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Die Stimme · 1935-11-15 · Heft 499 (15.11.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 499 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 499 —' iS. November 190B DIB STIMM! Sott« 5 Schach den Denunzianten In einer der letzten Nummern der „Neuen Wolt“ wurde in einem Aufsatz, der sieh mit dem „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ in Deutschland befaßte, der Ansicht Ausdruck gegeben, daß es wohl nichts gebe, woraus man herleiten könnte, daß Frontkämpfertum und Zionismus einander aussohließen. Es wird kaum einen billig denkenden Menschen geben, der dieser Ansicht nicht beitreten müßte. Denn die jüdischen Soldaten haben, gleichgültig welcher Weltanschauung sie angehört haben, auf allen Schlachtfeldern Europas ihre Pflicht erfüllt, und ein großer Teil derjenigen, die als Frontsoldaten für ihr Vaterland gekämpft haben und heil zuriiokgekehrt sind, haben sich, wieder ohne Rücksicht auf ihre Weltanschauung, in verschiedenen Staaten zu jüdischen Frontkämpferbünden zusammengesohlossen. Auch in Österreich gibt es bekanntlich einen Bund jüdischer Frontsoldaten, welcher ehemalige jüdische Frontkämpfer ohne Rücksicht auf ihre Einstellung zu weltanschaulichen Fragen in seiner Organisation vereinigt. So gibt es in ihm Zionisten und Nichtzionisten, Mitglieder, die sich immer und unteT allen Umständen zu dem nationalen Aufbauwerk in Palästina bekennen und solche, die hiefür weniger oder gar kein Interesse aufbringen. Es ist noch erinnerlich, daß der erste Führers teil Vertreter des Bundes ein bekannter Zionist und Besitzer hoher Kriegsdeik orationen war. Auch in.der gegenwärtigen Leitung aes Verbandes sind Zionisten und Nichtzionisten, und wenn wir auch keinen Aufschluß darüber geben können, ob die Mehrheit der Bundesmitglieder zionistisch ist, ist es jedenfalls sicher, daß die Zahl der volkshewnßten Juden in diesem Bund eine sehr große ist. Bei den vielen eindrucksvollen Heldengedenkfeiern des Bundes ist von jüdischer und nichtjüdischer Seite dem sehr naheliegenden Gedanken Ausdruck gegeben •worden, daß die Kugeln auf dem Schlachtfelde zwischen Juden und Christen keinen Unterschied gemacht haben und zumindest den toten jüdischen Helden äst in Österreich und in den anderen zivilisierten Staaten der Welt auch von höchsten militärischen und behördlichen Stellen dieselbe Ehre erwiesen worden, wie den toten christlichen Helden. Man sollte also glauben, daß der oben erwähnte Satz, daß sich Frontkämpfertnm und Zionismus nicht ausschließen, keinen Anlaß zu weiteren Diskussionen geben kann. Anderer Ansicht ist das Organ der „Union österreichischer Juden“ die „Wahrheit“. Es knüpft an diesen Satz die niedliche Bemerkung, daß die Neue Welt „nur die Kleinigkeit übersieht, daß ein Bund jüdischer Frontkämpfer au! einem extrem vaterländischen Standpunkt stehen muß und jedes sogenannte zweite Vaterland, sei es auch Palästina, nicht für sich in Betracht ziehen darf. Man wird uns das Zeugnis ausstellen müssen, daß wir uns seit Jahr und Tag mit dem genannten Blättchen nicht beschäftigt haben. Es vergeht zwar keine Woche, ohne daß das nationale Aufbauwerk in Palästina dort in hämischer und überheblicher Art glossiert wird, doch darüber' sind wir angesichts der vollständigen Belanglosigkeit derartiger Presseerzeugnisse immer stillschweigend binwogg'Cgangen. Unsere Nachsicht hat die Kühnheit gewisser Herren offenbar erhöht. Seit einiger Zeit setzt bald versteckt, bald offen auch noch die Denunziation ein. Dasselbe Denunziantentum, das schon vor 40 Jahren in widerlichster Weise laut wurde, als Theodor Herzl den ernten Zionistenkongroß nach München einberufen