Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 507 (13.12.1935)
- Date
- 1935-12-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 DIE STIMME 507 — 13. Dezember 1935. llfinans-o. Heu ans-SonMM natu POLEN II. CZE8HI) (DITZ Abfahrten tü, -2. Pt".!!•.'?.>. ’2„ 21. Jänner 11*36. Rückfahrten Jänner. 12. Februar I'JJli mit D-Zug' in geheizten I’ullmnnnwagen unter bewährter Fülmrng. , Francopel“, III. Rennweg I, Tel. U 16-4-90 7.11 annektieren. Für die Preimilliononbevöikerung der ..luden, die unter kaum faßbaren Hunger verhält« ic*seti leben müssen und kaum noch ihre innere Gmiieiudeverw..l:unsr aufrecht halten können, stellt da,s Millkirdenbudget den beleidigenden Bettel von 180.000 Zloty ein: für die jüdische Wanderung nach Palästina, die in Polen eine ganz andere Moto trägt als in anderen Ländern, hat die Regierung, die die polnische Auswanderung mit Riesensummen subventioniert nicht einen Groschen, obzwar die Hamlelsinteressen im Orient ihr eine positivere Stellung vorschreiben müßten. Die Exzeße . hat die Regierung nicht gerne gesehen. Aber über eine gewisse •’inßerliche Korrektheit ist. sie nicht, hinaus gegangen, obzwar, sie gerade in diesem Falle, wodas Zusammen.-piel zwischen Nationaldemokraten und Nationalsozialisten deutlich in die Erscheinung getreten ist. sich den Respekt der Welt hätte erringen können, wenn sie der rollenden Mark entgegengetreten wäre. Wie stand e-s denn um •diese-' Ausschreitungen? Abgeordneter Rubin stein sagte im Sejm: ..Das Gift des Antisemitismus fließt zu uns von unserem westlichen Nachbar, mit dem wir eben ein Handelsabkommen geschlossen haben. Es ist das Gift blutigen Wahnsinns, welches die Seele des deutschen Volkes bereits verkrüppelt hat. Wißt Ihr aber nicht, daß nicht allein für die .Juden, sondern f ii r alle Völker, die sich als schwächer als die Deutschen erweisen sollten, ein Gift gebraut wird? Während Goebbels das Gift zur Tötung von uns Juden fabriziert, stellen die deutschen Fabriken Giftgase.ge gen alle Länder und Völker her, um sie zu unterjochen. Der moralischen Kraft auf der einen Seite, die die Probleme des Zusammenlebens von Menschen und Völkern nach dem Gebot von Recht und Moral lösen will, steht auf der anderen Seite die brutale Gewalt gegenüber, die die eigenen Bürger unterdrückt und fremde Völker unterjochen will. Die Zukunft Polens aber ist nicht an brutale Gewalt, sondern an den Sieg .der Idee der Gerechtigkeit in der Welt gebunden, Auf diesem Sieg hoffen auch wir Juden. Eine andere Hoffnung gibt es weder für uns, noch für Polen, welches schon einmal ein Opfer dieser brutalen Gewalt .gewesen ist,“ Der Abgeordnete wurde vom Sejramarscball wegen seiner „Angriffe auf einen benachbarten Staat“ zur Ordnung gerufen. Der Prozeß der Assimilation Polens an das Dritte Reich kann seinen Fortgang nehmen. murdet das grobz aromatisch« in dünne Schnitten mit Pu’ter, Kese o^er Honi-. Ambrosiabtot, FrQehtenb«ot, Aufbau nahmng! In den besseren Deükafeisenhand.unger und Packereien zu haben. Polen gibt seine Staatsbürger preis Die polnische Regierung hat in dem kürzlich mit Deutschland abgeschlossenen neuen Handelsvertrag dem Wunsche der deutschen Unterhändler nachgegeben und auf die Klausel des gegenseitigen Niederlassungsrechtes verzichte t; sie hat auf diesem Wege die in Deutschland lebenden polnischen Staatsangehörigen, insbesondere die Juden, auf Gnade oder Ungnade den Nazi-Behörden ausgeliefert. Daraus ist der Energiemangel, den die polnischen diplomatischen Vertreter in Deutschland in der Wahrnehmung der Interessen ihrer jüdischen Staatsangehörigen beknnlen, erklärlich. Immerhin ist das Vorgehen der deutschen