Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 505 (6.12.1935)
- Date
- 1935-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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505 — 6. Dezember 1035 Dil STIMM! Saft« 3 Reisen nach RANZ WIEN SPRICHT VON DEM FILM: Palästina und Polen Auskünfte bei Dr. S. Tocker, IX., Liechtensteinstraße 2 Tel. A 14-504 (Reisebüro „In die Welt" - W. M. Renner) Rilke und die Juden Rainer Maria R i 1 k e, der am 4. Dezember 60 Jahre alt geworden wäre, äußerte sich in einem Schreiben an Ilse ß 1 u m e n t h a 1- W e i ß (erschienen in den jetzt von Ruth Sieber-Rilke und Karl Sieber im Insel- Verlag herausgegobonen „Briefen aus Mnzot“) über da.s Schicksal des Juden, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Sie wissen ans einem meiner früheren Briefe (dem vom „Glauben“), wie sehr mir der Jude bevorzugt scheint durch die in ihm. eingeborene Einheit von N ati onalität und Religio n, die ihm einen immer wieder Offenburen Vorsprung sichert. Daß er unter sich den Boden verloren hatte und auf einem Stück Leih- Erde sich hallen mußte, hat sein Gutes und sein Arges; er hat, von wenigen großen Ausnahmen abgesehen, seine a/v antag es mißbrauchen müssen, um im Bestrittenen und Bodenlosen zu überstellen... Wo aber der gleiche Vorgang, das gleiche dem Schicksal abgewonnene Überstehen in einem groß entschlossenen Wesen sich vollzog, da ist aus denselben Unerbittlichkeiten eine Herrlichkeit entstanden, für die Spinoza ein berühmtes Beispiel wäre ... Der eigentlich transportable Geist ist durch das Schicksal des Juden in die Welt gekommen: eine unerhörte Gefahr und eine u nc r hört e Freiheit der Bewegung. Und je nachdem man die eine oder andere Seite dieses jüdischen Ausweges betont, wird man ihn fürchten oder rühmen müssen; wobei bestehen bleibt, daß das durch ihn Bewirkte aus allen schließlich u n e n tb ehr lieh ist, nicht wegzudenken und nicht wegzuwollen“ daß die tägliche Körperpflege für Ihre Gesundheit unerläßlich ist. Sorgen Sie für Ihr Wohlbefinden und verwenden Sie für Massage (Einreibungen) sowie zur Mund, und Zahnpflege stets und ständig nur DAS LAND DER VERHEISSUNG DER SCHÖNSTE PALASTINA-FILM Nächste Aufführungen: Sonntag, den 8. Dezember, 2 Vorstellungen, vormittags 1411 und % 12 Uhr SCHWEDEN-KINO Ansprachen Dr. Josef Löwenherz Samy Gronemann, Berlin Mitwirkend: Jüdischer Knabenchor DirigentKurt Fuchsgelb Vorverkaufsstellen: Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, Tel. R 42-407 ab 5 Uhr nachmittags A. Mejstrik, I., Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53 Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20, Tel. R 4 -305 Jüd. Kulturatelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 26-2-36 Buchhandlung Richard Lanyi, I., Kärntneretr. 44, Tel. B 25-6-75 u. B 26-3-33. politische Erfahrung verfügen, lassen sich nicht über den Ritlerismue und die Wohltaten in Deutschland aus, sondern sie legen das Hauptgewicht darauf, die Anwesenden zu überzeugen, daß in den Vereinigten Staaten ein Umsturz hervorgemfen werden müsse, wobei sie gleichzeitig die J u d o n zu der farbigen Rasse zählen wie die Neger, was auf die Amerikaner großen Eindruck macht.