Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 500 (19.11.1935)
- Date
- 1935-11-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite 6 Dlf STIMM! Du QtütkwuMcU des OfacboMUhus De. Teüdtlwang. Diese „Stimme“ trägt die Zahl „fünfhundert“ an der Stirne. Ist das ein Anlaß zu besonderer Freude? Ihre Festnummer erscheint zu einer Zeit, in der „Keren Hajessod“ sein fünfzehnjähriges Bestehen feiert. Das ist ohne Zweifel für die Judenheit der ganzen Welt, welche die Zeit begreift und deren Sinn erfaßt, ein ernster Grund, glücklich darüber zu sein, daß es einen “Keren Hajessod“ gibt. Es ist aber auch durchaus nötig, daß es eine „Stimme“ gebe, die unaufhörlich mahnt und ruft, lobt und tadelt, belehrt und erzieht', die Juden Österreichs daran erinnert, daß es ihre heilige Pflicht ist, am Aufbau Palästinas und der Heimstätte für unser verfolgtes Volk mitzuarbeiten; im Staat und in der Gemeinde für die eifrigste Pflege der jüdischen Religion, Kultur, Literatur und Wissenschaft Sorge zu tragen und deren Träger in Ehren zu halten. Die „Stimme“ hat das Recht der Juden zu wahren und zu verteidigen, wo es verletzt wird und jeden Angriff auf die Ehre des Judentums kräftig zurückzu weisen. Alles mit vornehmen Mitteln wahrhafter Bildung im gegebenen Rahmen jüdischer Art und Gesittung. Nur so kann Frieden im eigenen Lager gestiftet, Hader und Zwist vermieden werden. Die „Stimme“ hat dieses große, schwere Programm zu erfüllen getrachtet. Von der „Stimme Gottes“ heißt es, daß sie, als sit cm Sinai gehört wurde, siebzigfachen Wiedt'rhall fand in siebzig Sprachen. Ich will nicht übertreiben und sagen, daß „Die Stimme“ diesen Vergleich vertragt. Sie versuchte es, sich in den Dienst der ewigen Wahrheiten des Judentums zu stellen, ohne die realen Forderungen der Gegenwart zu übersehen; das Zeitgebundene ist oft Feind des Ewigen; die Forderung der Stunde ist hart und bar der Ideale; Not kennt kein Gebot. Das begreifen wir. Über allem steht der Geist; auch im Kampfe muß Noblesse bewahrt bleiben und in allem, was eine jüdische Stimme kündet, muß der jüdische Überton hörber sein. Politik ist keine Romantik; Politik ist aber auch kein Freibrief für zügellosen Haß. Des war sich die „Stimme“ bewußt, soll sie sich bewußt bleiben für alle Zukunft; sie sei Ausdrucksorgan echter jüdischer Gesinnung für das jüdische Volk und den jüdischen Glauben. Glück begleite sie auf diesem Wege zu dem Ziele, das wir erreichen wollen: Ruhe und Recht im Vaterlande; innerlich und äußerlich gefestetes jüdisches Wesen, Erez Israel. feüß au „DU Stimme" Von Staatsrat Dr» Desider Friedmann, Präsident der lsr. Kultusgemeinde Wien Ich freue mich, Anlaß zu finden, der Redaktion der mutigen und aufrechten „Stimme“ zu der Ausgabe ihrer 500. Nummer die herzlichsten Glückwünsche zu senden. Diesem Blatt, das für die jüdische Idee und die zionistische Arbeit kämpft und sich so tapfer für die Verteidigung unserer Rechte einsetzt, gebührt unser aller Dank. Ich fasse aber die „Stimme“ nur als Vorstufe für eine jüdische Tageszeitung auf, die wir alle als dringendstes Erfordernis ansehen. Ich bin überzeugt, daß bis dahin die „Stimme“ weiter so zielbewußt und energisch ihren Kampf fortsetzen wird. T&stiafy <Ut //StiitiUtä Von l>r. Jakob Ehrlich NACH RENOVERUNO NEUERÖFFNET! Cafi'.National 2. BEZIRK, TABORSTRASSE 18 SSmtllehe jüdischen Zeitungen Neue Leitung: O. RAPAPORT (Vegeterle) MATURA- STUDIENBERATUNG unter Leitung des Hofrates Dr. H. MONTZKA, Gym.- Dir. i. P. Verin „Studienhiife“. 