Behörden gegen die polnischen Juden auch bei Niehterneuerung der Niederlassungsklausel von einer. Art, die den zwischen befreundeten Staaten sonst üblichen Gepflogenheiten zuwideriäuft. Unsere geschätzten Leser werden auf die Beilage in unserer heutigen Zeitung höllichst aufmerksam gemacht. Nach Deutschland — Polen Illllillllllllllilliilllllll Die tiefe Besorgnis, die in der polnischen Judeiiheit angesichts der von den Universitäten ausgehenden und in Stadt und Land um sieh greifenden antijiidischen Hetze und der sieh häufenden Angriffe herrscht, fand ihren Ausdruek in einer Reihe Interpellationen der jüdischen Parlamentarier im Sejm der polnischen Republik. Abgeordneter Doktor Emil S o m in e r s t e i n verlas ain 9. Dezember im Namen der jüdischen Parlamentarier (>ine Interpellation an den Ministerpräsidenten und die Minister für Inneres und für Justiz, in der unter anderem ausgeführt wird: Seit einer Reihe von Monaten führt, eine gewisse Organisation (gemeint sind die N a t i o n a Id e in k rate n) eine systematische Aktion gegen die jüdische Bevölkerung Polens durch. Unter Ausnutzung der schweren Wirtschaftskrisis appelliert sie an die niedrigsten Instinkte und erklärt die Juden als verantwortlich für alle Leiden und Schwierigkeiten des polnischen Volkes und Staates. Dieser politischen Partei, die von der Teilnahme an der Regierungsmacht entfernt wurde, ist der kämpferische Antisemitismus ein Instrument zur Wiedereroberung der Macht; durch Provozierung von Unruhen und Untergraben von Ordnung und Sicherheit will sie die Basis der Regierung untergraben, und bedient sich hiezu fast ausschließlich der antisemitischen Hetze. Die Schwarzhundert-Methode des russischen Zarismus und die Methoden des heutigen Deutschland s werden von ihr nachgeahint. In besonderen Zentren wird die Aktion vorbereitet und kontrolliert; LUXFILM zeigt ln ihrer ersten Tonfilm-Lustspiel, olle mit in dem Schlagerluslspiel (Ihre ioülsta Nacht) mit Tibor von Halmay Hans Olden Max Schipper Musik« Max N'edeiberger •.cgie: J. und L. Ree* Gartenbau-Kino I., KUrnt er-Kino I., Busch-Kino II., Haydn-Kino VI. und Kolosseum-Kino IX. itials ein, um die jüdische Bevölkerung gegen Verunglimpfung und Monldrohung zu schützen. So wird eine Atmosphäre geschaffen, in der breite Schichten der christlichen Bevölkerung in die nntijiidische Aktion eingereiht werden: im Kampf gegen die Juden bestellt nicht die geringste moralische Hemmung mehr. Ein solcher Zustand muß sich in Gewalttaten anslösen. Gruppen von Automobilen ziehen durch die Städte, beschmieren die Schilder jüdischer Geschäfte mit Teer, demolieren die Schaufenster, überschütten die Waren mit Lysol oder Salzsäure. Gruppen Bei Crfrnnfunoen her lltmungsorgonc menbe $teblattet Souerimtmt gemengt md üeijjet MUld) von Schulkindern blockieren die Eingänge zu den jüdischen Geschäften. Die jüdischen Kaufleute und ihr Personal werden terrorisiert und mißhandelt. Jüdische Passanten werden überfallen und mit eisernen Stöcken und anderen gefährlichen Schlagwerkzeugen blutig geschlagen. ■ In einer großen Reihe von Städten zählt man zahlreiche schwerverletzte Juden, i n einigen S t ä d t. e n a u c h T o t. e. In Truskolasi, Klobuck und Myslowice gibt es in den jüdischen Häusern keine einzige ganze Fensterscheibe. Jüdische Händler dürfen die Dörfer nicht betreten, jüdische Hausierer werden an Leben und Eigentum bedroht. Auf den offenen Marktplätzen in den Städten werden die Warcnstände der Juden zerstört. Es mehren sich die Fälle, wo Stinkb o mb e a und Petarden in jüdische Geschäfte und Restaurants geschleudert werden. Fast niemals gelingt es, die Schuldigen