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Die Stimme · 1935-11-22 · Heft 501 (22.11.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 501 (22.11.1935)
Date
1935-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 501 — 22. November 193o Bücher SÜ Buchhandlung Schneider &, Co., Wien. I. Franz-Josefs-Kal 7. Uekhste Auswahl neuer Bücher oester Antoien zu billigsten Preisen! Katalog gratis! 30.U00 jüdische Flüchtlinge nahm Palästina auf. Pie übrDon. ebenso viele. ..leben" in europäisch' n l.än lern, ulnv' Hecht auf ständige1 geregelte Arbeit, mit Aufenthalte- «scheinen. die jederzeit widerrufen weiden können. Und nun droht durch die Hitlersohe Gesetzgebung eine neue \ erstarkuug der 'Wan lerung. eine neue Verschärfung des Elends. Das Judentum, der Zionismus, tun ihre Ptlioht und wer len sie weiter tun. Aber wie stellt sich das niehtdeutsehe Europa zu dieser Angelegenheit jetzt, wo das Völkerbundkomm,Uc-ariat nie ierbricht? Es wird erzählt, daß die englische und amerikanische Regierung eich mit der Frage befassen und daß auf Initiative Ceeils und der englischen VölkerbundUga irgend eine Aktion eingeleitet werden soll. Das ist vorläufig noch unbestätigt. Dagegen ist es bekannt, daß eine Reihe von Regierungen ihre diplomatischen Vertretungen in Deutschland angewiesen haben, über die Auswirkungen der Nürnberger Gesetze und des erzwungenen Abverkaufs der jüdischen Geschäfte geil au es tens zu berichten, und zwar im Hinblick auf die Auswanderung der Juden, die alle Regierungen mit Sorgten erfüllt. Es wird sicherlich dazu kommen, daß eines Tages eine Demarche in Berlin erfolgen wird, die die Aufmerksamkeit des Dritten Reiches auf die Belastung lenkt, die aus seinen Gesetzen für die Wirtschaft der angrenzenden Staaten entsteht. Und dann wird Deutschland die Gittcrtiiren des Kerkers noch fester schließen, wird den Juden die Pässe nehmen und ihr Geld, damit sie nicht auswandern können. Deutschland wird alle Rücksicht auf seine Nachbarn nehmen... Wir glauben nicht an eine Aktion, weil wir weder den Wullen zur ernstlichen Tat noch auch ein Verständnis dafür sehen, daß diesem Problem mit den herkömmlichen Mitteln beizukommen ist. Es ist eine politische Frage, und sie kann nur politisch gelöst werden: Erweiterung des Siedhmgsraumes in Palästina. Beistellung internationaler Geldmittel für die Umsiedlung der Juden aus Deutschland, für ihre Festsetzung in Palästina und jüdische Kontrolle der Wanderung. Der Völkerbund, der eben jetzt 51 Staaten für den Schutz Abessiniens aufbietet, und dies unter englischer Führung, hat. wenn er will, die Autorität, die halbe Million deutscher Juden zu retten. Aber es muß eine jüdische Stelle sein, die ihn daran erinnert, daß er zu wollen hat, Das ganze Judentum muß seine Anstrengungen auf dieses Ziel vereinigen.. Statt gegen den Antisemitismus Abwehrpolitlk zu treiben, die sinnlos ist, muß es dem Völkerbund seine Pflicht in die Ohren schreien. -M!illl||lllllllll!llll!lllllll!l!l!lllll!l!lllllllll!l!!llil'!!!!!!ll!IIMIIIIIIIIIII!IIIIIIIHNIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII»l| | NEUERÖFFNUNG 1 I H Moritz WEISZ aus Sauerbrunn hat | 1 am I. November in Wien, II., Kl. Sperlgaase I | |-nra RESTAURANT nw| I berühmt gute Küche, eröffnet. | Zeitgemäße Preiso bei bester Bedienung. | Üiiiiiiiiiiiiiiii.um.. Angriff auf die jüdische Gemeindeautonomie in Polen? Warschau, 18. November. (2. T. A.) Die jüdische Presse Polens bringt die bisher offiziell noch nicht bestätigte Nachricht, daß das Wahlsystem in den jüdischen Gemeinden der Regierung einer einschneidenden Reform unterzogen werden soll. Es heißt, daß in den nächsten Monaten, möglicherweise