“ Eine Judengemeinde flüchtet Über die Vorgänge im Bezirk 0 p o c z n o erhält diie Jüdische Telegraphenagentur folgende Berichte: Infolge der dauernden antijüdischen Exzesse in einigen Städtchen im Bezirk Opoozno hat die besonders scharf verfolgte Judenschaft des Städtchens K l w o w, fünf Kilometer von Odrzywol entfernt, daß Städtchen fluchtartig verlassen und das ganze Hab und Gut zurückgelass e n. Da nicht genug Fuhrwerke vorhanden waren, haben sich zehn Juden zu Fuß auf den Weg gemacht. Unterwegs wurden sie durch eine aufgehetzte Menge überfallen und schwer mißhandelt. Einige der Flüchtlinge wurden schwer verletzt. Der 66jährige Monisch Poznanski wurde sterbend in das Hospital nach Radom gebracht, wo er sofort nach der Einlieferung starb. Ein zweiter schwerverletzter Jude, Herseb W r ub 1 e w s k i, -wurde im Agoniezustand eben- , falls in das Radomer Hospital gebracht. Mendel Poznanski, ein Bruder des getöteten Hönisch Poznanski, wurde mit schweren Knochenbrüchen an der Hand eingeliefert. Frau Feige S k u m 6 k a wurde das Nasenbein zertrümmert, außerdem erhielt sie schwere Wunden im Gesiebt. In dem Städtchen P s z y t i k wurde die Judenschaft furchtbar mißhandelt. Schwerverletzt wurden der Ort-s-Sohochot, ferner Jizchak und Kaiman Bornßtein, Frau Reisei Poznanski; außerdem gibt es mehrere Leichtverletzte. In dem Städtchen Odrzywol haben sich die Juden in ihren Wohnungen verbarrikadiert. Eine von außen eingetroffene Polizeitruppe hält die Ordnung aufrecht. Aus dem Städtchen P s z y s c h a, wo antijüdische Ausschreitungen stattfanden, begab sich eine Delegation nach Warschau, um Schutz zu verlangen. Überall schritt die Polizei energisch ein. FRANZ BRANNTWEIN ' 'U MENTHOL Pas Hakenkreuz in New York Im „Kurjer Wa.rszawski“ ist vor kurzem ein Bericht aus New York über die Hitler- Propaganda in den Vereinigten Staaten erschienen. Hier oinige Zeilen aus den Mitteilungen des sonst den Juden nicht besonders gut gesinnten Korrespondenten: „In New York selbst erscheinen drei Wochenschriften: ,Deutscher Beobachter4, ,Weckruf und Beobachtor4 mul ,American Bulletin4, die den Nationalsozialismus propagieren. Die Bewegung ist hauptsächlich im Stadtteil Jerfülle konzentriert, der von den mischen Germanen bewohnt wird. Dieso sparen nicht mit finanziellen Mitteln für die Hitler-Presse und für die Verteidigung des nationalsozialistischen Kindermürdens Bruno Haupt in a n n. Zwei Organisationen, ,Dio Nationalsozialistischen Ligen Nordamerikas4 und ,Dio Freunde des neuen Deutschland4 stehen an der Spitze des Kampfe« gegen die Juden. Im übrigen bekämpfen sich diese beiden Organisationen auf da»s heftigste. Die Versammlungen der ,Liga‘ ßind bemerkenswert. Auf der Tribüne der Turnhalle hängen drei Falmeu, eine amerikanische und zwei hitlorische. Dio ,Schutz- «taffcl4, dio in Now York 250 Mitglieder zählt, hält Wache. Die Begeisterung wird durch junge Redner und durch Bier erzeugt. Die Redne^ dio. über eine gewisse | Unter der Rettung des allgemein bekannten i Cafetiers Korn mehl j | Heute Neueröffnung J e s | Cafe*Resfaurant Hemehof | W fön, II^ Hetncstraße Nr. l 5 | | Für erstklassige Getränke und vorzüglich suhercitete Speisen, | | sowie exquisite Bedienung bürgen die fachmännischen Kennt« i | nisse und langjährigen Erfahrungen der obgenannten Leitung. 1 | Um gütigen Zuspruch ersuchend Die Direktion 1 Palästina meldet: Demonstration gegen die Hahenhreuzfiagge in Tel-Aviv Tel-Aviv, 3. Dezember. Der Magistrat der Stadt Tel-Aviv veröffentlicht dio folgonde vom Bürgermeister Dizengoff gezeichnete Erklärung: „Am 6. November 1. J„ als die Frau des deutschen Generalkonsuls in Jerusalem und die Frau des deutschen Konsuls in Jaffa mit einem Auto beim Kasino „Galci-Avish“ in Tel-Aviv vorbeifuhren, haben einige jüdische Chauffeure dio deutsche Flagge vom Konsularauto herabgerissen und den deutschen Chauffeur beleidigt. Ich verstehe die Gefühle dieser Leute, ich