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Die Stimme · 1935-11-19 · Heft 500 (19.11.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 500 (19.11.1935)
Date
1935-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 016 tflMMI Nr. 500 — 19. November 1935 I CAF£ WEGHUBER (hinter dem Deutschen Volkstheater) Samslaflf Sonn- und Feiertag i Konxertf T»nx und Stlmmungsmusik Beginn ‘/*9 Uhr abends * Besucherkarte 60 g KAPELLE ISY GEIGER Das aktive Budget Palästinas Jerusalem, 14. November. (2. T. A.) Die „Palestine Gazette“ veröffentlicht die Bilanz der Palästina-Verwaltung für das Halbjahr April bis September 1935. In diesem Zeitraum betrugen die Einnahmen der Palästina-Regierung 2,968.611 Pfund, die Ausgaben 1,724.929 Pfund. Der Verwalten gsüberechuß, der am 1. April 1935 4,733.555 Pfund betrug, wurde in diesem Halbjahr auf 5,977.237 Pfund erhöht. Das 219.363 Pfund betragende Defizit der Palästina-Bahnen ist in dieser Aufstellung nicht berücksichtigt. Der Geldumlauf. Wie amtlich mitgeteilt wird, betrug der Geldumlauf in Palästina Ende Oktober 7.545.134 Pfund. Hiervon entfielen auf Noten 6,946.594, auf Sdbermünzen 507.500, auf Nickeimünzen 84.000 und auf Bronzemiinzen 7040 Pfund. Die Sanktionen Jerusalem, 14. November. (2. T. A.) Der Präsident der arabischen Handelskammer von Jaffa erklärte einem Vertreter der Tageszeitung ,,A1 Dschamea al Islamia“, die arabischen Pflanzer ßeien davon überzeugt, daß die Sanktionen der Völkerbundstaaten gegen Italien, die ein Einfuhrverbot für italienische Waren vorsehen, sich auf die Ausfuhr von Zitrusfrüchten aus Palästina in diese Länder g ü n s t i g amwirken werden. Man rechne in den Kreisen der Pflanzer mit einer starken Steigerung der Ausfuhr nach dem europäischen Kontinent und in noch stärkerem Maße nach England. Cescf)ka-Hüle ☆ VH-, Kaiserstraße 125 IX., Alserslraße 6 Die Baubewegung 1 Die neuesten statistischen Angaben über 'die städtische Baubewegnmg in Palästina in den Jahren 1933 und 1934 legen die Entwicklungstendenzen auf diesem Gebiet innerhalb der letzten Zweijahresperiode dar. Die Zahl der Baulizenzen ißt von 7369 im Jahre 1933 auf 8174 im Jahre 1934 gestiegen. In den vier größten Städten — Jerusalem, Tel-Aviv, Haifa und Jaffa — wurden 1933 5,284.400 Pfund (94% des gesamten Baukapitals) in Neubauten investiert, 1934 betrugen die Investitionen in diesen vier Städten 6,259.300 Pfund (90% der Geeamtsumme), wovon 31% im Jahre 1933 und 36% im Jahre 1934 auf Tel-Aviv entfallen. In den großen jüdischen Siedlungen Petach Tikwa, Ramat Gan, Reohowot und Rischon le Zion wurden 1933 187.970 Pfund (3’4% des gesamten Baukapitals) in Neubauten angelegt, 1934 sind die Investitionen jedoch auf 556.112 Pfund (8% der Gesamtsumme) gestiegen. Rechnet man somit von den 26 in der Statistik berücksichtigten Ortschaften die vier größten Städte und die vier größten jüdischen Kolonien ab, so entfallen auf die übrigen 18 (zum größten Teil arabischen) Ortschaften zusammen nur 2% des investierten Baukapitals. Hervorzuheben ist, daß die Baubewegung in Jaffa im Jahre 1934 Investitionen in der Höhe von 841.000 Pfund gegenüber 248.600 Pfund im Jahre 1933 gebracht hat, in Nablus sind die Investitionen von 5300 auf 10.500, in Gaza von 5445 auf 11.715 Pfund gestiegen. Der Kapitalsaufwand für öffentliche Arbeiten der Gemeinden mit Selbstverwaltung ist von 109.975 Pfund im Jahre 1933 auf 312.422 Pfund im Jahre 1934 gestiegen. An dieser Steigerung ist überwiegend Tel-Aviv