Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-12-10 · Heft 506 (10.12.1935) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 506 (10.12.1935)
Date
1935-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054262--5525-3061269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seift 4 Oll STIMM! Direktor Hoofien über die Wirtschaftslage Palästinas Wie dir Lemberger „Ülnvila“ mit feilt, hat der Generaldirektor der Anglo-Palostiue Bank. II o o f i e n. in der Handelskammer in Tel-Aviv einen Vortrag über die gegenwärtigen wirtschaftlichen Palästinas gehalten. Er erklärte unter anderem: ..Unsere finanzielle Struktur stützt sich auf die Finanzn.ni Bankstruktur Englands sowie auf die finanzielle Wirtschaft Englands, die aus dem letzten Weltkrieg heil davongekommen ist. und die gegen neue Erschütterungen entsprechen l gerüstet ist. Es ist möglich, daß in vielen Fällen, die früher sehr lax erteilten Kredite, die jetzt auf besonders vertrauenswürdige Fälle eingeschränkt. werden, eher zur Gesundung uni Stärkung unserer wirtschaftlichen Basis beitragen werden. Wenn es sich ereignet hatte, daß man manche Kredite unverdientermaßen zurückgezogen hat. so wird diese Angelegenheit untersucht werden und schließlich wird Gleichgewicht und Ruhe in unser Wirtschaftsleben eiuzieheu. Vor einigen Monaten haben wir über die Vergrößerung des Gründungskapita.ls der Anglo-Palestine-Bank und über den Ausbau unserer Beziehungen zu der Finanzwelt berichtet, Dadurch wird es uns ermöglicht, eine größere Kreditaktion für unsere Klienten zu entfalten und wir werden imstande sein, alles für die Verbesserungen der Lage des Wirtschaftslebens zu tun. Wenn keine katastrophale Änderung in der politischen W e 11 s i t u at i o n eintreten wird, was wahrscheinlich nicht derFall sein wird, so glaube ich nicht, daß clie Lage in Palästina sich verschlechtern w e r d e.“ Wenn manche Leute im Zusammenhang mit der politischen Lage sich vom Bauen zurückhalten, so könne die Finanzinstitute nichts dafür. Unternehmer, die ihre Baupläne durc-hfUhren wollen, können bestimmt auf die Unterstützung größerer und kleinerer Bankinstitute rechnen. In dieser Hinsicht wird man sicher auf eine Verbesserung der Lage hinwirken können. Hoofien schloß mit der Bemerkung, daß nach seiner tiefen Überzeugung die Wir tschaft Palästinas gesund ist. Es liege in unseren Händen, die „Prosperity“ zu erhalten, man müsse sie aber energisch und rasch ausnützen. Die Ausführungen des Generaldirektors haben im ganzen JLschuw einen tiefen Eindruck gemacht. Zur Frage des Legislative Council Die als Ersatzblatt für die verbotene „A Difaa" erscheinende arabische Zeitung „As S i r a t“ in Jerusalem schreibt zur Frage des künftigen Legislative Council, die gegenwärtig geführte Politik werde keine Änderung erfahren. Der Legislative Council werde nicht vor April, ja möglicherweise sogar erst im Juni 1936, eingesetzt werden und inzwischen werde die jüdische Einwanderung nach Palästina und der Erwerb von Grund und Boden durch Juden weiter vot sich gehen. Das Land brauche keine Institution, in der Araber, Engländer und Juden zusammen.:-itzen. Werde der Legislative Council die arabischen Fordeningen in bezug auf jüdische Einwanderung und Bodenverkauf erfüllen, dann sei er gut, wenn nicht, dann brauchen die Araber eine solche Versammlung überhaupt nicht. „Felostin“ widmet der Person des neuen Kolonienministers. J. II. Thomas, einen Artikel und äußert die Meinung, daß die Araber im Hinblick auf die Beziehungen des Ministers zu den Juden in der Vergangenheit keine großen Hoffnungen auf ihn setzen dürfen. Die Zeitung rät den Arabern, sich überhaupt nicht auf Minister zu verlassen, sich für deren Persönlichkeit nicht zu interessieren, sondern die englische Politik weiter zu bekämpfen, die