Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 506 (10.12.1935)
- Date
- 1935-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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506 — 10. Dezember 1935. DIC STIMME Seft© 3 | BISHER JEDE VORSTELLUNG AUSVERKAUFT 11 DER SCHÖNSTE PALÄSTINA-FILM Nächste Aufführungen: Sonntag, den 15. Dezember 1935, 11 Uhr vormittags HIETZINöER WIEN, XIII., Hl ETZ IN GER - HAUPTSTRASSE 22 Ansprache: Dr. Ludwig NEUMANN Mitwirkend: Maria GUTTMANN (Deutsches Volkstheater). Segal- Rosenbach: Palästinensische Volkslieder Wenige restliche Karten zu S 1’80 bis S 2*50 bei: Roth, XITI., Lainzerstraße 84, Tel. R 37-3-90 9 13. Pasternak, XIII., Nisselg. 8, Tel. 13 31-8-12 9 E. Prager, I., Opernring 13, Tel. B 22-0-31 9 Buchhandlung J. L. Pollak. XIV. Mariahilferstraße 140, Tel. R 35-0-34 Zion. Landesverband für Österreich, I., Marc Aurelstr. 5 an der Kino-Kasse Antienglische Hakenkreuzhetze in Ägypten imrag mit. den staatlichen Erfordernissen geschieht, ist wohl selbst verständlich, wir wollen es aber doch ausdrücklich betonen. Ee ißt auch selbstverständlich, daß aus dem AusbildungisprogTarnm der katholischen Jugend der rintijüdische Geist femgeha.1t.en werden muß, wenn das Werk der Gosun lung und der Ausmerzung des nationateozialiistischen Treibens gelingen soll. Palästina-Sehnsucht der jüdischen Jugend Wiens Wie bekannt, hat der Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs im vorigen Jahr'? eine Berufsheratungsstcllc eingerichtet, über deren Ergebnisse jetzt berichtet wird. Der Bericht des Berufsberaters, der sich speziell mit der Lage der jüdi sehen Jugendlichen befaßt, schließt .mit den Worten: „Alle wollen sie Handwerker werden, alle wollen sie nach Palästin a. Der kaufmännische Beruf wird verficht lieh abgelehnt. Diese jüdischon Jungen haben seelische Kraft, sie sind gerade, offen, und alles an ihnen ist gesund. Wir müßten stolz sein auf sie. Es gibt keine dringendere Frage, keine aktuellere Forderung: Hilfe für die jüdische Jugend! Lehrstellen! Ausbildung und Berufszuführung!“ „Wlener und Salzburger Juden“ Der Autor einer in Salzburg aufgeführten und dann verbotenen Revue hatte die „Reichspost“ wegen einer abfälligen Kritik geklagt. In der in Wien durchgeführten Verhandlung wegen Rufmordes wurden Akten der Polizeidirektion Salzburg vorgelegt. Nach dem Bericht der „Reichspost“ wird in einem solchen Referat unter anderem gesagt: „Die bei der Aufführung anw e senden Salzburger und Wie- 'n e r J u d e n, die geschickt auf den ganzen Raum des Theaters verteilt waren, benützten jede sich nur bietende Gelegenheit, um demonstrativen Applaus zu spenden. Die beimische Bevölkerung sowie die anwesenden Künstler der Festspiele waren durch den Inhalt des Stückes sichtlich enttäuscht und übten stärkste Kritik.“ Es ist uns weder über das Stück noch über die Aufführung etwas bekannt. Aber da in dieser Revue auch Worte aus einer Rede des Bundeskan 1er gesprochen wurden, ist die Verbindung zwischen diesen und dem Hinweis auf die Juden sehr auffällig und es wäre von Wert, festzustellen, ob sich dieser Passus tatsächlich in der amtlichen Relation befindet. Wenn ja, so wäre zu fragen, ob in der Fremdenstadt Salzburg auch die Besucher der Festspiele auf ihre konfessionelle Zugehörigkeit geprüft werden. Keine neue Buchhaltung anlegen vor Besichtigung unserer interessanten letzten Neuerungen, vollständige Einrichtungen von S "" an. RUF-BUCHHALTUNG WIEN, I., SCHOTTENG. 