beteiligt (von 19.216 auf 132.417 Pfund), ferner Jaffa (von 11.500 auf 121.600 Pfund.) Der prozentuelle Anteil dieser beiden Städte an der für öffentliche Arbeiten bestimmten Gesamtsumme ist von 28% auf 80% gestiegen. In Jerusalem dagegen sind die Ausgaben für öffentliche Arbeiten von 24.346 Pfund im Jahre 1933 auf 10.474 Pfund im Jahre 1934 gesunken. Das Ärztewesen in Palästina Kürzlich sprach in der Vereinigung jüdischer Ärzte Dr. Philipp R e z e k über das Ärztewesen in Palästina. Der Vortragende schilderte die Lebensbedingungen der jüdischen Arzte in Palästina und die Vorschriften über die Erteilung von Lizenzen an Ärzte. Bekanntlich werden nach dem 1. Dezember Ärztelizenzen nur in einem sehr beschränkten Umfang erteilt werden. Die Zahl der Lizenzen wird kontingentiert und der Oberkommissär wird jeweils die Zahl der in einem Jahr zu erteilenden Lizenzen feststellen. Der Vortragende bezeichnete es als wünschenswert, daß alle nach Palästina gehenden Ärzte vorher einen Kurs über tropische Krankheiten mitmachen sollten, und regte (Schluß) Vor unseren Augen, in einer Zeit, in der noch fast überall solche gegenseitige Beziehungen entweder gar nicht vorhanden sind oder sich womöglich in negativem Sinn auswirken, in dieser Zeit hat sich ein kleiner Kern jüdischer Naturforschung entwickelt, der nicht nur Dienet an der Menschheit, sondern zugleich auch Dienst am Judentum ist. In Palästina arbeiten jüdische Forscher Tag und Nacht — dies ist keine Übertreibung — an der Erforschung ungemein wichtiger Probleme. An Problemen, deren Lösung für den ganzen Aufbau von Erez Israel von immenser Bedeutung ist, die aber darüber hinaus auch von Bedeutung für die ganze Menschheit sind. Daß diese Forschungen Rulturerrungenschaften dos jüdischen Volkes sind, ist für jeden Menschen, auch für unsere Feinde, eine Selbstverständlichkeit. So selbstverständlich, daß es darüber gar nicht erst zu einem Nachdenken kommt, es ßteckt von Haus aus im Unterbewußtsein der Welt, und das ist das Entscheidende daibeil AU Beispiel seien die Publikationen der letzten Jahre eines einzigen palästinensischem Naturforschers, des Bofcanikdozenten an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Doktor E i g, genannt, ein ganzer Stoß Bücher. Er spricht wohl englisch, französisch. OroDes li Hirt» mit 7, Hausanteil, vorzügliche Lage, gegen Kino, Haus oder entsprechendes Geschäft in deutscher Großstadt (Berlin, München etc.) zu tauschen gesucht. Unter „Erstkl. Ertragsobjakt“ Nr. 10.834 an Expedition des Blattes. deutsch und russisch; seine Muttersprache aber ist Hebräisch. Er ist ßchon als kleines Kind vor 80 Jahren nach Palästina gekommen, hat das Gymnasium in Tel-Aviv absolviert und sich dann mit der uns eigenen Energie der Botanik augewendet. In der ganzen internationalen Fachliteratur ist die Anerkennung seiner hervorragenden Arbeiten zu finden. Aber das ist nicht das Wesentliche; wesentlich ist, daß diese Anerkennung seibstveirständlich von allen und jedem, auch in Deutschland, dem Juden Dr. Eig von der hebräischen Universität ln Jerusalem gezollt wird. Genau so wie sie dem Engländer X in Oxford oder dem Franzosen Y von der Pariser Universität oder sonst einem Gelehrten irgend eines anderen Volkes gilt. Dabei kann übrigens gerade dieser X odeT Y vielleicht sogar selbst ein Judo sein, ohne daß davon irgend jemand, und meistens auch er selbst nicht, davon weiter Notiz nimmt. Die wirklich inneren Beziehungen zwischen Wissenschaft und Judentum offenbaren sich auch in den Werken selbst, da sie zum Aufbau des Landes außerordentliches beitragen. Hier ein Beispiel aus der Zoologie: So behandelt eine Arbeit dos international schließlich an, daß die Jewish Agency für solche Ärzte Zertifikate ausgeben solle, die eine entsprechende ärztliche Hachscharah mitgemacht haben. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. MitteUtandskotonisation In Palästina Jerusalem, 14. November. (2. T. A.) Die Exekutive der Jewish Agency befaßt sich gegenwärtig intensiv mit Plänen schneller Ansiedlung von Mittelständlern und Arbeitern. Während aber dio Arbeiterkolonisation auf gewisse Erfahrungen zurückbiickt und sich auf ein festes System stützt, steht die Mittelstandskolonisation erst am Beginn ihrer Entwicklung, so daß hier neue Wege gesucht werden müssen. sehr bekannten Zoologen Prof. Bodenheim e r „Die Malaria als ökologisches Problem“. Es ist eine eingehende Forschungsarbeit über die Malariaerreger und Überträger. Die Stechmücke Anopheles, von der ja auch hier in Mitteleuropa mehrere Arten existieren, wird auf ihre Lebensweise genau untersucht und das Resultat bildet die Grundlage für ihre Bekämpfung, die bekanntlich in allen jüdischen Siedlungen bisher mit größtem Erfolg durchgeführt worden ist. Kolonien, in denen diese gefährliche Krankheit noch vor zehn Jahren sehr große Opfer gekostet hat, sind heute bereits vollständig malariafrei oder die Erkrankungen sind auf eine solche Zahl herabgedrückt, wie wir sie schließlich auch in Wien in der Lobau kennen. Derartige Forschungen sind direkter Dienst am Judentum. Hier sind die Beziehungen zum jüdischen Volk eklatant und erst in zweiter Linie kommt noch hinzu, daß die hier ermittelte Methodik und die Resultate Allgemeingut sind, das der Menschheit von Juden, und zwar mit Wissen der Welt von Juden geschenkt worden sind. Mein eigenes Spezialgebiet, die Pflanzensoziologie, habe ich bisher nicht berührt. Denn es gilt auch für meine Arbeiten das gleiche, wie für alle nichtpalästinensischen Naturforscher und Beziehungen zwischen der Disziplin und dem Judentum sind aus eben diesem Grunde bisher nicht vorhanden. Ich erwähne es aber deshalb, weil ich selbst ja schon eine Ausnahme insoferne bilde, als ich seit jeher auch im jüdischen Leben mitten drin stehe und daraus auch in den wissenschaftlichen Kreisen nie ein Hehl gemacht habe. Anders ist es natürlich, wenn die Methodik dieser Arbeiten nicht nur in anderen Staaten, sondern auch in Palästina Anwendung findet und ich hoffe, daß die Errichtung einer pflanzensoziologischen Station in Erez nur eine Frage von ganz kurzer Z e i t i s t. Judentum und Naturwissenschaft beginnen aber heute noch viel weitergehendere, innigere Beziehungen zueinander aufzuweisen. als alle die, die bisher hier angeführt wurden. In den Siedlungen und Kwuzoth Palästinas sieht man heute schon die Verwurzelung von Juden und vor allem der jüdischen Kinder mit dem Boden und mit der Natur. Wir ahnen es gar nicht wie sehr uns Juden im Galufch diese innere .Verbindung mit der Natur fehlt. In den Kwuzoth ist es selbstverständlich, daß die Kinder die Pflanzen und die Tiere ihrer Umgebung kennen. Sie kennen sie aber nicht nur, sondern sie beobachten sie auch, und zwar sehr scharf. In Ejn Charod und auch in anderen Siedlungen haben die Kinder richtige Versuchsgärten und unter aschgemäßer Leitung werden dort für das Land wichtige Versuche von den Kindern durchgeführt Versuchsreihen werden