Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 507 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054263--5532-3061277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 4 DIV STIMM« 507 •*— 13. DezembeT 1935. RABENSTEIG 3 HIMM LPFORTG. 5 KOLLNERHOFG. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA- HEMDEN (von S 680 aufw.) Amerikas Teilnahme an der Olympiade Mahony zurückgetreten Aus New York wird uns berichtpt: Nach der Kampfabstimmung. die über die Beteiligung Amerikas an der Berliner Olympiade entscheiden sollte und eine knappe Stimmenmehrheit zugunsten derjenigen Partei ergab, die sich für die Teilnahme ausgesprochen hatte, mußte nun auch der bisherige Vorsitzende der A. A. U. M ahon ay zurücktreten. Er hatte beantragt, die Berliner Olympiaveranstaltung nicht zu besuchen. An Stelle Mahonays ist nun der frühere Vorsitzende des Verbandes Briid a g e getreten, der auch gleichzeitig Präsident des Amerikanischen Olympischen Komitees ist. Jüdische Schwimmer der CSR. in Berlin? Die in Bratislava erscheinende „Allgemeine jüdische Zeitung" schreibt: Seit Jahr und Tag ergeht der Ruf, daß kein Jude freiwillig das Land, dessen Regierung in der Judenfrage mit unerhörter Schuld und Schande beladen ist, betreten nnd gar an Sportkämpfen als Gast Adolf Hitlers und Julius Streichers teilnehmen dürfe. Die tschechoslowakische Tagespresse veröffentlicht am 24. November eine Verlautbarung, in welcher die Namen jener Schwimmer mitgeteilt werden, die der Tschechoslowakische Schwimmverband dem Training für die Berliner Olympiade zu unterziehen gedenkt. Die Entscheidung, welche Schwimmer nach Berlin zu reisen hätten, werde bei einem am 3. Dezember stattfindenden Meeting des jüdischen „Hagibor“ in Prag fallen. Folgende jüdische Schwimmer erscheinen auf der Liste: Dr. Steiner, Baderle, Frucht (Bar Kochba, Preßburg), Getreuer (Hagibor, Prag), Abeies (Bar Kochba, Preßburg), Beck, Fischer, Schultz (Hagibor, Prag), Brl. Karpeles (Bar Kochba, Brünn). Wir fragen bloß, ist das möglich? Billige Grundstütke in Palästina in guter verkehrsreicher Gegend nächst Tel-Aviv, für jedermann leicht zu erwerben. sind gegen bequeme Teilzahlungen abzu»eben. Alleinverkauf für Österreich: Eugen Eisler, Wien, I., Splegelgasse I3, Telephon: R 2I-3-40. Für die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage hat die Direktion des Rathauskellers wieder geschmackvolle Geschenkkörbe, mit ausgesucht edlen Weinen, zum Preise von S 25.— und 3 35.— arrangiert. Diese, sowie unsere berühmten Flaschenweine werden raschest und kostenlos zugestellt. Bestellungen erboten an Wiener Rathauskeller, I., Neues Rathaus, Tel. B 48-508 und B 48-500, oder an Gaststätte für Jedermann (0. K.), I., Bösendorferstraße 2, Tel. U 49-000 (Büro). Bei katarrhalischen Erkrankungen der Luftwege, Erkrankungen de^ Magens und Darmes (Sodbrennen), der Leber und der Gallenblase. Entzündung der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnblase, Steinbildiingc-n, Gicht, Zuckerkrankheit ußw., vor allem „Preblauer Sauerbrunn“, das rein natürliche österreichische Mineralwasser. DIE VORSORGE-VERSICHERUNG MONATLICHE PRÄMIE SCHILLING OIE LEISTUNG S 300*— S 15*— S 300*— S 300*— OPERATION Vv“;Yy\ MIM«,.; I.Y)R4T;EiM’^R:'G,rA>:;S..E; , STERBEGELD^ ''RENTEI^ yVy'" UNFALL-TOI> bIWFAL!