10, A 17-3-77, A 17-1-77 Der Krampus mit der Teufelsfratze Im „Neuigkeits-Weltblatt“ macht ein Einsender darauf aufmerksam, daß jüdische Geschäftsinhaber „zur alten christlichen Nikolofeier lieber die widerliche rote Krampus-Teufel sfratze ... in den Vordergrund stellen, was die bodenständige, christliche, vaterländische Bevölkerung zu verschiedenerlei Nachdenken anregen könnte“ — und fügt hinzu: „Überlegung in allen Dingen wird den Juden im christlich-deutschen sozialen neuem Staate nur Nutzen bringen.“ Der Einsender heißt Dr. Bruno M a n d e 1, der aus dem Judentum am 10. Oktober 1934 ausgetreten ist. Er ist also kaum ein Jahr lang Christ. Die bodenständige christliche Bevölkerung sollte eigentlich auch über solche Wahlkinder nachdenkon. Wobei wir nicht verschweigen wollen, daß die goriigte Sache wirklich eino Geschmacklosigkeit ist, an der sich außer den jüdischen auch gutchristliche Kaufleute beteiligen. Es ist aber die gleiche Geschmacklosigkeit, _;wcnn der getaufte Jude Dr. Bruno Mandel 1 (Arzt in der Florianigasso) den Judon Überlegung empfiehlt. Mit Ratschlägen sind .wir versehen. i, I In der Pariser Wochenschrift „Miroir •du Mondo“ finden wir einen äußerst aufschlußreichen Artikel d-e« bekannten französischen Publizisten Anclreo D olavaux, betitelt: „Hitlers Saat und die blutige Ernte“, der ein ganz neues Licht auf die letzten blutigen Ereignisse in Ägypten wirft. In Kairo bleibt der Zug in einer Halle stehen. Wir treten auf einen Platz, der einen bunten und beweglichen Eindruck macht. Vom ersten Augenblick an macht die Stadt den Eindruck der Mischung zwischen Ost und Westen. Neben dem modernen Autobus und dom eleganten Auto irgend eines Diplomaten schreitet langsam ein kleiner Esel dem Wagen voran. Neben der verschleierten Frau — die elegante Frau, gekleidet nach der letzten Pariser Mode. Die Turbane der Mekka-Pilger und die Fez geben der Straße ein buntes Gepräge. Dae Paschas und die Beis, besonders elegant angezogen, verachten die gewöhnlichen Fellachen. Auf diesem Platz erhebt sich ein großes Denkmal. Es stellt eine Sphinx dar, die die Unabhängigkeit Ägyptens versinnbildlicht. Dieses Denkmal wurde zu Ehren Zaglul Paschas, des Nachkommens der Fellachen, errichtet, der sich an der Spitze von Millionen seiner Brüder im ganzen Lande den britischen Tanks und Maschinengewehren entgegenstellen wollte. Der ungleiche Kampf endete mit einer Niederlage Zagluis, der in einer der Festungen auf Malta eingekerkert wurde. Aber dieser Agitator wurde unter dem Druck der öffentlichen Meinung in Freiheit gesetzt. Zaglul kehrte sofort in seiu geliebtes Vaterland zurück, wo er den Kampf wieder aufiiahm, diesmal nicht ohne Erfolg. Ägypten erhielt im Jahre 1923 die demokratische Verfassung. Nach dem Tode Zagluis übernahmen die Führung der Nationalisten seine Witwe und Nalias Pascha. Kurz darauf wiederholten sieh die Ereignisse vom Jahre 1919, aber in einem weniger gewaltigen Ausmaß. Schließlich sah Nahas Pascha ein, daß er sein ganzes Programm nicht mit Gewalt realisieren könne. Er organisierte einen Boykott englischer Erzeugnisse. London reagierte darauf mit der Auflösung dos Parlamentes und es kam zu Neuwahlen. I>ie Wafdiston-Partoi erreichte dio Mehrheit. Stufenweise erhielt Ägypten manche