Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 500 (19.11.1935)
- Date
- 1935-11-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sd.te z DIB STIMMI Nr. 500 — 10. November 1036 m Bücher ¥1 Schu/edenürüche Buchhandlung Schneider & Co., Wien, I. Franz-Josefs-Kal 7. Reichste Auswahl neuer Büeli bester Autoren zu billigst Preisen! Katalog gtatis! Rahmen ihre Aufgabe erfüllt. Sie ist die Stimme des Judentums geworden, ein führendes und in allen politischen Kreisen beachtetes politisches Organ, das auf der nationalen Linie bleibt, trotzdem aber das jüdische Leben von der hohen Warte der Einheit und der Gemeinschaft aus gesehen und vertreten will. Gewiß empfindet es die Redaktion als unzulänglich, daß dieses Blatt eben nnr eine Wochenzeitung ist und darum nicht allen Notwendigkeiten entsprechen, nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen kann, Da3 Judentum Österreichs muß, nicht zuletzt aus politischen Gründen, früher oder später an die Gründung einer Tageszeitung schreiten, die in viel tiefere Schichten greift, als dies eine nur periodisch erscheinende Zeitung kann. Bis dahin bleibt „Die Stimme“ was sie bisher war, ein jüdisches Blatt, das, unbeirrt durch die Zeitströmungen, durch gewollte oder nichtgewollte Mißverständnisse seinen von Pflicht und Ehre vorgezeichneten geraden Weg geht. Unseren vielen Lesern, die die Arbeit des Blattes in Treue unterstützen und würdigen, sagen wir unseren besten Dank. Wir versprechen ihnen, daß wir am Ausbau des Blattes Weiterarbeiten. Wir hoffen, daß es möglich sein wird, öfter, also nachhaltiger, zur Öffentlichkeit zu sprechen. Der Kurs iles Blattes bleibt der alte, bewährte. : Garantiert hilft mein federloses Bruchband mit ela st Pelotte. lilastr. belehr. Gratisbroschüren mit Maßlabeile. ST. POTOKY, Wien, Vl„Stiegsng. 15, seit30 Jahren Zuschriften an die „Times“ Der Artikel der „Times“ gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland, in welchem die Lage der Juden als die von Menschen geschildert wurde, die in einen Käfig gesperrt und unablässig gequält werden, hat in England ein starkes Echo gefunden. Times“ veröffentlichen nun eine Reihe von Briefen bekannter Persönlichkeiten zu diesem Thema. Oberstleutnant Sir Wyndham H. D e edes, früher Chefsekretär der Palästina-Regierung, schreibt: „Gottsei Dank: ,Tim es* haben gesprochen!“ — so denken heute zweifellos Tausende Menschen, die Ihren Artikel gelesen haben. Wenn das Gewissen des englischen Volkes nicht völlig stumpf ist gegen jedes Gefühl von Anstand und Fair Play, so müßte Ihr Artikel die Wirkung haben, daß sich die ganze Natj o n zu einem Protest erhebt gegen die Greuel und die Beleidigungen, denen die Juden in Deutschland unterworfen sind. Der Einwand, daß. man sich in die ,inneren Angelegenheiten1 eines anderen Landes nicht einzumischen habe, gilt nicht da, wo es nötig ist, im Namen der Menschlichkeit zu sprechen. Ich bin dessen gewiß, daß Ihr 'Artikel hierzulande einen Gefühlsumschwung hervorrufen wird und daß dies dem Manne zu Ohren kommen wird, der, wenn er nur .will, dieser letzten und gewiß schändlichsten Verfolgung, der die Juden im Verlauf der Geschichte unterworfen wurden, ein Ende setzen kann.“ B. G. J e f f e r y, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde (Quäker) fordert die christlichen Gemeinschaften auf, zu versuchen, die jüdische Jugend in Deutschland zu retten. Dr. Ernest Parker, Professor für Staatswissenschaften an der Universität Cambridge, führt aus: Wenn der Jude in Deutschland schon zu einer Ghetto-Existenz verurteilt ist, sollte man ihn nicht wenigstens in diesem Ghetto existieren lassen? 