Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 500 (19.11.1935)
- Date
- 1935-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 20 g Die heutige Kummer ist 46 Seiten itovkf JÜDISCHE ZEITUNG Nt*. 500 I WiflH «A Mnvomhoi* «Aie I Redsktlon und Administration: Wien, L, Mare-Aursi-StraOa & Wr* JWP | ▼▼*©«, My. novemoer IyJ5 | T*l.: U 22-3-91 RedtktlonMehiuB Montan und Mittwoch wm. V. b. b. NACH AMERIKA MIT KOSCHER-KOCHE AUF DEN DAMPFERN » „QUEEN MARY“ ERSTE ABFAHRT 27.V. 1936 : „MAIESTIC“ .... 27. NOVEMBER 3 „AOUITANIA“ . . . 7. DEZEMBER 3 „MAIESTIC“ .... 17. DEZEMBER | CUNARD WHITE STAR LTD. ] WIEN, I., KARNTNERRING 4 U M-o-43, ü 46-8-48 | (23. Clieschvan $696) | 9. Jahrgang Die fünfhundertste Ausgabe der „Stimme*4 Die heutige T-esimmmee enthält folgende Beiträge: Ju&itikM* dec Veuuiiwotiuufy Oberrabbiner Dr. Feuchlwangs Glückwunsch an die „Stimme“. Eine Botschaft Prof. Brodetskys (London). Zum Festtag der „Stimme“. Von Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich. Gruß an die „Stimme“. Von Staatsrat Dr. Desider Friedmann. Die Wizo in Österreich. Von Sophie Löwenherz. Unter der ruhigen Oberfläche. Von Dr. Ignatz S c b w a r z b ar t h. Endziel und Aufbauplan. Von Dr. Emil Schmorak. 25 Jahre Daguniah. Von Dr. Jakob Rosenthal. S. I. Agnon. Von Dr. Ch. Tartakower. Ferner: Eine dem Keren Hajessod-Jubiläum gewidmete Beilage „15 Jahre Keren H a j e s s o d“ mit Beiträgen von: Richard Beer-Hoftnann, Weizmann, Roosevelt, Benesch, Lloyd George, Lord Cecil, Albert Einstein, Siegmund Freud, Stefan Zweig, Schalom t Asch, Franz Werfel, Thomas Mann, Heinrich Mann, Lord Amery, Norman Angel, Justin Godard, Lord Snell usw. Eine Bilderserie aus dem ersten Palästina- Tonfilm „Land der Verheißung“ u. v. a. m. Der Oberkommissär in Palästina eingetroffen Jerusalem, 15. November. (2. T. \.) Der High Commissioner General Sir Arthur Grenfell W a u c h o p e ist am 13. November im Flugzeug in Palästina eingetroffen. Am Abend des Ankunftstages besuchte der High Commissioner ein Konzert des berühmten jüdischen Geigers Miscba E1m a n n. Von dem halbtägigen Proteststreik, den der arabische Jugendverband Palästinas entgegen den Beschlüssen der arabischen Parteiführer für den Tag der Ankunft des High Commissioner proklamiert h^tite, war in Jerusalem sehr wenig zu merken. Stärker in Erscheinung trat der Streik in Jaffa und Nablus. Die hebräischen Tageszeitungen sprechen die Hoffnung aus, daß es nicht zu der geplanten Einsetzung des Legislative Council kommen werde. Die in englischer Sprache erscheinende „Palestine Post“ bezeichnet den arabischen Proteststreik als einen persönlichen Affront gegen den High Commissioner. 6600 Juden int Oktober nach Palästina Jerusalem, 14. November. (2. T. Wie die ITA erfährt, beträgt die Zahl der jüdischen Einwanderer im Monat Oktober 1935 rund 6600. In den ersten zehn Monaten des Jahres 1935 kamen etwa 52.600 Juden nach Palästina. Von Dr. Osk Unser Blatt erscheint heute aus Anlaß der Herausgabe seiner 500. Nummer als Festnummer. Damit ist eine Etappe im Werdegang der „Stimme“ erreicht, von der aus Rückblick und Ausblick gehalten werden soll. Als die „Wiener Morgenzeitung“ ihr Erscheinen einsteilte, war der „Zionistische Landesverband“ damit seines publizistischen Organs beraubt. Es war. daher notwendig, ein neues Organ zu schaffen und so entstand „Die Stimme“. Ihr erste Nummer ersohii# am 7. Jänner 1928. Jahre hindurch erschien sie nur einmal wöchentlich. Ihre Gründung und noch mehr ihre Erhaltung war nur dank der selbstlosen und aufopfernden Unterstützung durch die Allgemeinen Zionisten möglich. Mehr als einmal war ihr Weiter erscheinen in Frage gestellt, immer aber hahen sich mutige und selbstlose Zionisten gefunden, die sich ihrer annahmeri