in Beeten zu je 1 m* aufgestellt und die Registrierungen über Wachstum, Optimum der Doppel-Jubiläum eines bekannten Wiener Bankiers In diesen Tagen feierte Herr Kommet zklrafc Carl Bauer, der Alleininhaber des auch als Klassenlottcrie-Geschäftsstelle sehr bekannten Bank- und Wechslergesch.’iftes Albert Bauer, Wien. IV., Favoritenstraße 4, ein seltenes Doppel-Jubiläum. Vor fünfzig Jahren trat er in die von seinem Vater im Jahre 1872 gegründete Firma ein, deren Alleininhaber er seit vierzig Jahren ist. Au« diesem Anlasse stiftete dio Beamtenschaft ihrem verehrten Chef eine Bronzebüste, die durch! Bildhauer Professor Dr. Artur Fleisch* m a n n ausgeführt wurde. Saat- und Erntezeit, der verschiedene!* Düngung, der Rassen werden von ihnen' sorgfältig geführt und stellen Klassen-! aufgaben dar. Dies ist ein Novum in den Pädagogik, das auch für Europa beispielgebend wäre. Alle diese Daten aus den verschiedenen Gegenden werden gesammelt und wissenschaftlich für den Aufbau .verwendet. Auch die Beobachtungen, die die Kindel an .Wildpflanzen machen, sind manchmal von wissenschaftlichem Wert. So fand eim kleines Mäderl in Ejn Charod, daß die gelben Blumenkronblätter eines kleinen Pflänzchens, zur Zeit der Fruchtbildung grünj werden. Der hervorragende Lehrer dex Kwuzaih, Herr Kami, der selbst sehr gütg botanische Kenntnisse besitzt, überprüfte die Beobachtung und konnte sie in alle# Fällen bestätigen. Es liegt hier ein Fall der Funktionsänderung eines Organes vor, wie sie bisher noch! nicht, oder nur sehr selten im Pflanzen- und Tierreich beobachtet werden konnte. Di$ Blumenkrone, die während der Blütezeit als Schauapparat zur Insektenanloekung dienfcj bildet, wenn diese Funktion erfüllt ist, Chlorophyll (Blattgrün) aus und wirkt nur* am Stoffaufbau der Frucht mit. Es ist das eine Beobachtung, die wissenschaftlich sein bemerkenswert ist und die bisher noch votf keinem Naturforscher gemacht wurde. Es stellt selbstverständlich keine großen Anforderungen an die Beobachtungsgabe eines Menschen, daß man bemerkt, ob irgend ein Pflanzenteil gelb oder grün ist. Gamj anders ist die Feststellung zu werten, daß und wie er grün wird. Dazu gehört schon eine Liebe zur Naturbeobachtung und Geduld, ganz abgesehen von der Beobachtungsgabe selbst. Hier — und das ist kein Einzel* fall — zeigen sich Beziehungen zwischen Volk und Natur, wie sie inniger nicht mehr gedacht werden können^ und dem hohen geistigen Niveau unseres Volkes entsprechend entwickeln sich daraus Beziehungen zwischen Naturwissenschaft und Volk, wie wir sie nur selten bei anderen Völkern antreffen. Wir sehen jüd£ sehe Kinder vor uns, denen ernste Naturbeobachtung ein Teil ihres Spiels ist, jüdische Gelehrte, die an jüdischen Forschungsinstituten das Naturgeschehen im jüdischen' Lande erforschen, dio die Ergebnisse von dort aus der Menschheit zugänglich’ machen. Hier allein können wir von echten solchen Beziehungen sprechen. An diesen Werten als j ü d i s c h' e n Kulturerrungenschaften kann die Welt, auch’ wenn sie will, nicht achtlos vorüborgeheuj und sie tragen zur Stellung der Juden mehr bei, als dio Summe der an sich oft viel größeren Leistungen im Galuth. Und dies gilt eben für allos, allos war wir unter „eigener Flagge“ leisten können und leistet* werden. Und jetzt, da wir ein solchos Zentrum in' dor Ilebräirtchen Universität in Jerusalem haben, ist der Augenblick gekommen, daß Von Dr. Hugo Bofko

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