45 jähr. isr. Kaufmann unschuldig geschieden, mit 2 Töchtern (16 und 12 Jahre) Inhaber von 2 Geschäften, sucht alleinstehende Jüdin ohne Anhang mit etwas Vermögen zu ehelichen. Unter »Bla 43 Jahre“ an die Administration. Die Leichenschänder Dem „Neuen Vorwärts“ wird berichtet, daß die Nationalsozialisten in Deutschland bereits dazu übergegangen sind, die Namen jüdischer Kriegsopfer in einer Reihe von Orten auf Denkmälern und Gedenktafeln unleserlich zu machen. Protest gegen die Judenverfolgungen in Deutschland Sonntag* vormittags fand unter ungemein zahlreicher Beteiligung die feierliche Einweihung des neuen Heimes der Gruppe Leopoldstadt des Bundes Jüdischer Frontsoldaten statt. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. den Bezirksleiter Schacher mit dem gesamten Vorstand, Bundesführer Hauptmann a. D. Edler v. Friedmann mit seinem Stellvertreter Diplomkaufmann S t i a ß n y, Oberpolizeirat Richter, den Kommandanten der Sicherheitswache Leopoldstadt, Major N o ß b e rger, für die Vaterländische Front eine starke Abordnung unter Führung des Hofrates Hentschitz, eine Deputation des Ringes österreichischer Soldaten, Vertreter vieler kameradschaftlicher Vereine und jüdischer Korporationen und Frauen vereine. Die Feier wurde vom Oberkantor Weiß eingeleitet, der mit Unterstützung des Chores einen weihevollen Psalm zum Vortrage brachte. Oberrabbiner Dr. Tag licht nahm hierauf mit einer tiefempfundenen Festrede die Einweihung des neuen Heimes vor und erklärte u. a.: Die Devise des-Bundes Jüdischer Frontsoldaten ist die Treue zum Vaterlande, die Treue zum Judentum und die Treue zu seinen toten und lebenden Kameraden. Die Treue zu den gefallenen jüdischen Helden werde der Bund stets pietätvollst durch treues Gedenken und Anbringen von Gedenktafeln pflegen und stets daran erinnern, daß die jüdischen Soldaten stets mit Gut und Blut das Vaterland an der Seite ihrer Kameraden verteidigt haben. Es muß als eine wahre Kulturschande empfunden werden, wenn man jetzt versuche, das Andenken an die gefallenen Helden herabzusetzen oder gar auszulöschen versuche. Überall und nicht zuletzt auf nichtjüdischer Seite habe dieses Beginnen einen Sturm von sittlicher Empörung hervorgerufen, und die Kulturwelt verurteilt ein solches Beginnen auf das schärfste. Nie wird in unserem Herzen die Erinnerung an unsere gefallenen Helden schwinden und getreu dem Vermächtnis unserer Toten werden wir das Gedenken sie auf die kommenden Generationen überliefern. Bundesführer Hauptmann Edler von Friedmann beleuchtete die Ziele des Bundes der Jüdischen Frontsoldaten und erklärte: Die Verfolgungen, denen dast Judentum in einem Naehbarstaate derzeit ausgesetzt sei, erfüllen nicht nur die Juden, sondern jeden Kulturmenschen mit dem Gefühle des Abscheues, da man versuche, den Juden, die, wie die vielen Heldentafeln beweisen, stets dem Vaterlande gegenüber ihre Pflicht voll und ganz erfüllt haben, ihre staatsbürgerlichen Rechte abzusprechen und selbst ihre primitivsten Rechte streiti; mache. Die Behandlung der jüdischen Staatsbürger im Nachbarreiche sei ein Hohn auf die Kultur der Menschheit und begegnen überall der verdienten Verachtung. Begleitet von Dr. V o 1 e, sang hierauf Herr Leo V a 1 b e r g das „Lied vom jüdischen Soldaten“, worauf eine Reihe weiterer Ansprachen gehalten wurden. Direktor Haanni vom Ring österreichischer Soldaten legte ebenfalls Protest gegen die antijüdischenMaßnahmen Deutschland ein und erinnerte daran, daß man an der Front nie gefragt habe, ob der Kamerad Christ, Protestant oder Jude sei; alle haben gemeinsam ihr Bestes für das Vaterland eingesetzt lind alle haben ihr Blut für das Vaterland eingesetzt, das ihnen allen ewigen Dank schulde. Redner begrüßte es auf das lebhafteste, daß im Bunde Jüdischer Frontsoldaten wahre Kameradschaftlichkeit herrsche und gepüep werde und daß auch alle nichtjtidischen Frontkämpfer ihren jüdischen Kameraden wahre Kameradschaft entgegenbringen. Mit der Absingung der Bundeshymne und der Hatikwah schloß die schöne Feier. Die anerkannt gute^^m Carl Pick ft Söhne WIEM, ||.