'Lehrinstitut „Universum“). IX., Garnisongasse 8. Tel. A 20-4-48. Die in Wien erscheinenden zionistischen Zeitungen haben eine große Tradition zu wahren. Da Wien der Geburtsort des politischen Zionismus war, ist auch die erste Zeitung der jüdischen Renaissancebewegung, die „W e 11“ hier erschienen. Theodor H erzl schrieb in diesem Wochenblatt viele heute noch unvergessene Aufsätze, schrieb sie, oft schmerzgebeugt, geradezu mit seinem Herzblut, oft in wild aufloderndem Zorn, mit der Leidenschaftlichkeit und dem sittlichen Pathos unserer alten Propheten. Als nach Herzls Tod der Sitz des zionistischen Aktionskomitees nach Köln verlegt wurde, übersiedelte auch die „Welt“ dahin, und in Wien übernahm die „Jüdische Zeitung“ ihre Rolle. Auch sie verdient an dem heutigen Tag eine besondere Erwähnung. Sie war ein vorzüglich geschriebenes Kampfblatt, dem viele junge Leute in uneigennütziger Weise dienten. Der im Alter von 28 Jahren verstorbene Rudolf Nassau gehörte zu ihren begabtesten Mitarbeitern, und auch der heutige Chefredakteur der Berliner „Jüdischen Rundschau“, Dr. Robert W e Ls c h, verdiente sich hier seine ersten schriftstellerischen Sporen. Nach dem Krieg wurde von. Robert Stricker die „W iener Morgenzeitung“ gegründet, ein Tagblatt, das in den stürmischen Tagen nach dem Umsturz der österreichischen Judenschaft vorzügliche Dienste leistete. Man kann also, selbst wenn man»von den Wiener Vorläufern der seit Theodor Herzl erschienenen Zeitschriften absieht, vier Jahrzehnte in der Wiener zioästischen Presse ncchblättern und freut nch des Siegeszuges, den der Zionismus seither zurückgelegt hat, freut sich des kämpferischen Geistes, der einem aus den alten Blättern entgegenschlägt, der Fülle von Anregungen und Gedanken und — 1st gleichzeitig betroffen von der Ster ilität der Gegner des Zionismus, die, so weit sie heute überhaupt noch vorhanden sind, jene Einwände Wiederkäuen, die schon in der Herzischen Zeit ihr tägliches Brot waren. Gerade in unserem Bundesstaat, der auf der' christlich-deutschen Weltanschauung aufgebaut ist, ist eine jüdische Presse notwendig, welche die Stellung der Judenschaft klar, eindeutig und offen umschreibt, ln dem christlich-deutschen Ständestaat müssen sich die Juden selbstverständlich mit der Rolle einer Minderheit bescheiden. Sie haben Anspruch darauf, vollwertige Mitglieder des österreichischen V ol k e s zu sein, sie sind aber eine Minderheit nach ihrer nationalen Zugehörigkeit und ihrem religiösen Bekenntnis. Als Angehörige des österreichischen Volkes werden wir dem Staate gegenüber restlos unsere Pflicht erfüllen, aber auch verlangen, daß wir gleich jenen Mitbürgern behandelt werden, die dem christlich-deutschen Kulturkreis angehören, den wir rückhaltlos respektieren. Als Angehörige einer in der Minderheit befindlichen kulturellen Gemeinschaft haben wir aber auch das Recht und die Pflicht zur Wahrung unserer eigenen kulturellen Güter und den Anspruch auf die Unterstützung des Bundes bei Erfüllung dieser unserer Aufgaben. Als Minderheit stehen wir auch unter dem Schutz der aus dem Friedensvertrage in unsere Verfassung auf genommenen Bestimmung en zum Schutze der Minderheiten. Es ist nie ht eines der geringsten Verdienste der „Stimm e“, daß sie auf die Wichtigkeit dieser Bestimmungen immer wieder h i ng e wiese n h a t. Wir haben die volle Überzeugung, daß eine gesetzliche Diskriminierung der jüdischen Bürger in unserem Bundesstaate auch dann unmöglich wäre, wenn die Verpflichtungen zum Schutze der Minderheiten nicht bestünden. Die Erklärungen des Bundeskanzlers haben wir mit größter Genugtuung aufgenommen. Aber das Beispiel des benachbarten Deutschland hat uns die Wichtigkeit solcher Schutzbestimmungen deutlich vor Augen geführt, die den Grundsatz enthalten, daß kein Bürger wegen seiner Abstammung oder Religion schlechter gestellt werden darf, ln ganz Deutschlang wurden 'die Juden durch eine barbarische Gesetzgebung vollständig rechtlos gemacht. Nur in der Provinz Oberschlesien, die zum ehemaligen Abstimmungsgebiet gehört und in welcher nach der Genfer Konvention die Bestimmungen zum Schutze der Minderheiten gelten, sind sie wenigstens vor den ä r g s t e n D i f f amierung en verschont geblieben. Die Nürnberger Gesetze und die Ausführungsvorschriften dazu, soweit sie mne unterschiedliche Behandlung von deutschen Reichsangehörigen zur Folge hätten, finden auf das oberschlesische Abstimmungsgebiet keine Anwendung und auch das beschämende Gesetz, durch welches deutsche Hausgehilfinnen eines gewissen Alters in jüdischen Haushalten verboten sind, tritt dort nicht in Kraft. 