wollte. (Von Ekel geschüttelt, wählte er dann als Kongreßort Basel.) Nun hat zwar seither der Völkerbund, dessen Mitglied auch unser Bundesstaat ist, die Aufgabe übernommen, in Palästina eine nationale Heimstätte für die Juden zu errichten, wobei den Juden der ganzen Wolt ausdrücklich die Pflicht auferlegt wurde, an der Schaffung dieser nationalen Heimstätte mitzuarbeiten. Der ,,extreme“ Patriot der „Wahrheit“ meint aber, daß man dieses „sogenannte (?) zweite Vaterlaud“ für sich nicht in Betracht ziehen dürfe und denunziert wiederum einmal diel Zionisten als eine Art „vaterlandsloser Gesellen“. Denn ein Mensch, der zwei Vaterländer besitzt, hat ja in Wirklichkeit gar keines. Einer Kundgebung der Vaterländischen Front war zu entnehmen, daß es heute in Österreich viele Menschen gibt, die mit ihrem „Patriotismus“ Geschäfte machen zu können glauben. Und wir machen den höchsten Einsatz für unsere Behauptung, daß der ^extreme" Patriot der „W a h rh e i t“ zur Zeit, als andere jüdische Männer im Felde ihr Blut vergossen, aus irgendeinem Grund im Hinterland „unentbehrlich“ war. Dieser Sorte von Burschen muß doch einmal gesagt werden: Nicht derjenige ist Patriot, der jetzt mit seinem Patriotismus als momentanem Konjunkturaftikel auf Kosten der Ehre anderer jüdischer Bürger hausieren geht, wie früher mit wertlosen Aktien oder altem Eisen, sondern derjenige, der immer und unter den schwierigsten Verhältnissen seine Pflichten der Gemeinschaft gegenüber mit schlichter Selbstverständlichkeit erfüllt. Der Bauer, der fleißig seinen Acker bestellt, der Kaufmann, der durch ehrenhaftes Gebaren . das Ansehen seines Standes erhöht, der Lehrer, der die ihm anvertrauten Kinder zu guten Menschen erzieht, der Soldat, der in ernster Zeit sein Leben zu opfern bereit ist, handelt patriotisch. Nicht patriotisch aber handelt beispielsweise der Vorstand einer Bank, der gefälschte Bilanzen veröffentlicht, in welchen wertloses Makulaturpapier als voll- Für die Ausschaltung Palästinas von den Sanktionen Jerusalem, 14. November. (Priv.) Wie die „Palestine Post“ mitteilt, hat der Kanzler der Hebräischen Universität, Dr. Magnes, an den Völkerbund eine Eingabe gerichtet des Inhalts, daß Palästina von den Sanktionen gegen Italien ausgenommen werde. Doktor Magnes begründet seinen Vorschlag damit, daß der innere Frieden infolge dieser Sanktionen in Palästina gestört würde. Palästina, insbesondere Jerusalem, bilde das Zentrum aller Religionen. Infolgedessen dürfe sich Palästina nicht an solchen kriegerischen Handlungen beteiligen. Palästina müsse sich immer von allen internationalen Konflikten fernhalten. Wenn alle Staaten ohne Rücksicht darauf, ob sie Mitglieder des Völkerbundes sind oder nicht, sich ein für allemal dazu verpflichten würden, Palästina, das heilig ist für alle Religionsbekenntnisse, zu schützen, und dieses Land in keiner Weise in kriegerische Operationen einzubeziehen, so wäre dies für dieses Land von großer Bedeutung. Dieses Beispiel der absoluten Neutralität Palästinas könnte mit der Zeit auch auf andere Mandatsländer ausgedehnt werden, und dies wäre ein Beweis der jjüdischen Bestrebungen zur Erhaltung des Friedens. A VI Verheißung Ein Fox-Movietone-Film der Urim Palestine Company Ltd., Jerusalem Darsteller: Das jüdische Volk beim ■ - .