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Die Stimme · 1935-11-19 · Heft 500 (19.11.1935) · page 12

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 500 (19.11.1935)
Date
1935-11-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Selig 12 Off STIMME Nr. 500 — 18.-November 1985 i.iii'ei’-l'*r Zypressen und Palmen tinJen wir Selmt-z \ -»r dr-T brennenden Sonne des tlord.int.nlP5. Und auf dem Gebiet., wo vor;'n ,lnV‘n em Dutzend Men-ehen ein mfih- '■tn;f5. ent.bohrun.q-^reiche? Lpben begannen, b’b>'n hont- (in Daganiah A und Bi 400 Personen ein beben wob! von schwerer Arbeit, aber auch i'rm.htbnren, reichen Segens voll. Ma.n steile sich so eine Siedlung vor. Ein großer Gutshof mit Stallungen, Werkstätten, Scheunen, Magazinen, Getreidespeichern. Ohstlngerränmen und einer beachtenswerten Anzahl übera.us zierlicher Einstockhäuser mit aus ein bis zwei Räumen bestehenden Wohnungen. Ein Staat im Staats So eine Siedlung verfügt a.bor auch über zweistöckige Häuser; doch diese sind für die Kinder reserviert, wobei, wie zum Beispiel in Ejn Charod, die Einteilung vorherrscht, daß das erste Stockwerk den Säuglingen, den jüngsten Bewohnern der Siedlung, die von eigenem Wartepersonal aufs liebevollste betreut werden, und der zweite Stock den Kindern bis zum sechsten Lebensjahre dient. Bei aller Liebe der Eltern zu den Kindern und der Kinder zu den Eltern, bei aller Bejahung der familiären Bande und Zusammengehörigkeit: die Eltern gehören der Gemeinschaft und die Kinder und die 'Jüngsten sind Glieder dieser Gemeinschaft. Die Kinder Palästinas, sie bilden eigentlich überall im ganzen Lande einen „Staat i ra Staat e“. Von der Kindererziehung in den Kwuzoth kann man wohl ohne Übertreibung sagen: nichts für die Erwach' Eenen, alles für die Kinder. Da ist der Kindergarten mit seinen schmucken, dem Gemüt, der Seele und den .Wünschen der Jüngsten so glücklich angepaßten Räumen mit den entzückenden Tischchen und den zierlichen Bettchen, alles Hach der Montessori-Methode, betreut und geführt von der unsagbaren Kindesliebe einer Frau — Irma Singer ist ihr Name —; wir werden ihr noch begegnen. Irma Singer, das ist eine junge Frau, die mit der dritten Alijab, also vor etwa anderthalb Jahrzehnten nach Palästina gekommen ist pnd trotz ihrer großen Liebe zu dem unvergleichlichen Landstrich des Kinerethsees, trotz ihrer großen Anhänglichkeit an diese einmalige Landschaft des Jordantales, doch noch heiße Sehnsucht nach den mährischen und böhmischen Wäldern ihrer früheren Heimat im Herzen trägt. In einer Reihe wundervoller, deutsch geschriebener Gedichte und Märchen erzählt sie uns von ihrem Leben, von den Leiden, von den Freuden dieser Menschen. Sie betreut die jüngste Generation mit wirklich seltener Anfnpferun« Mirjam, so wird Irma von den Kleinsten gerufen, ist den Jüngsten die treueste Kameradin. Dabei verdient festgehalten zu werden, daß gerade Daganiah in bezug auf Kindererziehung im Vergleich zu anderen Kwuzoth. eine geradezu konservative Tradition befolgt. Aber auch für die Erwachsenen ist heute Daganiah ein kleines Paradies. Da gibt es Zypressenalleen für ausgedehnte Spaziergänge, gleich daneben der berauschend schöne Kinerethsee, mit dem Ausblick auf den ständig weißen. Hermon, Angehörigen dieser Kwuza.h, die eines un-1 sie sich gegen rohe Gewalt verteidigten; natürlh hen Todes gestorben sind. Denn vor J warum sollten sie es hier beim Neuaufbau 25 Jahren, da gab es hier noch reichlich viel! ihres Volkes und einer neuen Gesellschaft Unsicherheit. Wegelagerer gefährdeten das! nicht können? Sie waren die ersten Sehom- Leben eine? .k’den Siedlers, Krankheit, Verj rim, eine Holdengarde, deren, wenn einst zweiflung taten ihr übriges. Der eine wurde! von den Heroen und opferbereiten Pionieren ein Opfer des P>trinkens, der andere ein | des neuen jüdischen Palästina gesprochen, Opfer