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Die Stimme · 1935-11-29 · Heft 503 (29.11.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 503 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Off 8T1MMI Nr. 608 — SO. NovemEer 1985 Bücher SS Schwetienärücke Buchhandlung Schneider & Co., Wien, I. Franz-Josefs-Kai 7. Reichste Auswahl neuer Büche bester Autoren zu billigste Preisen! Katalog gratis I selbst nationalsozialistische Kunst nicht als boLsehewikisch ausgeben kann. Und man i in Amerika wie in der ganzen Welt auch in Kenntnis von der Beleidigung der im Kriei gefallenen Juden, und in solchen Dingen ist auch Amerika sehr empfindlich. Man wird auch fragen, weshalb denn Hitler biß zum heutigen Tage es nicht gewagt hat, auch nur einen der so massenhaft vorkommenden jüdischen bolschewikischen Agitatoren vor Gericht zu stellen, obzwar doch so und so viele dieser Kategorie in Haft gesetzt und in die Keller der Gestapo gesteckt worden sind. Daß die Juden versucht hätten, die kulturelle Führung in Deutschland an sich zu reißen, — daran glaubt selbst Hitler nicht mehr. Es hat sieh bei der nationalsozialistischen „Revolution“ eben nur darum gehandelt, den Juden die Stellen zu nehmen und sie nach den Weisungen des Parteibuches mit mehr oder minder fähigen Kameraden zu besetzen. Hitler, behauptet, daß am Kurfürstendamm der Betrieb in den jüdischen Geschäften ungestört vor sich geht, wie in New York. Aber diese Geschäfte sind nicht mehr jüdisch, und eben erst ist der Berliner Oberbürgermeister Sahm davongejagt worden, weil seine Frau in einem jüdischen Geschäft gekauft hat. Daß die Nürnberger Gesetze die „Selbsthilfe“ verhindert hätten, steht im Gegensatz zu allen Vorgängen in Deutschland, wo doch die „Einzelaktionen' entgegen allen Versicherungen des Führers weitergehen. Die Juden sind von der Winterhilfe ausgeschlossen, ihre Kinder bekommen keine Milch, ihre Kranken keine Medikamente, die Bäder sind für sie gesperrt und durch die Rassengesetze werden alle Juden diffamiert. Das hat mit bolschewikischer Agitation nicht das geringste zu tun. Trotzdem droht Hitler mit weiteren gesetzlichen Maßnahmen. Ohne Revolver geht es nun einmal nicht. Aber wozu die Drohung, wenn diese bevorstehenden Maßnahmen schon jetzt von den nachgeordneten Stellen eskomptiert werden! Und wenn sogar die Auswanderung durch Steuer- und Devisenvorschriften unterbunden wird! Hitler braucht die Juden, um in Tagen, wo das Volk und auch die Parteigenossen nachdenklich werden, dem Pöbel irgend etwas hinzuwerfen. Es ist das Katz’- und-Maus-Spiel und darüber sind alle Menschen außerhalb Deutschlands gut unterrichtet. Sie verachten dieses System, wenn sie auch — aus den oder jenen Gründen seinen Trägem politisch ver- Herbert Samuel Ober die Vorgeschichte der Balfour-Deklaration ■ von Mekka gab, ausdrücklich die syrischen Gebiete westlich von Damaskus oinechlioßlich Palästinas ausgenommen worden. Dagegen beziehe sich das Versprechen auch auf Transjordanien und deshalb werde die Einwanderung von Juden in diese« Gebiet von der englischen Regierung nicht gefördert. Die Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina erfolge unter der Bedingung nicht nur des Schutzes der Rechte der arabischen Bevölkerung, sondern auch der dauernden aktiven Sorge für ihren wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt. Sir Herbert. bedauerte es, daß Äußerungen wie „Palästina soll so jüdisch werden wie England englisch ist“ oder „Das Land ohne Volk dem Volk ohne Land“ getan wurden, und griff die Revisionisten an, von denen er erklärte, sie hätten „Unheil in einem Ausmaß augerichtet, das in keinerlei Verhältnis zu der zahlenmäßigen Bedeutung dieser Gruppe“ stehe. Zum Schluß