einer Strafe zuzuführen. Im Zentrum von Lemberg wurde eine große Synagoge in einer einzigen Woche zweimal durch Bomben schwer beschädigt. In die Synagoge von Sosnowitz wurde eine Bombe geschleudert, durch die das Bethaus zerstört und der zwölfjährige Rosenblum, der nach seiner verstorbenen Mutter das Kaddischgebet sprach, mitten im Gebet in Stücke gerissen. Jüdische Friedhöfe werden geschändet, Tote werden aus den Gräbern geworfen. Sudetendeutsche und Juden von dort werden Losungen, Befehle und „Kriegsmaterial“ ausgeteilt. Solche Zentren bestehen in Kattowitz, Oberschlesien, in den Wojwodschaftsstädten Bialystok, Lublin, Kielce, Lodz, in der Gegend von Czenstochau, Radom und Opoczna. Alle diese Aktionen tragen terroristischen und pogroraistischen Charakter. j Die große nationaldemokratisehe Presse bringt täglich Alarmnachrichten über „jüdische Überflutung“ Polens und fordert zum Boykott der Juden und zur Entrechtung der. jüdischen Bevölkerung auf. Der „Warszaw-: sky Dziennyk Narodowy“ fordert die Ver-j treibung der Juden aus Warschau und dann j aus ganz Polen. Dieso Propaganda wird j durch massenhaft vertriebene Flugblätter verstärkt, Boulevard-Zeitungen, wie zum Beispiel „Szabbes-Kurier“ (ein Blatt von der Art des Nürnberger „Stürmer“), „Haslo Podwawelskie“, „Samoobrana Ludu“ erklären, die Juden gehören nicht zur menschlichen Gemeinschaft, sondern seien Abkömmlinge des Teufels, die man durch Pogrome und wirtschaftliche Isolierung vernichten dürfe. Der gleichen Hetze dienen in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitete Volkskalender. Die Schuljugend, auch die der unteren Klassen, wird durch -olcbe Propaganda geistig vergiftet. Alle die Aktionen werden durch die Faktoren, die über die Ordnung im Lande zu wachen haben, nicht im geringsten gestört. Der Zensor, der mit seinem Rotstift den geringsten Angriff gegen einen öffentlichen Funktionär auslöseht, greift nie- London, 11. Dezember. (2. T. A.) Der Gründer und Leiter der Sudeten deutschen Partei, Konrad H e n I e i n, hat in London als Gast des Royal Institute for International Affairs vor et\va 100 Personen einen Vortrag über die Deutschen in der Tschechoslowakei gehalten. Er lehnte den Titel „Führer“ ab, sondern bezeichnete sich nur als „Vorsitzender“ der SdP und leugnete jede Beziehung zu Hitler und zum deutschen Nationalsozialismus. „Die SdP“, sagte er, „basiere auf dem Prinzip der Demokratie und sei loyal zum tschechoslowakischen Staat.“ Auf eine Anfrage über seine und seiner Partei Stellung zu der Judenfrage, erwiderte Henlein, weder er, noch die Partei sei antisemitisch. Er habe niemals die Juden in seinen Reden angegriffen. Im Gegenteil, er habe sie verteidigt, und diese seine Stellungnahme habe auch Opposition gegen ihn unter seinen Anhängern hervorgerufen. Seine Partei habe niemals den Arierparagraphon eingeführt und die Mitgliedschaft in der SdP stehe den Juden offen. * Die Ausführungen Henlein« über die Stellung seiner Partei zu den Juden sind offenbar für ausländische Ohren bestimmt. Man hatte immer den Eindruck, daß er geflissentlich dieser Frago aus dem Wege geht. Seine Presse hat interossantorweise den dio Juden betreffenden Teil seiner Londoner Ausführungen in ihren Berichten AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER kcncl: afinimimgssnngci STOBERLPREISE Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwir- Hans Blnsthek und Violinvirtuose II» Ohlenschläger Billige Sonderfahrt der atu 19., 22. IlezcnMHM 19:85 und 2. .lünnrr 1980 mit »r"' nncli Polen u. Czernewifz Kllcklahrl: 5. •liinncr 1920 und atifpolilsle RUclifulirttnflpliclikeil / Ausklinfli' und