Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 501 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SOI — 22. Novcmbor 1938 Dil tTIMMI Seite 3 Ernest Breiter gestorben Vor einigen Tagen ist. liior der ehemalige Roichsratsabgenrdneto Kniest. Breite r im 71. Lebensjahre gestorben. Er hat lange Jahre den zweiten Lemberger Wahlbezirk im ReicJisrat vertreten. Breiter, der ans einer nach Galizien cingewnnderten rciehsdeutechcn Fa.milie stammt, hat sich durch seine persönliche Integritilt und durch sein ehrliches demokratisches Tun hohes Ansehen erworben, und er fand auch im Parlament, obzwar er keiner Partei angehörte, viel Beachtung, zumal er ein in Bcanitenkreisen Galiziens stark gelesenes Blatt, den „Monitor“, herausgab. Den Juden war er ein echter warmherziger Freund. Während des Weltkrieges blieb er in dein von den Russen besetzten Lemberg und übte dort ein Vertrauensamt aus, indem er an die fast verhungernden Beamten Unterstützungen auszahitc. Später wurde er zum Dank bezichtigt, Unterschlagungen begangen zu haben, doch bewies eine Untersuchung, die der damalige Innenminister Graf Toggenburg vornahm, seine volle Unschuld. Seit dem Frieden lebte Breiter in Wien in sehr ärmlichen Verhältnissen. Auch ein Augenleiden quälte ihn sehr. Hilfe wurde ihm nur von jüdischer Seite zuteil und auch der „Phönix“ in Wien nahm sich seiner an und schützte ihn vor dem Ärgsten. In Breiter ist ein Märtyrer der Demokratie und der politischen Ehrenhaftigkeit gestorben, eine scharf umrissene Persönlichkeit aus einer Zeit, in der es die Politik noch auf Sauberkeit gehalten hat. Die Juden werden stets mit Dank an diesen Gerechten zurückdenken. Sie werden es nie bereuen wenn Sic den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräftig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren, daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Beruf, Ihrer Beschäftigung fernzubleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag Dl Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Wetters und des Alters. In jedem besseren Geschäft erhältlich. HausgehHfenhurse für Juden Breslau, 18. November. (2. T. A.) ' Die Synagogengemeinde Breslau hat die Absicht, Ausbildungskurse für männliche Hausangestellte einzurichten. Es soll dadurch ermöglicht werden, daß der jüdische Arbeitsnachweis geeignetes und mit Ausbildungszeugnissen versehenes männliches Hauspcrsonal den jüdischen Haushaltungen zur Verfügung stellen kann. Man verspricht sich gleichzeitig davon eine Li n d e r u n g der Not d e r jüdischen Arbeitslosen, n -i ..i RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Oporcr) II., Taborslraßo 12 Telephon R 40-5-57 ■tikM Ausgiebige Braten-Menüs 8 1*00 IW J „ Geflügel- „ S 2-20 IWJ sowio ä In Carte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzoiton abzugeben. B>-' ■■■- . ..* Krise im Einwanderungsdepartement Jerusalem, 18. November (2. T. A.). Die Vereinigung' der Allgemeinen Zionisten in Palästina gibt ihrer Unzufriedenheit über den Verzicht Jizohuk Grünbaums auf das Amt dos Leiters dos Einwamlcrungsdepartements der Jovish Agency Ausdruck, „llaarez“ erklärt, dio Allgemeinen Zionisten seien ohne angemesseno Vertretung in der Exekutive. Der Generalsekretär des Einwaiulorungsaintes, B a r 1 a ß, trat von seinem Amt zurück und begründet seinen Schritt mit der seiner Meinung nach n i c h t s a c h g om äßen L o i t u u g des Amtes durch Doktor Senator, S h e r t o k, Sc h a p i r o Und D o b k i n. Wie dio Redaktion der „Stimme“ aus sicherer Quelle erfährt, wurde die Demission fies Herrn Barlaß bisher nicht angen o m m e nt österr. Komitee der Jewish Agency Keren Hajessod