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Die Stimme · 1935-11-22 · Heft 501 (22.11.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 501 (22.11.1935)
Date
1935-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 8 * , ■ * V/ii JÜDISCHE ZEITUNG V. b. b. Festpremiere Sonntag, den 24. November 11 Uhr vormittags im Apollo -Theater Nr. 501 | Wien, ZZ- November 1935 | Radaktton und Admlnlatratlon t Wlan, Maro-Aural-8tra8o 0. Tal.: U 22-3-91 RedaktlonaaehluB Montag und Mittwoch vorm. j<*7. Cheschvan 3696) | 9« Jahrgang Fünfzehn jüdische Abgeordnete Im Unterhaus London, 18. November. (2. T. A.) Dem neuen Unterhaus werden insgesamt fünfzehn jüdische Abgeordnete angehören, davon acht Mitglieder der Regierungsparteien, drei Liberale und vier Arbeiterparteiler. Wiedergewählt wurde unter anderem der Präsident der PICA, James de Rothschild. Unter den auf das Labour-Programm gewählten jüdischen Kandidaten befindet sich auch der ehemalige Bergbauminister Emanuel S hinwell, der Ramsay MacDonald mit einer Stimmenmehrheit von 20.498 schlug. Der bisherige Abgeordnete Major Nathan ist nicht wiedergewählt worden. Poale Zion gegen den Zionisten Wie die „Jüdische Rundschau“ meldet, ist die Niederlage Jänners in Whitechapel auf die Tätigkeit der Poale Zion zurückzuführen, die den sozialistischen Gegenkandidaten des Zionisten unterstützten. Englische Polizei verbietet Anti-Hitler-Protest in Palästina lllllllllllllllllllllllllM Der High Commissioner bei Dizengoff Tel-Aviv, 19. November (2. T. A.). High Commissioner Sir Arthur Wauch o p e hat dem Bürgermeister Mayer Dizengoff in Tel-Aviv einen Besuch abgestattet. Der Besuch trug, so heißt es, keinen offiziellen Charakter. In gewissen Kreisen bringt man den Besuch mit der Erklärung Dizengoffs in Zusammenhang, daß er bei den bevorstehenden Stadtratswahlen nicht mehr kandidieren wolle, weil er in der Politik, die die Palästinaregierung in letzter Zeit gegenüber der Tel-Aviver Stadtverwaltung führt, den Ausdruck eines persönlichen Mißtrauens gegen sich erblicke. Ormsby-Gore soll Kolonienminister werden London, 19. November. Reuter teilt mit: An zuständigen Stellen wird angenommen, daß Ministerpräsident Ba 1 dwin bestrebt sein werde, für Ramsay Macdonald angesichts seiner langen Zugehörigkeit zur nationalen Regierung einen parlamentarischen Posten zu finden. Macdonalds Sohn Malcolm, der bisher Kolonialminister war, wird gezwungen sein, sein Amt niederzulegen. Es ist wahrscheinlich, daß der gegenwärtige Minister für öffentliche Arbeiten, Ormsby-Gore, das Amt Malcolm Maodonalds übernehmen werde. Ormsby-Gore war bereits in einer mehrjährigen Periode Unterstaatssekretär für die Kolonien im britischen Kabinett. Sanktionen in Palästina in Kraft gesetzt Jerusalem, 20. November. (2. T. A.) Am 18. November wurden die Sanktionen Palästinas gegen Italien in Kraft gesetzt. Die Sanktionen beziehen sich auf das Verbot der Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial, der Gewährung von Krediten an Italien und der Einfuhr italienischer Waren. Palästinareisen auf der italienischen Linie werden nicht betroffen. Abgehobene Einlagen strömen in die Banken zurück Wie die JTA erfährt, ist von den SA Millionen Pfund, die in den Tagen der Ki •iegsgefahrpanik von den Banken in Palästina abgehoben worden waren, bis jetzt ein Drittel in die Bankentresons zurückgeströmt. „Jüdische Rundschau“ beschlagnahmt Berlin, 20. November. (2. T. A.) Die letzte Nummer der „Jüdischen Rundschau“ ist behördlich beschlagnahmt worden, ohne daßeine Begründung der Beschlagnahme gegeben .w u r d e, Jerusalem, 18. November. (2. T. A.j Am 15. November begann in Jerusalem eine Konferenz der jüdischen Jugend Palästinas, in der eine Protestaktion gegen die Nürnberger Judengcsetze beschlossen werden sollte. Eine Reihe Jugendführer gab der Indignation gegen das barbarische Denken und Tun der heutigen deutschen Machthaber Ausdruck. Für den 16. November wurden in ganz Palästina Versammlungen einberufen, in denen Protestresolutionen gegen die Nürnberger Gesetze gefaßt werden sollten. Für Jerusalem war eine große Manifestation geplant. Die palästinensische Polizei hat aber sämtliche jüdische Anti-Hitler-Kundgebungen verboten, so daß sie unterbleiben mußten. Das palästinensische Judentum mußte Widerhall der ägyptischen Unruhen Die antienglischen Unruhen in Ägypten finden in der arabischen Presse Palästinas insoferne einen Widerhall, als diese Presse nunmehr mit verstärkten Angriffen gegen die englische Mandatarm acht wegen deren angeblich einseitig zionistenfreundlicher Politik hervortritt. Die Regierung hat wegen solcher Angriffe die in Jaffa erscheinende Zeitung „Al Difaa“ auf einen Monat verboten. Arabischer überfall abgewehrt Der Versuch einer arabischen Gruppe aus dem Dorfo Zabaidat in der