eines BeduinenUbcrfa.lles, der dritte | in erster Reihe gedacht werden wird. Der hat selbst Hand an sich gelegt usw. Hier . So ho in er, da,? war der neue Typus des jiidiruht im ewigen Frieden die große, Unglücksehen Menschen im Kampfe ums jüdische liehe, an Tuberkulose blutjung verstorbene Land, so wie er später im Jahre 1917 der dritten Alijnh durch Trumpeiflor - Dichteriu R a e h e 1 — dieser Namo ziert das schmucklose einfache Steingrab dieser Dich terin, die, wie keine zweite, so schön diesen neu erstanden ist. In der einen Hand den Pflug, in der anderen die Flinte. Ihre Opfer sind Die Helden Daganiahs Und doch hat kaum eine andere Siedlung Jn Palästina ähnlich schwere und bittere Kämpfe um die Erringung jeden Stückchen Bodens im unteren Galil zu führen gehabt wie dieses Daganiah, dem man heute freilich diese Kämpfe nicht mehr ansieht. Von dem Heldentum der ersten zehn Siedler, die im Jahre 1910 auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds den harten, steinigen Boden des Galils zu bearbeiten begannen, künden die vielen Grabhügel der beiden Friedhöfe Daganiahs und Kinereths, dieser zwei ältesten Siedlungen im JordantaL Fünfundzwanzig Jahre harter schwerer Arbeit haben Daganiah zu dem gemacht, was es heute ist Fünfundzwanzig Jahre! Wie viele haben hier ihr junges Leben auf dem Altäre der Eroberung des Landes durch Arbeit lassen müssen. Hart an der Straße, die von der Kolonie nach Tiberits führt — eB ist die wunderschöne Chaussee Zemach—Tiberin s , am Ufer des Sees, befindet sich ein kleiner Friedhof. Es ist der Friedhof der Kwuzah Kinerth, ein Friedhof, den man nicht ohrm tiefste Ergriffenheit verlassen J e a t i o n. Es wird allgemein als dringend ka.iii. Es sind fast durchwegs Gräber von. and nötig empfunden, daß wir ein Drittel Landstrich besungen und so tief geliebt hat. j groß. Diesem Typus begegnet man auch Rachel — wer kennt sie nicht im Kinereth in Daganiah. Daganiahs Friedhof beherbergt A. D. G o r d o n, den geistigen Vater der Kwuzah, den Mann, der die Arbedt zur Religion erhoben hat, und den Gründer Daganiahs, den Heldenpionier Josef Bussel. Mit diesem Namen wird für immer der Beginn der chaluzischen Kolonisation in Palästina verknüpft bleiben. Das Hohe Lied der Arbeit Aber noch ein Mann hat an der Begründung Daganiahs schöpferischen Anteil: Doktor Arthur R u p p i n, der in jenen Tagen das Jaffaer Palästinaamt leitete. Im Jahre 1908 wird nach dem Beschluß des Zionistenkongresses an den Beginn der praktischen Arbeit in Palästina, unbekümmert um die Erreichung des ersehnten politischen Charters, geschritten. ■ Der Jüdische Nationalfonds erwirbt die ersten Bodenflächen, die ersten russischen Chaluzim, die die schwere Pogromwelle der Jahre 1905/06 an die Gestade Palästinas gespült hat, sind auch die ersten Siedler. Ihnen schwebt etwas ganz Neuartiges vor. Es sind Männer, die wissen, was sie wollen und die von einem tiefen Glauben an die Erneuerung ihres Volkes auf dem alten Boden durch eigene Arbeit erfüllt sind. In Rußland gehörten sie der Gruppe des Selbstschutzes an. Dort erlernten sie das Waffenhandwerk, als heute in Daganiah und Kinereth, im Emok und im oberen Galil. Sic bauen das Land in sengender Hitze, sie ackern, säen und pflü- I gen und ernten und leiden und singen. Ihr Leben ist ein einziges Heldengedicht. Unsagbar ist die Bedürfnislosigkeit dieser von reinem Idealismus erfüllten Menschen, die, täglich und stündlich, für ihre Überzeugung und Ideen leben und auch sterben können. Sie sind die Schöpfer der Kwuzah. Daganiah war die erste. Daganiah und Kinereth, das sind die zwei ältesten Siedlungen, die an der Schwelle der neuen jüdischen Siedlungsgemeinschaft, der „Kwuzah“, stehen. Es sind nur 25 Jahre und doch: Hier, auf derselben Stelle, wo es die gefürchteten Sümpfe mit ihreD Malariaherden gab — dieser Teil des Jordantales liegt