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Die Stimme · 1935-12-03 · Heft 504 (3.12.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 504 (3.12.1935)
Date
1935-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DIE STIMME Sette 2 —MU "r;*v ZU T*'. Da? Schicksal hatte ihm die r * ■11 iiM rtrae;cn. das jüdische Vn;< V! Mt' i. i r-; c n Schritte» in die Freiheit 7 i UM e.i. Sc ine Einführung ins Amt Vi \-o ‘ -ich in ei i Iruek-voiler Form. Ein K: V;> wUu fiM rte den Obcrkommissür ans Ufer d f' S iljM Le hon Landes, ln strahlender UnWn n Le r a t i er newe-mne Minister, Ob-u-ki mmU-;ir dos Völkerbundes, den Boden 1\ ';i st’'i; i-. bei: 'eitet von dem gläubigen V'T ".i nen di > j nli. idu-n Volkes, das in der A" v li eie. Jitd en ein Unterpfand ged.: " M' ior Er tw ek 1 nur sali. Die Erinnerung an Kv os. : n E-i a und Xehemia wurde wache: rufen un d die heißesten Wünsche eines a anzon. du •ch die Krieusnot fast bis zur Yi rzwt iflunr ne min Uten Volkes flogen dem Ne. z iw voran Ein in britischer Staatskunst a’’.s.reb Meter j« lisi her Politiker übernimmt es. im Anftra 2TC des Völkerbundes den jtidijüdischen Oberkommissär. Und seine Nach-] gegangen. Die fünf Sechstel Mehrheit der feiger sind alle — mit. Ausnahme des Lord Araber besteht nicht mehr. Dio jüdische Planier, der die jüdische Idee, doch besser Arbeit ist, vonviirtsgosehritten, aber siö verstanden hat — auf Samuels Linie weiter-1 stöbt überall an die Tradition Samuels... gehen Staat 7.11 organisieren. Penn so mußte man allgemein seine Mission auffassen. Herbert Samuel ist nicht auf dieser Linie gegangen. Im November 1914 hatte sich die jüdische Frage aufgeworfen. Herbert Samuel sagt in seinem Vortrag, daß er die Initiation ergriffen hat. Das ist nicht richtig. Palästina •war als Teil der türkischen Frage, und diese wieder in Verbindung mit der Sicherung des Weges nach Indien in den Blickbereich des Kriegskabinetts getreten und das Judenproblem war von den Zionisten selbst, vom Kopenhagener Bureau auf die Tagesordnung gestellt worden und in England waren es Weizmann, Joseph Cowen und Harry Sacher, die sich den Weg zur Regierung bahnten. Das erste Wort sprach Lord Balfour. Herbert Samuel, der nicht als jüdischer, sondern durchaus als englischer Politiker fühlt, wußte gar nichts vom Zionismus. Er hat erst, nachdem die Angelegenheit die politisch maßgebenden Kreise beschäftigte, sich mit der Sache zu befassen begonnen. Der Außenminister Sir Grey, mit dem er am 9. November 1914 zum erstenmal über dieses Thema spricht, ist gefühlsmäßig gepackt. Die Darstellung Samuels ist außerordentlich interessant. Wie der Vollengländer, der Politiker Grey, das Problem sieht und wie es der befangene Assimilant betrachtet, das ist hier genau zu erkennen. Die Phantasie Greys ist erregt. Er hat die Bibel vor dem Gedächtnis. Syrien und Palästina vereinigt als Judenstaat! Daran muß man denken, wenn Frankreich Ansprüche auf Syrien erhebt. Nein, sagt Samuel, Beynit und Damaskus sind mohammedanische Städte, die nicht assimiliert werden können. Grey ist weiter für den Judenstaat. Ebenso Lloyd George. Herbert Samuel kommt immer mehr von dem Gedanken ab. „Es zeigte sich bald, daß der Plan eines autonomen Judenstaates angesichts der Tatsache, daß fünf Sechstel der Bevölkerung Palästinas Araber waren, praktisch unausführbar war.“ Hier ist der Fehler, der so verhängnisvoll geworden ist. Samuel hatte überhaupt kein Ziel. Was sollte die Aufwerfung der Judenfrage, wenn die fünf Sechstel Araber so sehr ins Gewicht fielen? Irgend ein politischer Status mußte doch für die einwandernden Juden geschaffen werden. Die christlich-englischen Minister fanden den jüdischen Staat als selbstverständlich und rechneten mit der zionistischen Organisation als dem vollziehenden Instrument. Herbert Samuel hatte gar keine feste Vorstellung von Weg und Ziel. Er kam als Oberkommissär und war psychologisch gegen den von England gezeichneten Plan des