( TABORSTR ASSE 10. LAPIDAR Provlnzversapd. 14 KAR. GOLD LFÜLLFEDER 6.-( 8.-, 10.- — Preisliste. Mildes Urteil im Grodnoer Pogromprozeß Warschau, 15. November. (2. T. A.) In dem Prozeß gegen die Teilnahmer an den Ausschreitungen in Grodno am 7. Juni J. ist nun das Urteil gesprochen worden. Das Grodnoer Kreisgericht verurteilte den Hauptangeklagten Panasiuk zu einem Jahr Gefängnis; die Angeklagten Kozlowski, Martinczuk und Zygmanski erhielten neun Monate, Szukowa, Moszdszer, Bielski, Oleszczak, Jaroszewicz, Romanczuk und Plocki sechs Monate Gefängnis; die Aneklagten Szulkowski, Judszak, Bolecki, Malejka und Lasota wurden freigesprohen. Panasiuk und Zygmanski wurde die Untersuchungshaft in die Gefängnisstrafe eingerechnet, sie wurden gegen eine Geldbürgschaft von je 200 Zloty auf freiem Fuß gesetzt. Für die übrigen neun Verurteilten wurde die Strafe auf fünf Jahre usgesetzt, sie werden dieselbe bei Wohlverhalten nicht abzubüßen haben. Dies die Sühne für einen Pogromexzeß, der die gesamte jüdische Bevölkerung von Grodno in Schrecken versetzte, zwei jüdische Tote, zahlreiche jüdische Schwerverletzte und einen unermeßlichen materiellen Schaden durch Zerstörung Hunderter jüdischer Geschäfte im Gefolge hatte. Das Urteil hat um so mehr Aufsehen erregt, als erst vor einigen Tagen jüdische Angeklagte, die in Notwehr den Tod eines sie angreifenden Antisemiten verursacht hatten, zu mehrjährigen schweren Kerkerstrafen verurteilt worden waren und die Strafe gleich antreten mußten. Nur einer der Angeklagten im Grodnoer Prozeß brachte im Schlußwort sein B eatiern darüber zum Ausdruck, an einem Totschlag beteiligt gewesen zu sein. Alle übrigen dagegen gaben a n fc i s c m i t icho Erklärungen ab. Sie bezeichnet™ die Juden als Parasiten und einde Polens und erklärten, ihre Tat nicht zu bedauern. Der Staatsanwalt hat gegen das zu geringe Strafausmaß Berufung eingelegt. Weitere antijüdische Ausschreitungen in Polen Warschau, 15. November. (2. T. A.) Die antisemitische Unruhe an den Warschauer Hochschulen dauert an. An der jüdischen Fakultät versuchten wiederum nationaldemokratische S t u d e nt e n, die jüdischen Hörer auf die „Ghetto- Bänke“ abzudrängen. Die sozialistisch gesinnten Studenten nahmen sich der jüdischen Kollegen an. Unter fortdauerndem Tumult hielten die Professoren die Vorlesungen ab. Anläßlich der Feierlichkeiten des Siebzehnjahrtages von Polens Befreiung fielen nationaldemokratische Banden in Neus a n d e z über jüdische Passanten her. Gegen die jüdischen Kriegsteilnehmer, die sich an dem Aufmarsch beteiligten, wurden Rufe: „Weg mit den Juden I“ ausgestoßen, die jüdischen Kriegsteilnehmer wurden auch mit faulen Kartoffeln beworfen, von denen insbesondere Schlomo Ring, der die Auszeichnung „Virtuti militari“ besitzt, und Schlomo Hirsch, der im Kriege für Polen ein Auge verloren hat, getroffen wurden. In verschiedenen Orten der Wojwodschaft Posen kam es als Folge der nationaldemokratischen Hetzpropaganda zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, so u. a. in den Städten Oborniki, Leszno, Wronki, Rawicz und Czarnkow, wo Juden geschlagen, jüdische Wohnungen demoliert, anti jüdische Boykottplakate geklebt und Flugzettel verbreitet wurden, in denen die Juden zum Verlassen Polens aufgefordert wurden. Seefeld, Tirol 