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Die Stimme · 1935-11-29 · Heft 503 (29.11.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 503 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 503 — 29. November 1935 D!C STIMME Seit« 3 den letzten Zeiten mit Briefen und anti- J semitischen Korrespondenzblättem heimgesucht; mein Widerwille vor dieser Partei (die gar zu gern ihren Vorteil von meinem Namen haben möchte!) ist so ausgesprochen wie möglich, aber die Verwandtschaft mit Förster ebenso wie die Nachwirkung meines ehemaligen antisemitischen Verlegers Schmatzner bringen immer wieder die Anhänger dieser unangenehmen Partei auf die Vorstellung, ich müsse wohl zu ihnen gehören... Verzeihung! Es ist unrecht, Dir das zu sagen, und unbillig, das arme Lama für die Gesinnungen dieser Partei verantwortlich zu machen. Aber ich bin nicht immer rbillig‘ gesinnt.. Die Juden und die Olympiade Alle in Betracht kommenden amtlichen Stellen des Dritten Reiches und der diversen Olympiakomitees versichern immer wieder, daß die olympischen Bestimmungen in Bezug auf die jüdischen Teilnehmer strenge eingehalten werden sollen. Obzwar es eich kaum mit der persönlichen Ehre eines Juden vereinihairen läßt, daß er an irgend einer Veranstaltung im Dritten Reich mitwirken solle, gibt es doch noch immer jüdische Sportler, denen ihr Sportinteresse höher steht als ihre jüdische Pflicht, und sie sind immer erfreut, wenn so ein Lew-ald oder Tschammer- Osten eine Zusage macht, die er bestimmtnicht eInhalten kann. Während die katholischen Sportverbände Amerikas ihre Teilnahme bereits abgesagt haben, hat es zum Beispiel der Weltverband des Makkabi bisher unterlassen, eine einheitliche Abstinenzparole auszugeben. Die etwas groteske Begründung hiefür besagt, daß der Makkabi-Verband überparteilich ist, und deshalb keine politische Weisung geben darf. Das kann sieh nur auf innerjüdische Fragen beziehen. In Bezug auf Deutschland gibt es keine Unterschiede in der Auffassung. Aber wir glauben, daß den so um den Sorpt Besorgten der Hitler-Antisemitismus selbst zur Auffassung der Situation einig*. Winke gibt. Am selben Tag, an dem offiziell mitgeteilt wurde, Hitler habe den Tschaimmer-Osten zu einer Pardonierung der Juden ermächtigt, wurde in Garmisch - P a t e n k i r c h o n auf dem offiziellen Verkehrsbureau für die olympischen Winterspiele eine Tafel angebracht, die den Juden den Zutritt verbietet. Eine P h ot o g r a p h i e dieses Anschlages fügen wir hier bei. Werden die jüdischen Sportler, wird der Makkabi diese Tafel lesen und danach handeln? Es gibt keinen Wortbruch, der im Dritten Reich nicht begangen würde. Die Tafel ist der Beweis. NACH RENOVIERUNG NEUERÖFFNET! Cafi' 2. BEZIRK, TABORSTRASSE 18 Sämtliche Jüdischen Zeitungen Neue Loitung: O. RAPAPORT (Vegetarle) Die deutsche Schande Dom Pariser Tageblatt“ wtird aus II alle gemeldet: Der jüdische Seifenhändler S. aus Kotschon bei Merseburg wurde vor drei Monaten „wegen R a ssense h a n d e“ verhaftet und nach Malle ins Polizeipräsidium überführt. Er wurde von der S. A. zahllose Malo durch die St r a ßo n der Stadt gesell I o i f t. Tagelang mißhandelten ihn S.-A.-Leute aufs grausamste. Er wurde mit den Füßen nach oben an die D o o k p g e h ä n g t, und es wurden ihm die Körperhaare ausgerissen. Jetzt wurde er kürzlich entLaßsen4 Ärzte ordneten seine EIN BEISPIELLOSER ERFOLG srl DER SCHÖNSTE PALÄSTINA-FILM Nächste Auff ührnngem Sonntag, den 1. Dezember, vorm. 7.11 und 7.12 Uhr FLIEGERKINO Die STIMME schreibt: Die Vorlührung des Films löste bei dem bis auf das letzte Plätzchen besetzten Haus enthusiastische Begeisterung aus, die zum Schluß in stürmischen Beifall zum Ausdruck kam.. sofortige Überführung ins Irrenhaus Scherbitz an. Entlassen wurde er übrigens, als sich herausstellte, daß er niemals „Rassenschande“ begangen hat. „Das Tempo bestimmt der Führer“ Der „Völkische Beobachter“ nimmt in einem längeren Aufsatz zu dem Ausscheiden der amtlichen jüdischen Kursmakler an allen deutschen Börsen Stellung. „Die evolutionäre Methode, wie sie an der Börse angewandt worden ist, wird auch bei der Reinigung der Gesamtwirtschaft gehandhabt. Schauen wir nur zurück, wie sich die Stellung des Judentums in der deutschen Wirtschaft in den letzten zweieinhalb Jahren gewandelt hat! Die zielbewußte nationalsozialistische Politik hat diesen Erfolg erreicht, und diese Politik hatte wirklich keine ,Unterstützung' durch zersplitterte Fensterscheiben nötig. Das Bekenntnis zum Ftihrergedanken verlangt die Unterwerfung unter den Führerwillen: auch bei der Frage der Brechung des jüdischen Einflusses im Wirtschaftsleben. Er wird gebrochen wer de n, aber das Tempo bestimmt der Führer. Es ist lächerliches Geschwätz, wenn zuweilen davon gesprochen wird, daß irgend welche persönliche Meinungen in der Judenfrage neben dem Willen des Führers das Tempo der nationalsozialistischen Politik beeinflußten. Wir haben das sittliche Recht zur Bekämpfung des Juden, weil wir von einer anderen Rasse sind. Wir wollen höhere und edlere menschlichere Eigenschaften an die Stellen setzen, wo früher minderwertigere geherrscht haben.“ Ein Warschauer Gerichtsurteil über den Niedergans der deutschen Wissenschaft Warschau, 27. November. (2. T. A.) Ein Warschauer Gericht hatte über die Klage einer reichsdeutschen Verlagsbuchhandlung gegen den Warschauer jüdischen Arzt Dr. Last mann zu entscheiden, der folgendes zugrunde lag: Dr. Lastmann bestellte vor Jahren bei der Buchhandlung das 20bändige Brockhaus-Lexikon und bezahlte die ausbedungenen Monatsraten zu je 60 Zloty regelmäßig. Als nach dem Machtantritt Hitlers die Nationalsozialisten dazu übergingen, auch die wissenschaftlichen Ausgaben zu kontrollieren und die neueren Brockhaus-Bände eine nationalsozialistische Färbung anzunehmen begannen, verbat sich Lastmann die weiteren Sendungen und stellte die monatlichen Zahlungen ein. Vor Gericht motivierte Lastmann sein Vorgehen damit, daß jetzt alle unvoreingenommenen deutschen Gelehrten entweder vertrieben oder nach den Konzentrationslagern verschleppt wurden, das Lexikon habe daher für ihn jeden wissenschaftlichen Wert verloren. Das Gericht schloß sich der Auffassung Dr. Lastmanns an und wies die Klage der deutschen Buchhandlung ab. Bei Magen- und Darmbeschwerden, Stuhlträgiieit, Aufblähung, Sodbrennen, Aufstoßen, Eßunlust, Benommenheit, Schmerz in der Stirn, Brechreiz bewirken 1 bis 2 Glas natürliches „Franz-Josef“-Bitterwasser gründliche Reinigung des ganzen Verdauungsweges. MITTLERER KONZERTHAUSSAAL Montag, den 2. Dezember, präzise 8 Uhr abends Vortrag Dr. Sammy Gronemann „Das jüdische Volk in der Geschichte" veranstaltet vom Keren Hajessod aus Anlaß seiner FQnfzehnjahrfeier Karten S S 2’—, PäO, 1‘—, 50 g (Stehplätze) Kartenvorverkauf: Buchhandlung R. Löwit, I., Wollzeile 6, R 25-4-53; Bücherstube M. Rath. II., Taborstraße 20 a, R 45-305; Jüdische Kultuistelle, I., Kai 3, R 28-2-36; WIZO, I., Schottenring 25, A 11-6-26 Grund’ und Bodenbesitz für Hebräische Ansprache im Juden verboten polnischen Rundfunk Das Landgericht Rostock hatte sich mit der Entscheidung eines Vormundschaftsgerichtes zu befassen, das den Verkauf eines Grundstückes an einen jüdischen Käufer mit der Begründung verweigert hatte, daß es den nationalsozialistischen Grundsätzen widerspreche, wenn ein Jude deutschen Grund und Boden erwirbt. Als Berufungsinstanz entschied das Landgericht Rostock, daß es auch verbindliches Recht außerhalb der geschriebenen Gesetze gebe. Die Quellen dieses Rechtes seien die Grundsätze und Ziele dos nationalsozialistischen Staates. Nach dem Programm der Nationalsozialistischen Partei, das geltendes Recht sei, könne nur ein Deutscher im Sinne der Blutzugehörigkeit Eigentümer deutschen Grund und Bodens