bekanntlich unter dem Meeresspiegel und hat ein subtropisches Klima —, wo man sich nicht 24 Stunden lang aufhalten konnte, ohne von Malaria erfaßt zu werden, tanzen heute im hübschen Reigen Kinder, kräftige, blühende Arbeiterkinder, klein« Chaluzim, deren Eltern noch im Kampfe um jeden Quadratmeter Boden im Malariafieber sich wanden. Und diese Elternpioniere, sie sind heute so glücklich wie ihre Kinder, denen sie Sonne und Lachen, Spiel und Freiheit erkämpft haben. Wir grüßen dich, 25jähriges Daganiah, Symbol des schöpferischen Pioniertums! Das fre&üUtnls ItHek-JÜed Wir veröffentlichen hier erstmalig den deutschen Text des berühmten „Emek- Liedert‘\ das im Tonfilm „Land der Verheißung“ oine große Rollo spielt. In diesen ersten t’alästina-Tonälm, dessen bevorstehende Wiener Premiere ein gesellschaftliches Ereignis zu werden verspricht, wird die Entstehung dos „Emek-Lledea4 gezeigt Ruhe kam für die Müden Und Frieden für den Arbeiter. Die bleiche Nacht breitet sich aus Über den Feldern Der Ebene Jesreel. Tau unten und Mond oben ... IV ie spät ist es in der Nacht? Stille in Jesreel.- Schlummere Emek, herrliches Land, Wir wachen für Dich! Das Kornmeer dehnt sich aus, Das Lied der Herde ertönt, Dies ist mein Land, dies sind seine Felder, Dies ist die Ebene Jesreel. Sei gesegnet mein Land und gepriesen Von Beth Alpha bis Nahalal. Wie spät ist es in der Nacht? Stille in Jesreel.- Schlummere Emek, herrliches Land,, Wir wachen für Dich! Rea kanzlei Dr. jur. Marem Somer \ Häuser, Villen, Hypotheken, Häuserverwaltungen ¥ IX.f Währingersfraße 21 Telephon B 45*4-90 (Fortsetzung von Seite 8) einen finanziellen. Die Hindernisse sind bekannt. Die Eingänge der nationalen Fonds sind für einen namhaften Wirtschaftsplan zu klein und überdies in ihrer Höhe immer unsicher. Unsere Bodenpolitik hängt nicht nur von uns, sondern in erster Reihe von anderen Faktoren ab und da das Ausmaß des Bodens, der uns jederzeit zur Verfügung stehen kann, eine wesentliche Grundlage eines jeden Aufbauplanes ist, kann man sehr schwer Aufbaupläne entwerfen. Diese Störungen fallen schwer ins Gewicht. Dennoch muß gesagt werden, daß ihre Überwindung viel eher möglich sein wird, wenn die Ziele klar formuliert sind, als im Zustande der Planlosigkeit. Wenn wir zum spiel an die englische Regierung wegen aktiver Hilfe beim Aufbauwerk, insbesondere auf dem Gebiete der Bodenpolitik herantreten, so fallen alle unsere Argumente ins Leere, weil diese Forderungen nicht durch den Rahmen unserer kolonisatorischen Tätigkeit sachlich begründet sind und deshalb nur einen politischen Charakter tragen. Das Steigen der Eingänge unserer nationalen Fonds wird durch den gegenwärtigen Zustand auch nicht sehr begünstigt. Eine Planwirtschaft würde die Stoß- und Propagandakraft unserer Fonds eicherlich enorm steigern. Im übrigen können diese Hindernisse die Durchführung der kolonisatorischen Aufgaben vielleicht verzögern, aber nicht vereiteln. Ziele, die wir zum Beispiel in fünf Jahren zu erreichen hoffen, müssen dann ieben oder zehn Jahre auf ihre Erfüllung warten. Aber das ist noch lange kein Grund, den heutigen Zustand als normal oder als wünschenswert zu betrachten. Wir können natürlich der zionistischen Öffentlichkeit keinen umfassenden oder größeren Plan unserer kolonisatorischen Ziele vorsetzen und biefür die Anspannung der Volksenergien beanspruchen, wenn wir ihn selbst noch nicht besitzen. Noch mehr, es geschieht gar nichts, um ihn vorzubereiten. Seine Notwendigkeit wird einfach nicht erkannt. Nehmen wir zum Beispiel das Gebiet der landwirtschaftlichen Kolon i- Von Dr• Emil Schmorok der Alijab auf dem Lande verwurzeln. Das Verbleiben fast des ganzen Zuwachses in der Stadt wird mit Recht als nationale Gefahr gewertet. Das bedeutet aber beim heutigen Stande der Alijah die Notwendigkeit der Ansiedlung von 5000 bis 6000 Familien im