Aninrkiiim’en: Oeslerr. VcrkrhrsbUro : Telephon B 27-000, U 20-0-35 Polnisches Reisebüro „Orbis“: Telephon K 21-5-78 Reisebüro Mnrlenbrilt-ue: Tolophmt I? 21-2-30/87. gestrichen. Es ist bekannt-, daß im swiefendeutsehen Teil der Tschechoslowakei eine an die Verhältnisse in Deutschland erinnernde scharfe B o y k 0 11, a k t, i o 11 gegen dio Juden vor sieh geht, die nicht iin Sinne der Mehrheit der Bevölkerung, dio sich nur widerstrebend dem Terror fügt, sondern nur das Werk einer organisierten Clique innerhalb der SdP ist. Als „Vorsitzender“ hätte Herr Ilenlein genügend Autorität, um hier in dem Willen der Mehrheit in der Partei gegen eine Minderheit Geltung zu verschaffen; er hat diese Autorität offenbar bisher nicht benützt. flliltaff Liköre—Weine wliiiU 1 fl. 3 80 1 für 80 IX., PorzeSlangasso 64, b. Franz Josefs-Bahnhof „Nur arische Gäste willkommen!“ Die „F a c h s c h a f t der Geographen“, eine von den offiziellen Stellen anerkannte Körperschaft, die alle Geographie-Studenten der Philosophischen Fakultät zu vertreten hat, veranstaltet einen Vortrag eines Herrn Derföldy-Lux im Hörsaal 21 der Universität unter dem Titel „Unsere Nachbarstadt Budapest!“ Die Einlassungen zu diesem Vortrag tragen aber den Vermerk: „Nur arische Gäste willkomme n!“ Da ist also wieder ein Sabotageakt gegen die Verfassung verübt worden. Wir nehmen an, daß die Veriiber dieser nordischen Tat von der Regierung und der Vaterländischen Front im Sinne der Starhe-mbergscben Reden der Unterschied zwischen Österreich und dem Dritten Reich klar gemacht wird. JB SCHWERHÖRIGE. Große Erleichterung durcli Hörtroinmel mit Membrane rmd Dr. danke. Schalistärkend, uns chtb. b. 1 ragen, ohr- ■ichütz. Voilkom. klar. Versteh, d. Gesproch. Paar 8 7.-. ST. P0T0XY, Wien, VI., Stiegeng. 15. Seit 30 J. Edens Wink an Hitler Eine amtliche Londoner Meldung vom 6. Dezember teilt mit: „Im Unterhaus erklärte Minister Eden, daß die in dem gegenwärtigen Konflikt ergriffenen Maßnahmen (die Sanktionen gegen Italien) keineswegs bei irgend einer beliebigen anderen in Zukunft auftauchenden Streitfrage anwendbar sein würden.“ Die Erklärung Edens ist eine Sensation und Mussolini hat sie auch als solche behandelt. In seiner Kammerrede am 8. Dezember hat er den Schluß gezogen: „Somit hat das ,Strafgesetzbuch des Völkerbundes4 nicht einmal eine Zukunft.“ Die Erklärung Edens ist auch tatsächlich eino Entkräftung und Entwertung aller von England während der ganzen Dauer des Konfliktes abgegebenen Versicherungen, und sie stellt den Völkerbund ausschließlich als Organ der englischen Machtinterossen hin. Entweder ist der berühmte Artikel 16 des Völkerbundpaktes gegen jeden Angreifer anzuwenden, dann auch in der Zukunft — oder die Anwendung war nur gegen die Macht gerichtet, die England als Gefahr empfindet. Mit der Erklärung Edens ist der schärfste Schlag gegen die Autorität des Völkerbundes geführt worden, der sich denken läßt, und es ist klargestellt, daß England die Genfer Tribüne nur für seine eigenen Interessen gelten läßt. Es ging nicht um den Schutz eines kleinen, schlecht gerüsteten Volkes, sondern um den Konkurrenten in Afrika. Es war nicht die Strafe gegen den Friedensbrecher, sondern dio Sicherung des Suezkanals, dos Tanasees und der Baumwolle. Dazu sind die fünfzig Staaten vor '’en englischen Wagen gespannt worden. Und dem draußen stehenden Dritten Reich ist eine Blanko-Vollmacht erteilt worden. Es ist wahrscheinlich, daß Eden auf das falsche Pferd gosotzt hat und daß Deutschland nicht fähig sein wird, der alten englischen Doktrin vom Gleichgewicht auf dem Kontinent zu entsprechen. Das Dritte Reich kann keinen Krieg wagen.