Judenstaates und er trug in sein Amt das Wesen der Assimilation: Mit halben Mitteln auf halben Wegen, halben Zielen zuzustreben. So hat die Tradition begonnen und Sir Waucbope setzte fort, was Herbert Samuel inauguriert hat. Als Samuel ins Land kam, rechneten die Araber, von König Feisal bis zu Mussa Kasim, damit, daß er im Namen des Völkerbundes den Judenstaat, zu begründen habe. Aber sie fanden adle sehr rasch den wunden Punkt heraus. Dieser Mann gab sich nicht als Völkerbundkommissär, sondern als Engländer; er sah nicht nach Genf, sondern nach London. Für ihn waren die Bedürfnisse der englischen Politik, waren Indien, Suez und Bag lad wichtiger und im Rahmen der britischen Interessen haben die Rücksichten auf Islam und Araber weitaus größeren Wert als die Juden. Und gleich der erste Akt des neuen Oberkommissärs bestätigte dies. Er trennte ohne Not Transjordanien ab, schenkte es den Arabern. Was dies bedeutet, haben wir o-eh-rnt. Der Lebensraum ist vom Anfang an eingeschränkt worden, Von dem Von JDr. Manfred Reifer• In den letzten Monaten dringen aus Rumänien nur spärliche Nachrichten über die Lage der Juden in die jüdische Welt hinaus. Angesichts der Nürnberger Gesetzgebung verstummen die Klagen und mit einer gewissen stoischen Ruhe nehmen sowohl die Führer als auch clie Massen die Ereiguisse hin und tuen alles mit dem alten hebräischen Wort: „gam ze le towah“ ab. Und doch soll ein Wort gesprochen werden. Man kann nicht auf die Dauer unter der Psychose des Judenregimes in Deutschland leben. Insolange es noch eine Konstitution und eine Verfassung gibt, welche den Juden die Gleichberechtigung garantieren, muß der Kampf um dieselbe mit allen gesetzlichen Mitteln geführt werden. Es scheint, daß man für kurze Zeit diesen Kampf vernachlässigt hat und alle Übergriffe von seiten der Behörden stillschweigend über sich ergehen läßt. Man hat sich lange Zeit bemüht, joden Fall individuell zu behandeln und keineswegs zu generalisieren. Die alten Methoden von Protestversammlungen und Pressekampagne wurden nicht a.ngewondet, weil im ganzen Lande seit der Übernahme der Regierung durch die liberale Partei Belagerungszustand und Pressezensur herr• sehen. Man wußte es, daß die antisemitische Bewegung sich im ganzen Lande ausbreitet, daß für die Partei des Cuza Ausnahmsbestimmungen existieren und daß die Regierung in keinem einzigen Falle energisch einschritt, wenn Übergriffe auf Juden und jüdischen Besitz stattfanden. Nach außenhin wußte die Regierung die Sache immer so darzustellen, daß sie gegeu die rechtsgerichteten extremistischen Strömungen alle Maßnahmen ergreife, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, nach innen aber ließ die Regierung dieser Bewegung breiten Spielraum und protegierte sie sogar. Dies zeigte sich besonders im Kampfe um die Macht, um die Regierungsmacht, die die große Bauernpartei (N a t i 0nalzaranisten) unter Mihalache und Lupu führt. Es kam klar zum Vorschein, daß die Regierung die vereinigten Parteien des Cuza und Goga gegen die demokratische Partei der Nationalzaranisten ausspielt und den Cuzisten Mittel zur Verfügung stellte, damit sie große Versammlungen arrangieren, um auf diese Weise das Massenaufgebot der Bauernpartei zu paralysieren. Es hat großes Befremden hervorgerufen, daß die Regierung für die Abhaltung des antisemitischen Kongresses in Czernowitz den Kongreßteilnehmern um den Betrag von 1 Schilling pro Person die Möglichkeit gab, von einem Ende des Landes zum anderen zum Kongreß zu fahren und so eine große Heerschau der Cuzisten ermöglichte. Der innenpolitische Kampf spitzte sich besonders zu, als die Regierung als Gegengewicht zur geplanten Massendemonstration der Bauernpartei, welche am Tage der Parlamentseröffung (14. November) in Bukarest stattfinden sollte, die antisemitische Partei veranlaßt e, für dasselbe Datum um die Bewilligung zur Abhaltung einer Demonstration a n z u s u c h e n. Auf diese Weise war rlie Handhabe gegeben, beide Vorsammlungen zu verbieten, mit der Begründung, daß es zu politischen Kämpfen in der Hauptstadt kommen könnte. Der Führer der Bauernpartei nahm das Verbot der Regierung nicht zur Kenntnis und traf alle Vorbereitungen für die Heerschau seiner Massen. Mihalache erschien auch iu Audienz beim König, erhielt aber vermutlich die Zusicherung der Regierungsnachfolge, worauf er auf die Abhaltung seiner Versammlungen am 14. November verzichtete. Die Kampfansage der nationalzaranistisehen Bauernpartei galt vor allem der Regierung aus dem Grunde, weil sie die recht.