wies der Vortragende darauf hin, daß abgesehen von den ausgezeichneten materiellen Fortschritten in Palästina eine neue Blüte jüdischen Geistes nur in diesem Lande herbeigeführt werden könne. Vielleicht werde einst aus dem erneuerten Palästina wieder eine große religiöse Botschaft an die moderne Welt ausgehen. Sir Ronald S t o r r s, der unter Sir Herbert Samuel Chefsekretär der Palästina- Regierung war, führte den Vorsitz in der Versammlung. In einer in London am 27. November nbgehaltenen Gedächtnisfeier für Lu c-ien W o 1 f hielt Sir Herbert S a m u e 1 eine Vorlesung über das Thema „Großbritannien und P a 1 ä s t i n a“, die ein bedeutsamer Beitrag zur Geschichte des Judenstaatsgedankens und der Balfour- Deklaration Ist. Sir Herbert führte aus, er habe Dr. Weizmann kennengelernt, als er als Mitglied des Kriogskabinetts eine Unterredung mit Sir Edward G r e y hatte. Am 9. November 1914 sei er für die Wiederherstellung des Judenstaates in Palästina in der Überzeugung edngctreten, daß dieses Ziel erreicht werden könne. Grey nahm den Vorschlag günstig auf und versprach, sich für seine Verwirklichung einzusetzen. Seine Frage, ob zu diesem Zweck auch Syrien mit Palästina vereinigt werden solle, wurde von Herbert Samuel mit der Begründung verneint, daß Damaskus und Beirut eine zu große nichtjiidisohe Bevölkerung hätten. Als wesentlich für den Judenstaat bezeiohnete Samuel seine Neutralisier u n g und freien Zutritt zu den heiligen Stättenfürchristliche Pilger. Auch mit Lloyd George, der ebenfalls eifrig für die Errichtung des Judenstaates eintrat, hatte Samuel eine Unterredung. Bald aber habe sich gezeigt, daß mit Rücksicht auf die Tatsache, daß fünf Sechstel der palästinensischen Bevölkerung Araber waren, die Errichtung eines unabhängigen Judenstaates undurchführbar war. Weiters erklärte Sir Herbert Samuel, niemals seien den arabischen Führern Zusicherungen in Bezug auf Palästina gemacht worden. Vielmehr seien in dem Versprechen, das Sir Henry MacMahon dem Scherif GUMMI 31! ARTIKEL stets Neuheiten, auch modernste Frauenhygiene I Umsonst groß, reich illustr. interes. Katalog mit Aufklärung. Hygien. Inst. St. P0T0KY, WIEN, VI., Stiegeng. 15. Seit 30 Jahren. Inland )ie Äußerungen des Vizemrgermeisters Dr. Kressen Das Organ des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden Österreichs, „Die Wirtschaft“, befaßt sich in einem sehr eingehenden Artikel unter dem Titel „Der Kampf um unser Recht“ mit der Lage seiner Mitglieder im autoritären Regime und bemerkt u. a.: noch mit kehren. Saugfrinflurett mit tyteblauet @auer&rumt, bem rein natürlichen öfterreidjiicfjen üftineraltoaffet Keine Beihilfen für indische Kinder Nach Erlaß der Ausführungsbestimmungem zum Reichsbürgergesetz hat der Reichefinanzminister nunmehr die Bestimmungen über Kinderbeihilfen an kinderreiche Familien den neuen Vorschriften angepaßt. Jeder Anwärter auf eine Kinderbeihilfe muß jetzt durch Erklärung versichern, daß ihm nichts bekannt sei, woraus geschlossen werden könnte, daß der Vater oder die Mutter eines der Kinder, für die Beihilfen beantragt sind, von mehr als zwei volljüdischen Großeltern abstammen oder nach den gesetzlichen Bestimmungen als Juden gelten oder gegolten haben. QK GASTSTAT TE FÜR JEDERMANN iKärtnerslrab* Nr 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RArHAUSKELLER volkstümliche Preise ln allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Es wäre eine strafbare Illusion, wenn die jüdische Kaufmannschaft und die jüdischen Gewerbetreibenden glaubten, daß sie den wirtschaftlichen Körperschaften und Zwangsverbänden allein ihr Schicksal anvertrauen können. Zu keiner Zeit war es der jüdischen Bevölkerung vergönnt, sich des ruhigen