schon im März 1930, im gesamten Land eine N e u w a h 1 der Vertretungen der jüdischen Gemeinden durchgeführt werden soll. Die Wahlen sollen g leichzeitig an e i n c m T a g stattfinden. Für diese Waiden soll eine neue W a h 1 o r d n u n g vorbereitet werden, die auf dem für die Sejm-Wahl geltenden System aiifgebaut sein, im wesent liehen also indirekt c W a h 1 « n vorsehen soll. Die Regierung plane, für die jüdischen Gemeinden sogenannte Wahlkoliegien einzufiLbren* Die Kandidaten für die Repräsentantonversammlungen und Vorstände der jüdischen Gemeinden sollen von diesen Wahlmännerkollegien auf Grund der Vorschläge der jüdischen Organisationen gewühlt werden. Wesentlich ist. daß ein großer Teil der Wahlmänner v o n d e n B e li ö rd e n e r n a n n t werden soll. Ein neues Gesetz für die jüdischen Gemeinden soll außerdem grundlegende Änderungen des gesamten Gemeindewesens herbeif (ihren. Die Verwirklichung dieser Pläne würde einer Zertrümmerung der jüdischen Gemeindeautonomie gleichkommen. Die Exzesse äer polnischen Nationaldemokraten Warschau, 19. November (Z. T. A.). Die neue antisemitische Aktion der n a t i o n a 1 d e m o k r a t i s c h o n 8 t u d e n t e n s c h a f t hat bis jetzt die Universitäten und Hochschulen in Warschau, Wilna, Lemberg und Krakau ergriffen und wirkt sich darüber hinaus ait;f das öffeniliehe Leben in mehreren Teilen Polens aus. Eine Bande hat am 16. November abends gegen die Synagoge in Pogon, einer Vorstadt von Sosnowiee, ein Dynamitattentat, verübt, wodurch ein Teil der Synagoge zerstört und zwei Juden, Sachermann und Rosenblum, lebensgefährlich verletzt wurden. Der 14jährige Rosenblum wurde sterbend in das Hospital gebracht. Das milde Urteil des Grodnoer Gerichtes gegen den Judenmörder vom 7. Juni hat den Erfolg gehabt, daß Exzedenten eine Grodnoer Synagoge angriffen und sämtliche Fensterscheiben derselben einschlugen. Die Wohnungen der Juden Kreditor, Edelstein, Pitrasz und Schapiro wurden durch S t e inbomb a r d e m e n t s stark beschädigt. Die antisemitische Aktion in den Städten der Wojwodschaft. Posen verstärkt sich. Nunmehr wurden auch in den Städten R.icziwo. Rogow und Wougrowiec die Fensterscheiben in jüdischen Wohnungen und Geschäften ausgeschlagon. In Wougrowiec wurden Haus- und Geschäftslokalc des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Gutgold, a n g e z ü n d e t. In Lemberg demonstrierten Nationaldemokraten an der Universität und an der Technik gegen die Juden und mißhandelten jüdische Studenten und Studentinnen. Der Student Groß und die Studentin Reiß wurden erheblich verletzt. In der Nähe der Technik wurden auch jüdische Passanten blutig geschlagen. In Krakau wurde neuerdings ein jüdischer Student erheblich verletzt. In Warschau wiederholten sich die antisemitischen Demonstrationen an der Universität und am Polytechnikum. Die nationaldemokratischen Studenten rissen den jüdischen Hochschülern die Kappen ab und mißhandelten mehrere von ihnen. Das Rektorat ordnete Einstellung der Vorles ung e n bis auf IV i d e rruf an. Am Nachmittag durchzogen größere Gruppen von Demonstranten die Stadt und schlugen in zahlreichen, jüdischen Geschäften die Auslagenfenster ein. Infolge Verwechslung gingen auch die Auslagenscheiben mehrerer christlicher Geschäfte in Trümmer. In den späten Abendstunden zogen die Demonstranten vor die tschechoslowakische Gesandtschaft und schleuderten einige Steine gegen das Gesandtschaftsgebäude. Die Polizei zerstreute die Demonstranten. Das Hauptorgan der Nat.ionaldemokraten in Warschau, „Warszawski Dzienni.k Narodovi“, fordert zur Austreibung der Juden aus Warschau auf. Eine