und sie förderten. Das Geschick der „Stimme“ war mit dem Geschick des Zionistischen Landesverbandes eng verknüpft. War sie doch das Sprachrohr des Landesverbandes im Kampfe um die Konsolidierung und Verbreiterung des Allgemeinen Zionismus in Österreich. Die Tatsache, daß die „Stimme“ seit zwei Jahren .zweimal wöchentlich erscheint und daß der Zionistische Landesverband für Österreich heute die größte - Zionistische Organisation in Österreich Ist-, spricht für eich. Das gibt der „Stimme“ auch das Recht, die Herausgabe der 500. Nummer als Jubiläum zu feiern. Dieses Jubiläum soll nicht dazu Anlaß bieten, die Kämpfe zu schildern, die in oft gehässiger Weise gegen die „Stimme“ und dpn Landesverband geführt wurden. Es ist besser, über diese unerfreulichen Episodeu den Schleier der Vergessenheit zu breiten. Wir können das um so eher tun, weil für uns der Erfolg spricht, der sich in einer ständig wachsenden Zahl der Mitglieder des Landesverbandes und auch der in- und ausländischen Abonnenten und Leser der „Stimme“ manifestiert. Wohl aber sollen an diesem Jubiläum einige grundlegende Feststellungen gemacht werden: Es gibt verschiedene Methoden zlonfsti scher Publizistik. Die billigste, gleichzeitig aber auch die gefährlichste Methode besteht in der Vergottung der eigenen Ansicht und in der Opposition um jeden Preis gegen jede andere Meinung. Ihr Widerspiel ist die eben falls gefährliche und billige Methode, zu allem ja zu sagen, was die gerade herrschende zionistische Politik als Parole ausgibt. Von diesen Methoden hat sich die „Stimme“ freigehalten. Sie ist ihren geraden Weg gegangen. Sie hat den Lockungen von links und rechts widerstanden und hat damit eine Arbeit geleistet, die dem Frieden im Zionismus nur förderlich ißt. Die „Stimme“ ist dem Allgemeinen Zionismus und dem Krakauer Programm treu gehliehen. Sie kämpft für die Allgemeinen Zionisten um ar Grünbaum den Platz an der Sonne Palästinas und sie sieht ihre vornehmste Aufgabe in der Ver breitung des Zionismus in den jüdischen Massen. Das erscheint ihr wichtiger, als nutz lose Diskussiouen mit anders orientierten zionistischen Gruppen. Und noch ein weiteres; Die schwere Juden not unserer Tage macht es der jüdischen Publizistik zur unabvveislichen Pflicht, immer und überall für jüdische Interessen einzu treten. Auch hier gibt es verschiedene Wege: »Einen offenen, jedermann sichtbaren, geraden Weg, auf dem üian Unter der eigenen Fahne marschiert, und einen Weg, auf dem fremde Fahnen oder gar die weiße Fahne devot 'geschwungen werden. Die den jüdischen Weg offen und ohne Kompromisse gehen, denen wird der Sieg zufallen. Als Minorität müssen wir Juden zwar auch Niederlagen erleiden. Niederlagen können aber in Siege umgewandelt werden. Wenn aber eine Mino rität auch nur auf das geringste ihrer Rechte freiwillig verzichtet, so ist sie dieses Rechtes für ewig verlustig geworden und die einmal begonnene Verzichtspoljtik muß zur voll kommenen Entrechtung führen. Aus diesen Gründen geht die „Stimme“ ihren geraden Weg, offen, ohne Furcht und ohne Korn promisso. Und noch eine letzte Feststellung: Es ist gewiß notwendig und richtig, immer wieder auf das blühende Palästina hinzuvveisen. Darin aber darf sich eine verantwortungsbewußte jüdische Zeitung nicht erschöpfen. Ihre vornehmste Aufgabe muß es sein, immer und immer wieder aufzuzeigen, daß die Judenfrage nur durch den Zionismus und nur in Palästina ihre gerechte Lösung finden kann. Eine verantwortungsbewußte jüdische Politik muß weiter und unermüdlich durch Aufklärung und Belehrung gegen die Assimilation ankämpfen. Es darf keinen Unterschied machen, ob es sich dabei um die Assimilation alten Schlages handelt oder um die neue Assimilation, die sich nur zu oft blau-weiß