Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 499 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054255--5458-3061195- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r t«ft# - DIC «TtMMI Nr. 400 — 15. November 1985 Der Z.A.V. -Dar.Kod.fce«, Wien gratuliert herzlichst seinem Heben A H. Dr. Jeheskel Rathaus anläßlich seiner Vermählung mit Frl. Edith Zellermayer f. d. Activitas cand. merc A. Beiipern A. E. F. Dr. Moses Slöckl EINZIG IN WIEN!!! rein seiden Herren Bernden beste paßform nur b e i neuen Vorwand für die zentrale Forderung: Drosselung der Alijah zu liefern. Die Gunst der augenblicklichen Lage in der Wirtschaft hilft dabei nicht schlecht mit. Nach dien arabischen Wortführern halten wir schon bei 20.000, selbst bei 80.000 jüdischen Arbeitslosen im Lande, und wie weit soll das noch kom men? Es stehe ja zu befürchten, daß diese Leute „den arabischen Steuer Zahlern zur Last fallen würden.“ Wie man sieht, läßt sich auch der Humor für politische Zwecke auswerten. Und dabei können wir niemals wissen, welche Ergebnisse aus solchen Aktionen für uns erwachsen können. Wir haben allerhand Et fahrungen hinter uns. Was auf alle Fälle bleibt, ist der Haßniederschlag einer wochenlang betriebenen gewissenlosen Hetze. Und der Regierung ist der Vorwurf nicht zu ersparen daß sie diese Hetze praktisch duldete, trotz der formalen Verwarnungen an manche Zeitungen, die so gut wie nicht beachtet wurden. Wie es in Wirklichkeit um die Wehrlosigkeit der Araber bestellt ist, geht aus der Tatsache hervor, daß Dschemal el Husseini, der Präsident der Mufti- Partei, seit Monaten mit größter Intensität an der Aufstellung von organisierten Kampfgruppen dm ganzen Lande arbeitet. Das geschieht öffentlich und gesetzlich, auf Grund eines Beschlusses der Partei. Den Grundstock dieser Gruppen bilden -de bestehenden Pfadfinder- und Sportorganisationen und die reiferen Schülerjahrgängse, und man erklärte ohne jede Beschönigung, daß die nationalsozialistischen Formationen diesen Organisationen zum Vorbild dienen sollen, und die militärische Ausbildung wurde sachverständigen Instruktoren aus Syrien und anderen Ländern übertragen. Außerdem bildet es für niemand ein Geheimnis, daß es geheime Organisationen gibt mit politischen Zielen, bei deren Durchsetzung sie auch vor terroristischen Mitteln nicht zurückscheuen Einige Aufschlüsse hierüber erfuhr man vot einiger Zeit gelegentlich einer Gerichtsver handlung, deren Gegenstand die Ermordung eines Arabers in Koloniah bei Jerusalem im Zusammenhang mit Bodenverkauf an Juden war. Ebenso weisen hierauf Hetz blätter geheimen Ursprungs sowie alias in Wäsche und Wirkwaren billigst BERGMANN, I., Rabensteig 3, U 20-709. Hlmmelpfortg. 5, R 25-8-84. Köllnerhofg 1# R 26-8-99 Wir bitten/ sich bei jedem Einkauf auf unser Blatt zu berufen sollten, daß diese Waffen wirklich für eine Anzahl Juden bestimmt waren — eine Annahme, für die es nicht den geringsten Anhaltspunkt gibt — auch dann würden wir Ihnen den Rat geben: Gehen Sie zu Ihren Volksgenossen und sagen Sie ihnen, daß sie ruhig in ihren Betten schlafen können. Sagen Sie ihnen, was sie ja ohnehin wissen, daß selbst wenn jedes jüdische Haus bewaffnet, jeder jüdische Vorposten befestigt und jede jüdische Siedlung mit Waffen vollgespickt wären, daß Sie und Ihr Volk auch dann in Ihren Betten ruhig schlafen könnt. Ohne schmerzvolle Erinnerungen wachrufen zu wollen, die besser vergessen bleiben Ihre Volksgenossen mögen auch in den entlegensten Winkeln sicher sein — und Sie selbst sollten in ihnen diese Sicherheit verstärken — daß sich unter Juden niemals ein wahnsinniger Pöbel finden wird, der unter Frauen, Kindern und Greisen ein Blutbad anriohten würde, wie dies an den Juden von Hebron und S a f e d vor sechs Jahren verübt wurde.