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Die Stimme · 1935-11-19 · Heft 500 (19.11.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 500 (19.11.1935)
Date
1935-11-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 500 — ID. November 1935 DIB STIMM! Seite 3 m W REISEBÜRO CITY ’ . ' 0 R J H. k'O'RN E'l Wien.); kohlma&kt & u-26*4*29 Yü>& KiMO'itj/UHg. .;;' . k0^tsMicoe. )3^,lotuii^>. . Hitlers neues Judengesetz Die erste Durchführungsbestimmung zu den Nürnberger Judengesetzen ist ergangen und sofort in Kraft getreten. Die Verordnung läßt den bisher gebrauchten Ausdruck „Niohtarier“ fallen. Sie spricht einfach von den Juden. Ein Jude kann nicht Keichsbürger sein, hat kein politisches Recht und besitzt nicht die Eignung zum Beamten. Daneben existieren der Verordnung zufolge noch „Mischlinge“, und zwar Viertel-, Halb- und Dreivierteljuden, je nach dem Grade ihrer jüdischen Abstammung. Hier schafft die Verordnung ein geradezu greuliches Flickwerk. Die Dreivierteljuden, also Personen, die unter den Großeltern nur einen arischen Teil haben, können untereinander nicht heiraten. Die Halbjuden müssen zur Eheschließung mit Ariern oder Dreivierteljuden die Erlaubnis des Innenministers und die des Stellvertreters des Führers, also der Herren Frick und Heß, einholen. Die Eheschließung mit Juden wird überhaupt untersagt. Weibliche Angestellte bei Juden müssen mindestens 35 Jahre, Aufwartefrauen und Bedienerinnen mindestens 45 Jahre alt sein. Alle jüdischen Beamten haben mit Ende dieses Jahres auszuscheiden. Sie werden mit ihren. Ruhebezügen pensioniert; waren sie Frontkämpfer, so erhalten sie bis zur Altersgrenze ihre vollen Dienstbezüge als Ruhegehalt. Das ist der Inhalt dieses „Gesetzes“, das nach den Worten Hitlers ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk anbahnen soll. Es wird behauptet, daß durch die Verordnung ein Zustand der Unsicherheit beseitigt ist. Aber die Reehtestellung der Juden ist auch jetzt nicht klar. Was ist der Unterschied zwischen Reichsbürger und Staatsangehöriger? Die Verordnung nimmt den Juden alle politischen Rechte. Aber wie steht es um ihre Freizügigkeit und wirtschaftliche Tätigkeit? Gewiß ist das angesichts der tatsächlichen Verhältnisse eine Doktorfrage. Die Juden sind in jeder Beziehung rechtlos, durch ein gut ersonnenes Zusammenspiel zwischen Behörden und Einzelstellen, zwischen staatlicher und parteimäßiger Organisation, zu einer Kaste degradiert, die noch unter den Parias steht. Die Juden sind weder ihres Besitzes, noch ihrer persönlichen Freiheit sicher. Sie werden enteignet, hin und her gejagt und können von jedem, der nur will, in Haft gesetzt werden. Sie sind wehrlose Objekte der Gesetzgebung, der Angeberei und ihrer Konkurrenten. Von irgend einer Rechtssicherheit ist für Juden keine Rede mehr. Sie haben Steuern zu zahlen, und selbst ihre Stellung innerhalb des Heeres ist unsicher, Nach Palästina mit d n voizttnliuhen großen Snlonschlffen „3AMLEA“, „G£«USALlMME“ „PAiESTi A“ der direkten Eillinie TIUEST—JAFFA—HAIFA des Lloyd Tr'estlno Abfahrten Jeden M'ttwoch und Jeden zweiten Freitag Ferner regelmäßige Verbindungen nach Griechenland, Türkei, Ägypten, Indien und China Schnellste Schiffe Höchster Komfort AuskUnflo: LLOYD TR3LSTINO Wien, I., Kärirt erring Hr. 6 Telephon U 47-5-00 ii heumabad Trentschin^Teplilz | ln den Karpathen, CSR. HDHRBHH das Ideale Bad der nationalen u konfessionellen Ruße Informationen und Prospekte kostenlos durch die Badedirektion allen Launen und Interpretationen ausgesetzt. Daran wird sich nichts ändern. Auch für die kommenden Durchführungsverordnungen ist der Rahmen vorgeschnoben und es wird lediglich das bestehende Unrecht in Rechtsform gegossen, für die auch die Diktion der vorliegenden Verordnung maßgebend ist, die von Verachtung strotzt. „Der Jude kann nicht Reichsbürger sein“, „der Mischling“, „außerehelicher Verkehr ...