Land dev Verheißung Ein Fox-Movietone-Film der Urim Palestine Company Ltd., Jerusalem Darsteller: Das jüdische Volk beim Wiederaufbau Palästinas Festpremiere am Sonntag, 24. November 1935, 11 Uhr vormittags, im Apollo -Theater, Wien, VI. Nur noch wenige restliche Karten bei: Kinopreise. M. Neumann, Wien, I., Kärntnerstraße 12, Tel. R 28-1-81 Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 28-2-36 Buchhandlung R. Löwit, I., Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53 Bücherstube M. Rath, II., Taborstraße 20a, Tel. R 45-305 Buchhandlung Rieh. Lanyi, I., Kärntnerstr. 44, Tel. B 26-3-33 Keren Hajessod, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-17 Buchhandlung „Vienna”, I., Bognergasse 4, Tel. U 29-4-14 und an der Tageskassa des Apollo: Wien, VI., Gumpendorferstraße 63, Tel. A 34-5-50. Sichern Sie sich rechtzeitig Karten! Die Tragödie der Samaritaner in Sichern Jerusalem, 19. November. Die Gerichtsverhandlung gegen die Gruppe von arabischen jungen Leuten, die am Tage des arabischen Streiks, am 26. Oktober d. J„ die Samaritanersiedlung überfallen haben, hat die große Tragödie des kleinen, schwachen, verlassenen, aussterbenden Stammes enthüllt, der insgesamt nur 170 Personen zählt und in der rein arabischen Stadt Sichern lebt. Die Samaritaner, die in Palästina bereits seit den ältesten Zeiten, bevor noch die Araber ins Land kamen, leben, sindkeine Juden. Sie halten sich nur für Nachkommen des jüdischen Volkes. Sie wohnen in Sichern, wo sie ein besonderes Viertel gebaut haben, und zeichnen sich durch ihre besondere Ruhe aus; sie mischen sich niemals in die Politik, haben nicht die geringsten Beziehungen zu dem jüdisch-arabischen Verhältnis in Palästina, fordern für sich nur, daß man sie in Ruhe läßt, und führen ihr eigenartiges religiöses Leben unter Wahrung ihrer uralten Gebräuche. Trotzdem wurden sie am Tage des arabischen Streiks, der keinerlei Beziehung zu ihnen hatte und ausschließlich gegen die Juden und die Regierung* gerichtet war, von einigen hundert Araborn angegriffen, während sie in ihren Häusorn nach ihrem Sabbath-Gottesdienst schliefen, der um 2 Uhr nachts beginnt und bis 7 Uhr morgens dauert. Die arabische Menge warf Steine gegen ihre Häuser, zerschlug die Scheiben, zerstörte dio Möbel, und es fehlte nicht viel, daß es zu sehr schweren Exzessen kam. Die arabischen Effendis, die in der Nähe der Samaritanersiedlung wohnen, versuchten nicht, ihnen zu Hilfe zu konimon. Nur durch ein Wunder wurden die Samaritaner aus den Händen der Volksmenge gerettet. Der Richter, vor dem einige Dutzend der Personen, die den Überfall unternommen haben, gebracht wurden, verurteilte sie dazu, an die Samaritaner eine geringe Entschädigung für die zerschlagenen Fensterscheiben zu zahlen. Die S a m a r i t a n o r verzichteten jedoch a u f d i e Ents c h ä d i g u n g. Während der Gerichtsverhandlung erklärtem .die Samaritaner^ daß es nicht der erste Überfall sei, der auf sie durch die Araber Sich eins verübt werde. Auch im Jahre 1921 überfiel eine Volksmenge ihre Siedlung, und man versuchte, die alte historische Synagoge der Samaritaner zu zerstören. Auch damals war das Leben der Samaritaner sehr schwer bedroht, und wäre nicht sehr schnell eine Intervention der Polizei erfolgt, wer weiß wieviel Opfer damals gefallen wären. Bei der gleichen Gelegenheit wurde auch an den im Jahre 1842 unternommenen Versuch erinnert, alle Samaritaner in Sichern zu töten. Damals wurde der kleine samaritanische Stamm nur dadurch vom Untergang gerettet, daß das Montag, den 2. Dezember präzise 8 Uhr abends Vortrag Dr. Sammy Gronemann, Berlin über das Thema: veranstaltet vom Keren