Beßchlagnahme des Blattes Dt nicht erfolgt. (Beyrouth, Alexan- BUKAREST mit Gratis-Visa vom 21. bis 29. XII. drien) s 19S- Wien - Wien S 133"- Sammelpaß, D-Zug. Platzkarte WIENER REISEKLUB - AUSTROLLOYD, I., Weihburggasse 27, Tel. R 28 0-69. WERDET MITGLIEDER! Rahnfahrt bis Konstanza, Kaninen und Verpflegung. Abfahrt jeden Freitag. Alle Reiseinfomiationen. Studentenexzesse In den letzten Tagen ist. es an den Budapester Hochschulen zu schweren antijüdischen Ausschreitungen gekommen, die von den nationalsozialistischorientierten Turul- Verbindungen ausgingen. Die wenigen jüdischen Studenten wurden aus den Hörsälen geholt, schwer mißhandelt und auf die Straße geworfen. Viele von ihnen wurden schwer verletzt. Die Unterrichtsverwaltung hat die Universität bis auf weiteres geschlossen. Die Wiener „Reichspost“ hat berichtet, daß die Unruhen infolge „abfälliger Bemerkungen“ eines jüdischen Studenten über die in den Hörsälen angebrachten Kruzifixe entstanden seien. Daran ist kein Wort wahr. Der Unterrichtsminister Homann hat ausdrücklich erklärt: „Die realen Beweggründe dieser Bewegung sind überhaupt nicht zu erkennen. Meiner Ansicht nach wird die ganze Bewegung von Leuten geschürt, die Wirren stiften wollen. Die lernende Jugend hat mit dieser unvernünftigen Bewegung überauch in Ungarn haupt nichts zu tun. Sollte die Ruhe innerhalb weniger Tage nicht vollkommen wiederhergestellt sein, so werde ich mich gezwungen sehen, die strengsten Verfügungen zu treffen, die bedauerlicherweise auch für die studierende Jugend schwere Konsequenzen haben können. Wenn diese Bewegung Symptome der Ordnungsstörnng zeigen sollte, werde ich gezwungen sein, das tatkräftigste Eingreifen der Polizei zu verfügen.“ Damit ist festgestellt, daß die jüdischen Hörer nicht der geringste Vorwurf treffen kann. Dies ist wichtig, um für die Zukunft Legenden ansznscliließen. Inzwischen haben sich auch in Szegodin ähnliche Unruhen ereignet. Es ist wahrscheinlich, daß diese Bewegung, die sich auch an den polnischen Hochschulen zeigt, von ein und derselben Stelle in Berlin organisiert worden ist. fraßen Sie OOtcit Str.it: 93ei Stieren* ttttb SBtafenietben «reblauer eauectouitn Englisch - jüdischer Gemeindeverband London, 19. November (2. T. A.). j Zu Beginn der Sitzung des Anglo-Jevish l Board o£ Deputies berichtete der Vorsitzende des Foreign Appeals Committee, Joseph M o 1- 1 o r, über den Appell zugunsten der p o 1n i s c h e n Juden. Bisher seien über 24.000 Pfund von etwa 6000 Spendern oi»gegangen. In einer Beratung mit dem europäischen Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Bernhard Kahn, wurde der Plan der Aufbringung von lup.OOO Pfund für die notleidenden polnischen Juden ausgearbeitet. Davon sollen in Großbritannien und dem Empire 40.000 Pfund aufgebracht werden. Das .Joint Distribution Committee würde 75.000 Pfund aufbringen. Den Rest müßte die polnische Judenheit seihst beisteuern. Außerdem würde die polnische Regierung eine, Anleihe von 75.000 Pfund (1,500.000 Zloty) zu VA Prozent Zinsen gewähren. Der Vorsitzende des Palästina-Komitees des Board, Dr. Israel F e 1 d m a n, teilte mit, daß die Mitglieder de« Komitees mit den Mitgliedern der britischen Sektion der Jewisli Agency eine Besprechung über die Frage des T r a n s fers D e u t s c h 1 a n d—P alä st'in a pflegen werden. Harry Samuels griff scharf das Transferabkommen als eine Unterstützung des Hitlertums an. In ähnlicher Weise äußerten sieh B. II enriques und P. I). J. D r ii i f f. Letzterer gab zu bedenken, daß durch den Transfer in Palästina ein D a u e r m a r lc t für d e u t s c h o Waren geschaffen wird und daß sich aus dieser Bevorzugung deutscher Waren zum Schaden der Produktion der englischen Manclatarmacht Reibungen ergehen würden. Billige Sonderfahrt der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung" nin 22. Dczcntlicr 1935 und 2. .1 Ämter 193(1 mit Sammelpaß nach Polen und Czernowitz ROckfnluI: 5. .lAnner 1939 und aufgelöste KilcUfalirlniögliclil<'‘it Auskünfte und Anmeldungen: Oeaterr. VerkettrolKtro: I., Friodriclistraßo. 