Besitzes ihrer Gleichberechtigung erfreuen zu dürfen. Heute weniger denn je, da die wirtschaftliche Entrechtung des deutschen Judentums die Schlagkraft des Wirtschaftsantisemitismuö in allen Ländern außerordentlich gestärkt hat. Auch hierzulande sind Kräfte am Werk, die auf eine Schmälerung der jüdischen Rechte hinzielen. Das Blatt verweist auf die bekannten Äußerungen des Vizebürgermeisters Dr. Kresse und erklärt: Unser Verband, als die berufene Interessenvertretung der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden erhebt entschiedensten Protest gegen diese Stellungnahme eines der höchsten Funktionäre der Wiener Gemeindeverwaltung, und weist sie als unbegründete Herabsetzung und Verächtlichmachung unserer Kollegenschaft zurück. Der Geist, der diese Worte erfüllt, ist ein Geist des Hasses und nicht der christlichen Staatsgesinnung. Wir weisen es zurück, daß hier der Begriff des jüdischen Gewerbetreibenden mit dem des Freibeuters und Spekulanten identifiziert wird. Aus solchen u nhaltbaren Behauptungen zieht Dr. Kresse die Konsequenz des Ausschlusses der Juden aus dom Geworbebund. Der Gewerbebund ist heute die ausschließliche Standesvertretung des Gewerbes im Rahmen der Vaterländischen Front, der Ausschluß der Juden bedeutet einen Verstoß gegen die verfassungsrechtlich garantierte Gleichberechtigung der jüdischen Bürger, da ihnen die Teilnahme an Staatswillenbildung, der Wahrung ihrer Interessen also, unmöglich gemacht wird. Die jüdische Kaufmannschaft wird angesichts dieser ihr drohenden Gefahren keine Vogel- Strauß-Politik treiben. Der Handeisbund ist Judenrein Trotz aller Erfahrungen, die auch die katholische Bevölkern n.g Deutschlands mit r der nationalsozialistischen Richtung gemacht hat, scheint man in Österreich an der liebgewordenen antisemitischen Praxis festhalten zu wollen. Die Judenausschaltung wird fortgesetzt: Am 26. ds. ist die Ernennung des Präsidiums des Handelsbundes erfolgt, es wurde vollkommen „j n d e n r e i n“ gestaltet, obwohl die Juden im Handel einen sehr bedeutenden Faktor darstellen. Schon jetzt verlautet, daß für die Neubesetzung der Stelle des Präsidenten der Wiener Advokatenkammer, der im Sinne der neuen Verfassung nicht mehr gewählt, .sondern von der Regierung ernannt werden soll, nur ein Nichtjude, Dr. Krasser, in Betracht kommt, obwohl die jüdischen Anwälte die überwiegende Mehrheit darßteilen. Die „Reichspost“ macht Propaganda für die Gründung der Landsmannschaft der „bodenständigen“ Wiener, um den bodenständigen und christlichen Charakter Wiens zu sichern. Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es keine jüdische Einwanderung nach Österreich mehr, hingegen eine steigende Auswanderung, Der füdische Unbekannte Soldat Im Tempel der Brigittenau wurde letzthin eine Gedenktafel für die zahlreichen jüdischen Kriegsgefallenen aus diesem Bezirk enthüllt. Der Bezirksrabbiner, Doktor Murrnelstein, der die Festrede hielt, führte hierbei unter anderem aus: Der Unbekannte Soldat ist ein Symbol der Verbrüderung und der Gleichheit aller Menschen, aber die Juden haben jetzt ihren besonderen „Unbekannten Soldaten“. Es ist der kriegsgefallene deutsche Jude, der von den Machthabern des Dritten Reiches aus der Erinnerung gestrichen, also wirklich zu einem unbekannten Soldaten gemacht werden soll. Nach einer Ansprache des Bundesführers der jüdischen Frontsoldaten, Hauptmann Edler v. Friedmann, sprach im Namen der alten Armee Generalmajor Baron 0 d e 1 g a. Er erinnerte daran, daß man an der Front nie nach dem Glaubensbekenntnis gefragt habe, und daß die Kugel keinen Unterschied zwischen Menschen und Menschen machte. Der General sprach mit Anerkennung von den jüdischen Soldaten, die in seinem Regiment gekämpft haben. Billige Sonderfahrt der „Czernowltzer Allgemeinen Zeitung" am 22. Dezember 1935 und 2. Jünnerl936 mit Sammelpaß noch Polen und Czernowitz Rilckfnlu t: 5. Jllnncr 1930 und aufgelöste Rückfahrtmöglichkeit Auskünfte und Anmeldungen: Ocsterr. Vcrlichrsbüro: I., Friedrichstraßo 7, Telephon B 27-500 un-l Graben 20, Telepon U 20-0-35. Polnisches Reisebüro „Orbis“: I., Kll.ntnorst.aße 41, Telephon R 21-5-78. Reisebüro Marlcnbrüiltc: I., UolcnturmBlraße. 