Jahre und ein Vielfaches davon, wenn man die Sache für eine Reihe von Jahren ordnen, berechnen und organisieren will. Unsere Kongresse werden aber nur damit beschäftigt, wie man im nächsten Jahre 200 oder im besten Falle 300 Wirtschaften mit Hilfe des Keren Hajessod neugründen soll, weil nur diese Miniaturarbeit im Rahmen Budgets Platz finden kann. — D a k a n n diePhantasie desVolkes oder gar der Jugend sehr schwer auf ihre Rechnung kommen. Daraus entsteht keine Quelle der Begeisterung. Nun hört man, daß das internationale Finanzkapital bereit wäre, größere Mittel für den Ausbau der Landwirtschaft —■ natürlich auf Basis der Rentabilität — flüssig zu machen. Aber wer könnte heute autoritativ sagen, was wir machen sollen, wenn wir eine halbe Million und was, wenn wir zwei Millionen für diesen Zweck bekommen, oder wie wir uns die Zusammenarbeit dieses Kapitals mit der Privatinitiative und dem privaten Kapital und den nationalen Fonds denken. Und wenn wir an den Ausbau der I n d ustrie, der jüdischen Schiffahrt, der vorstädtischen Arbeiteri e d 1 u n g e n, oder der Wasserbobrarbeiten denken, wer könnte sagen, daß wir im geringsten für alle diese großen Aufgaben kolonisatorisch vorbereitet sind? Und wenn unsere zentralen Instanzen darüber nur vage Vorstellungen haben, wie soll die zionistische Öffentlichkeit dafür irgend ein Interesse aufbringen? Sie weiß ja gar nicht, ob und inwiefern sie in der Lage ist, an diesen Arbeiten teilzunehmen. Diese große Lücke hat tiefgehende ungünstige Wirklingen nicht nur für den Schwung und Intensität des Aufbauprozesses, sondern auch für die Bewegung als solche, insbesondere für die innenzionistische Auseinandersetzung und für das große Gebiet der Ideenpropaganda. Man sollte glauben, daß es möglich ist, einen großen, konstruktiven R0vue Aufbauplan zu entwerfen, der von allen Richtungen der Bewegung die volle Zustimmung erhalten wird. In Fragen der Landwirtschaft, der Industrie, der Schifffahrt, der vorstädtischen Siedlungen, der Wasserbohrungen und dergleichen mehr, gehen die Meinungen der Parteien nicht auseinander. Hier gibt es keine bürgerlichen oder sozialistischen Gegensätze, keine religiösen oder Endzielkämpfe. Wenn dem so ist, müßte die Proklamierung eines solchen Aufbauplanes eine ganz außergewöhnlich starke einigende Wirkung für die Bewegung haben. Die Phantasie des Volkes, insbesondere der Jugend würde hier eine reiche Beschäftigung finden. Die einzelnen Ziele dieses Planes würden ein nie zu erschöpfendes Tätigkeitsgebiet für alle aktiven Kräfte abgeben. Die rein theoretischen endlosen Kämpfe wegen der sozialen, religiösen und politischen Endziele unserer Bewegung parteipolitisch auseinander bringen, wie es jetzt geschieht. Wir hätten enlich viele gemeinsame positive bedeutende Aufgaben lösen. Um den nationalen Aufbauplan könnten wir die ganze Jugend, aber auch die private Initiative, das private Kapital, die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer, die Landwirte und Industriellen vereinigen Denn jeder Teil des Jiechuw und jede Schichte des jüdischen Volkes in der Galuth hätte ihre Aufgabe, ihre Sendung bei der Verwirklichung, bei der Verkörperung dieses Planes, welcher doch nichts anderes ist, als die wirtschaftliche, finanzielle, soziale und kulturelle Ausdrucksform für unser Nationalheim. Und das Nationalheim ist doch die wichtigste, vielleicht die einzige Vorbedingung für das Endziel der zionistischen Bewegung. Simpl: Neue Revue. Die neue Simpl-R-evue ist ein Schlager des Lachens. Franz Engel, Frlfz Wiesenthal die Hauptträger dieser Revue entfalten ihre ganze virtuose Komik, wobei das Prblikum kaum aus dem Lachen kommt. Auch das übrige Ensemble unterstützt diese beiden Meister der Komik aufs wirksamste. Wer zwei Stunden Lachen will, gehe ins Simpl zur neuen

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