soviel besitzen, um ihre Mitgliedsbeiträge groschen weise abzuzahlen, geschweige denn sich mit den wichtigsten Sportuteii.siHen zu versehen. Und doch sind diese Sportler die Träger der jüdischen Kraft, und des jüdischem Ansehens im gesamten Weltsport. Wir hoffen daher, daß die Redaktion der ..Stimme des Sports“ weiter in diesem Sinne fiir uns tätig sein wird und daß es ihr gelingen wird, das Interesse des jüdischen Publikums diesem großen Verein zuznvvenrlen. Der jüdische Mensch muß doch zur Erkenntnis kommen, was die „Hakoah“ fiir den jüdischen Sport und dessen Weltgeltung bedeutet und mit dem geringen Monatsbeitrag von S 2.— diese« Zentrum der jüdischen Erziehung unterstützen. Dio Leitung der „Hakoah“ legt Wert darauf, daß die „Stimme“ von alleu Mitgliedern gelegen wird und wir hoffen, daß Ihre neue Sportrubrik Ihnen auch den Teil unserer Mitglieder, die bisher noch nicht Abonnenten waren, zuführen ward. Wir danken Ih\ien für dio Veröffentlichung dieses Schreibers und verbleiben mit treujüdischem Hedad! Sportklub Hakoah, Wien Robert G I ii c k s m a n n m. p. Große Erfolge der füdlschen Schwimmerinnen beim Damenländerkampf gegen Ungarn Österreich konnte den Damenländerk a m p f, der Samstag und Sonntag in Budapest stattfand, überlegen mit 40:21 Punkten gewinnen. Die Schwimmerinnen der Hakoah bewiesen aufs Neue ihre bereits beim vorwöchigen Meeting gezeigte gute Form und konnten sich den Löwenanteil der Preise holen. Deutsch, Langer und Löwy brachten dem österreichischen Team 20 Punkto ein, also genau soviel wie die anderen fünf Vertreterinnen, dio sich hauptsächlich aus den Damen der Ewask rekrutierten. Am besten schnitt Judith Deutsch ab, die am ersten Tag 400 Meter Freistil in 6.06.4 vor Ruth Langer (6.14.8) gewann. Sie führte bereits nach den ersten 100 Metern und lag im Ziel ungefähr 15 Meter vor dem übrigen Feld. Über 100 Meter Rücken wurde sie am gleichen Tag Dritte. Dabei erreichte sie noch immer 1.28.8, obwohl sie eich von dem schweren 400-Mcter-Rennen noch nicht erholt hatte. Am zweiten Tag gewann sie dann auch die .100 Meter Freistil in der neuen Rekordzeit von 1.13.8 und konnte außer den Ungarinnen auch ihre alte Konkurrentin Wagner sicher bezwingen. Wir freuen uns, daß Judith nun auch den 100-Meter-Rekord. den einzigen übrigens, den sic im Laufe de« letzten Jahres nicht ver-; bessern konnte, an sieh gebracht hat.. In der i 4X100-Me.ter-Staffel starteten Langer, Löwy, ' Deutsch und Wagner. Wenn diese Staffel nun; um fast 15 Sekunden unter dem Rekord! schwamm, eo ist. da« sicher ein Verdienst itn- 1 serer Schwimmerinnen, die auch ganz ausgei zeichnete Zeiten erreichten. Herr Wertlieimer j stoppte für Langer 1.15.6, Löwy 1.18 und für ' Deutsch 1.12.8, eine Zeit, die sogar um eine; Sekunde besser ist. als die im offenen Rennen; erzielte Bestleistung, die aber leider als Staffelteilzeit nicht anerkannt werden kann, i Interessant ißt, daß die beiden ungarischen 'Vertreter im Kinust-springen. Herr liody und I Frau Fonyo, die gegen die Österreicher siegreich geblieben waren, Juden sind, wozu noch der Goalkeeper der berühmten ungarischen Wasserballmannschaft, Brodv, kommt. Der Erfolg Frau Fonyo« gegen die zur Weltklasse gehörende Europanieisterin Mädi Epply-Sfaudinger ist besonder« bemerkenswert, wenn auch Frau Staudinger durch eine alte Verletzung Bestrenommierte Kücifce ^3 Reichhaltige Menüs ä S V90 u.2'60 ll.( Hammerpurgstalgasse 3 (nächst Sa'ztorbriicke) FECHTEN Bei den Meisterschaften von Wien, a.n denen die besten italienischen, ungarischen und tschechischen Fechter, darunter der Olympiasieger Marzi, teilnahmen, konnte der jüdische Fechter Lion ganz hervorragend abschneiden. Er belegte vor allen Österreichern und Tschechen den vierten Platz und wurde nur von den beiden berühmten Italienern Marzi und Purcaro und dem ausgezeichneten Ungarn Maszlay geschlagen. TISCHTENNIS Das große internationale Turnier des Kritzendorfer Sportklubs sah fast durchwegs jüdische Siege, wenn sie auch nicht ausschließlich von Mitgliedern der Hakoah erfochten wurden. Wir bringen nachstehend die uns interessierenden Resultate: Herreneinzel: 1. Bergmann (Vindobona). 2. Morgenroth (Vindobona). 3. Altmann und Fhißrnann (Hakoah). — Herrendoppel: 1. Flußmann-Abele« (Hakoah). 3. Morgenrotli- AUmarm (Hakoah, Vindobona). — Gemischtes Doppel: 1. Lemo-Flußmann. 2. Walter-Morgcnroth. BOXEN Der ehemalige Makkabiboxer Schlänger konnte beim Städtekampf Wien—Preß bürg seinen Gegner Wesselski überlegen abfertigen und damit fiir seino im Novembor erlittene Niederlage Revanche nehmen. SOEBEN ERSCHIENEN: *D“ii?riön ll (DER FORTGESCHRITTENE) VON BEN-CHAVIV Das interessante, moderne Lehrbuch zum Selbstunterricht für Fortgeschrittene; enthält Gespräche aus dem täglichen Leben, Ausschnitte aus dem palästinensischen Zeitungswesen, politische und wirtschaftliche Berichte, Reden und Vorträge, interessanten Unterhaltungsstoff, praktische Grammatik. Benutzet dieses LehrbuchI Es führt Euch zum Ziel! VERLAG: JOSEF SCHLESINGER, WIEN, I., SEITENSTETTENG. 5 Erhältlich in allen einschlägigen Buchhandlungen! Jüdische Unternehmer! Denket an die jüdischen Arbeitslosen und (ordert an äßlich der Wintersaison den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien beim jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis W!enf I.» Kohlmesserflasse 4, Tel. U 27-0-65 an.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.