-gerichteten Strömungen förderto und so eine Gefahr heraufbeschwor, die für das Land nachteilige Folgen haben konnte. In der Tat sah sich der Innenminister — und hier dürfte auch dor Einfluß des Außenministers T i t u 1 e s c u ausschlaggebend gewesen sein — veranlaßt, an alle Präfekten des Landes den strikten Auftrag ergehen zu lassen, die rechtsgerichteten extremistischen Elemente mit allen Mitteln zu bekämpfen. Auch den Liberalen begann scheinbar vor der Macht der Cuzisten zu grauen, sie sahen ein, daß ihre eigene Position durch die freien Propagandamöglichkeiten der Cuzisten ge schwächt wurde. Der Cuzismus hat die Massen in der Moldau, in Bessarabien und in der Bukowina erfaßt. Interessant ist, daß auch die ukrainische Bevölkerung in der nördlichen Bukowina und in Bessarahien vom Cuzismus verseucht wurde. Während sich diese Vorgänge im politischen Leben des Landes abspielen, betreibt die liberale Regierung gegenüber der jüdisohen Minderheit eine Politik, die im krassen Widerspruch zur Konstitution, schon gar nicht zu reden von den Friedensverträgen, steht. Es ist auch schon in dieser Zeitung berichtet worden, daß die gegenwärtige Regierung im vergangenen Jahre ein Gesetz zum Schutze der nationalen Arbeit geschaffen hat, welches vorsieht, daß auch in Privatbetrieben 80 Prozent der Beamten und Arbeiter Rumänen und 20 Prozent Nichtrumänen sein müssen. Schon bei der Promulgierung dieses Gesetzes hat die jüdische Minderheit die Regierung interpelliert, was sie unter Rumänen und N i c h t r u m änen verstehe. Die Antwort der Regierung war so ziemlich eindeutig: die 80 Prozent sind rumänische Staatsbürger, die 20 Prozent Ausländer. Diese Interpretation erhielt keine gesetzliche Form, sie war lediglich eine Erklärung des Ressortministers. In der Praxis wurde dieses Gesetz ganz anders interpretiert. Unter 80 Prozent Rumänen versteht heute .die Regierung Rumänen von Geburt und unter den 20 Prozent Nichtruniänen versteht sie Ausländer und Minderheiten. Aus dieser Auslegung ergibt sich, daß in zahlreichen jüdischen Betrieben jüdische Angestellte und Arbeiter, welche rumänische Staatsbürger sind, entlassen wurden, und Rumänen von Geburt Platz machen mußten. Dadurch werden tausende jüdische Familien aufs Pflaster gesetzt. Eine einzige jüdische Firma in Bukarest („Socec“) wurde gezwungen, 150 Beamte und Angestellte zu entlassen. Bedenkt man, daß der Zutritt von Juden zu den Staats- und kommunalen Ämtern mit tausend Riegeln verschlossen ist, so wird man verstehen, daß dieses Gesetz und diese Praxis einen weiteren Ruin für jüdische Beamte und Arbeiter bedeutet. Angesichts dieser Tatsache wurden in maßgebenden jüdischen Kreisen Möglichkeiten erwogen, zumindest einen kleinen Teil der jüdischen Bevölkerung der Landwirtschaft z u z u f ü h r e n, um auf diese Weise eine Umschichtung in die Wege zu leiten. In Bessarabien und zum Teile auch in der Bukowina gibt es einen jüdischen Bauernstand, welcher sich mit Landwirtschaft und Viehzucht beschäftigt. In Bessarabien existiert eine jüdische Landwirtschaft noch aus zaristischer Zeit, wobei die jüdischen Siedlungen als geschlossen angesehen worden können. Mit Rücksicht auf den ökonomischen Niedergang der breiten jüdischen Masson in dieser Provinz haben insbesondere ausländische jüdische Gesellschaften (Ort und loa) ihre Aufmerksamkeit dieser Lage gewidmet und seit Jahr und