die Quelle allen Unglücks für die Araber sei. Neue arabische Zeitungen Auf dem Gebiet des arabischen Zeitungsweseue in Palästina läßt sich in letzter Zeit ein bedeutender Aufschwung feststeilen. Neue Zeitungen aller Richtungen und Parteien beginnen zu erscheinen, so daß man b>:h fragt, für wen diese Blätter eigentlich geschrieben werden, da° bekanntlich dar Prozentsatz der Analphabeten unter der arabischen Bevölkerung außerordentlich hoch ist. Drei von den soeben erschienenen neuen vier arabischen Zeitungen stehen der Partei des G r o ß m u f t i n a h e und werden von extremistischen Elementen geleitet. Kommunisten und Terroristen Jerusalem, (PaJcor). Im Anschluß an die Aufdeckung der arabischen Baude, die in den letzten Jahren Mordüberfälle auf Juden unternommen hat, meldet die hebräische Presse Palästinas aus sicherer Quelle, daß der Führer dieser Bande, Scheich As-Adin al-Kassam, der im Kampfe mit der Polizei bei Jenin fiel, m i t der kommunistischen Partei Palästinas in Verbindung gestanden h a b e. Die palästinensischen Blätter berichten, daß die Polizei bereits im Jahre 1931 von einem der früheren Führer des Kommunismus in Palästina die Mitteilung erhalten habe, daß der genannte arabische Scheich mit den Kommunisten in ständiger Verbindung wegen eines gemeinsamen Kampfes gegen die Mandatarmacht als den gemeinsamen Feind des I s 1 a m und d e s Kommunismus stehe. Zur seihen Zeit habe sich in Palästina ein kommunistischer Sonder delegierter Moskaus aufgehalten, der mit Scheich As- Adin al-Kassam Verhandlungen geführt habe und mit ihm zu einer Verständigung gelang sei. Seit jener Zeit soll eine ständige Verbindung zwischen der arabischen Mörderbande und der kommunistischen Partei Palästinas bestanden haben. Inwieweit diese Nachricht richtig ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Keine Mißbräuche im Einwande• rungsamt Jerusalem, 8. Dezember. (2. T. A.) Wie die Tageszeitung „El Dschamea El Islamia“ mitteilt, konnte dem -wegen angeblicher Mißbräuche vorläufig des Amtes enthobenen Beamten des Immigrationsdepartements der Palästina-Regierung, M a s s a r s e, nach Vernehmung von 70 Zeugen ein Verschulden nicht nachgewiesen werden. Voraussichtlich wird Georg Ma.ssar.se (ein Araber) seinen Dienst demnächst wieder aufnehmen. Die Untersuchung gegen den arabischen Einwanderungsbeamten hat bekanntlich zu empfindlichen Störungen bei der jüdischen Einwanderung, insbesondere aus Polen, geführt. Zahlreiche Einwanderer, deren Papiere von Massarse ausgefertigt waren, mußten in ihre Herkunftsländer zurückkehren und das Palästina-Amt in Warschau stellte eine Zeitlang die Abfertigung von Auswanderern auf Grund von Anforderung seitens in Palästina wohnhafter Angehöriger überhaupt ein. Es ist noch nicht klar, welche Rückwirkung das Ergebnis der Untersuchung auf die seinerzeit betroffenen Auswanderer haben wird. Noch keine Entscheidung über die Zertifikate Jerusalem, 8. Dezember. (2. T. A.) Seitens der Exekutive der Jewish Agency wird mitgeteilt, daß die Gerüchte, wonach die Jewitsh Agency auf Rechnung der Halbjahresschadule Oktober 1935 bis März 1936 5000 Zertifikate vorschußweine erhalten hat, der Wirklichkeit nicht entsprechen. Bisher hat die Exekutive vorschußweise 1000 Zertifikate bekommen, von denen 500 für jüdische Palästinawanderer aus Deutschland bestimmt sind. Weiter wird mitgeteilt, daß die Gerüchte, wonach der Aufenthalt »sämtlicher bisher unter Außerachtlassung der Einwanderungßvorschriften nach Palästina gekommenen Personen demnächst legalisiert werden solle, der Grundlage entbehren. Hanoar-Hazioni-Siediung im Emeh Sebulun Jerusalem, 5. Dezember. (Palcor.) Im Emek Sebulun, in der Nachbarschaft der Kwuza-Ramat-Jochanan (die den Namen des großen Freundes des Zionismus, General Smuts trägt) wurde seitens des K.