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Die Stimme · 1935-11-19 · Heft 500 (19.11.1935) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 500 (19.11.1935)
Date
1935-11-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8' Dir STIMM«" . Nr. 500 — 10. November 1938 Die W1ZO in Österreich Von Sofie Löwenherz r# Klubhelm der „IV 1 Z 0“ (Entwürfe Ing. Arch. Gerhard Kar plus) Eine Ecke im Gesellschaftszimmer Zu Zeiten Theodor Herzls ist in Wien die erste Zelle der Organisation zionistischer Trauen Österreichs gegründet worden. Die Tätigkeit dieser Organisation war im Laufe der Jahrzehnte verschiedenartig*, das Arbe.itsprogramm änderte sich nach den je. weiligen Forderungen des Tages: manchmal war es Palästina, ein andermal Fürsorgearbeit oder landespol irische Betätigung, die dieser Organisation ihren Charakter verlieh. Erst im Jahre 1921, als wir mit dem Programm der WIZO bekannt wurden, traten wir dieser Weltorganisation zionistischer Frauen bei .und gründeten eine selbständige Frauenorganisation. in Österreich; : Es galt damals viele' Schwierigkeiten zti bewältigen und sogar zionistisch gesinnte Frauen von der .Notwendigkeit dieser Organisation zu überzeugen. Seit diesem Zeitpunkte verbreiten wir zielbewußt das Programm der - WIZO, ' dieser mächtigen, 70.01)0 Mitglieder in 45 Ländern . umfassenden Organisation, in den weitesten Kreisen der jüdischen Frauen in Wien und in Österreich. Unsere Organisation bildet eine Gemeinschaft von Frauen, welche von großer Liebe für Palästina beseelt sind und aufrichtiges Verständnis für die produktive Arbeit der WIZO in Erez Israel haben. Die Institutionen der WIZO in Palästina wach^ sen und arbeiten vorbildlich mit großen Erfolgen; .die WIZO erbrachte den Beweis, daß sie die Rolle der Frau im großen Aufbauwerk Palästinas richtig erfaßt hat und gewillt ißt, vollwertige Arbeit zu leisten. Die landwirtschaftliche Mädchenschule in Nabalal, die große Mädchenfarm in Ajanoth, die vier kleineren Mädchenlehrfarmen in Judäa und Afuleh sind ebenso wichtige Institutionen, wie die Hauswirtschaftsschule in Tol-Aviv.unll die Lehrkurse für die ein gewanderten Mädchen und Frauen. Die gewaltig zunehmende Einwanderung im Jahre 1934 übte selbstverständlich großen Einfluß auf die gesamte soziale Fürsorgetätigkeit im Lande aus. . Den wachsenden Anforderungen entsprechend mußte auch die WIZO ' ihr Arbeitsgebiet erweitern und das Budget für das von ihr gegründete Babyheim in Jerusalem, die Mutterfürsorgestelle in Tel-Aviv, für Tageskrippen und dergleichen erhöhen. An dem Gedeihen' aller dieser Institutionen sind alle Mitglieder der WIZO gleich intercssiert; die einzelnen Landesgruppen beteiligen sich nach Maßgabe ihrer Stärke an den Erhaltungskosten aller Institutioneu und Anstalten in Erez. Uns, Mitglieder der WIZO, verbündet die Sorge um den sozialen Aufstieg der jüdischen Frau in Palästina; wir müssen alle Kräfte anspannen, um die gleichberechtigte Mitwirkung der Frau am Aufbau . des jüdischen. Gemeinwesens zii gewährleisten. Die Arbeit in Palästina bildet jedoch nur einen Teil unseres Arbeitsprogramms. Vor mehreren Jahren widmete sich die WIZO ausschließlich der Tätigkeit in Palästina; die Verhältnisse der letzten Jahre veranlaßen jedoch, der Galutharbeit uns zuzuwenden, am Neuaufbau - des jüdischen Volksgeistes mittätig zu sein und zionistische Kulturarbeit zu'leisten. Wir müssen darauf bedacht sein, einen jüdischen Frauennachwuchs zu erziehen, Geldsarnmlungen für Palästina allein genügen nicht; die jüdische Frau muß für die jüdischnationale Arbeit gewonnen werden, um am großen Aufbauwerk, unter ZurückstePung sozialer und kultureller Unterschiede mittätig sein zu können. WTir lehnen es entschieden ab, als philantropische Vereinigung zu gelten, und haben keine Absicht, mit anderen auf diesem Gebiete sehr erfolgreich tätigen Vereinigungen in Wettbewerb zu treten. Die WIZO bemüht sich, das beste Einvernehmen mit allen zionistischen Körperschaften und Gruppen aufrechtzuerhalten. In Österreich gehören wir dem zionistischen Landesverbände an und nehmen an allen zionistischen Arbeiten des Landes tätigen Anteil. Durchdrungen von , der Wichtigkeit der Bedeutung des Keren.-Hazessod und dos Keren-Kajemeth für das Aufbauwerk, in.Palästina, stellen wir diesen.. Fonds unser?. Lesezimmer im Klubheim Kräfte gerne zur Verfügung. Mit. Dankbarkeit erinnern wir .uns .daran-,, ..würfen. des leider, so _£riibzeiti;, daß da« Direktorium des jüdischen Nationalfonds der WIZO ermöglichte, t durch die Zuweisung vön Boden die erste, la.nd.