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Die Stimme · 1935-12-03 · Heft 504 (3.12.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 504 (3.12.1935)
Date
1935-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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l 504 — 8. Dezember 1985 DU STIMMI Sette 3 Abhilfe bei Bruchleiden durch „ABSO^-Bruchbänder mit drehbaren ^chwammgammipelotten, elastischem Gmtverschluß, ohne Schenkelbänder; für empfindliche Fälle: Bruchbandagen nach Dr. Barr&re ohne Federn, ohne Pelotten. Alleinvertrieb: INSTITUT B3TANDN3« I., Telnfaltstr. I, Ecke Freyung 5 Fachmännische Beratung bei Fußleiden kostenlos! Inland ' Das außenpolitische Exposö des Ministers Berger-Waldonogg vor dem Bundestag hat in der ganzen Welt ein freundschaftliches Echo gefunden. Der Minister hat namens der Regierung erklärt, d. ß die derzeitigen Spannungen in keiner Weiso das politische Interesse der Strcsamächte — Italien, England, Frankreich — für Österreich beeinträchtigt haben. Dies heißt also, daß die Wahrung der Unabhängigkeit Österreichs gegen jeden Eingriff von außen gesichert ist. Österreich führe seine Politik der traditionellen Ehrenhaftigkeit und Offenheit weiter und hält es für selbstverständlich, daß jede Diskriminierung durch die Friedensverträge endgültig fallen gelassen werde. In diesem Expose wie in allen österreichischen Ministcrredon wird die Funktion Österreichs als einer Burg des europäischen Geistes betont. Der Kampf, den die Regierung um die Wahrung der Eigenart Österreichs als Kulturstaat führt, hat die volle Sympathie der großen Staaten gefunden, und dies hat sich in der vollen materiellen und politischen Unterstützung des Völkerbundes deutlich manifestiert, zeigt sich übrigens auch in der nicht zu unterschätzenden Mitteilung aus Rom, daß die Brennergrenze weiter unter militärischer Kontrolle bleibt. Österreich hat ein volles Recht darauf, aus jeder Diskriminierung herausgenommon zu werden. Es versichert in seiner Verfassung, daß es in seiner Bevölkerung keine nationalen oder konfessionellen Unterschiede gelten lassen will und daß ein Bürger ein Bürger bleibt, welcher Richtung er auch sonst sein mag. Eine Ausnahme kann nur für Bewegungen gelten, die den Staat verneinen und mit Gewalt seine Freiheit vernichten wollen. Das muß vor allem für die nationalsozialistische Richtung gelten, die keine politische ist, sondern eine kriminelle. Sie will mit Terror, mit Anarchismus und Nihilismus Österreich in den Ruin des deutschen Volkes hineinreißen. Der Staat hat sich gegen sie sehr! energisch zur Wehr gesetzt. Aber doch nur gegen ihre Exzesse und gegen ihre Angriffe auf die Stellung der katholischen Kirche. Daneben aber läuft ihr Kampf gegen die jüdischen Steuerzahler. Der nationalsozialisti-i io Rassenblödsinn ist weit über den Kreis dieser Partei hinaus vorgedrungen und er zeigt sich in allen Einrichtungen, die zum Aufbau der ständischon Ordnung getroffen worden sind. Die großen Berufsgruppen werden in ihrer Leitung unter Ausschluß der jüdischen Bevölke- I rung konstruiert. Gewerbebund, Handelsbund, die Untergruppen und die Verbände nehmen auf die Notwendigkeit, die Interessen der jüdischen Angehörigen durch Juden wahrnehmen zu lassen, keine Rücksicht. Und auch sonst zeigen sich in der Haltung offizieller Stellen zu den Juden Anläßlich der Ftinfzehnjahrfeier des Keren Hajessod hat das österreichische Komitee der Jewish Agency und des Keren Hajessod eine Reihe von Veranstaltungen durohgeführt. Die erste dieser Art war die in