7, Telephon B 27-500 und Graben 20, Telepon U 20-0-35. Polnisches HeiseliAro „Orbis“: I., Kftmtncrtd'Uf.U: dl, Telephon U 21-5-78. Reiseliiitro Marlenlirllekc: J., Kolenturmsfrnßc 28, Telephon K 21-2-80/87. L. Bakstansky, Joseph Wimbrone und P. Horowitz verteidigten das Transferabkommen als Maßnahme zur Rettung vieler deutscher J u d e n vor dem wirtschaftlichen Untergang und zu deren Verwurzelung in Palästina. Die Diskussion wird fortgesetzt werden, wenn der Bericht des Palästina-Komitees vorliegen wird. ARTIKEL stets Neuheiten, auch modernste Frauenhygiene I Umsonst groß, reich illuslr. interes. Katalog mit Aufklärung. Hygien. Inst. St. P0T0KY, WIEN, VI., Stiageng. 15. Seit.10 Jahren. 300-Jahrfeier der Amsterdamer Aschkenasischen Gemeinde Amsterdam, 18. November. (2. T. A.) Die Hauptfeder der Aschkenasisch-Jüdiischeu Gemeinde Amsterdams, die jetzt auf ein JOOjähriges Bestehen zurückblickt, wurde im Gebäude des Gomeinderattvs im Beisein dos Kultus- und Unterrichtsministers Prof. Slotomakcr de Br ui ne, des Ministers für öffentliche Arbeiten Junger van Lidth de Jeude (der jüdischer Abstammung ist), des Gouverneurs der Provinz Nordholland, dos Bürgermeisters und der Ratsherren von Amsterdam, vieler militärischer und ziviler Behörden, Vertreter des Konsularkorps und der jüdischen Bürgerschaft »bgeh alten. Königin W i 1 h e 1 m i n e hat aus Anlaß der Feier dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Amsterdam und der Aschkenasisch- Jüdischen Gemeinde Hollands, A. Aßscher, die Ritterschaft dos Ordens des Holländischen Löwen, dem Präsidenten der Gemeinde-Exekutive A. S. V e d e r die; Ritterschaft des Ordens Orange-Nassau, Herrn A. J. Mulle r, der seit mehr als 40 Jahren Beamter der Gemeinde ist, die Silberne Medaille des Ordens Orange- Nassau verliehen. Die Festansprache hielt Präsident A. Asscher, der der Gründer der Gemeinde Jakob Peckhoven, Michael, Ansei Rood und des ersten Oberrabbiners der Gemeinde Moses Weil gedachte. Minister Slotemakcr de Br ui ne ttberbrachte die Wünsche der Regierung und sagte, die holländische Judenheit sei stolz darauf, dem holländischen Volke anzugehören, und sie trage ihr Bestes zum Gedeihen Hollands bei. Bürgermeister de V 1 u g t führte ans: Denkt man daran, was die Juden Amsterdams auf den Gebieten der Wissenschaft, Kultur, Kunst und Wirtschaft geleistet haben, so ist es schwer zu glauben, daß sie nur zehn Prozent der Bevölkerung ausmaohen. Zwischen der jüdischen und der nichtjüidisciien Bevölkerung herrscht Harmonie. Möge der Jüdischen Gemeinde eino glückliche Zukunft blühen. Der Fostgottesdienst fand in der 250 Jahre alten Großen Synagoge im Beisein aller eingeladenen Behörden und der Genieindeniitglieder »statt. Die Predigt hielt Oborrabhiner L. H. S a a r 1 o u i s, der festßtellt.e, daß in Amsterdam eino Einheitsgemeindo bestehe und daß hier weder ein „R cf o rni-j u d e n t u m“. noch eine „T r o n n n n g s - O r t h o d o x i o“ Fuß fassen könne. Zionistische Bez.-Sektion Leopoldstadt II., Praterstraße 13 Donnerstag, den 28. November 1935 'j-,9 Uhr abends findot im Heime der Sektion ein VORTRAG des Herrn Direktor Dr. Victor Kellner statt. Thema: Zionistische Probleme

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