-j wirtschaftliche Mädchenschule in Nahalal und das Hostel in Tel-Aviv zu errichten. Dank dieser Unterstützung ebnete man der jüdischen Frau den Weg zur Arbeit am Lande. . Die Liebe zur Scholle, die Verbundenheit mit dem Boden Palästinas, die produktive Arbeit im Garten und auf dem Felde eröffnet für die Jung-WIZO neue und bisher unbekannte Betätigungsmöglicbkeit. Die Umschichtung der Jugend ist heute die Forderung des Tages; die Hachscharah- Arbeit für Palästina fördert und ermöglicht diesen Umschichtungsprozeß. Aus diesem Grunde haben wir uns im letzten Jahre entschlossen, einen Gärt-nereikurs in Lainz zu errichten, und bemühen uns, durch Gewährung von Zuschüssen die Ausbildung der Mädchen und deren Auswanderung nach Palästina zu erleichtern. Die zielbewußte, positive Arbeit brachte es mit sich, daß im letzten Jahr die Zahl der zahlenden und tätigen Mitglieder im steten Wachsen begriffen war. und um einige Hundert gestiegen ist. Dank unserer ansehnlichen ■ Mitgliederzahl konnte die österreichische Organisation mehrere Delegierte zu der WIZO-Konferenz in Tel-Aviv im März 1935 entsenden. Die im Juni 1935 , abgehaltene erste Provinztagung der WIZO bewies, daß unsere Organisation in mehreren Bundesländern Österreichs bereits Wurzel f .ßte. Wir bemühen uns auch, ständig mit den Provinzgruppen im engsten Kontakt zu bleiben; , um die Verständigung mit allen Mitgliedern zu erleichtern, lassen wir allmonatlich eigene WTZO-Mitteilungsblätter erscheinen und werden in den nächsten Wochen eine Vergrößerung und Ausgestaltung dieser Blätter verwirklichen. In den letzten Wochen/ verwirklichten wir einen schönen Plan, welcher mit der Überführung, der Gebeine Herzls nach Erez im Zusammenhang steht. Jüdische Frauenhände webten ünd bestickten nach Entverstorbenen Professor Strnad das Bahrtuch, in welches gehüllt der Sarg mit den sterblichen Resten des unsterblichen IlerzI nach Palästina überführt werden soll. Einen gewaltigen Auftrieb unserer Propagandatätigkeit verlieh uns die Gründung eines eigenen entsprechend eingerichteten Klubheimes in Wien, in welchem versehie- , , || -jjp »VW.* Gesellschaftszimmer des Klubheim dene Kurse und Vorträge abgehalten -werden, die sich eines großen Zuspruches der Mitglieder erfreuen. Wir bemühen uns in unserer kulturellen Arbeit, Interesse und Liebe für das jüdische Volk, das jüdische Land, die jüdische Geschichte und Kultur zu wecken und das Band der Solidarität um die jüdische Frau zu .schlingen. Das eigene Heim soll uns ein wahres jüdisches Kulturzentrum werden., die abseits stehenden Frauen zum Judentum zurückzubringen und sie mit jüdischem. Lebensinhalt zu erfüllen. Wir bemühen uns unermüdlich und erfolgreich, unsere Mitglieder mit den Schätzen der Vergangenheit vertraut zu machen, ihnen die Schönheit der jüdischen Gegenwart in Palästina zu zeigen; und sie zu bewußten Kämpferin? nen für.das jüdische Volk und das jüdische Palästina zu erziehen... ..... Endziel und Aufbauplan Von DivEmil Schmorak (Lemberg), Präs, der Zion. Landesorganisation für Ostgalizien Es gehört zu den wesentlichen Bedingungen einer erfolgreichen, zeitgemäßen Führung von großen nationalen oder-sozialen Bewegungen, daß sie neben dem Endziele, welches als eine ferne Vision in der Vorstellung des Volkes lebt, klar lunrissene Zwischenziele als Marksteine und Etappen des Endzieles so volkstümlich und zielbewußt formuliert, daß diese imstande sind, im hohen Maße die Volksenergien zu spannen und auszulösen. Die Fähigkeit, große und anziehende Lösun: gen zu finden und zu popularisieren, war zum Beispiel das Geheimnis des Erfolges deB Sowjetregims und . der Hitler-Bewegung. Außer dem visionären Endziele gab es immer-nähere und weitere .Ziele, welche die Phantasie und soziale . Arbeitsfreude des ganzen Volkes, insbesondere aber der Jugend, im entscheidenden Maße beeinflußten und zur Tat trieben. In einem gewissen, viel bescheidenerem . Sinne gilt dasselbe auch von der neuen Wirtschaftspolitik Roosevelts in Amerika. Fünfjahrpläne, Industrialisierung, Arbeitsschlachten, Freiheit durch Aufrüstung, neue Wirtschaftspolitik und dergleichen mehr — das sind Beispiele einer solchen großzügigen Leitung. Hier ist die Psychologie