Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 500 (19.11.1935)
- Date
- 1935-11-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 500 — 19. November 1935 OIK «TIMMS Seit« 5 wir die ungeheuren Kräfte, die i-n der jüdischen geistigen Schöpferkraft liegen, zusammen fassen und dadurch vervielfachen können. Jetzt ist die Zeit gekommen, da wir dieses gewaltige Aktivum unseres Volkes uns selbst nutzbar machen können, ohne da bei die andern zu schmälern. Wer von un* weiß denn überhaupt, welche Wissensgebiete wir bearbeiten und ständig be reichern! Verzettelt und unheka.nnt in ihrem Wert für uns arbeiten tausende jüdische Gelehrte in aller Herren Länder, bekannt*1 und noch mehr unbekannte Soldaten im Kampf um den Fortschritt der Menschheit viel mehr als in jedem anderen Volk. Wie oft kommt es vor, daß bei den un geahnten Möglichkeiten, die sich beim Neu aufbau von Erez Israel eröffnen, irgend eir Spezialfachmann dringend benötigt wird, und daß wir keine Ahnung davon haben, daß wir in unseren eigenen Reihen solche besitze®. Die Erfassung der jüdischen Gelehrtenwelt aller Wissensgebiete ist eine dringende Notwendigker geworden, eine Notwendigkeit für uns, eine Notwendigkeit für die Gelehrten selbst und eine Notwendigkeit für Erez Israel. Bei die sen Bestrebungen werden die jüdischen Kor porationen in den einzelnen Ländern die wichtige Aufgabe haben, durch Verbreitung und Beantwortung von entsprechenden Fragebögen wertvollste Arbeit zu leisten. Wenn uns diese Erfassung und Organisie rung gelungen sein wird, werden wir selbst darüber staunen, wie viele Kräfte wir besitzen und was für eine weittragende Waff«1 wir dadurch auch gegen die unerhörten Angriffe des nationalsozialistischen Deutsch lands in die Hand bekommen. Und hier möchte ich noch einen Gedanken einschalten, der damit im engsten Zusammenhang steht: Die Schaffung einer jüdischen Akademie der Wissenschaften mit dem Sitz in Jerusalem. Dieser Akademie im religiösen Zentrum der halben Welt, im werdende® geistigen Zentrum unseres Volkes — anzugehören, wiri eine ganz große Ehre bedeuten und mit dieser ehernen Wand geistiger Kraft wird das jüdische Volk eines der stärkste® Bollwerke gegen die Diffamierung seitens seiner Feinde errichtet haben. Heute aber ist die* alles noch Zukunft, heute müssen wir erst die Voraussetzungen und die Grundlagen dazu schaffen und diese Grundlagen liegen einerseits in der Organisierung unserer geistigen Kräfte und zweitens in der Schaffung eines eigenen wissenschaftlichen Zentralorganes in Palästina. Aber, wir ßtehen auch hiebei erst am Anfang: In keinem Kulturstaat ist die Arbeit der For- EPHRUSSI&CO. GEGRÜNDET 1856 Bankgeschäfte aller Art Abteilungen für Wertpapiere u. Devisen WIEN, IX., WASAGASSE 2 eohung so erschwert, wie gerade in Palästina. Die Mittel, die für diese Zwecke zui Verfügung stehen, sind ja noch nicht wie überall anders Staatsmittel, sie sind außerordentlich knapp infolge der Anforderun gen, die die unmittelbaren NotwenJigkei ten heute a® die Fonds stellen. Und alle, die unten arbeiten, beklagen sich, daß sm besonders stark unter dem Zeitschrll tenmangel zu leiden haben. Es muß nicht erst erklärt werden, wie schwierig es ist, ohne genügende Literaturunterlager