Tag konstruktive Hilfe geleistet. In letzter Zeit hat die „Ica“ bei der rumänischen Regierung um Legalisierung ihrer Arbeit in Bessarabien angesucht, welchem Ansuchen durch Ministerratsbeschluß stattgegeben 504 — 8. Dezember 1085 Billige Reisen nach POLEN und CZ SRNOWITZ Abfahrt: 9., 19., 22. Dezember 1935; 2., 21. Jänner 1936 Rückfahrt: 7. Jänner, 12. Februar 1936 Wien, lll., Rennwog 1 „rrancopoi § toi. u 16.4-93 wurde. Dio Arbeit der „Ica14 sollte also auf legalem Wcgo erfolgen. Diese Tatsache rief einen Sturm in der rcclit.sorientierten Presse hervor. Man kündigte Interpellationen in der Kammer an, wiegelte die Massen dor bäuerlichen Bevölkerung durch die Sehlagworte, daß die Juden den Bauern in Bessarabien den Bodeu wegnehmen wollen, auf und sprach offen davon, daß dio „Ica“ für eine Million Pfund (!) 100.000 Hektar Boden anzukaufen gedenke, um auf demselben Juden zu kolonisieren. Der Ministerrat ließ sich durch diese Hetzkampagne einschüchtern und zog die der „Ica“ erteilte Bewilligung zur Arbeit in Bessarabien zurück. Den Juden in Bessarabien stellt es nun frei, zu verhungern und ihre Wirtschaften zugrundegohen zu lassen, weil die Regierung die Interessen der Juden der „öffentlichen Meinung“ geopfert hat. Also hat sich auch der Horizont des jüdischen Himmels in Rumänien stark verdunkelt, so daß es konzentrierter jüdischer Kräfte bedarf, um in dieser schweren Zeit das jüdische Schiff richtig zu leiten. Es ist an der Zeit, eine nationale jüdische Repräsentanz für ganz Groß-Rumänien zu schaffen, welche nach innen und nach außen die Autorität besitzen soll, im Namen der Jüdin zu handeln und mit den Führern des Staates zu konferieren. Die ers.ten Ansätze für eine solche nationale Repräsentanz zeigen sich vorläufig nur in der Pressediskussion. Die allgemeine Judennot wird die Führer der rumänischen Judenhoit zwingen, alles Trennende auszuschalten und einen gemeinsamen Nenner herauszufinden, um die nationale Repräsentanz in3 Leben zu rufen, * Ein Rechtsblock. Mit den vorstehenden Ausführungen unseres Mitarbeiters stimmt es überein, daß die Duldung der Persekutionstendenzen nunmehr zum Zusammenschluß der Cuzisten, der Goga-Partei und den Dissidenten Vajda- Woiwods geführt haben. Es hat sich in der Kammer ein Rechtsblock gebildet, dessen Programm Goga am Freitag bekanntgegeben hat. Es ist die geistige und technische Kopie der Hitlerschen Richtlinien, nimmt die Volkszugehörigkeit als Grundlage des Staates an, dessen nationaler und christlicher Charakter betont wird. Der Wahlspruch „Rumänien den Rumänen“ wird ziun Bekenntnis des neuen Blocks. Das bedeutet die Verdrängung der Juden aus Justiz, Verwaltung, Schule und Armee; in weiterer Linie wendet sich dieses Programm gegen dio Minderheiten überhaupt, auch gegen dio Deutschen, deren nationalsozialistische Lehren sich nunmehr gegen sie selbst richten. TÜCHTIGE,_ wirtsohafUioh sehr versierte, intell. Frau fl übernimm! jede Arbeit im Haushalt oder zu fl Kindern gegen kleines Entgelt. Bedingung: fl Eigenes Kind, 2l/> Juhro, milnehmen zu dürfl fen. Zuschrift unter „Ozeret“ an dio Adxnlu. fl Gömbös für die christlichen Studenten Budapest, J9. November. (Z. T. A.) An der Technischen und an der Wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule werden die jüdischen Hörer immer noch daran gehindert, den Studien zu obliegen; es hat sich an diesen Hochschulen ein System des sogenannten „A braten s“ eingebürgert, das heißt, es wird auf die Juden oin terroristischer Zwang geübt, den Vorlesungen fernzubleiben. Ministerpräsident Julius Gömbös hielt in Waitzen eino Rede, in der er a.uf die ungarische christliche Studentenschaft zu sprechen kam und für deren Recht, in wirtschaftlichen Berufen unterzukommen, ein trat. Man muß, sagte der Ministerpräsident, der ungarischen christlichen Studentenschaft die Möglichkeit geben, auch die großzügige Wirtschaftspolitik kennenzulernen,

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