Freiheitsroehte. die aber von den Ultra-Natio-1 nalen als ungenügend abgelolmt wurden. In diesem Augenblick zerfiel die Nationale einheitliche Partei. Nahas Pascha zieht sich zurück, seine Partei gellt zur Opposition über. Sidky Pascha übernimmt die Regierung, um den Nationalisten ein Gegengewicht zu stellen. Er knobelt die Presse, dert London die Front und erwirkt den Sturz des Diktators. Nissim Pascha übernimmt dio Regierung und verspricht im Jahre 1923, die Verfassung wieder einzufilhren. In den letzten Jahren wurden die Wafdißten immer mehr zurüokgedrängt und ihre Forderungen wurden bescheidener. Sie unterstützten diese Üborgangsregierung bis zu den letzten blutigen Ereignissen, die in Kairo stattgefunden haben. Gleichzeitig spielten sich verschiedene Ereignisse in Europa ab. Das Deutschland Weimars verschwand und die R e g i e r u n g Hitler setzte sich in Berlin fest. Der alte Traum vom Pan-Germanismus, vom W e g nach Bagdad, beschäftigte die Leiter der Wilhelm« traßo. Unter der Fühmng von Heß wurde ein neues internationales P r o p a g a n d a b ii r o ins Leben gerufen, das zur Aufgabe hatte, in den englischen und französischen Kolonien unter dem Zeichen des Hakenkreuzes Unruhe zu stiften. Die deutschen Schiffe begannen, in die weiten Gegenden Broschüren und Aufrufe zu befördern, die die Eingeborenen aufforderten, gegen Paris und London zu revoltieren. Vor allem wollte man gegen Frankreich losgehen. Die traurigen Ereignisse in Algier waren die traurige Folge der Berliner Aktion, aber Paris konnte rechtzeitig darauf reagieren. Von diesem Augenblick an werden die Emissäre Heß’ streng überwacht und ihre Intrigen wurden bisher immer vereitelt. Nunmehr entstand der Gedanke, in Ägypten ein neues Propagandazentrum zu schaffen, um von hier aus auf die ganze muselmanische Welt einzuwirken. Heß, der in Alexandrien geboren wurde, basitzt dort noch seine Villa. Er übersiedelte für eine gewisse Zeit nach Ägypten, wahrscheinlich um dort persönlich die O rg a nisie r u n g dieser Propaganda duvch zuf ü h v e n. Zu diesem Zwecke bildete er zunächst eine Propagandazelle an der Universität in Ei-Azhar. Diese tausendjährige Institution, die den Sammelpunkt von 12.000 jungen Fanatikern des Islams bildet, eine richtige Sorbonne des Hai b m o n d e s, sammelt; in ihren Mauern die Elite aller muselmanischen geistigen Größen. Als die geheimen Emissotzteu sie bald Hitlers „Mein Kampf“ ins Arabische und verteilten in Hunderten von Exemversucht. daß das jüdische, das freimaurorischo. englische und französische Kapital der Nutznießer Ägyptens sei. Das Volk hörte gerne diese Dummheiten, und c« kam öfter zu Revolten und Demonstrationen gegen Ausländer, die, von den El- Azhnristen geleitet werden. Schließlich ging die Gegenpartei zum Gegenangriff über und die örtlichen Kaufleute begannen die deutschen Waren zu boykottieren. Dieser Widerstand rief wieder eine Kontraoffensive seitens Berlin« hervor. Die Emissäre von Heß engagierten Tausend« von Verkäufern, die auf den Straßen, Straßenbahnen, sogar in den weitentlegensten Orten deutsche Waren zu konkurrenzlosen Preisott zu verkaufen begannen. Diese Kontraoffensive wurde sehr genau vorbereitet. Es wurden Kino« errichtet, in denen nur deutsche Filme zur Aufführung gelangten, die das braune Paradies an priesen. Auch dio arabische Presse wurde nicht vernachlässigt. Diese