tarnt. Denn die Assimilation hat das Judentum entjudet und die blauweiße Assimilation will ihre Unehrlichkeif oder Unwissenheit mit zionistischen Phrasen verdecken, ist aber jederzeit bereit, uns in den Rücken zu fallen. Es ist eine der schönsten und zugleich auch schwersten Aufgaben der jüdischen Publizistik, in der Reihe derer zu stehen, die den assimilatorischen Teil des jüdischen Volkes den Weg zurück zum Judentum führen: zur richtigen Erkenntnis seiner Vergangenheit, zur richtigen Wertung seiner Gegenwart und zu seiner Erneuerung in Erez Israel und in der Galuth. So steht eine verantwortungsbewußte jüdische Publizistik vor gewaltigen Aufgaben. Die „Stimme“ war und ist bemüht, hiebei mit allen ihren Kräften mitzuwirken. Ihr heutiges Jubiläum ist ein Jubiläum der Verantwortung. Der weitere Ausbau der „Stimme“ ist notwendig, soll sie dieser Verantwortung gerecht werden. Zum 500. Male! Zun 500. Male tritt heute dieses Blatt vor seine Leser. Es wird in Kürze sieben Jahre sein, seit dieses Blatt zum ersten Male erschienen ist, und es hat seither 500mal gesprochen. Das ist kein besonderer Anlaß zu einem Fest, denn auch im Leben einer Zeitung bedeutet das Erreichen der 500. Ausgabe nicht viel. Aber es darf doch bei einer solchen Gelegenheit die Zeitung einige bescheidene Worte für. sich selbst sagen. „Die Stimme“ wurde gegründet, als nach dem Ende der jüdischen Tageszeitung,: der „Wiener Morgenzeitung“, die zionistische Organisation Österreichs ohne Blatt verblieben war. Es waren eigenartige, in der politischen Stickluft jener Tage begründete Ursachen, die das Eingehen des l’agesblattes verschuldet hatten. Im Wesen ein Racheakt der österreichischen Sozialdemokratie. der jedes jüdische Organ verhaßt war, weil es sie zu sehr an ihre Schuld den Juden gegenüber erinnerte. Aber auch das nationale Judentum hatte nicht verstanden, was eine Tageszeitung bedeutete und so kam es, daß eines Tages im September 1927 das österreichische nationale Judentum ohne die Möglichkeit dastand, sich vernehmen zu lassen und zu den Fragen der Zeit Stellung zu nehmen. Es dauerte dann noch ein Vierteljahr, ehe die Lücke geschlossen werden konnte, ehe sich die Stimme der jüdischen Bevölkerung vernehmlich machen konnte. Das neue Organ setzte sich die Aufgabe, für das Judentum zum Judentum und zur Umwelt zu sprechen. Das ist eine sehr schöne und eine sehr große Aufgabe, und es liegt an den Verhältnissen, daß dieser Pflichtenkreis immer weiter und größer wird. Eine jüdische Zeitung wie die unsere hat es nicht leicht. Sie erscheint nur zweimal in der Woche, aber die Geschehnisse entwickeln sich, ändern sich von Tag zu Tag. Die jüdische Welt ist die ganze Erde, und ihre Probleme politischer, wirtschaftlicher, kultureller Natur auch nur aufzuzählen, würde schon den Rahmen sprengen. Eine jüdische Zeitung wendet sich an ein temperamentvolles, kritisches, vielfach verwöhntes und stets mißtrauisches Publikum. Eine jüdische Zeitung hat tausend und eine Frage zu behandeln, die aus ebenso vielen Anlässen entstehen, vielfach gleichartig sind und doch stets anders gefärbt sind. Die Interessen eines über die ganze Erde verstreuten Volkes spielen ineinander, wollen erfaßt und verständlich dargelegt sein. Geistige und politische Strömungen eines Volkes, das noch kein Volk ist, erst eines werden will, kompliziert durch die hineinverwobenen Strömungen bei den anderen Völkern — sie alle müssen verzeichnet werden. Die Zeitung hat dies zu tun, hat' die Verbindung der einzelnen geographisch bedingten „JudenUimer“ herzustellen und sie hat auch dem einen von dem anderen zu erzählen Es ist wie bei der Schillerschen „Glocke“; Die Lebenden rufen, die Toten beklagen, die Blitze zerschlagen. „Die Stimme“ hat in dem ihr gezogenen