1200 m Wintersport im Gasthof Hochalm, streng 3 unter Leitung von G. Sehe er. Billigste Preise bei modernem Komfort. Billige Reisen nach POLEN und CZERNOWITZ Abfahrt: 12., 19., 22. Oesember Rückfahrt: 7. Jlnner, 12. Februar 1936 Ffanmnfhl*1 Wien, llf., Rennweg 1 9*~rancopoi § t«i. u ie.4.90 Hermann Plasdikes Dieser Tage ist hier im 76. Lebensjahre Hermann Plaschkes gestorben. Sein Ableben bedeutet einen schmerzlichen Veri lust für das österreichische nationalbewußte Judentum. In der älteren zionistischen Generation war Hermann Plaschkes eine markante Figur. Er war schon 1893 bei der Gründung der jüdischen Gruppe in der demokratischen Partei Kronawetters hervorgetreten. Später schloß er sich Herzl an und wirkte seither gleichermaßen für die Palästinabewegung wie für die zionistische Landespolitik. Im Jahre 1899 erscheint Hermann Plaschkes unter dem Regime Luegers als erster jüdischer Kandidat für den Gemeinderait. Vom Jahre 1908 bis zum Jahre 1932 bekleidete er das Amt eines Bezirkskommissärs der Wiener Kultusemeinde, von 1919 bis 1927 das Amt des zionistischen Bezirksrates für den 2. Bezirk. Seit 1913 war er Mitglied der staatlichen Steuerkommission für den 2. Bezirk. Von 1908 bis 1933 war er der ehrenamtliche Genossenschaftsvorsteher der Wiener Pferdehändler. Hermann Plaschkes war der Vater des im zionistischen Leben Wiens rühmlichst bekannten Dr. Leopold Plaschkes, des früheren zionistischen Gemeinderates und jetzigen Kultusvorstehers, des Arztes Doktor Siegfried Plaschkes, Vizepräsidenten des ersten Keren Kajemeth und Vizepräsidenten der „Vereinigung jüdischer Ärzte“, sowie des Dr. Jakob Plaschkes^ Das Leichenbegängnis hat am Sonntag mittags unter außerordentlich starker Anteilnahme stattgefunden. In Vertretung der Israelitischen Kultus-r emeinde würdigte Vizepräsident Dr. Löwe n h e r z das Wirken des Hingeschiedei nen und seine Verdienste um das Wienet! Judentum. Die Genossenschaft der Pferdehändler dankte durch ihren Vorsteher Franz Mieleder in herzlichen Worten für die mehr als 35jährige Arbeit, die der Verstorbene geleistet batte. , Die Wahlen in England Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der Parlamentswahlen in England, die den Konservativen und den mit ihnen verbundenen kleineren Parteien (Nationalliberale und Nationale Arbeiterpartei) eine Zweidrittelmehrheit gesichert haben, obwohl auch die oppositionellen Parteien und Stimmen gegen früher erheblich angewachseü sind, sind von den vierzig jüdischen Kandidaten der verschiedenen Parteien eun gewählt worden. Mit großer Mehrheit wiedergewählt wur* den die beiden jüdischen Mitglieder der bisherigen Regierung, der Unterstaatssekretär für Luftschiffahrt, Sir Philip S a s b o o n, und der Minister für Verkehrswesen, Leslie Hore-Belisha, letzterer mit einer Stimmenmehrheit von 11.000. Beide sind konservativ. Unter den übrigen gewählten Juden befinden sich die Liberalen Sir Percy Harris, E. A. Strauß und A. M. Lyons. Barnett Jänner unterlag in Whitechapel seinem Gegner von der Arbeiterpartei mit einer kleinen Stimmendifferenz. Sir Herbert Samuel ist seinem konservativen Gegner ebenfalls mit einer geringen Stimmendifferenz unterlegen. Eine schwere Niederlago erlitt der antisemitische Konservative Edward D o r a n, der die Juden im Unterhaus wiederholt angegriffen hatte. Nicht wiedergewählt wurden der stellvertretende Premier Ramsay M a c D o n a 1 d und sein Sohn, der jetzige Minister für d i e K o 1 o- 1 o n, Malcolm MacDonald. Seit Menschengedenken wird Myrrlio-Extrakt gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet. Ö d o 1- M und wasser enthält außor dem üdol- Antiseptikum, dem Myrrhe-Exil'akü.