wissenschaftliche Untersuchungen anzustellen. Dazu kommt noch ein zweites, noch wich tigeres Moment: Fast alle Arbeiten sind in fremden Zeitschriften, meistens in deut sehen, publiziert. Der Fachmann liest, db Arbeit, er merkt sich auch, wenn er spj zielles Interesse am Inhalt nimmt, de*1 Autor, kaum jemals aber wird er sich daz. auch noch den Wohnort des Autors merken Von Wichtigkeit ist für ihn nur noch de Ort des Erscheinens. Und in den für di1 Verbreitung noch wichtigeren Zitate*, kommt dies noch stärker zur Geltung. Beides aber, sowohl dieser Umstand at* auch der Zoitschriftenmangol, läßt sich ohne Schwierigkeit zu unserem Vorteil ändern. SIMPL DER TRIUMPH DER SAISON! Hier stehen wir vor einer im Gegensatz zu anderen jüdischen Probleme® leicht, zu lö -enden Aufgabe. Die Herausgabe eines wissenschaftlichen Zentralorgane* in Palästina, dessen hohes Niveau von vornherein durch die Mitarbeiter verbürgt wäre, orächte nicht nur alle notwendigen Literatur unter lagen im Tauschweg ins Land, sondern es wäre auch zugleich der Ort, an dem die jüdische® Forscher ihre Publikationen unterbringe® könnten. Auch manchem jüdischen Forscher im Galuth, dem vielleicht die Tore der Publikation anderswo versperrt sind, wäre hier, wenn die Arbeit dem Rahmen entspricht, ein Weg freigelegt. Vor allem aber, und das ist das weitaus wichtigste, würde ein solches Zentralorgan in außerordentlichem Maße das Ansehen des jüdischen \ o I k e s> in der ganzen wissenschaftlichen Welt vermehren. Dieses Moment, und noch dazu in der heutigen Zeit, ist nicht zu bagatellisieren. Eine solche Zeitschrift von international anerkanntem Niveau liegt so wie jede andere in allen wissenschaftlichen Instituten auf und muß automatisch von sämtlichen Wissenschaftlern der Welt gekannt und gelesen werden. Es wäre einer der wirkungsvollsten Gegen - schläge gegen die ständigen Diffamierungsversuche Deutschlands, die auf die Dauer viel gefährlicher sind, als sie manchem scheinen mögen. Vor fast tausend Jahren haben wir der Welt das unerhörte Geschenk der Universitätenais Lehr- und Forschungsinstitute gegeben. Seit so vielen hunderten Jahren zehrt die Mensch heit an diesem Werk, das zu einem so großen Teil unser geistiges Werk ist, un i erst jetzt haben wir unsere eigene Universität geschaffen, die aber schon heute, erst zehn Jahre nach ihrer Gründung, zu den stolzesten Werken gehört, die der jüdischen Emeuerungsbewegung ihr Entstehen verdanken. Ihre volle Auswirkung aber kann sie erst dann erreichen, wenn die großen jüdischen Leistungen durch ei® jüdisches Organ der wissenschaftlichen Welt zur Kenntnis gebracht werden können. Die Bedeutung dieser Zeitschrift ist so groß und die dazu notwendigen Mittel im Verhältnis dazu so klein, daß es wohl nur eine Frage von wenigen Monaten sein wird, daß sm zustande kommt. Die wenigen Subskriptionslisten aber werden bald ein Denkmal von historischer Bedeutung sein und jeder ein zelne, der ein Gründerabonnement übernimmt, wird sich damit ein Denkmal gesetzt haben, das dauernder ist als jedes Denkmal von Stein — ein echtes jüdisches Denkmal — ein Denkmal im Geiste. £\v\\\\\\\\m 50 | JAHRE I g 1885-1935 t MÖBEL KOSTENLOSE ARCHITEKTEN-BERATUNG J. SPIRA TISCHLERMEISTER