Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-11-26 · Heft 502 (26.11.1935) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 502 (26.11.1935)
Date
1935-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054243-3054258--5491-3061231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seit« 4 Oll ITIMMI Nr. 502 — 26. November 1935 Zum Schluß teilte Baron Maurice de Rothschild mit, es sei der letzte Wunsch eines Vaters Baron Edmond und seiner kurz nach ihm verstorbenen Mutter Baronin Adelaide gewesen, daß man ihre sterblichen Reste in Erez Israel der Erde übergibt. Im Sinne der Verstorbenen habe die Familie Rothschild Vorbereitungen zur baldigen Überführung der sterblichen Reste von Baron Edmond und Baronin Adelaide nach Palästina getroffen. Arabisches Mordkomplott in Palästina Zu dem blutigen Zusammenstoß bei Gilboa (Jenin) meldet das „Tschechoslowakische Preßbtiro“ aus Jerusalem: Bei der Verfolgung einer arabischen Räuberbande umzingelte die Polizei das Dorf Scheikh Zeid im Gebiete von Nablus. Nach einem mehrstündigen Feuergefecht wurden fünf Banditen erschossen. Auch ein englischer Polizist wurde im Laufe des Kampfes getötet, ein anderer wurde schwer verletzt. Fünf Banditen konnten gefangengenommen werden. Unter den Toten befindet sich auch der Vorsitzende des mohammedanischen Jugendverbandes Scheikh Ahmed el Zaid. Während der vorstehend wiedergegebene Polizeibericht von Banditen spricht, behauptet die arabische Presse, daß es sich um eine politische Terroristengruppe handle. Die arabischen Blätter feiern die Toten als Opfer des Mandatssystems, das die Araber zwinge, als Räuber politisch zu kämpfen. Ein Schwerverwundeter erklärte arabischen Berichterstattern, daß die Gruppe nur Moslems als Mitglieder aufgenommen, und die Absicht gehabt habe, unter Führung des gleichfalls erschossenen Scheikhs Izz el Din el Quassam planmäßig führende Juden und Engländer im Interesse des Vaterlandes zu ermorden. Um die Neutralisierung Palästinas Wie gemeldet, hat der Präsident der Jerusalemer Hebräischen Universität Doktor M a g n e s im „Manchester Guardian“ ebenso wie in der palästinensischen Presse seinen Plan der Neutralisierung des Heiligen Landes — ausgehend vom abessinisch-italienischen Konflikt — entwickelt. Der englische Abgeordnete Colonel Josiah Wedgwood wendet sich im „Manchester Guardian“ sehr schroff gegen den Plan Magnes. Er erklärt, der Vorschlag Dr. Magnes werde vielleicht den italienischen Generalkonsul in Jerusalem befriedigen, erwecke aber in ihm und anderen Empörung und Indignation. In England seien die meisten Menschen der Ansicht. daß es sich verlohne, auch die Gefahr des Todes auf sich zu .nehmen, um schwachen Völkern Recht zu verschaffen. Dr. Magnes, der für die Juden und Palästina das Recht verlangt, beiseite zu stehen, wenn England dem von den Juden bisher führend vertretenen Gerechtigkeitsgedanken zum Druchbruch verhelfen und die Gewalt besiegen will, spreche nicht im Namen der Juden Palästinas. Die an Gefahr gewohnten C h a 1 u z i m wären in diesem Augenblick wohl eher bereit, in die Luftflotte einzutreten. Dr. Magnes, der aus Amerika kommt, einem Lande, das nicht neutral blieb, als die Sachlage weit weniger klar war als heute, empfehle er die Worte von Patrick Henry. Wedgwood spielt hier auf den Ausspruch den amerikanischen Patrioten Patrick Henry an: „Ist das Leben so teuer oder der Frieden so süß, daß sie um den Preis von Ketten und Sklaverei erkauft werden sollten? Verhüte es. Allmächtiger! Ich weiß nicht, wie andere denken, aber was mich angeht, gib mir Freiheit oder den Tod!