einem festlichen Rahmen erfolgte Erstaufführung des Keren-Hajeseod-Films „Land der Verheißung“. Zu einer weiteren Veranstaltung hat das Komitee den bekannten Z'ionistenführer Dr. Samrny Gronemann nach Wien berufen, wo dieser bis zu seiner im Jänner erfolgenden endgültigen Übersiedlung nach Palästina für den Keren Hajessod tätig sein wird. Als Auftakt dieser Tätigkeit fand Donnerstag, den 28. d. im Hotel Krantz ein vom Koren Hajeseod veranstalteter Presse empfang statt, in welchem Dr. Gronemann in längeren, geistreichen Ausführungen vor den Vertretern der Wiener Tagespresse Aufschluß Anzeichen einer bewußten Zurücksetzung. Dies färbt natürlich auch auf das private Loben ab. Jüdische Bewerber um irgend eine Stelle werden fast ausnahmslos abgolehnt. Dies geht sogar so weit, daß sogar jüdische Unternehmer es bald nicht mehr wagen, jüdisches Personal zu beschäftigen. Klagen dieses Inhalts gehen uns in Menge zu und auch die jüdischen Arboitsvermittlimgsstellen konstatieren übereinstimmend ein Fortschrciten des stillen Boykotts. Die jüdische Bevölkerung muß verlangen, daß die innere Politik mit der äußeren in Harmonie gebracht wird. Es ist unmöglich, von Europa das Ende der Diskriminierung zu fordern und selbst zu Hause die Diskriminierung eines Bevölkerungsteilea auf Grund von biologischen Kriterien zu dulden. über die neue Aktion des Keren Hajessod gab. Dr. Gronemann wies auf die grundlegende Tatsache hin, daß der Zionismus keine Partei- und keine Philantropieamgelegenheit sei, wo die einen geben und die anderen nehmen. Das Grundprinzip des Keren Hajessod, der freien Besteuerung der Juden in aller Welt, bestehe vielmehr darin, den Juden die Möglichkeit zu geben, produktiv und schöpferisch zu arbeiten. Es handelt sich hier um ein rein praktisches Werk, darum, das Mandat über Palästina, das vom Völkerbund England übertragen wurde, der Verwirklichung zuzuführen, es handelt sich also darum, den hunderttaueenden Juden, die heute in einer Reihe von Ländern nicht bleiben können, kurz, den Juden ohne Heimat die Möglichkeit einer neuen Heimat zu schaffen. Dies ist um so notwendiger, als wir gerade in jüngster Zeit erfuhren, daß alle Bemühungen des vom Völkerbund vor zwei Jahren eingesetzten F 1 U c h 11 i n g s k o in m i s s a r i a t trotz größter Anstrengungen des Vorsitzenden James M a, o D o n a 1 d e-rgebnis- und fruchtlos geblieben sind. Die Balfour-Dekla.ration hat uns das Land nicht gegeben, mit ihr wurde uns lediglich ein Bauplatz gesichert, nichts mehr. Bis zum Jahre 1020 war die Adresse dos jüdischen Volkes unbekannt. Hätfe jemand an diese Anschrift einen Brief gerichtet, er wäre als unbestellbar zurückgeschickt worden. Erst mit diesem Jahr wurde die zionistische Organisation als rechtliche Vertreterin des jüdischen Volkes, als Jewish Agency, a.nerkannt. Eine ihrer ersten Taten war die Gründung des Keren Hajessod, der aus den freiwilligen Spenden der Juden aus aller Welt von etwa fünf Millionen Pfund das bisherige Kolonisationswerk in Palästina finanziert hat. Wenige Beispiele genügen angeführt zu werden, um den gerade zu märchenhaften Aufschwung dieses Landes in dem kurzen Zeitraum von fünfzehn Jahren vor Augen zu führen. Tel-Aviv, im Jahre 1920 eine Stadt von 2000 Einwohnern, zählt heute 150.000, Haifa ist schon heute nach Marseille der zweite Mittelmeerhafen, während in Jerusalem eich die erste hebräische Universität — heute schon eine große Zufluchtsstätte zahlreicher berühmter, heimatlos gewordener jüdischer Gelehrter Besonders billige und bequeme Reisen