Presse kann in technischer und redaktioneller Hinsicht mit der großen europäischen Presse in Wettbewerb treten, und dieser Presse übermittelte Berlin zu minimalen Preisen tendenziöse T e 1 eg r a m me, Reportagen und Photographien. Man vergaß an nichts. Hunderte arabischer Studenten wurden zum Studium an die deutschen Universitäten eingeladen, während junge Doutsche unter dem Vorwand „wissenschaftlicher Reisen“ nach Ägypten kamen, um nationalsozialistische Parolen zu verbreiten. Aus Deutschland wurden sogar Professoren au denen entsandt, die Ägypten nicht verlassen konnten. Die Krönung dieser Kampagne war der Ankauf eines Teiles der Baumwollernte durch die deutsche Regierung, die im übrigen nicht zugeben wollte, daß sie diese Baumwolle mit Dumpingivare bezahlte. In der Avant-Garde der Wafdißten, die aus 12.000 El-Azharisten bestand, fand Berlin seine eifrigen Verfechter. Wir haben gesehen, daß diese Saat sehr ausgiebige Ernte zeitigte. Die Ambulanzen sammelten Verwundete und Tote. Manche ausländische Tageszeitungen sahen in diesen Ereignissen die Hand Roms. Diese Hypothese ist wenig wahrscheinlich, denn in Ägypten sind über hunderttausend Italiener angesiedelt und ihr Leben wie der Aufenthalt aller Ausländer wäre bedroht, wenn diese Revolte sich weiter ausbreiten würde. Die italienische Regierung dementierte sofort diese Nachrichten. Die Aufrichtigkeit der Nationalisten ist im übrigen unzweifelhaft. Nahas Pascha, der Nachfolger des Pioniers der ägyptischen Unabhängigkeit, der in diesen tragischen Stunden den inneren Kampf begonnen hat, glaubt, daß er ausschließlich dem Wohle seines Vaterlandes dient. Aber er wird eines Tages zur Einsicht gelangen, daß er nur ein Werkzeug ausländischer Bestreu billigen gewesen ist. Palästinensische Wirtschaftsorganisation der Jewish Agency Tel Aviv, 5. Dezember. (Z. T. A.) In einer Versammlung der jüdischen K a ii f 1 e ii t e von Tel-Aviv wurde von dem Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Fischel Rottenstreich, und dem Vorsitzenden des Verbandes der Kaufleute, Sc h a t z o w, die sofortige Schaffung einer eigenen Wirtschaftsorganisation durch die Palästina-Exekutive der Jewish Agency als unbedingt notwendig bezeichnet. Diese Organisation, erklärten die Redner, müßte der jüdischen Kaufmannschaft Richtlinien geben, sowie Arbeitskonflikte und Streiks verhindern. In der Aussprache griff A. N. Tzilevitch die Konsumgenossenschaft an, von der er behauptete, sie untergrabe die Existenz des Handels. Dr. Rottenstreich versprach, daß den Kaiifleuton B e tätigt! n g s m ö g 1 i c h k e i t e u ' i n den Kolonien gegeben werden würden. Er hob die Schwierigkeiten de« Absatzproblems für palästinische Produkte hervor und erklärte auch, die Exekutive sei bereit, bei der Schlichtung von Arbeitskonflikten mitzuhelfen. Dr. Rottenstreich schloß mit dem Appell zu enger Zusammenarbeit mit der Exekutive. hobt die Verfassung auf und unterdrückt ( plareu diese Broschüre, in der der undas Land. Infolge der stetigen Wirren änbekannte Autor den Nachweis zu erbringen »JUNG-WIZO-MIRJ AM« Samstag, 14. Dezember 1935 Karten boi der Jüdischen Kulturstello. Wien, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 28-2-3G sowie boi allen Bundesschwestem Abend jüdischer Kunst (anschließend Tons) KUNSTSPIELE, 1., RIEMERGASSE 11 ßiiro des Heß sich hier niederlicßon, über-