'Väre. dem ganzen Deutschen Reich im Friedensvertrag ler Schutz aller Minderheiten zur Pflicht gemacht worden, hätte sich der nationalsozialistische Sadismus nicht in seiner erschreckenden Hemmungslosigkeit aus oben können. So sehr wir an der „Stimme“ hängen st sie für uns nicht Selbstzweck, und des halb möchte ich selbst an ihrem heuti V en Ehrentage den Wunsch aussprechen daß alle Energien, die auf die Herausf/abe der vielen zionistischen Wiener Zeitschriften verwendet werden, zusammengefaßt werden mögen, um ein würdiges Organ zu schaffen, das täglich zu dev österreichischen Juden sprechen könnte. Sollte dies unerreichbar sein, möge es der „Stimme“ beschieden sein, ihre tau send st e Nummer in einem viel kür zeren Zeitraum erscheinen zu lassen, als sie zur Herausgabe ihrer ersten fünf hundert Nummern benötigte. DEN PRIVATANGESTELLTEN DIE VORSORGE-VERSICHERUNG DIK LEISTUNG MONATLICHE PRÄMIE SCHILLING' S 300’— S 15 — S 300*— UNFALL- INVALIDITÄT S 300*— KOSTEN. BEITRÄGE: 5 100*— LEBENS vERS.-GES. PHÖNIX WIEN, I., R I E M E RC ASSES Nr. 500 — 10. November 1935 iine- Botschaft Bcof. Boodetskys Es ist in dieser schweren Zeit eine beachtenswerte Leistung, wenn eine zionisiische Zeitschrift ihre 500. Nummer herausgeben kann. Ich beglückwünsche die .,S t i m m e“ herzlich zu diesem Jubiläum und mit ihr alle Zionisten, die ihr treu zur Seite gestanden sind und die mit ihr zusammen die Fahne des Zionismus Jahre hindurch mit Mut und Würde hcchgehaU len haben. Ihre Organisation hatte öfters innere Unstimmigkeiten zu überwinden. Aber die „S t i m m e“ hat zweifellos die Sache des Zionismus unter schwierigen Bedingungen, mit denen einmal jede Monistische Führung rechnen muß, immer mit Pflicht gegenüber den Idealen des Zionismus loyal erfüllt und bei der Wahrung der Integrität der zionistischen Bewegung erfolgreich mitgewirkt. . ' Die schwierige Situation desK Jüxleiiiums macht es heute mehr denn je zur Pflicht, die Integrität der zionistischen Bewegung zu erhalten und die Einigkeit in jüdischen Volk zu fördern. Im Innern der zionistischen Bewegung mag es Differenzen in verschiedenen Fragen geben. Nichts aber ist so gefährlich für den 'Zionismus und für das jüdische Volk, als 'ine Bewegung, die darauf ausgeht, eine Spaltung herbeizuführen. Immer mehr 'wicht sich im jüdischen Volk und in der licht jüdischen Umwelt die Erkenntnis Bahn, daß einzig und allein der Zionismus eine radikale und gerechte Lösung ier Judenfrage ermöglicht und daß jeder Versuch, Spaltungen im Zionismus zu erweitern oder zu betonen, den ständigen vortsrhritt des Palästinaaufbaues und He Vereinheitlichung der Judenheit in ler Diaspora hemmt. Ich kann es mir ersparen, hier die gewaltigen Erfolge des Zionismus im Palästina-Aufbau anzuführen. Diese sind allen Lesern der „Stimme“ bekannt. Unsere Leistungen in Palästina sind für jedermann sichtbar und haben die Anerkennung der ganzen Kulturwelt gefunden. Erst kürzlich hat die Völkerbundversammlung dem Werk der Jevish Agency volle Anerlzennung gezollt. Das Werk des Aufbaues der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ist heute für die Juden in der Diaspora, deren Stellung in manchen Ländern immer prekärer wird, die einzige Quelle von Trost und neuem Lebensmut. Es ist das Privileg und die Pflicht eines zionistischen Organs, diese Hoffnung und diesen Lebensmut zu. stärken. Ich bin tief davon durchdrungen, daß die „S t i m m e“ auch in der 'Zukunft diese Aufgabe mit aller Kraft und Begeisterung erfüllen wird.