“ * Wedgwood hat wiederholt in dankenswerter Weise seine verständnisvolle und tatbereite Sympathie für das jüdische Werk in Palästina bewiesen. Aber er sieht das ganze Problem mit den Augen eines englischen Politikers an. Das jüdische Nationalheim muß zunächst aus Gründen der politischen Opportunität aus dem Konflikt heraus gehalten werden. Unter dem Völkerbundbeschluß, der die Balfour-Dekla'ration in das Völkerrecht eingeführt hat, steht auch die Unterschrift Italiens. Weiters lebt die Mehrheit der Juden außerhalb Palästinas, ein großer Teil in Italien und den italienischen Kolonien, und darf keiner Belastung ausgesetzt werden. Schließlich aber ist Palästinas Industrie erst im Aufbau und wird durch Sanktionen in Mitleidenschaft gezogen, wobei wahrscheinlich der „gegenseitige Beistand“ nicht auf Palästina ausgedehnt werden wird. ** Baron Edmond und Baronin Adelaide de Rothschild werden nach Palästina überführt Paris, 21. November (2. T. A.). Anläßlich der ersten .Jahrzeit nach dem Ableben von Baron Edmond de Rothschild, dem „Vater“ der jüdischen Kolonisation in Palästina, wurde eine große Gedenkkundgebung abgehalten, der zahlreiche führende jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten Frankreichs und, als Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Nfihurn Goldmann beiwohnten. Einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden machte die Ansprache des französischen Senators Baron Maurice de Rothschild, der eine Darstellung des von seinem Vater, Baron Edmond, inaugurierten jüdischen Aufbauwerks in Palästina gab und erklärte, es habe seinem Vater ferngelegen, ein rein philanthropisches Werk als Hilfe für Einzelne aufzubauen, sondern es lag in seinem Sinn, dem gesamten jüdischen Volke zu dienen und ihm durch Schaffung einer neuen jüdischen Kolonisation in Palästina einen Ansporn zu geben, sein Heim in der alten Heimat aufzubauen. Nach' den russischen und rumänischen Pogromen habe Baron Edmond de Rothschild die Tragik und den Zwiespalt der jüdischen Diaspora-Existenz erkannt und im Aufbau Palästinas eine Hoffnung für die Fortexistenz der jüdischen Gemein- Schaft gesehen. Arabische Terroristen Nach einem heftigen Feuerkampf wurde in Jenin, etwa 70 km nördlich von Jerusalem, die arabische Räuberbande, die vor einigen Tagen den jüdischen Polizeisergeanten Mosche R o s e n f e 1 d im Orangenhain der jüdischen Kolonie Ajn Charod im Tale Jezreel ermordet hat, gestellt. Die Aufforderung der englischen Polizeitruppe, die die Räuber umzingelte, sich zu ergeben, beantworteten die Räuber mit Eröffnung des Feuers, das die englischen Polizislen mit einem Maschinengewehrfeuer erwiderten. Ein englischer Polizist wurde getötet und einer verletzt. Von den Banditen wurden fünf getötet, fünf weitere erln allen Zweigen der Hauswirtschaft und feinst, bürgerl. Küche versierte, inteil, Dame, vollk. verläßl., sucht bei einzeln. Persönl. Dauerstellung. Anna Ernst, Baden bei Wien, Mozartstr. 9 gaben sich. Die britische Polizeileitung hatte für Mitteilungen, die zur Ergreifung der Mörder führen, eine Belohnung von 200 Pfund ausgesetzt. In einem Kommunique der palästinensischen Polizei wird der Mord an Rosenfeld wie folgt geschildert: Am 7. November bemerkte der Wächter des Orangenhains von Ajn Charod am Fuße des Berges Gilboa, daß eine Menge Früchte gestohlen worden war. Er benachrichtigte hiervon die Polizeistation in Shutta. Der Polizeisergeant R o s e n f e 1 d begab sich mit zwei anderen Polizisten zu Pferde auf die Suche nach Dieben. Sie fanden Fußspuren, denen sie zu Fuß nachgingen, während sie die Pferde in der Kolonie unterstellten. Später sandte Rosenfeld einen der Polizisten nach den Pferden, während er und der andere Polizist den Spuren weiter nachgingen. Der Polizist, der Rosenfeld um eine kurze Strecke vorausgegangen war, hörte