Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 500 (19.11.1935)
- Date
- 1935-11-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 500 — 19. November : 01« «TIMM9 Seite 9 15 Jahre Keren Ichard Beer-Hofmann: Die neue Aetta les lleceu, Uaiess&d Der Keren Hajessod (Palästina-Aufbaufonds) begeht in diesen Jahren die Fünf zehn jahrfeier seines Bestandes. Aus diesem Anlaß sind dem Hauptbüro in Jerusalem eine überaus große Anzahl von Botschaften der bedeutendsten Staatsmänner Europas und Amerikas, sowie zahlreiche Glückwünsche bedeutender jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten am dem Geistes- und Kulturleben Europas zugekommen. Aus der Fülle dieser Glückwünsche bringen wir eine kleine Auslese. Chaim Weizmann: Vor mir liegt ein kleines Heft: „Eine neue Ära des Keren Hajessod.“ Dem, der es flüchtig aufschlägt, scheint es zunächst nicht mehr als ein Bericht über die fünfzehn Jahre des Bestandes des Keren Hajessod zu sein. Aber von diesen dreißig Seiten, die ruhig, ernst, ohne Ruhmredigkeit zu einem sprechen, geht starke, aufwühlende Wirkung aus. ,,.... zu zeigen, daß sich in den trockenen Zahlen unseres Budgets viel mehr verbirgt als mancher ahnt“, ist die Absicht des Berichtes — und wer sich bewußt wird, wie der Keren Hajessod nach allen Seiten hin weit ausgriff und ausgreift, wie Ödland bepflanzt, Wüste bewässert, Sümpfe getrocknet, durch Unwegsames Straßen gelegt wurden, wie rastlos ln Siedlungen darum gerungen wird, den Boden zu verjüngen, Feldern und Gärten schönere, reichere Frucht zu entlocken, wie hiebe und Sorge um das hcranicachsende Geschlecht von Kinderheimen an bis zu den Forschungsräumen der Universität, unermüdlich am Werk ist — wer auch nur eines Teiles all dieser Dinge sich bewußt wird, der erkennt: Nicht hundert Schritte weit vermag er, und wäre es nur als Gast, in diesem Land zu gehen, ohne immer wieder daran gemahnt zu werden, wie sehr auch e r dein Keren Hajessod zu Dank verpflichtet ist. Der Trunk Maren Wassers, der ihm am Weg gereicht wird, daß er den Duft der Gärten, die in Blüte und Reife stehen, einatmet, daß. der Wind Sang und Lachen froher Kinder ihm zuträgt, daß da und dort ein junges, heiteres, offenes Antlitz Hm anblickt, in dessen Zügen der uralte Adel eines seit je gottsuchenden Volkes nicht mehr von durch Jahrtausende immer wieder drohendem Mord, von Gehaßt- und Geschmähtwerden überprägt und verzerrt wirddafür ehrfürchtiger Dank den Ungezählten, Namenlosen, die Jahr um Jahr selbstlos Arbeit und Leben schweigend zum Opfer boten —, aber daß in diesen letzten Jahren alles wachsen, sich so entfalten . konnte, dafür D ank d e m Keren Hajessod, der seit fünfzehn Jahren unermüdlich und überall als Helfer und Rater entscheidend bereitstand. All das drängt sich einem auf, wenn man die wenigen Seiten ließt, die — will man sie äußerlich einord ne n — ein „Rechenschaftsbericht“ zu nennen wären. Doch der Rechenschaftsbericht einer Vereinigung, die darauf angewiesen ist, für ihre Zwecke Gelder zu sammeln, begnügt sich zumeist damit, öffentlich Rechnung zu legen vor dem Forum seiner Geldgeber. Aber die Gemeinschaft jener, in deren Händen die. Führung des Keren Hajessod liegt, ist sich weit höherer, strengerer Verantwortung bewußt. Zwei Stellen des Berichtes insbesondere — unter manchen anderen — legen scharf Umrissen, unzweideutig Zeugnis hiefilr ab. Die eine erklärt, daß es den Leitern des Werkes nicht genüge, „den Nationalismen anderer Völker einen neuen hinzuzufügen, der ganz im - Politischen stecken geblieben wäre“, und daß das „Nationalheim sich vor Gegenwart und Zukunft, vor den Juden und den Völkern' der Welt nur rechtfertigen ließe, wenn etwas Neues im Rahmen der Gesellschaft geboren würde“. Die andere — programmatisch an das Ende des Berichtes gesetzt — lautet: „Es ist nicht überal die Welt so, daß die nationale Bewegung und ihre bemfenen Organe den sittlichen Vorsprung für sich in Anspruch nehmen können. Für unsere Bewegung trifft es zu, und der Keren Hajessod ermöglicht cs,... Postulate sittlicher Art zu Werken und Institutionen werden zu lassen, die ... eine höhere Stufe menschlicher Gesittung in jüdischer Prägung ermöglichen werden.“ Hit diesen Worten haben die Leiter des Keren Hajessod aus freien Stücken das Forum auf gerufen, vor das zu treten, ror dem Rechenschaft zu legen, sie bereit sind. Sie wollen ihr Tun gemessen wissen an jenem Denken und Empfinden, das — länge unterirdisch in einem kleinen Volk armer Hirten und Bauern strömend — zuerst vor mehr als drei Jahrtausenden hervorbrach, durch Reihen von Geschlechtern immer wieder von den Lippen jener verkündet, die allem Abendland und hunderten Millionen des Morgenlandes längst „Propheten“ sind. Große Einsame, die mit den Bränden ihres Wortes, in den Herzen der einzelnen, wie in das dumpfe Ahnen der Massen jene heiliglodernde Unruhe warfen, die man G e wisse n nennt, das — seither Weltgewissen geworden — wohl geschmäht, vergewaltigt, verleugnet werden kann, aber Schmähern, Leugnern, Vergewaltigern unerbittlich die eiternden Male „bösen Gewissens“ zerstörend in den Kern ihres Lebens brennt, daran sie — einzelne, wie ganze Völker — verenden müssen. Und nun bedenke man, in welchem — welchem — Augenblick die Leiter des Außenminister Dr. Eduard Benes: Keren Hajessod dies Heftchen — mit so stolzer, strenger Forderung an sich selbst — hinaus in die Welt senden! Daß die furchtbar würgende Not der Stunde, sie nicht kleingeworden, nicht zermürbt, nicht geneigt zu innerem Verzicht findet, daß sie stolzen Willens sind, ihr Tun „vor Gegenwart und Zukunft vor den Juden und den Völkern'der 'Wett zu rechtfertigen", daß sie — umtobt vom. schäumenden Orgasmus johlenden Hasses, bespritzt von allen Geilern der Niedrigkeit — daß sie, in solc He m Augenblick, noch immär nicht irre werdend an dieser Menschheit, Sinn und fernleuchtendes Ziel ihrer harten Arbeit darin suchen, „eine höhere Stufe menschlicher Gesinnung in jüdischer Prägung“ zu ermög liehen — — für solche beispielgebende Haltung, die Bürge für die Zukunft eines Volkes ist —, weil sie alle hohen Träume der Väter hinüberrettet zu kommenden Geschlechtern —, für solche Haltung sei den Männern des Keren Hajessod aus tiefem Herzen gedankt. Dem Ketet* Haiessod Wenn ich heute auf 15 Jahre Kenn- Hajessod-Arbeit rückwärts schaue, so meine ich, wir alle haben ein Recht, mit Stolz auf unser Werk zu blicken, das zur Hauptstütze der Zionistischen Bewegung geworden ist. Mit ihm haben wir am Bau des jüdischen Nationalheims das Fun da ment gelegt, die Pforten errichtet und das erste Gerüst auf gestellt. Erst kommende Geschlechter, die