sein. Wenn der Beschwerdeführer behaupte, daß er dadurch Nachteilo erleide, so müssen die wirtschaftlichen Interessen des einzelnen hinter den hier in Frage kommenden völkischen Grundsätzen zurüoktreten. Warschau, 26. November. (Z. T. A.) Die Rundfunk-Ansprache des Direktors des Keren Hajessod Leib J a f f e am 23. November abends über den jüdischen Palästina-Aufbau wurde in ganz Polen von Hunderttausenden mit größter Aufmerksamkeit angehört. Der in hebräischer Sprache gehaltene Vortrag Jaffes wurde sofort ins Polnische übersetzt, ln den größeren Städten, so zum Beispiel in Warschau, Krakau und Lemberg, waren in den Straßen während des Vortrages von Leib Jaffe Lautsprecher aufgestellt worden, vor denen viele Hunderte Menschen dom Vortrag folgten. Jüdisch-religiöse sozialistische Arbeiterpartei Warschau, 26. November. (Z. T. A.) In W a r s c h a u hat sich eine jüdischreligiöse sozialistische Arbeiterpartei gebildet. Die Partei, die den hebräischen Namen „Mitlagat poalim datijim sozialistim“ führt, hat sieb die organisatorische Zupflegen Sie Ihre Zähne mit ODOL- Zahnpa8ta und Sie erhalten sich gesunde Zähne bis ins hohe Alter. Klein« Tut* 8 —99 Groß* Tut* 8 1.40 sammenfassung der jüdischen religiösen Arbeiterschaft in der Diaspora und in Palästina zwecks Wahrnehmung der Interessen der religiös gesinnten Arbeiter zum Ziele gesetzt. Besonders billige und bequeme Reisen all Miln uik den Ott und Abfahrt jede Woche Reidhl. Verpflegung, streng rituelle Küche Verkauf von Eisenbabnfabikarten narb allen Ländern Auskünfte und Anmeldungen: Offiz. Polnisches Reisebüro „ORBIS“ als General-Repr. der Gdynia — Amerika — Line Bernard S. Deutsch gestorben New York, 25. November. (Z. T. A.) Der Vorsitzende der Stadtverordneten«! Versammlung von New York Bernard S. Deutsch, bis vor kurzem Präsident des American Jewish Congreß, erlag im Alter von 51 Jahren einem Herzschlag. Die Bei*! ßet-zung erfolgte am Sonntag, den 24. November, unter sehr großer Teilnahme der New Yorker Judenßdiaft und jüdischer Delegationen aus den anderen amerikanischen Zentren sowie führender Amerikaner. Im jüdischen öffentlichen Leben entwickelte Bernard S. Deutsch eine intensive Tätigkeit, insbesondere auf dem Gebiete der Wahrung der Rechtsstellung der jüdischen Bevölkerung. Als vor mehr als einem Jahr der Begründer des American Jewish Congress, Rabbi Dr. Stephan S. Wise, von der öffentlichen Leitung des Kongresses zurüoktrat und zum Ehrenpräsidenten gewählt wurde, wurdet Bernard S. Deutsch einstimmig zium Präsidenten des Kongresses gewählt. Anläßlich! der letzten Tagung des American Jewish Congress vor wenigen Monaten, trat Deutsch vom Präsidium zurück, um Stephan Wise wieder Platz zu machen, etr nahm aber unbeschadet seiner vielfachen anderen Amtspflichten mit unvermindertem Interesse an den Aktionen des American JewiißR Congress bis zuletzt intensiven Anteil. SOiähriges Arbeitsjubiläum von Rebekka Kohut New York, 25. November. (Z. T. A.) Die bekannte Führerin der amerikanischjüdischen Frauenbewegung und Präsidentin des Weltverbandes der jüdischen Frauenorganisationen, Rebekka Kohut, feierte soeben das 50jährige Jubiläum ihrer Tätigkeit auf dem Gebiet jüdischer Sozialarbeit. Aus diesem Anlaß fand zu ihren Ehren in New York ein Bankett statt, an dem etwa 800 führende Persönlichkeiten der jüdischen Gesellschaft teilnahmen. Ansprachen hielten u. a. der Bürgermeister von New York, La Guardia, und der frühere Botschafter Morgenthau. Felix M. Warburg zeichnete auf dem Bankett 10.000 Dollar für die von Rebekka Kohut geleiteten Wohlfahrtsinstitutionon. Rebekka Kohut hat sich insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Schaffung jüdischer Arbeitsnachweise verdient gemacht. ension Eckstein - Semmering Pensionspreis bei Mindestaufenthalt von 3 Tagen S 10'— inklusive Abgaben

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