plötzlich Schüsse fallen und sah in der Ferne vier Männer, die feuerten. Er erwiderte das Feuer, worauf die Männer verschwanden. Er ging zu Rosenfeld zurück, der aber schon, von mehreren Schüssen durchbohrt, tot am Boden lag. Die Schuhe waren ihm gestohlen worden. Am Orte der Tat wurden abgeschossene Patronenhülsen deutschen Ursprungs gefunden. „Davar“ teilt mit, daß die Palästinapoii-;.ei sich aus 2300 Polizisten und 600 Offizieren zusammensetzt, von denen nur 230 Polizisten mul 20 Offiziere Juden sind. 50 Offiziere und 670 Polizisten sind Engländer, der Rest Araber. Araber stürmen die Poiizeistation in Haifa Anläßlich der Beerdigung von drei der getöteten Araber überfiel eine etwa tausendköpfige Menge, die an der Beisetzung teilgenommeu . hatte, die Haupt Station der Polizei in ÖUifaj zertrümmerte sämtliche * Fenster und verwundete mehrere Polizisten, zwei davon schwer. Eine Bande im Gilboa• Distrikt umstellt Die arabische Presse berichtet, daß Polizeiabteilungen, die ausschließlich aus Engländern bestehen, das Land nach Resten der geschlagenen Bande und nach anderem Banden absuohen. Besonders wird nach einer Bande von Scheichs, die sich hauptsächlich aus radikalen arabischen Jugendlichen zusammensetzt und die im Gilboa-Distrikt arbeitet, gefahndet; angeblich soll diese Bande bereits von englischen Polizisten umstellt .sein. Der extrem nationalistische arabische Agitator Akaram Zueiter fordert in einer Zuschrift an die arabischem Zeitungen ein Nationalbegräbnis für die getöteten Bandenmitglieder und die Teilnahme der Führer aller Parteien an dem Begräbnis. In Regierungskreisen macht diese arabische nationalistische Propaganda in Verbindung mit der Unschädlichmachung von Banden, die auf kriminellen Raub ausgehen, einen sehr schlechten Eindruck. Man hält in diesen Kreisen die in der arabischen Presse erschienene Unterredung mit dem verwundeten und verhafteten Scheich Hassen A Saadi, wonach die verfolgten Banden das politische Ziel haben, prominente Engländer und Juden aus dem Wege zu räumen, für reine Erfindung und für einen Versuch, kriminelle Verbrechen politisch zu glorifizieren. Wie jetzt bekannt wird, sind bei den Unruhen in Haifa während der Bestattung der getöteten Araber die Fensterscheiben einer jüdischen Glasfabrik eingeworfen und verschiedene jüdische Autos beschädigt worden. Dabei wurde ein Autoinsasse schwer verletzt. Mord bei TeUAviv Am Strande bei Tel-Aviv, genau an der Stelle, wo vor zwei Jahren Dr. Arlosoroff ermordet wurde, ist der Araber M a h o mm e d A d i f f i ermordet aufgefunden worden. Man fand an der Mordstelle Fußspuren von zwei Frauen und einem Mann. Nachforschungen mit Spürhunden blieben vorläufig ergebnislos. Man glaubt, daß es sich um ein Eifersuchtsdrama handelt. Die Polizei sucht nach einer geheimen Waffenfabrik in Jaffa, nachdem ein Araber verhaftet wurde, der auf einem Maultier einen Sack mit Bombenteilen und Munition mit sich führte. Für eine Handeishochschute in Palästina Jerusalem, 21. November (2. T. A.). In Jerusalem bildete sich eine Initiativgruppe zur Schaffung einer Handelshochschule. In einer Pressekonferenz wurdo mitgeteilt, daß sich bei der Gruppo bereits 120 junge Leute gemeldet haben, die eine Handelshochschule besuchen wollen. 