#»!: INVALIDITÄT :KO$TEN-ffiYv ..ty^lTRÄCIl:. Brief aus twz. Iscad Jerusalem, 6. Dezember. Der Vorschlag des Universitätspräsidenten Magnes, Palästina durch den Völkerbund für alle Zeiten und für alle Fälle neutral erklären zu lassen, da es als tri-religiöses Land von einer gewaltigen geschichtlichen Vergangenheit allen Völkern heilig sein müsse, hat merkwürdigerweise einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die „Palestine Post“ veröffentlichte verschiedene Zuschriften von Lesern, die der Meinung sind, daß die England gegenüber gebotene Loyalität die Juden — unbeschadet der Mandatsverfassung ihres Landes — zwinge, mit dem Mandatsverwalter durch dick und dünn zu gehen, auch im Falle eines Krieges, erst recht aber im Falle der Sanktionen gegen Italien: wer Rechte habe, hätte auch Pflichten zu erfüllen. Norman Bentwich, der ehemalige Rechtsberater der Palästinaregierung und gegenwärtig Inhaber des Lehrstuhls für Völkerrecht an der Hebräischen Universität, meint gleichfalls, daß es Palästina unwürdig wäre, wenn es sich der Teilnahme an den Sanktionen gegen Italien enthalte und sich damit über einen Völkerbundbeschluß hinwegsetze, obschon es selbst ein Kind des Völkerbundes sei. Die Italiener, die sich ohnedies bemühen würden, ihren Einfluß ira ■mle wachsen zu lassen, würden aus Palästina eine Basis für die Verpflegung ihrer afrikanischen Truppen machen, wovon lediglich eine kleine Zahl von Kriegsgewinnlern profitieren. Ganz allgemein habe die Mandatsverwaltung zwar nicht das Recht, Truppen unter der Bevölkerung des Landes auszuheben — sofern sie sich nicht freiwillig unter die Waffen melde und sofern man ihrer nicht für die Verteidigung oder für polizeiliche Zwecke bedürfe; anderseits habe die Mandatsmacht das Recht, sich der Häfen, der Eisenbahnen und der Landstraßen des Landes für die Zwecke ihrer eigenen Armee zu bedienen. Kein internationales Übereinkommen könne daran etwas ändern. Auch ein anderer Verfasser eines offenen Briefes an die „Palestine Post“ meinte, daß es jetzt zum Protest zu spät sei. Dann hätten sich die Juden schon vor zehn Jahren beschweren sollen, als der Lufthafen Sarafand angelegt wurde... Aber — erwidert darauf Präsident Magnes — hat man denn nicht in England selbst öffentlich darüber diskutiert, daß es fair wäre, die Kronkolonien in Mandatsgebiete zu verwandeln, damit sie nicht auf Gedeih und Verderben mit dem Britischen Imperium verbunden sind, sondern nach den Grundsätzen internationaler Gerechtigkeit verwaltet werden können? Und Magnes erinnert weiter daran, daß ja gerade die Befürworter der Sanktionen gegen Italien im Völkerbund in Aussicht gestellt hätten, daß die ganze Frage der Rohstofflieferungsländer und Absatzmärkte nach Beendigung des italienisch-abessinischen Konflikts einmal grundsätzlich erörtert werden würde. Palästina sei jedenfalls in der merkwürdigen Situation, zwar die Nachteile einer Kronkolonie auf sich nehmen zu müssen, indem es eine Basis für die englischen Streitkräfte zu Lande, Luft und Wasser abgäbe, ohne aber die kronkolonialen Vorteile der „Imperial Preference“ (Zollfreiheit innerhalb des Britischen Imperiums) zu genießen. Ganz scharf