Besonders billige und bequeme Reisen IllllllillllllillllllllllllllllllllllllllllW Abfahrt jede Woche Reidil. Verpflegung, streng rituelle Küche Verkauf von Eisenbatinfahikaiten nach allen Ländern Auskünfte und Anmeldungen: Offiz. Polnisches Reisebüro Wien, I., Kärntnerstraße 41, Telephon R 21-5-78 als General-Repr. der Gdynia — Amerika — Line Gemüter der jungen palästinensischen Pflüger und Säer. Wie dieses Lied allmählich von jedem einzelnen Siedler Besitz ergreift, loie es beim täglichen Tagwerk, auf dem Felde, in der Scheunet beim Kuhmelken und in den Feierstunden erklingt und durch das ganze Land, „von B et h Alpha bis N ahala l“, zieht, wird vom Regisseur einfallsreich ausgenützt. Diese Liederszenen —» sie erinnern stark an Renee Clairs reizenden Film „Sous les toits de Paris“ — gehören jedenfalls auch rein künstlerisch zu den stärksten Eindrücken des Films. Die Luft vom Gilboagebirge, herb und, stark, weht aus diesem Liede. Die Liebe zum Tale Jesreels, leidenschaftlich und groß, spricht hier ihre zarte und doch so klare Sprache. „Wir werden dich Mit Wegen und Straßen umgärten, Wir werden deine Felder Meiden In der GäJ’ten lichtes Grün“ Hier ist alles eingefangen, Landschaft, Mensch, Arbeit und Frucht; alle Wünsche, alle Sehnsüchte des jungen, palästinensischen Juden sind in diese Melodie ge« schüttet. „Unerschrocken werden wir ln deine weiten Wüsten eindrlngen, All deine Sümpfe — Wir werden sie trocknen.“ Der Marschschritt der opfergemuten jüdischen Jugend zur Erlösung des Landes und Volkes hallt von diesen Liedern under. Und wenn die Jugend eines Volkes singt, dann ist die Erlösung auf dem Marsche. Das „Land der Verheißung“ läßt uns Schwäche und Kleinmut vergessen, flößt uns wieder Glauben und Hoffnung und Zuversicht ein. Die Erlösung wird'kommen. Die Jugend marschiert. Die Jugend singt und — wacht. „Schlummere Emek, herrliches Land, Wir wachen für dich!“ „Sei gesegnet mein Land, und gepriesen“ beten wir mit. Jakob Rosenthal „Land de& Zur Wiener Erstaufführung des großen Palästinatonfilms des Keren Hajessod „Schlummere Emek’, herrliches Land, ,Wir wachen für dich.‘‘ Etwas von Jesaias Vision von der „Tröstung Israels“ schwebt über den Bildern dieses Palästinafilms, der uns die Kinder Israels beim Wiederaufbau des verheißenen Landes in harter Arbeit zeigt. Nach den Tonfilmen „Segen der Arbeit“ („Awodah“) und „Dies ist das Land“ ist „Das Land der Verheißung“ der dritte Palästina-Tonfilm-, der innerhalb weniger Monate in Wien vorgeführt wird. Es sei gleich vorausgeschickt, daß uns dieser letzte Film das Land der Verheißung in seinem Lebens- und Arbeitsrhythmus am nächsten biingt. Dies ist um so bemerkenswerter, als gerade bei diesem, im Aufträge des Keren Hajessod gedrehten Palästina film der Gedanke nahelag, daß er wieder nur einen Sektor des neuen Palästina, und zwar den das Gebiet des Keren Hajessod umfassenden Teil des zionistischen Kolonisationswerkes vermitteln würde, mit der Tendenz der Propaganda, eine Art Bilderbilanz über seine fünfzehnjährige Leistung zu geben. Doch der Film selbst zerstreut schon in seinen ersten Bildern solche Gedankengänge. Propaganda? Ja, die herrlichste, großartigste, die man diesem so lebensnotwendigen, aus tausend Wunden des jüdischen Volkes geborenen, von unversiegbarem, selbstschöpf erischem Willen getragenen, Licht, Freiheit und Sonne spendenden Keren Hajessod wünschen kann. Eine Propaganda, die durch die Leuchtkraft einer jeden Szene, eines jeden einzelnen Bildstreifens dieses Landes der Verheißung'erzielt wird-, luas