“ Und an die Juden gewendet, würde das Blatt als Regierung schließen: „Gehet ruhig euren Geschäften nach in der Überzeugung, die nicht weniger unsere Überzeugung ist wie die eurer arabischen Nachbarn, daß, wenn die Gefahr für die öffentliche Sicherheit nur bei der jüdischen Gemeinschaft läge, dieses Land wohl der sicherste Flecken auf dem Erdenrund wäre.“ Vor der Rückkehr des High Commissioner nach Palästina Jerusalem, 11. November. (2. T. A.) Der Verband der arabischen Jug e n d Palästinas propagiert für den 13. November, den Tag der Rückkehr des High Commissioner Sir Arthur W a uc h o p e nach Palästina, einen Generalstreik. Die Streikparole wird jedoch von sämtlichen arabischen Parteien, auch von dem extrem-nationalistischen Flügel, abgelehnt. Laut „Falastin“ bringe Sir Arthur Wauohope die Zustimmung des Kolonialminis ters Malcolm MaoDonald zur Schaffung des Legislative Cou neil mit, und werde sofort nach seinem Eintreffen die Verhandlungen mit den Juden und den Arabern über Verwirklichung dies Plans des Legislative Council erneuern. Restaurant ^3 Bestrenommierte Küche Reichhaltige Menüs ä S 1‘90 u. 2’60 ll.,Hammerpurgstal!gasse3 (nächst Salztorbrücke) Mord am Polizeisergeanten Rosenfeld noch nicht aufgehlärt In der Nähe von Ajn Charod wurde der jüdische Polizeisergeant Mosche Rosenfeld ermordet aufgefunden. Der Leiter der politischen Abteilung der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Mosche Shertok, hat sich nach Ajn Charod begeben, um an der Untersuchung des Falles mitzuwirken. Von den Mördern fehlt noch immer jede Spur. Der Mord geschah am Fuße der Gilboa-Hügel, am Körper Rosenfelds wurden drei E i nschußstellen festgestellt. Neben dem Toten fand man eine arabische Scout-Uniform, einen Revolver und Proviant. Man nimmt an, daß Rosenfeld ermordet wurde, als ex in den Orangenhain von Ajn Charod eingedrungene arabische Diebe verscheuchen wollte. Rosenfeld, deT 28 Jahre alt wurde, ist der Sohn eines jtidi sehen Kolonisten. Er wurde in der Kolonie Menatihemia geboren. Seit 10 Jahren diente er bei der Polizei. „Einzelaktionen“, sowie unter starken Druck seitens der ^Beratungsstellen“ der Deutschen Arbeitsfront immer panikartigere und verhängnisvollere Formen an; die Juden erhalten für ihre Betriebe nur einen kleinen Bruchteil des wirklichen Wertes. Den Ausschlag in dieser Frage gibt Reichsinnenminister Doktor F r i c k, der sich, wo es gegen die Juden geht, jeder besseren Einsicht verschließt. An der Berliner Börse machten sich am 8. und 9. November Zeichen der Panik bemerkbar, da Gerüchte im Umlauf waren, daß während der Feier des Gedenktages des nationalsozialistischen Aufstandes in München die Durchführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen bekanntgegeben werden würden. Die Gerüchte haben sich nicht bewahrheitet. Eingeweihte wollen wissen, daß die Durchführungsbestimmungen den jüdischen E ngros- und Detail-Handel einschneidend berühren, ferner den Ausschluß jüdischer Ärzte und Anwälte von der Praxis und eine „Regelung“ des jüdischen Grundbesitzes im NSDAP.