den Bau in seiner Vollendung sehen, werden die Aufgabe unseres Werkes voll einschätzen können, sie werden wissen, es war das Werk unserer Erlösung und Erneuerung.: Sie erst werden den großen Segen aussprechen für alle, die sich an der Schaffung und Ausführung dieses Unternehmens gemüht haben, die nicht müde wurden trotz Enttäuschungen und Straucheln, trotz der Dornen, die am Wege ihrer Arbeit wuchsen. Mit seiner Gründung wurde der Keren Hajessod zum Boten der Erlösung für ganz Israel. So trat er in die Hütte des Armen, so in den Palast des Reichen. Die wirksamste Propaganda aller Keren-Hajessod-Sammhmgen war immer der Gedanke an unsere Erlösung, er ist das Band, das die jüdischen Massen mit dem lebendigen, schaffenden, arbeitenden Erez Israel verknüpft. So wuchs im Herzen eines jeden Juden die Erkenntnis, daß der Aufbau des Landes keine Angelegenheit der Wo hltätig keit ist, keine Sache, für die inan ein Scherflein spendet, um sich dann nicht mehr mit ihr zu beschäftigen, sondern daß dieser Aufbau das Werk einer nationalen Erlösung bedeutet, der jeder Jude Zeit seines Lebens verpflichtet ist und deren Verpflichtung nie Genüge geschehen kann. Wer seine Spende dem Keren Hajessod gegeben hat, verbindet sich diesem Werk, dessen Sorgen er fortab teilt und für das er mit seinem ganzen Können einstehen muß. Wer meint, unser Fonds habe bereits seine Aufgabe erfüllt, befindet sich in einem gefährlichen Irrtum. Mehr als bisher muß er jetzt in Erscheinung treten, das Land braucht ihn, gerade angesichts des Erreichten und der wunderbaren Entwicklung unseres Landes. Ein reiches Aufgabenfeld steht dem Keren Hajessod noch bevor, noch mehr muß in unserer Bewegung geschehen als schon geschehen ist, um den Aufbau zu vollenden und um Volk und Land gemeinsam Kraft zu geben, ein nationales Leben im Lande der Väter zu entwickeln. Darum rufe ich heute jedem Juden und vor allem jedem Zionisten zu: Bewahrt dem Keren Hajessod die Treue! Gebt ihm noch mehr von eurer Kr af t und eurem Können, damit er uns allen das wahre Fundament errichten kann, auf dem allein unser Natiohlheim festgefügt ersteht. Zum 15jährigen Bestehen des Keren Hajessod entbiete ich Euch meinen Gruß und meine herzlichsten Wünsche für glückliche Arbeit. Albert Einstein: Der Keren Hajessod hat sich durch Ermöglichung der Siedlungen in Palästina als von unschätzbarem Werte für die Sicherung und Gesund ungdesjildischenVolkes erwiesen. Möge sich diese Erkenntnis immer mehr durchsetzen und zu einer Erstarkung des Werkes führen, von dem die Zukunft des jüdischen Volkes in so hohem Maße abhängig ist. Prof. Sigmund Freud: Unbesiegbarer Lebenswitte Aus Anlaß der 15jährigen Gründungsfeier des Keren Hajessod möchte ich versichern, daß ich wohl weiß, welch* mächtiges und segensreich wirkendes Instrument diese Stiftung für unser Volk geworden ist in dem Bemühen, im alten Vaterland eine neue Heiimt. zu gründen. Ein Zeichen unseres unbesiegbaren Lebenswillens, der bis jetzt zwei Jahrtausende schwerer Bedrückung erfolgreich getrotzt hat! Unsere Jugend wird den Kopf weiterführen. JlowweUs- BoiseUaft Weißes Haus, ' . Washington. 