wedet sich Präsident Magnes endlich gegen Colonel Wedgwood und Lord Melchett, die übereifrig versicherten, daß die palästinensischen Chaluzim darauf brennen, schleunigst für England in den Krieg zu ziehen — wobei Wedgwood noch eine besondere Neigung für die Luftflotte unterstellt. Lord Melchett hat schon früher einmal zum Ausdruck gebracht, daß Palästina für Egland im Vorderen Orient das bedeuten könne, was Singapore ihm für den Fernen Osten sei; und daß Colonel Wedgwood in seinem „Siebenten Dominion“ noch viel nationalsozialistischere Ausführungen machte, ist bekannt. Wohl nicht ganz mit Unrecht bezweifelt Magnes, daß mit diesen extremen Äußerungen die britische öffentliche Meinung widergcspiegolt ist. * Am 15. Dezember wird in Tel-Aviv gewählt. 25.000 Einwohner sind wahlberechtigt. 24 Parteien marschieren auf. Die lokale Interessenkleinlichkeit feiert Triumphe. Bürgermeister Dizengoff hat sich wieder aufstellen lassen. Er war amtsmüde, er wollte sich zurückziehen, ließ sich dann aber uinstimmen; er fürchtete wohl auch, daß man ihm den Rücktritt als Flucht aus dem Gewirr der aktuellen munizipalen Schwierigkeiten auslegen könne. Wie man weiß, ist Herr Dizengoff Belgischer Ehrenkonsul. Auf seiner Liste folgen ihm Herr C h e 1 o u c h e, der Bulgarischer Konsul und Vorsitzender der Palästinensisch-Französischen Gesellschaft ist, sowie Herr Kaplan, der dänische Konsul. Es lohnt sich, auch MaMHMEMMMMMMtNNMMMMM {Jüdische Kunst - | Hebräische Musik 1 im jüdischen Heim / | Klange aus dem „Land der Verheißung" auf Sdiallplatten jj MUSIKHAUS EXCELSIOR Kl., Franz-Josefs-Kai Nr. 16 — Tel. R 21-4-46 die anderen Parteien namentlich zu nennen, um die Parteienzersplitterung zu zeigen, die selbst den Karikaturisten des „Krähwinkler Generalanzeigers“ ziur Persiflage reizen müßte. Liste 2: „Partei des Mirachi und der parteilosen orthodoxen Juden.“ Liste 3: „Für Tel-Aviv.“ Liste 4: „Gruppe der Vereinigten Orthodoxie und Agudas Jisroel.“ Liste 5: „Handwerkerpartei.“ Liste 6: „Hapoel Hamisrachi.“ Liste 7: „Industriellenverband.“ Liste 8: „Haus- und Grundbesitzervereinigung.“ Liste 9: „Die Partei der Kaufleute.“ Liste 10: „Verband der polnischen Einwanderer.“ Liste 11: „Union der revisionistischen Zionisten.“ Liste 12: „Verband der Einwanderer aus Deutschland und Österreich.“ Liste 13: „Mieterverband.“ Liste 14: „Verein der Detaillisten.“ Liste 15: „Arbeiterpartei.“ Liste 16: „Polnischer Verband.“ Liste 17: „Mittelliste.“ Liste 18: „Orthodoxe Liste Azoulai.“ Liste 19: „Grundstücksverband.“ Liste 20: „Yemeniten.“ Liste 21: „Fortschrittspartei.“ Liste 22: „Die Sepharden.“ Liste 23: „Linke Poale Zion.“ Liste 24: ,,Parteilose Yemeniten.“ ln München gab es seinerzeit, wenn ich nicht irre, einen „Verband gegen das schlechte Einschenken“. Existierte er in Tel- Aviv, würde er bestimmt versuchen, seine Kandidaten ins Stadtparlament zu schicken. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. ♦ Bleiben wir noch ein wenig in Tel-Aviv. Mitte November nahm man eine Wohnungsstatistik auf. Tel-Aviv zählte zur Zeit 6000 Häuser mit 60.000 Wohnungen. 