-K.-L. ein Bodenkomplex von 500 Dunam für die Ansiedlung des Kibbuz der Allgemein-Zionistischen Jugend („Hanoar Ilazioni“), der sieh früher iu Petach-Tikwa befand und jüngst nach Kirnt-Anawim bei .Jerusalem übergcsiedelt ist, bestimmt. Auf dem genannten Bodenkomplox worden 40 Familien der Allgemein-Zionistischen Jugend angesiedelt werden. Pro-Palästina-Komitee im englischen Parlament London, 6. Dezember. (2. T. A.) Das Pro-Palästina-Komitee des neuen englischen Parlaments hat seine konstituierende Sitzung abgehalten. An der Sitzung nahmen die Freunde des jüdischen Palästina-Aufbaus unter den neu gewählten Mitgliedern des Unterhauses und die Palästinafreunde im Oberhaus teil. Es wurden Fragen besprochen, die mit der Tätigkeit der englischen Parlamentarier zugunsten der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Zusammenhang stehen. Eine Wirkung der Sanktionen Jerusalem, 5. Dezember. (Z. T. A.) Wie die Zeitungen melden, haben die Sanktionen gegen Italien zu einer etwa 25- 1> r o z e n t i g e n E r li ö h u n g der P r eis e für Pal ä s tin a - O ra ng e » geführt. Insbesondere die arabischen Kaufleute rechnen mit der Eroberung von Märkten, die der italienischen Orange jetzt verschlossen sind, und haben den Export nach England gedrosselt, wodurch eine Preiserhöhung auf dem dortigen Markt, von vier auf fünf Schiling pro Kiste im Laufe einer Woche herbeigeführt wurde. Kolonienminister Thomas über das Bandenwesen in Palästina London, 8. Dezember (2. T. A.) In schriftlicher Beantwortung der vom Abgeordneten Colonel Josiah Wedgwood eingebrachtcn Anfrage über da* Bandenunwesen in Palästina hat Kolonienrninister J. H. T h o m a s erklärt, diese Anfrage beziehe sicli offenbar auf die am 20. November von der Polizei bei J e n i n aufgegriffene arabische Bande. Bei diesem Zusammenstoß sei der englische Polizist R. C. V. Mott getötet worden. Eine Bestätigung der Pressemeldung, daß diese Bande auch mit dem vor kurzem an einem jüdischen Polizeisergeanten (Ilosenfeld) verübten Mord in Zusammenhang stehe, liege seitens des High Commissioner bisher noch nicht vor. I)io palästinensischen Behörden seien sich durchaus bewußt, daß es wichtig sei, jede »Spur unerlaubten Waffenhandels bei irgend einem Teil der Bevölkerung zu verfolgen. Zum »Schluß erklärt der Minister, er sei überzeugt, daß keine Notwendigkeit für die Einleitung einer besonderen Untersuchung gegeben sei. Unbekanntes politisches Vermächtnis Theodor Herzis gefunden Der Herzl-Forscher Dr. Tulo Nus senbla 11 hat im Archiv der Pariser Akademie der Wissenschaften bisher unbekannt gebliebene politische Dokumente Theodor Herzis gefunden. Diese ziemlich umfangreichen Aufzeichnungen sind von Herzl seihst in der Akademie der Wissenschaften in Paris in einem geschlossenen Umschlag, kurz bevor er Paris verlassen hatte, hinterlegt worden. Nach den Satzungen der Akademie werden derart hinterlegte Dokumente erst nach Ablauf einer langen Frist nach dem Tode des Hinterlegers geöffnet. Der Testamentsvollstrecker Theodor Herzis, Direktor M. Reichenfeld, h'at dem zionistischen A. C. über diesen Fund berichtet. Das Herzl- Archiv in Wien bemühte sich, die Freigabe dieser Niederschriften Herzis zu einem frühe, ren Zeitpunkte zu erlangen. Aus den bisherigen Ergebnissen betreffend diese Dokumente und in Ansehung des Ortes und der Zeit, in der Herzl persönlich um die Erlaubnis zu ihrer Hinterlegung bei der Akademie der Wissenschaften angesucht bat, wird geschlossen, daß es sich um ein bedeutungsvolles politisches Vermächtnis Theodor Herzis handelt. Man hofft, daß zu der für das Jahr 1936 geplanten Überführung der Gebeine Herzis nach Palästina, die gemäß einer von Nahum Sokolow mitgeteilten Äußerung Herzis auf dem Karmel beigesetzt werden sollen, bereits die