muß aber dio Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen daß wir durch solches Vorgehen den Beweis liefern, daß wir uns nicht beherrschen können. Die Würde der Stadt erfordert es, daß jeder, der in Tel-Aviv verweilt, sich vor allen Angriffen sicher fühle, auch ohne Polizeisehutz. Ich appelliere an die Bürger dieser Stadt, daß sie ihre Gefühle beherrschen, daß sic «ich in keiner Art zu aggressiven Taten, sei es gegenüber Gästen oder Touristen hinreißen lassen, denn solches Vorgehen kann unserem Ansehen in der Welt schaden.44 Hat jemals ein Bürgermeister in Deutschland in ähnlicher Weise das Gastrecht gewahrt? Im Reich enthüllen die Bürgermeister dio „Stürmer“-Kästcn und die Tafeln ..Die Juden sind .unser: .Unglück!“ Pflegen Sie Ihre Zähne mit ODOL- Zahn pasta und Sie erhalten sich gesunde Zähne bis ins hohe Altar. iUfs Kleine Tube 8 -80 GroSe Tuba 8 1.40 mm Miß Szold Jerusalem, 3. Dezember (2. T. A.). Zur Schlichtung der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem United Zionist Appeal in Amerika und der Hadassa in bezug auf die Zuteilung von Mitteln für die Jugendalija -Arbeit begibt sich Miß Henriette S z o i d nach Amerika. Der amerikanische Frauen verband Hadassa hat die Leitung der amerikanischen Aktion für die Jugend-Alija übernommen. An Miß Henriette Szold wurde anläßlich ihre« 75. Geburtstages ein Scheck über 10.000 Dollar für den Fonds der Jugend- Alija gesandt. RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) II., Taborstraße 12 Telephon R 46-6-57 Ausgiebige Braten-Menüs S 1*60 IWJ „ Geflügel-,, S2*20 itt'W sowie & la Carte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. -™ -t“ .- Die Einnahmen des Nationalfonds Jerusalem, 3. Dezember (2. T. A.). Vom Hauptbureau des Keren Kajemeth wird mitgetel.lt, daß die Einnahmen des Fonds im letzten Jahre 348.000 Pfund betragen und weitaus höher waren als im voran gegangenen Jahre. Das jüdische Schutwerk in Palästina Vertreter des Waad Leumi, der Stadtverwaltung von Tel-Aviv und einer Reihe großer jüdischer Verbände haben eine gemeinsame Konferenz abgehalten, in der eine scharfe Entschließung gegen die ungenügende Berücksichtigung der Erfordernisse des jüdischen Schudwerkes in Palästina im Budget der Palästina-Regierung gefaßt wurde. In der Entschließung wird gefordert, daß der Beitrag der Regierung dem Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung angepaßt werde, wobei betont wird, daß das Budget Palästinas zu m größten Teil von den im Lande wohnenden Juden gedeckt wird. Die weiteren Beratungen der Konferenz gialten dem arabischen Terror. Der Außenhandel Palästinas Der Wert der E i n f u h r a u s D e u ts c h I an d nach Palästina betrug im ersten Halbjahr 1935 1,082.000 Pfund gegenüber 859.000 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres. Die Ausfuhr nach D e u t s c h 1 a n d ist von 593.000 auf 248.000 Pfund gefalle n. Nach England wurden im ersten Halbjahr 1935 Waren im Werte von 2,096.000 Pfund atisgefiihrt, während die Einfuhr aus England bloß 1,441.000 Pfund betrug. Die Steigerung des Exportes ist hauptsächlich auf den größeren Absatz von Zi t.r us f r ii c h teil zurilekzuführen. Tm ersten Halbjahr 1934 herrschte zwischen der Ausfuhr nach und der Einfuhr aus England mit 1,380.000 Pfund Gleichgewicht. Zion. Bezlrkssektlon Leopoldsladt, II., Praterstr?Bo 13 (Lloydhof) Samstag, den 7. Dezember 1935, um 7 Uhr abends, findet in den Räumen der Sektion IL Piaierstr. 13, die diesjährige GENERAL¬ VERSAMMLUNG statt Oie Mitglieder » erden ersucht, pünktlich iu erscheinen