“ Das Gesetz ist ein Unikum. Noch nie und nirgends ist ein solcher Rechtsbruch so offen vorgenommen worden, noch nie und nirgends hat man ähnliche Vorschriften gegen Einwohner des eigenen Landes erlassen. Wie dieses ganze Dritte Reich ein monströses Unikum darstellt, dem höchstens noch irgend ein hinterasiatisches Eingeborenen-Suitanat gleichkommt, so ist auch diese Art von Gesetzgebung einmalig. An den toten .Kriegsopfern der Juden Deutschlands wird durch amtliche Anordnung Leichenschändung begangen. Die Lebenden werden in den Käfig gesperrt und gemartert. Und dies von Rechts wegtn. Die ganze Welt sieht zu. Vor ihren Augen vollzieht sich ein Akt gesetzgeberischer Vergewaltigung, wie er mit solcher Grausamkeit noch nicht begangen worden ist. Und während die Staatenfamilie des Völkerbundes alle wirtschaftliche Macht aufbietet, um Abessinien zu helfen, hat sie sich für ihre Haltung zum Dritten Reich die „Einmischung in die inneren Verhältnisse“ zurecht gelegt. Ein bequemes Mittel, sich die Ohren zu verstopfen, um den Jammer der halben Million jüdischer Sklaven Hitlers nicht zu hören. In Litauen schreitet der Völkerbund zugunsten Memels ein, aber schon bezüglich der Juden in Danzig und im Saargebiet findet er nichts zu tun. Es ist deutlich zu sehen, wie das zivilisierte Europa die Trennungslinie zieht, jenseits welcher die Juden stehen, in Deutschland, in Rumänien. Die Rettung der Juden Deutschlands wird zu einer Frage, die das ganze Judentum bewegen muß. Es gibt nur mehr den Weg nach Palästina. Aber da steht die englische Mandatsmacht mit flammendem Schwert. Sie hat die Rücksicht auf die Araber, auf 109 filiilliiiiiiilillliijiiiiliiiiillllllliiiiiiiliiiiill 1031 §|§ Sie brauchen nur einen Mantel, gj! Ijj gnädige Frau M : §E§ und zwar den i§§ j | „STAR" | Hi von Bela Sonnenfeld gl Hl VI., Mariahilferstraße 109 Jj m um S 65aj§ Hü aus schwarzem Schafwollboude mit einem ||| echten Blue-Back-Schalk ragen m§ 109 .. 109 den Schutz des Arbeitsmarktes, auf alles mögliche vorzuschützen, nur keine Rücksicht auf die Juden. Sie berauscht sich an den volltönenden Ziffern des Budgets, der Zeugen jüdischer Arbeit und jüdischen Willens. Aber sie gibt die Einwanderung nicht frei, nicht nach Palästina, nicht nach dem Ostjordanland. Sie läßt eine halbe Million jüdischer Menschen in den Krallen des Dritten Reiches... RARATT erha,ten Sie gegen Vorweis dieses nnDn l I ftuerates bei Einkauf bis 25. November "Adolf 8c B.Hofbauer A nur l.# Tuchlauben 20 v Modewaren, Sdineiderzugehör, Stricku.Wirkwaren 0KKASI0N in orig.-engl. Stoffen Schon Kinder sollen die Zähne mit ODO L* Zahn pasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund Kleins Tube S - 90 Große Tube S t.40 rend der frühere deutsche Meister der Berufsboxer im Mittel- und Halbschwergewicht, Erich S e e 1 i g, in Frankreich und Amerika mit viel Erfolg kämpfte, die Eishockeyspieler Rudi und Gerhard Ball in Italien und der Schweiz bejubelt wurden, Helene Mayer die amerikanische Meisterschaft im Florettfechten errang, Daniel P r e n n noch immer zur ersten Klasse von Europas Tennisspielern gehört, spielen die in Deutschland gebliebenen Meister, wie der Olympiasieger im Leichtgewichtsringen, Leucht, wie die ausgezeichneten Berliner Makkabi-Ringer und Boxer, die frühere Speerwurfmeisterin Martha Jacob usw. international keine Rolle mehr. Daß sich ein Talent, wie Frl. Bergmann, entfalten konnte, lag nicht etwa an einer besonderen Begünstigung durch die Reichssportführung, sondern daran, daß sie bis vor kurzem in England lebte, dort trainierte und solche Fortschritte machte, daß sie die englische Hochsprungmeisterschaft gewann. Das Organ des Reichssportführers von Tschammer-Osten, das „Reichssportblatt“, bezeichnet die Proteste der Weltöffentlichkeit gegen die Olympiade in Deutschland als „j ü d ische Unternehmungen gegen das neue Deutschlan d“. In der Denkschrift wird erklärt, daß sich in fast allen Ländern der Welt Komitees zur Verlegung der Olympiade gebildet haben. In der Tschechoslowakei . lehnen Verbände wie der „Orel“. Makkabi, D. T. J., ATUS, F. P. T., in denen Hunderttausende organisiert sind, die Beteiligung an der Otympiade in Berlin ab. Im „Sokol“ und der CSAF sind einflußreiche Kreise gegen die Berliner Olympiade. Die Denkschrift schließt: „Alle fortschrittlichen Kräfte des Landes müssen sich den Weltprotesten :mschließen. Immer lauter ertönt der Ruf: „V erlegt die Olympiade von Berlin!