Veröffentlichung der Dokumente möglich sein wird. AUS DEM DRITTEN REICH Kareshi, Präsident der jüdischen Kulturbünde in Deutschland Der StaaGkommissar für jüdische kultui eile Angelegenheiten, Hans II in k e 1, hat die Ernennung dos Präsidenten der »Staats* zionistischen (revisionistischen) Partei in Deutschland, Georg K a r e s k i, Mitglied dos Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, zum Präsidenten des Verbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland vollzogen. Iliemi’t ist. Ivareski faktisch die entscheidende Persönlichkeit im j ti d i s c h e n Kulturleben Deutsc h- 1 a n d s geworden. Er wird gemäß dem Ernenmingsdekret die gesamte jüdische kulturelle Tätigkeit, einschließlich der ProgrammbiUlung bestimmen. Die künstlerische Arbeit der Kulturbünde leitet wie bisher Dr. »Singer. Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Bankwesen Im Anschluß an den Übergang des Dresdner Ge»schäfts des Bankhauses Gebrüder A r n h o 1 d an die Dresdner Bank, die, wie der „Angriff“ (Goebbels) au st’(Hirt, ein weiteres Beispiel für die langsame Ausschaltung des Judentums aius der Wirtschaft ist, befaßt sich das Blatt mit den soeben veröffentlichten Ziffern de»s »Statistischen Reiehsamtets über die berufliche und soziale Gliederung der Gla.ubenejud.en. Danach arbeiten 1722 Juden im Gewerbe des Maklers und Kommissionäre und 4085 im eigentlichen. Bank- und Börsen wesen. Es zeige sich, daß das Judentum im Gewerbe des Privatbankiors ganz entscheidend überwiegt. Die in der letzten Zeit erfolgte Aus»scheidnng vieler Privatbankhäuser aus dem Bankgeschäft gehe, wie es nicht anders sein kann und au oh sein soll, fast ganz zu Lasten der jüdischen Mitglieder. Viele Bör.senkomnnssionäre und kleinere jüdische Bankgeschäfte seien still verschwunden, schon aus dem einfachen Grunde, weil das Börsengeschäft mit seinem gegen früher wesentlich verkleinerten Markt und der scharfen Aufsicht der amtlichen und berufsstän dis eben Stellen ihnen keine Gewintirnöglichkeiteu mehr lasse. Sie haben aber auch recht erhebliche Einbußen an Einlagen erlitten. Die deutschen Kunden «eien zu deutschen Bankhäusern abgewandert, und der hier und dort erfolgte Übergang jüdischer Kunden von deutschen Bankgeschäften zu den jüdischen Firmen habe diesem Abgang nicht annähernd ausgleichen können. Nicht allen Privatbankiens sei es möglich, wie die Gebrüder Arnhokl in Dresden oder die Gebrüder Stern in Düsseldorf, Käufer für ihre Unternehmen zu finden. Der Politiker Ludendorff In seiner Zeitschrift „Am heiligen Quell deutscher Kraft“ bezeichnet General Ludendorff die Juden als die treibende Kraft der ölsanktionen. „Präsident Roosevelt“, schreibt Ludendorff, „der gänzlich unter jüdischem Einfluß .steht, beginnt bereite jetzt schon Schwierigkeiten dem Öltransport nach Italien zu bereiten ... Anclero, als Ölproduzenten wichtige Länder, so wie zum Beispiel Rumänien und Sowjetrußland, halten an den Sanktionen, wie sie von dem Judentum verlangt werden, fest.“ Wie die deutschen Juden ausgeräubert werden Der Berliner „Reichsanzeigor“ veröffentlicht eine Bestimmung, wonach eß deutschen Juden, die nach Italien auswandern wollen, erlaubt ist, 30.000 Mark in Reiclisbankschecks, die auf italienische Sperr- Liro lauten, mit sich zu nehmen. Im Zusammenhang mit dom italieriiseh-abeßshiiißch<M Krieg ißt es nämlich Deutschland nicht möglich, seine hohen Lire* Guthaben i n 11 a 1 i o n zu r e a 1 i ß i er e li; währenddessen fällt der Wert der Lire täglich. Die auswandemden Juden aber nehmen dieso Sperr-Liro a u f der G o 1 db a e i s an, verlieren sofort 40 Prozent des Wortes, ein Verlust, der sich noch um die »Summe der zu, bezahlenden Reichsfluchtsteaier (25 Prozent des aiusgefiihrten Kapa*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.