21. Mai 1935. Mein lieber Herr Lipskyf Tn Beantwortung Ihres Briefes vom 9. Mai 1935 ergreife ich gern die Gelegenheit, um Ihnen zur Feier des fünfzehnten Jahrestages ' des Palästina - Grundfonds (Keren Hajessod), der Organisation, 'die von den Jiiden der Welt ins Leben gerufen wurde, damit sie an der Schaffung eines Natiönalheims in Palästina für das > jüdische Volk mituirke, meinen Glückwunsch zu senden. Ohne die Hilfe, die dieser Fonds, geleistet hat, hätten die Jewish Agency und das jüdische Volk gewiß nicht die Erfolge erzielen können, %oie sie im heiligen Lande erreicht worden sind. Sie können in der Tat stolz sein auf den Anteil, den die amerikanischen Juden an diesem Werke haben, wie auf ihre finanzielle Beteiligung an Ihrem Fonds. Ich, wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern für Ihre bevorstehende Feier den besten Erfolg. ihr ergebener Franklin D. Boosev eit Herrn Louis Lipsky National Chairman American Palestine Ca.mpa.ign der Jewish Agency for Palfestine. ‘ > ' ■ ' Gern sende ich Ihnen diese Zeilen als moralische Förderung der Bemühungen, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu verstärken und zu erleichtern. Ich habe aufrichtige Sympathie mit dieser konstruktiven Arbeit, zum Nutzen von Menschen, die sich eine neue Heimat begründen wollen, und ich weiß diese Bestrebungen, um so mehr zu würdigen, als ja auch unsere eigene Nation Sich nach dem Kriege von Neuem auf dem Boden festzusetzen hatte und sich noch festzusetzen hat, der heute ihre befreite Heimstätte ist. Ich wünsche Ihren Auswanderern nach Palästina ganzen und vollen Erfolg. Ihr sehr ergebener Dr. Eduard Bene § Jßloyd Qeocge-'s BoistUafi Tausende von Juden aus den verschiedensten Ländern zu sammeln und sie auf dem Boden der alten Heimat zu einem sich [selb st er halt enden V ol k e zusammenzuschmieden, das scheint mir eine Aufgabe zu sein, die zahllose Schwierigkeiten und Probleme, verwaltungsmäßiger und finanzieller Art, in sich birgt. Darum beglückwünsche ich wärmstenden Keren Hajessod zur. Vollendung einer fünfzehnjährigen, von Erfolg gekrönten Arbeit auf diesem Gebiete. Diese Institution verdient höchste Anerkennung; Anerkennung für die unermüdliche Hingabe, die sie unter den Juden aller Welt für ein großes Werk geweckt und Anerkennung für den Fleiß unddie Tatkraft, mit der sie selbst ihre kühne Aufgabe gemeistert fiat. Der Keren Hajessod hat viel dazu beigetragen, eine de r g rößten V olks trag öd ien der Menschheitsgeschichte zu mildern, und einein hochbegabten. Volke den Platz wieder zu erobern, an dem es sein eigenes nationales Leben entfalten kann, um seinen Beitrag zu den mannigfachen Erscheinungen menschlicher Zivilisation zu leisten. Die bereits gezeitigten Erfolge rechtfertigen in reichem Maße den Glauben derer, die diese Bewegung begründeten und ich habe das ‘ Vertrauen, daß ihre künftige Entwicklung das erfüllen wird, was ihre ersten Jahre versprochen haben. lord Robert Cecil: Erlauben Sie mir, dem Keren Hajessod meine wärmsten Glückwünsche zur Vollendung des 15. Jahres seines Bestandes zu senden. Seine Leistungen für die Sache, der er dient, sind prachtvoll. Inntitten all der Schwierigkeiten und Enttäuschungen durch den häufigen Zustand der Welt bedeutet der große Erfolg der Zionisten in Palästina einen währen "TröSt. ,s Mit allen, guten Wünschen für einen dauernden Erfolg, den der Keren Hajessod zum großen Teil ermöglicht hat, bin ich Ihr sehr ergebener ' CecIT 5353232348482323485353485353905323