VII., SIEBENSTERNGASSE 1 Osterr. Komitee der JewisK Agency Keren Hajessod Land dev Vevheißung Ein Fox-Movietone-Film der Urim Palestine Company Ltd., Jerusalem Darsteller: Das Jüdische Volk beim Wiederaufbau Palästinas Festpremiere am Sonntag, 24. November 1935,11 Uhr vormittags, im Apollo-Theater, Wien, VI. Kartenvorverkaufsstellen: M. Neumann, Wien, I., Kärntnerstraße 12, Tel. R 28-1-81 Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 28-2-36 Buchhandlung R. löwit, I, Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53 Bücherstube M. Rath, II., Taborstraße 20a, Tel. R 45-305 Buchhandlung F Ich. Lanyi, I., Kärntnerstr. 44, Tel. B 26-3-33 Keren Hajessod, I., Marc Aurelstraße 5, Tel. U 22-2-17 und an der Tageskasse des Apollo: Wien, VI., Gumpendorferstraße 63, Tel. A 34-5-50. ACHTUNG - BRUCHLEIDENDE Volle Aktionsfähigkeit and Beseitigung von alten Beschwerden auch b schwersten Bruchleiden durch Spetiaibanaagen nach Dr, Batrire (ohne teder. und „A BS O* - Bruchbänder mit drehbaren Schwammgummipelotlen, Alleinverkauf. INSTITUT BSTANDIG, Wien 1, Freyung 6 falUtra&b Neue MeinlKaffee Mischung Ä m MOCCA Arroiisa Ä- * j mLBiK y4. Julius Meinl Gegr.1862 Eine neue Giftrede des Mini• sters Heß Auf dem Reichsbauerntag in Goslar Ist die Fettknappheit Deutschlands besprochen worden. Der Staatssekretär Darre erklärte, daß das Fettproblem ein Devisenproblem sei. Der Stellvertreter Hitlers, der Minister Heß, hielt eine antisemitische Brandrede, in der er sagte: „Nachdem Hitler mit seiner Gegenorganisation die bolschewistische Organisation in Deutschland niederwarf, setzte der im Judentum verkörperte Bolschewismus den Kampf von außen her fort. Denn nichts anderes sei die jüdische Boykotthetze gegen die deutschen Waren. Man wollte Deutschlands Ausfuhr weiter abwürgen, damit die Einfuhr von Lebensmitteln weiter zurückging mit dem Erfolge, daß Hunger in Deutschland ausbreche und das Hitler- Regime abgelöst 'würde. Die Erzeugungsschlacht sei im wesentlichen eine Abwehrschlacht gegen den Bolschewismus." Die Wahrheit ist, daß fast das gesamte in Deutschland erzeugte Fett in der Rüstungsindustrie verbraucht wird und daß die Bauern den Staat sabotieren. Hitler läßt jetzt die Juden verantwortlich machen. GRABSTEINE AUS DEN WERKSTÄTTEN WULKAN 6 NEUBRUNN SIND VON ERSTER QUALITÄT UND DOCH NICHT TEURER III., RENNWEG Nr. 110 U 19-0-25 Winterhilfe in Deutschland Auf einem Transparent für die Winterhilfe, das quer über einer Straße der Stadt Mülheim a. d. Ruhr angebracht ist, kann man folgendes lesen: „Niemand soll hungern, niemand soll frieren. Aber die Juden sollen krepier e n!“ Ing. Oskar Aschermann im Prager Stadtrat Prag, 15. November. (2. T. A.) Wie die „Selbstwehr“ mitteilt, wurde Ingenieur Oskar Aschermann für die .Jüdische Farteiin den Prager Stadtrat berufen. Ing. Aschermann, 1887 geboren, war schon in der Vorkriegszeit aktiv zionistisch tätig. Nach der Rückkehr aus dem Felde war er Mitglied des zionistischen Distrikts- Komitees für Böhmen und des zionistischen Landeskomitees. Nach einem längeren Auf- •tithalt in Palästina übernahm er die Leiung der tschechoslowakischen Sammel- •tolle des Keren Kajemeth Lejisrael, der nter seiner Führung einen großen Aufcliv.mg nahm.