20 Professoren und Lektoren kommen für eine Lehrhetätigung an der Hochschule in Betracht. Eine widerliche Hetze Als im Dezember 1932 eine zionistisch« Mehrheit in die Wiener Kultusgemeinide elinzog, erklärte ein Redner der geschlagenen „Union“ bei der Budgetdebatte, er hoffe zu Gott, daß die Zionisten nicht in der Lage sein würden, ihr Programm durchzuführen und daß die Kultusgomeindo wirtschaftlich zusammenbrechen werde. Dieser Wunsch ist nicht erfüllt worden. Der Dank hiefür gebührt sicher nicht der „Union“, die eine unfruchtbare, hemm-ende und kleinliche Nadelstichpolifcik betreibt. Die „Union“ will durch diese häßliche und in dieser schweren Zeit nicht genug zu verurteilende „Politik“ über ihren politischen Bankerott binwegtäuschen. Wenn es gelungen ist, nicht nur das Gleichgewicht kn Budget zu erhalten, sondern darüber hinaus noch getreu dem zionistischen Kuiltusgemedndeprogramm den Aufgabenkreis der Gemeinde zu erweitern, so ist das der guten Arbeit, der zionistischen Mandatare und insbesondere dem Vizepräsidenten und Finanzreferenten Dr. Josef L ö w e n h e r z zu danken. Was immer seit Dezember 1932 von der K ul Insgemein de neu geschaffen oder ausgebaut wurde, ist in •erster Linie das Werk von Dr. Josef Löwenherz. Um nur einiges aufzuzählen: Die Schaffung der Kreditkassa für zinsenfreie Kredite, der Zubau zum Versorgungshaus, der Ausbau des Arbeitsnachweises, die Erwerbung des K inderheimes in Payerbach, die Aktion „Jüdische Kinder aufs Lau d“, die Gründung der jüdischen Volksschule, die Ausgestaltung der Fürsorgeaktionen, insbesondere der Winterhilfe und Pessachaktion sind vor allein Dr. Löwenherz zu danken. Ihm ist es gelungen, das Gleichgewicht im Budget zu erhalten und der Gemeinde immer wieder neue Mittel zu verschaffen. Seit elf Jahren in der Gemeinde tätig, hat Dr. Löwenherz in aufreibe nderTätigk eit mehrgeleistet, als Generationen unionis tisch er Kultusvorsteher vor ihm. Die derzeitigen uniondstischen Kultusvorsteher mußten auch wohl oder übel in jedem Jahre in den Beifall einstimmen, mit dem gelegentlich der Budgetdebatte das Plenum in öffentlicher Sitzung Dr. Löwenherz für seine vorbildliche Tätigkeit dankte. Nun aber schämen sich die Unionisten nicht, den Namen des Dr. Löwenherz als Aushängeschild für eine Aktion zu benützen, um sich in der jüdischen Öffentlichkeit bemerkbar zu machen. Die notwendige Neubesetzung der Stelle dos Amtsdirektors u n d e r s t e n Sekretärs, die seit dem Tode des Regierungsrates Fuchsgelb, neu zu besetzen ist, veranlaßt die Undonisten ein Geschrei zu erheben, als ob die heiligsten Güter der Menschheit in Gefahr wären. Was isit geschehen? Die Zionisten haben es für wünschenswert erachtet, daß Doktor Löwen'herz sein Mandat ntederlege und sich um die Stelle des Amtsdirektors bewerben möge, die durch öffentliche Ausschreibung zur Besetzung gelangen soll. Und mm erheben die Gegner ein Geschrei. Sie wagen es sogar von Korruption zu sprechen. Worin besteht die Korruption? Jeder, derglaubtdie nötigen Fähigkeiten zu besitzen, wird die Möglichkeit haben, sich um die ausgeschriebene Stelle zu beworben. Die Vergebung der Stelle wird nach eingehendster Prüfung aller edngelaufenen Gesuche erfolgen. Die unionistiiischen Kultusvorsbeher werden dabei ihr Votum abgeben können und der würdigste Bowerber wird die Stolle erhalten. Wird Dr. Löwonherz der bestqualifiziertesto Bewerber sein, dann wird er gewählt werden. Wird ein Bewerber bessero Qualitäten naohweisen können, dann wird eben dieser Bewerber die Stelle erhalten. Wozu also der Lärm? Wozu das Gerede von Korruption? Hier manifestiert sich eben die ohnmächtige Wut einer bereits der Vergangenheit angehöronden Gruppe und einer niedrigen politischen Kampfesweise, die wir kürzlich genügend charakterisiert haben. Die zionistische Mehrheit hat, nicht zuletzt durch die so erfolgreiche Tätigkeit des Vizepräsidenten Dr. Löwenhorz, d i o überwiegende M o h r h e it dor jüdischen Bevölkerung hinter sich. Die Verwaltung der jüdischen Gerne Indo ist sauber und sparsam. Der Schmutz, mit dem dio Opposition die zionistische Mehrheit und einen so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.