des heutigen Menschen, insbesondere der Jugend, erkannt und erfolgreich verwendet worden. Die zionistische Bewegung hat seit Herzl diese Fähigkeit des Entflammens der Volksphantasie für konkrete, große, nähere Ziele immer im starken Maße besessen und damit ihre großen Erfolge errungen. Die Herzische Idee der Weltorganisation, des Schekels, des Keren Kajemeth und Keren Hajessod, die Idee der Chaluziut, waren ebensolche Lösungen und Marksteine auf dem Wege der nationalen Renaissance. Alle unsere konkreten Errungenschaften der letzten 40 Jahre verdanken wir diesen glücklich formulierten Teilzielen, welche uns dem Endziele näher gebracht haben. In den letzten Jahren scheint aber unsere Bewegung diese Fähigkeit im erheblichen Maße zu verlieren, oder aber, sie ist sich dessen nicht bewußt, wie wichtig es ist, diesen imponderabilen Teil unserer Bewegung zu pflegen und zu erneuern. Unsere Losungen, die . zuletzt unserer Bewegung großen Schwung , verliehen haben, waren Keren Hajessod und Chaluziut. Letztere war übrigens schon seit den Bilujum bekannt. Schließlich kam noch hinzu das Ziel der Schaffung des Typus eines arbeitenden jüdischen Bauern. Diese Losung ist im Prinzip Weits realisiert und die tausendfache Wiederholung dessen, was auf diesem Gebiete in Emek oder Wadi Cbawarith. geschaffen wurde, scheint nunmehr in das Gebiet der systematischen Arbeit ’ zu gehören. Neue Ziele sihd nicht formuliert worden. Man kann' natürlich einwenden, daß unsere - früheren Losungen alle Grundeleraento des nationalen Daseins zum Gegenstand hatten und daß diese Elemente bereits lückenlos erfaßt worden sind. Nationale Finanzinstrumente, jüdischer Bauern und Arbeiterstand, Städtebau und Industrie, hebräische Kultur usw. — das alles war und ist in unseren früheren Zwischenzlelen .enthalten und formuliert. Alles weitere muß und soll nur dem Aufbau dieser Zweige des nationalen Lebens und des Aufbauprozosses dienen. Diese Auffassung mag richtig sein vom Standpunkt einer großen Kolonisationsgesellschaft, — vom Standpunkt einer nationalen Bewegung des XX. Jahrhunderts ist sie sicherlich -verfehlt. Die Erfahrungen des Sowjetregiines und nicht nur dieöo allein, sind-der-beste Beweis dafür, daß die Zwischenstufen eines Aufbauprozesse« noch immor reichen Stoff für volkstümliche Losungen, Gemeinschaftssinn und Betätigung, des Volkes bieten. Wir verkennen einfach das spezifische Gewicht von neuen Losungen gerade in dem Aufbauprozeß' Palästinas und tragen so zur Verseichtung der imponderabilen Grundlagen der Bewegung' bei. ’ Es kommt eben darauf an, Umbau- und Äufbauziele nicht nur wissenschaftlich oder wirtschaftlich zu begründen und hiefür den finanziellen Weg anzudeuten, sondern bei der Erreichung dieser Ziele, das aktive Interesse des Volkes, seihe Mitarbeit in jedem Stadium, sein Verbundensein mit dem Fortschritt, Gelingen und Gedeihen'zu wecken und wachzuhalten. Dieses Gebiet wurde aber fast ganz vernachlässigt. Mit großer Mühe gelingt es noch, das Interesse weiter Schichten des Volkes für den Keren Kajemeth aufrechtzuerhalten. Schon der Keren Hajessod ist eine Angelegenheit eines sehr engen Personenkreises in jedem Lande. Wie soll denn das anders aussehen, wenn die große zionistische Öffentlichkeit, insbesondere unsere Jugend über die rein kolonisatorischen Aufgaben der Bewegung, über ihre nächsten und weiteren Ziele, über den Wert-und Bedeutung dessen, was schon erreicht wurdo und was in den nächsten fünf oder zehn Jahren geschehen kann und soll, eine sehr ungenaue, mehr oder weniger nebelhafte Vorstellung besitzt. Aber auch das gilt nur von diesem Teil unserer Bewegung, welcher an und für sich für solche Fragen Interesse hat; die überwiegende Mehrheit hat gar keine Beziehung zu all diesen Problemen. Unser Aufbauwerk ist aber für die nächsten Jahrzehnte in der Hauptsache eine kolonisatorische Aufgabe und kann nur dann gelingen, wenn das Volk, oder zumindest sein aktiver Teil, den kolonisatorischen Problemen stets ein lebendiges Interesse entgegenbringt und die hauptsächlichen kolonisatorischen Ziele miterstrebt und mit erlebt und an deren Verwirklichung tätigen Anteil nimmt. Der gegenwärtige Zustand hat seine Gründe. Wir haben bis heute nicht vermocht, einen großen Aufbauplan zu entwerfen, weder einen wirtschaftlichen, noch (Fortsetzung auf Seite 12 )

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