132 Wohnungen mit 422 Zimmern waren zu vermieten. Der Prozentsatz der freien Wohnungen betrug also 0*7 Prozent, während er sich in den europäischen und amerikanischen MM,Tlrol,S Wintersport — Höhensonne erstklassige Verpflegung u. Unterkunft in der streng -^3 Abteilung Geschulsfer Scheer im Hotel Hociialm Fahrpreisermäßigung Städten im allgemeinen auf 2*5 bis 3 Prozent beläuft. Dem hebräischen Dichter Saul Tschernichowski wurde aus Anlaß seines 60. Geburtstages die Ehrenbfirgerschaft verliehen. Saul Tschernichowski dichtet und übersetzt nicht nur, sondern er ist auch Stadtarzt von Tel-Aviv. Das ehemals von Bialik bewohnte Haus ist in den Besitz der Stadt, die es ihm seinerzeit schenkte, zurückgelangt. Die Witwe des Dichters erhält eine monatliche städtische Rente von vierzig Pfund. Ferner schuf die Staclt einen Fonds für die Familie des verstorbenen ObeiTabbiners Kook. * Die Einnahmen des Keren Kajemeth im Jahre 5695 betrugen 348,000.000 Pfund Sterling. Das ist ein Rekordbetrag, wie er bisher noch nicht erreicht wurde. 56,000.000 Pfund Sterling stammen aus Amerika, 48,000.000 Pfund Sterling aus England, 44,000.000 Pfund Sterling aus Polen, 34,000.000 Pfund Sterling aus Palästina. Es folgen Deutschland, Südafrika, die Tschechoslowakei lind weitere 52 Länder. Der Keren Kajemeth wird auch an der bevorstehenden Kolonisierung des von der Regierung gepachteten, ehemals von arabischer Seite ungenutzt gelassenen Sumpfgebietes bei Huleh beteiligt sein. Außer ihm ist die Jewish Agency, die mit dem Keren. Hajessod kooperierende Palestine Land Development Company und eine private Gruppe in der an die Huleh-Arbeit gehenden Kolonisationsgesellschaft vertreten. Sie wurde mit einem Kapital von 100.00 Pfund Sterling ins Leben gerufen. Der Wille und Mut der jungen Chaluzim, die sich für die schwere Arbeit zur Verfügung stellten, nicht zu vergessen. Weitere Keren Kajemeth-Pläne: Die Ansiedlung von hundert Mittelstandsfamilien aus Polen, die ein Vermögen von je 500 Pfund Sterling besitzen, von der Regierung Einwanderungserlaubnis, vom Keren Kajemeth nationalen Boden und durch Vermittlung der Jewish Agency Darlehen erhalten werden. Die Gründung von mehreren Arbeitersiedlungen auf dem Boden von Beisan im Osten von Ain-Charod. Im November sind ungefähr 400 jüdische Ärzte aus Deutschland nach Palästina gefahren — um noch rechtzeitig eine Niederlassungserlaubms zu beantragen, die nach dem 1. Dezember bekanntlich nur höchst limitiert erteilt werden wird. Ein Berliner Arzt kam sogar im Flugzeug, er brauchte für die Reise zwei Tage und zwei Nächte und hat es geschafft... Viele verließen inzwischen wieder das Land, um erst die heimischen Angelegenheiten in Ruhe zu regeln und um ihre Familien zu holen. Auch die Anwälte haben es nicht leicht. Sie müssen in einer ungewohnten Sprache auf ein neues Rechtssystem uin- Neueröffnung! Am 22. Dezember wird In dem weltberühmten Thermalbad und Winterkurort mit prachtvollem Skigelttnde Hofgastein (Österreich) eine streng rituelle "MTS Pension unter Aufsicht der Wiener Adass Jisroel-Uemelnde (Sohiffechul) Im Kurhotel „Alte Post** eröffnet. — Wiener Küche, schöne Zimmer, Zentralheizung, Thermalbäder Im Hause. Falirprelsermaoigung J Anfragen an Frau H. Wolff, Hofgastem „Alte Post“ oder G. Wolff. Wien, I., Freyung 6, 6 Stiege, Tel. U 28-0-65. i BßzemberÄseiieening reichLctet 1 ta Keren Kajemeth!