dem Schöpfer des Films, Leo II c rm a n n, der obendrein noch der Generale Sekretär des Keren Hajessod ist, nicht hoch genug anzurechnen ist. Hat der Film „Segen der Arbeit“ das brennende, sengende, dürstende Lied der Wassersucher angeschlagendas Drama der ersten Wassersucher in Palästina in unvergeßlich packenden Szenen abrollen lassen, so vermittelt der Keren- Hajessod-Film ein abgerundetes und in sich geschlossenes Bild vom Gesamtaufbau, von allen Ästen und Zweigen des altjungen Landes und seinen Heldensöhnen. Doch nicht auf den Namen des Films kommt es an, nicht auf die Frage, welcher von beiden filmisch besser ist. Sondern darauf: daß beiden die „Awodah“ zugrunde liegt. Die harte Arbeit, wie sie im ständigen Ringen mit der Jahrhundert um Jahrundert brachgelegenen, verschlossenen und verkarsteten Palästinaerde zum Segen wird und die erhabenen Rhythmen des Hohenliedes der schöpferisch jüdischen Pionierarbeit. Hier nie dort ist das Erhabenste an diesem Licht und Hoffnung, Mut und Tröstung spendenden Bilderszenarium der neue jüdische Mensch, wie er in entsagungsreicher Suche, im inbrünstigen Streben nach dem Lande der Väter das harte, schwere Dasein lebt, der neue kraftvolle jüdische Mensch bei der „Awodah“, die erst Palästina zum Lande der Verheißung macht. * Noch liegt traumverloren, in jahrhundertelangem Schlaf das verheißene Land. Da ertönt der Ruf zur Rückkehr. Schon durchpflügen Schiffe die Meere und führen das Volk aus allen Teilen der Erde in die neue Heimat, Volk — das ist zunächst, die J ug c n d. Und schon sehen wir diese. Jugend Felsblöcke wegschaffen. in den Steinbrüchen Judäas Straßen anleg en, in die verkarstete und vertrocknete Erde Maschinen bohren, über Steppen Traktoren ziehen, wir sehen sie mähen und säen, ackern und pflügen, ernten und feiern. Da spielen und tanzen prächtig entwickelte Kinder, da legen sie ihre reizenden Blumen- und Gemüsegärten an. Da zieht im abendlichen Schatten über der breiten Asphaltstraße des modernen Tel- Aviv eine Karawane. Im märchenhaft schönen Rahmen mit dem unvergleichlichen Panorama der trans jordanischen Gebirgswelt, im Amphitheater der Hebräischen Universität am Skopus, hören und sehen wir, wie jüdische Arbeiter sang er Haydns Schöpfung hebräisch zelebrieren. Silhuettenhaft steigen die Umrisse schattendunkler Basare Altjerusalems auf mit all ihrem pittoresken Zauber. So rollt Bild um Bild vor unserem Auge ab, Bilder? Nein, das Leben Altneulands selbst ersteht hier in seinen vielfältigsten Varianten, Typen und Erscheinungen. Scheinbar unvermittelt reiht sich Bild an Bild — eines schöner als das andere, beinahe möchte man sagen, ohne Regie — einzig dem vielfältigen, pulsierenden Leben Palästinas abgelauscht. Und das ist der hohe k ü 71 stiert sehe Wert der lebendurchfluteten Filmreportage Leo Herma n 71 s. Und ln der Bildererscheinungen Flucht bleibt stets als Leit7notiv der jüdische Pionier bei der Awodah. Es sind Bildstreifen von überwältigender Schönheit. Es gibt Szenen in diesem Film, denen man nur mit tiefster Ergriffenheit folgen kann. Der ganze Film ist erfüllt von der einzigartigen Melodie des „Emek“-Liedes, das von den Höhen des Giwath Brentier zum, erstenmal erklmgt und dessen Rhythmen durch das Land getragen werden, ln diesen Melodien, Palästinas Landschaft abgelanscht, schwingt das starke und tiefe Erlebnis der Jesreel-Ebene. durch, die. Seelen midi Die fQnfzehn[ahrfeier das Keren Hajessod: Die Voraussetzungen des jüdischen Palästinawerkes

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