=======;. RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Operer) 11., laborstraBe 12 Telephon l< 48-5-67 Ausgiebige Braten-Menüs S l*ßO „ Geflügel „ S 2*20 ÜV 3 sowie ü la Carte, Speisen am Rost Großer Saal mit Bübne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. wertig vorgetäuscht wird, der Bürger des Staates um ihre sauer ersparten Groschen bringt und dessen liederliche Wirtschaft schließlich durch die Steuergelder der Allgemeinheit repariert werden muß. Nioht die freche Großmäuligkeit ist maßgebend für die Beurteilung der vaterländischen Betätigung des Menschen, sondern sein Verhalten zu Kriegs- und Friedenezeiten. Wir haben vor kurzem in Besprechung einiger widerwärtiger Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens daran erinnert, daß früher einmal bei den Juden die Angeberei als todeswtirdigee Verbrechen angesehen wurde. Dies hat der Lügner aus der „Wahrheit“ zu der Behauptung verdreht, wir hätten die Todesstrafe für die Assimilantenclique verlangt, die sich gegenwärtig in der „Wahrheit“ bredtmacht. Wohl aber haben wir die gesellschaftliche Ächtung der Denunzianten verlangt und diese Forderung werden wir immer wiederholen. Wir sind genau über das Treiben gewisser Denunzianten unterrichtet, wir kennen die von ihnen benützten Hintertreppen und Schleich-i wege. Es ist uns beispielsweise bekannt, daß sie erst vor wenigen Tagen durch die Korrespondenz Hervei an die Tagesblätter eine Mitteilung versenden ließen, in welcher sie „namens der in der Union“ angeblich konzentrierten „bodenständigen“ Judenschaft ähr Gift? zu verspritzen suchten. Allerdings hat sich keine Tageszeitung gefunden, welche dieser „bodenständigen“ Gemeinheit die Spalten ihres Blattes geöffnet hätte. Denunziation und Spaltungsversuche an allen Ecken und Enden! Wir werden dem schamlosen Treiben einiger von geradezu krankhaftem Haß gegen das nationale Judentum besessenen Personen nicht ruhig Zusehen. Sie schwätzen von Patriotismus und beschimpfen jüdische Frontkämpfer, während sie selbst es trefflich verstanden haben, zu Zeiten der Gefahr in Sicherheit zu bleiben. Sie schwätzen und lügen von ihrer Religiosität, während sie selbst in Wirkliche keit kein einziges Gebot der Religion einhalten, und ihre „B odenständigkeit“ ist ebenso echt und inhaltsschwer wie ihr Patriotismus und ihre Religiosität, mit der sie politische Geschäftchen zu machen bestrebt sind. Empfindliche erlöst die blitzscbneUe, glatte, soharf-sebarfe Festpremiere am Sonntag, 24. November 1935,11 Uhr vormittags, im Apollo-Theater, Wien, VI. Kartenvorverkaufsstellen: M. Neumann, Wien, I., Karntnerstraße 12, Tel. R 28-1*81 Jüdische Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R 28-2-36 Buchhandlung R. Löwit, I., Wollzeile 6, Tel. R 25-4-53 Bücherstube M. Rath, II., Taborstraße 20a, Tel. R 45-305 Buchhandlung Rieh. Lanyi, I., Kärntnerst. 44, Tel. B 26-3-33 Keren Hajessod, I., Marc Aurelstraße 5, Tel. U 22-2-17 und an der Tageskassa des Apollo: Wien, VI., GumpendorferstraBe 63, Tel. A 34-5-50. Der Ecuador-Plan vor dem Scheitern New York, 12. November (2.T. A.) Die Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society (HIAS) hat einen Bericht ihres Pariser Büros veröffentlicht, in dem festgestellt wird, daß die Durchführung der, Pläne, Juden in Ecuador anzusiedeln, durch finanzielle und politische Schwierigkeiten aufgehalten worden ist. In dem Bericht heißt es u. a.: Wir hatten Gelegenheit, den Entwurf eines Vertrages zu prüfen, der von der Regierung von Ecuador und dem Pariser Komitee unterzeichnet werden sollte. Dieser Vertrag bezieht sich auf einen Kolonisationsplan, dessen Verwirklichung Millionen Dollar erfordert. Da diese Millionen fehlen, kann der Plan natürlich nicht verwirklicht werden. Seit der Niedorlegung des Vertragsentwurfes ist der Präsident von Ecuador gefangen gesetzt worden und eine Militärdiktatur wurde errichtet. Eine Anzahl Ausgewander-i ter, die wir individuell nach Ecuador schicken wollten, hat es im Hinblick auf diese Verhältnisse abgelehnt, die Reise anzutreten,

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