“ Gegen die Olympiade in Deutschland Das Komitee zur Verlegung der| olympischen Spiele aus Deutschland hat in Verbindung mit dom vorbereitenden Ausschuß der Union für Freiheit und Recht eine Denkschrift an das Olympische Komitee der Tschechoslowakischen Republik gerichtet, in der das Verlangen nach Verlegung der olympischen Spiele aus Deutschland in ein anderes Land eingehend begründet wird. Analoge Denkschriften wurden von gleiehstrebenden Institutionen in anderen Ländern an die betreffenden olympischen Komitees gerichtet. Ein großer Teil der Denkschrift ist der Unterdrückung.des jüdischen Sports und der jüdischen Sportler gewidmet. Die Behauptung des Dr. D i e m, daß es den Juden in Deutschland freistehe, sich sportlich zu betätigen, wird als eine „bewußte Lüge“ gekennzeichnet. Erst vor wenigen Tagen, heißt es weiter, protestierten die jüdischen Sportverbände Deutschlands beim Reichssportführer Tscha mmer - Osten gegen die Entziehung von Sportplätzen, wodurch ihnen das Training flir die Olympiade unmöglich gemacht wurde. Daraufhin wurde den jüdischen Sportlern in Berlin e i n e Schwimmhalle für zwei Stunden in der Woche zur Verfügung gestellt. Bereits im Jahre 1933 wurden die Junen aus den deutschen Turn- und Sportvereinen systematisch entfernt.; nichtarischen Sportlern ist das Betreten der Turnhallen, der Spiel- und Sportplätze und der Bäder verboten, deutsche Sportler, die mit Juden Wettkämpfe austrugen, wurden verfemt; der Polizeisportverein Berl i n hat sämtliche seiner Mitglieder, die mit Juden in Wettbewerb traten, ausgeschlossen; gegen Studententurner, die gegen Juden spielten, wobei der Jude Richard K a 1 i s c h e r das Kunstspringen gewann, wurden „E i n z e 1 a k t i o n e n“ durchgeführt; der Tennismannschaft Blau- Weiß, Dresden, wurde der Sieg, im Meden- Pokal aberkannt, weil in der Mannschaft (‘in Mitglied jüdischer A b s t a m mung mitgewirkt hat. Das sind keine Ausnahmefälle, sondern all das geschieht mit Wissen und Billigung der Reichssportführung, deren Pressechef Guido von Mengden im „Reichssportblatt“ schrieb: „Ans dem Nationalsozialismus kann der Begriff der Rasse nie entfernt werden. Mit dieser Tatsache muß sich das Ausland abfmden.“ Juden, die von der Machtergreifung Hitlers im deutschen Sport eine beträchtliche Rolle gespielt hatten, wurde das öffentliche Auftreten untersagt, mehrere von ihnen zum Verlassen Deutschlands gezwungen. Die Zurückgebliebenen gin gen in ihrem Leistungsniveau stark zurück, da ihnen Kampfmöglichkeiten fehlen. Wäh- 30 TAGE HEIMVERSUCH ABER DURCH VI BRANO HÖRE OCH Ein neuer Apparat, nicht elektrisch, unsichtbar, keine Batterie, ohne Drähte. -in -I o * tt].,. Verlangen Sio sofort kostenlose m 1 A in Zusendung unserer Broschüre 193t> lei. A 17-5-4U (mit vielen Dankschreiben). ZiBRAKO-APPARATE, Wien, IX., Berggasse Kr. 16 Die deutsche Schande Die beiden litauischen Juden, Jomtow Lippmann und Leo B a 1 k i n d, die unter der Beschuldigung der „Rassenschändung“ verhaftet worden waren, wurden nach energischen Vorstellungen seitens des litauischen Gesandten in Berlin freigelassen, aber als „unerwünschte Ausländer“ ausgewiesen. Lippmann verbrachte einen Monat im Leipziger, Baikind 19 Tage im Dresdener Gefängnis. Wie Lippmann erzählte, befinden sich im Leipziger Gefängnis etwa 60 jüdische Ausländer auf Grund verleumderischer Denunziationen; unter ihnen sind zahlreiche Polen und Tschechoslowakei!, die sich der Erpressung erwehrten. ODOIC* 1* als Generalrepräs. der iVOIllli Gdynia - Ameryka Lfne Offizielles polnisches Reisebüro yy Wien, I., Kärntrorslraße Nr. 41 u Telephon-Nr. R 21-S-78 lietel auf Luxusdanipfern seht billige und bequeme Reisen. ttb fonstantza nach dem Orient und abGdj nEa nach Nordamerika. Abfahrt Jede Woche. Reichliche Verpflegung. Streng rituelle Küche. Außerdem V rkaul von Eben bahn Flugkarten nach a'lon Ländern. Krledigumr siimtliehei l'aßane-ele-’-enhoitei

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