Nähe von II a i f a, eich widerrechtlich des in der Nachbarschaft gelegenen N ationalfondsbodens zu bemächtigen und denselben zu pflügen, wurde durch schnelles Eingreifen der Polizei verhindert, wodurch sich damit begnügen, am Samstag i n allen Synagogen gegen die Entrechtung und Unterdrückung der Juden in Deutschland zu protestieren. In allen Schulen der Knesseth Israel in ganz Palästina war eine Stunde der Schilderung der Leiden der Juden in Deutschland gewidmet. * Protest gegen das Verbot Jerusalem, 20. November. Die hebräische Arbeitertageszeitung „Davar“ wendet sich im Leitartikel sehr scharf gegen die Maßnahme der Palästina-Behörden, die die jüdischen Protestkundgebungen gegen die Nürnberger Gesetze am vergangenen Sabbathtage verboten haben. Die Behörden begründen das Verbot damit, daß Kundgebungen politischer Art in dieser Zeit überhaupt zu unterbleiben haben. ein efnsterer Zwischenfall vermieden wurde. Der Boden der Kolonie Balfouria, der bisher der American Zionist Commonwealth gehörte, wurde auf den Jüdischen Natdonalfonds übertragen. Gefängnis für unerlaubten Waffenbesitz Die Palästinaregierung hat soeben eine Order herausgegeben, wonach die Strafe für unerlaubten Waffenbesitz von drei auf sieben Jahre erhöht wird. Die neue Order ist eine Folge des vor einiger Zeit in Jaffa aufgedeckten Waffenschmuggels. Glasindustrie in Palästina In der Industriezone von Mifraz—Haifa wird auf Nationalfondsboden eine große Fabrik für Scheiben- und Spiegelglas mit einem Grundkapital von 15.000 Pfund errichtet. Das Unternehmen wird von Londoner Fachleuten geleitet werden. Der Zusammenbruch des Genfer Flüchtiingskommissariats Das Hochkommissariat für die Flüchtlinge aus Deutschland löst sich auf. Der Hochkommissar James Macdonald stellt sein Amt zur Verfügung, und ab Mitte Dezember, spätestens Mitte Jänner, wird die Institution erlöschen. Der Völkerbund wird dann, wie man das so nennt, „endgültige Beschlüsse“ zu fassen haben. Er hat einen Sachverständigenausschuß zur Hand, der aus einem Norweger, einem Italiener, einem Tschechen, einem Franzosen und einem Engländer besteht. Dieser Ausschuß, von dessen Wirksamkeit bisher niemand etwas erfahren hat, wird berichten. Was dann weiter geschieht, kann man sich an Hand der Erfahrung vorstellen. Der Völkerbund wird eine Unterkommission ernennen, die in einem halben Jahr berichtet; dann wird wieder eine neue Kommission eingesetzt werden, deren Referat in beiläufig einem Jahr zu erwarten ist. Und das wird alles sein, was für die Flüchtlinge geschieht. Diese Flüchtlinge sind in der Überzahl Juden. Das ist eine lästige Angelegenheit. Denn diese Juden sind entweder mittellos und belasten den Arbeitsmarkt; oder sie haben Vermögen gehabt und haben dadurch unliebsame Konkurrenz geschaffen. Und außerdem sind die Juden eine stete und aufreizend wirkende Mahnung des Gewissens. Denn daß diese Flüchtlingskategorie besteht, daran ist das Bestreben der Regierungen schuld, mit dem Dritten Reich sich auszugleiohen. Das Kommissariat war seinerzeit vom Völkerbund eingesetzt worden. Es gab einen Augenblick des Mitgefühls. Aber da mengte sich Deutschland — damals noch Mitglied des Rates — ein und verwahrte sich dagegen, daß das neue Amt als Organ des Völkerbundes gelten und aus Mitteln des Völkerbundes unterhalten werden soll. Die Kinder, sie hörten es gerne, und so wurde eine autonome Stelle aus dem Amt, die ihre Kosten aus den von privater Wohltätigkeit zur Verfügung gestellten Mitteln bestritt, und diese Wohltätigkeit wurde von den Juden der ganzen Welt ausgeübt. Die christlichen Konfessionen, die damals ihr Entsetzen über die Vorgänge in Deutschland sehr lebhaft beteuerten, steuerten für die Aktion lediglich den Ausdruck ihrer Sympathie für die Verfolgten bei. Wie überhaupt die ganze arische Welt darin wetteifert, möglichst viel zu reden und möglichst wenig zu tun. Die Geldmittel sind nur von Juden aufgebracht worden, aber den jüdischen Opfern in einem sehr geringen Ausmaß zugute gekommen. Dagegen lebte das Bureau des Hochkommissärs sehr gut. Er machte viele und interessante Reisen nach Berlin, nach London, nach Nord- und Südamerika — und die Arbeit für die Flüchtlinge wurde von den Zionisten besorgt. Zionisten saßen in den neuen Fliiehtlingszentren an den Schultern, gaben Auskunft, trösteten, liefen sieh die Füße wund um Almosen, Ausspeisung, Krankenhilfe und Arbeitsgelegenheit. Und das einzig Positive, die Unterbringung des Flüchtlingsstroms im Rahmen der gegebenen Möglichkeit, wurde von dem Zionismus geleistet. T e I. A 48 - 9 - 22 .SENSAL. Häuserverwaitungen Reparaturkredite n t a 11D u a kly Geldbeschaffungen I*. TAUBMANN WIEN, II., NORDPOUTRASH t/t Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest

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