26, Telephon R 24-2-80/87. Vortrag Dr. Sammy Grone• mann Dr. Sammy G r o n c m a n n ist Donnerstag früh in Wien eingetroffen. Der Vormittag war dem Besuche der zionistischen Büros gewidmet. Am Nachmittag sprach Dr. Gronemann in einem vom Keren Hajessod im Hotel Kranz veranstalteten Prosseempfang vor den Vertretern der Wiener Tagespresse. Dr. Gronemann wird Montag, den 2. Dezember, im Mittleren Konzerthaussaale einen Vortrag über das Thema: „Das jüdische Volk in der Geschichte“ halten. Der Abend wird vom Keren Hajessod aus Anlaß seiner Fünfzehnjahrfeier veranstaltet. Dem Vortrage Gronemanns, des führenden Zionisten und geistreichen Schriftstellers, wird in den weitesten Kreisen das größte Interesse entgegengebracht. Weshalb die „ Jüdische Rund• schau“ beschlagnahmt wurde Wie berichtet, wurde in Berlin eine der letzten Nummern der „Jüdischen Rundschau“ beschlagnahmt. Wie nun bekannt wird, erfolgte die Konfiskation, weil in einem Artikel der letzten Nummern der „Jüdischen Rundschau“, in der anläßlich des Ablebens der Schwester von Nietzsche, Frau Elisabeth Förster-Nietzsche, auf Nietzsches Abneigung gegen den Antisemitismus hingewiesen wurde. Die Beschlagnahme erfolgte auf Befehl des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels, auf dessen Initiative es zurüekzuftihren ist, daß aus den letzten Nietzsche-Ausgaben jene Stellen eliminiert wurden, in denen der große Denker seiner oft leidenschaftlichen und zornigen Abneigung gegen den Antisemitismus und die Antisemiten Ausdruck gab. Während die deutsche nationalsozialistische Presse und die ihr verwandte Presse im Ausland die verstorbene Frau Elisabeth Förster-Nietzsche als eine geniale Verwalterin des geistigen Gutes ihres Bru*' Der beiühmte Wunderrabbi... Sassow weilt derzeit in Wien und empfängt Besuche Wien, II., Floßgasse Nr. 6/9 ders feiert, wird von der unbeeinflußten Nietzsche-Forschung auf die merkwürdige Art verwiesen, in der Frau Förster ihre Tätigkeit ausübte. Sie habe — so wird erklärt — zu ihren Mitarbeitern am Nietzsche- Archiv in Weimar und an der Herausgabe der Werke Nietzsches Leute gewählt, die Nietzsche, wenn er sie gekannt hätte, ein Greuel gewesen wäre; sie habe Nietzsches Stock dem Hitler geschenkt und habe sich schließlich zu der Fälschung des Gesamtwerkes Nietzsches hergegeben, aus dem — auf Wunsch der heutigen Machthaber — alles eliminiert wurde, was gegen das Dritte Reich hätte ausgemünzt werden können. In diesem Zusammenhang sei ein Auszug aus dem Brief Nietzsches abgedruckt, den er am 26. Dezember 1887 aus Nizza an seine Schwester anläßlich ihrer Vermählung mit dem Antisemiten Bernhard Förster gerichtet hat: „... Eine der größten Dummheiten hast Du, mein armes Lama (Kosename Nietzsches für seine Schwester, d. Red.), gemacht — für Dich und für mich. Deine Verbindung mit oinem antisemitischen Chef drückt eine Fremdheit gegen inoine ganze Art zu sein aus, die mich immer von neuem mit Groll oder Melancholie erfüllt... Weißt Du, mein gutes Lama, es ist eine Ehrensache für mich, nach seiton des Antisemitismus hin absolut r c i n 1 i eh u n d u n z w o i d e u t i g zu sein, nämlich ablehnend, wie ich es in meinen Schriften tue. Man hat mich in

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