Hajessod aus Anlaß seiner Fünfzehnjahrfeier Karten ä S 2*—, 1*50, 1*—, 50 g (Stehplätze) Kartenvorverkauf: Buchhandlung U. Löwit, I., Wollzeile 6, R 25 4-53 Bücherstube M. Rath, II., Taborstr.20a, R 45 305 Jüdische Kulturstelle, I., Kai 3, R 28-2-3G VV1ZO, I., Schottenring* 25, A 11-6-20 Jerusalemer Oberrabbinat eine schriftliche Bescheinigung* ausstollte, daß die Samaritaner ein Glied des jüdischen Volkes seien und zu den biblischen Völkern gehörten. Die Samaritaner sind durch den letzten Überfall auf ihr Wohnviertel sehr beunruhigt und sehen in ihm einen Beweis dafür, daß das Loben und der Bestand ihres kleinen Stammes, der der Gnade und Ungnade seiner arabischen Nachbarn völlig ausgoBefert ist, sich in ständiger Gefahr befinden. (Palcor.) Sammy Gronsemann kommt nach Wien Die Zionisten und die Palästinafreunde' Wiens werden in den nächsten Tagen Gele-, genheit haben, eine der populärsten Persönlichkeiten der zionistischen Bewegung zu begrüßen: Dr. Sammy Gronemann. Gronemann ist als zionistischer Vorkämpfer wie als Schriftsteller in weitesten Kreisen bekannt. Der Sohn des jüdischen Gelehrten und hannoveranisohen Landesrabbiners Selig Gronemann — der auf der bekannten Rabbinerversammlung von 1898 als einziger gegen die antizionistische Protestresolution gestimmt hatte, schloß sich schon als Student der zionistischen Bewegung an und trat bald in die vordersten Reihen. Durch viele Jahre gehörte er dem zionistischen Aktionskomitee an und er be-. kleidet als Vorsitzender des Kongreßgeriohtes, gleichsam als „oberster Richter“ cler zionistischen Weltbewegung, eine Ehrenstelle, von deren heiklem Charakter sich nur Kenner des inneren zionistischen Getriebes ein rechtes Bild machen können. Einen Geeigneteren kiefür hätte man allerdings kaum finden können: denn es ist nicht bloß der bekannte scharfsinnige Jurist Gronemann, der da seines Amtes waltet, sondern vielmehr Gronemanns allgemeine Beliebtheit, sein liebenswürdiges und doch gerades Wesen, seine Bonhomie und sein stets wacher, bei aller Trefisicherhe.it nie verwundender Humor sind die Eigenschaften, die ihn Iiiefür prädestinieren wie keinen anderen. Man muß einmal Gronemann und seine Formulierungen hören, wenn er zum Beispiel von der Kongreßtribüne die Urteile seines Tribunals verkündet und mit einem ins Philosophische greifenden Witz von den Gefahren spricht, welche der Idealismus für die Moral bedeutet — es hatte sich etwa um Unregelmäßigkeiten bei Wahlen zum Kongreß in irgendeinem Lande gehandelt — oder wenn er gewisse zionistisch-palästinensische Verhältnisse der letzten Zeit durch die Umkehrung des bekannten Herzl-Wortes kennzeichnet, der Zionismus sei die Rückkehr ins Judenland vor der Rückkehr ins Judentum. Die menschlichen Eigenschaften Gronemanns zeigen sich in voller Plastik auch in seinen literarisch enProdukten, die ihn weit bekannt gemacht haben. Man braucht nur an seinen satirischen jüdischen Roman „T o h u w a b o h u“ und an seine Immordurchtränktcn Schilderungen aus dem Weltkrieg: „Hawdololi und Zapfens t r e i c h“ zu erinnern, die einen ebenso dankbaren wie großen Leserkreis gefunden haben. Dr. Grone m a n n, vorher einer der bekanntesten Anwälte von Berlin, luvt in den letzten zwei Jahren in Paris gelebt und steht im Begriffe, seinen Wohnsitz nach Erez Israel zu verlegen. Vor seiner Alijah will er noch für die Sache des jüdischen Palästina in der Galuth wirken und so werden seine zahlreichen Wiener Verehrer in wenigen Tagen Gelegenheit haben, ihn zu hören. * Dr. Sammy Gronemann hält am 2. Dezember einen Vortrag im Mittleren Iv o n z e r t h anss a a 1 e. Näheres enthält dio Ankündigung in unserem Blatte.