-Sinn erbringen werden. Der „Christliche Ständestaat" Judengesetze und Olympiade Gut möbliertes Zimmer separiert, Bad, Telephon, eventuell Vension per sofort zu vermieten 15. Bezirk, Idagasse 7117 und plötzliche Polizeidurchsuohungen hin. Eine kommunistische Sekte, die ein ständiges Kontingent für die Gerichtstätigkeit liefert und eine erbitterte Feindin des jüdischen Werkes ist, ist diesen Wühlergruppen hinzuzuzählen. Es ist schwer zu sagen, in welchem Grade all diese Erscheinungen ernst zu nehmen sind, der Jisohuw läßt sich in seiner Arbeit von ihnen in keiner Weise beirren. Aber wenn man sich klar macht, daß dde Waffeneinfuhr nach Transjordanien unbehindert nnd der Verkehr der arabischen Bevölkerung in beiden Hälften des Landes praktisch ohne Beschränkung vor sich geht, wird es unschwer sein, sich ein Bild davon zu machen, wie die Wehr- und Waffenlosigkeit der palästinensischen Araber in Wirklichkeit au »sieht. Unter der Überschrift „W enn wir die Regierung wären“ nimmt die Jerusalemer ,,P a 1 e s t i n e Poet“ in treffender Weise zu dem Fall Stellung. Es würde als Regierung den Arabern sagen: „Wenn Ihr, Gentlemen, behauptet, daß diese Waffen eine Bedrohung der Sicherheit der a.rabisehen Bevölkerung bilden, so sagen Sie böswillig etwas wovon Sie wissen, daß es unwahr ist. Selbst wenn wir annehmen Wie der Berliner Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur erfährt, waren lange vor Verkündung der Nürnberger Judengesetze zwischen verantwortlichen Führern der deutschen Judenheit und dem Redchswirtsohaftsminister Doktor Schacht Besprechungen darüber geführt worden, welche Vorkehrungen zu treffen wären, damit die nun nicht mehr zu vermeidende Liquidierung der Betriebe und des sonstigen Besitzes der Juden in Deutschland eich für diese weniger schmerzlich und nicht in einer auch die gesamte deutsche Wirtschaft schädigenden Panik vollzieht. Die jüdischen Führer wußten vorher schon, daß zugleich mit der Verkündung der Nürnberger Gesetze eine hemmungslose Aktion zur Ausmerzung der Juden aus Handel und Grundbesitz eingeleitet werden solle; war doch bereits zur Vorbereitung der Verkündung der Judengesetze ein „M 0 n a t der Judenverfolgungen“ proklamiert worden. Die jüdischen Führer, von denen einige in der deutschen Wirtschaft einst führend und Mitarbeiter Dr. Schachts waren, unterbreiteten den folgenden Plan: 1. Gründung einer von der Regierung anerkannten „Liquidations-Bank“; 2. größere Erleichterungen für Juden, die Deutschland verlassen wollen, ihr Kapital oder Teile desselben auch in andere Länder als Palästina zu bringen. Dr. Schacht verhielt sich diesen Vorschlägen gegenüber zu stimmend und I war auch optimistisch hinsichtlich| ihrer Durchführbarkeit, er selbst aber glaubte nicht, daß die Judengesetze in Nürnberg verkündet werden würden, noch weniger, daß sie, falls verkündet, die Wirtschaft tangieren werden. Die Verkündung der Nürnberger Gesetze, die angeblich über den Kopf Doktor Schachts hinweg erfolgte, hat diese Be sprechungen zum Stillstand gebracht. Wenn auch Schacht weiterhin ein gemäßigteres Vorgehen gegen die Juden in der Wirt Schaft wünscht, so glaubt doch niemand mehr, daß er Wesentliches erreichen wird. Dr. Schacht, darauf bedacht, seine in Nürnberg erlittene persönliche Schlappe auszuwetzen, bringt nicht mehr so viel Energie wie früher auf, um die deutsche Wirtschaft an sich vor dem Niederbruoh zu retten. Ein Hauptgrund, weshalb die deutsche Regierung mit der Verkündung der Durchführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen zögert, ist der, daß sie eine nachteilige Wirkung auf die im Dezember tagende Konvention der American Amateur Athletic Union befürchtet. Wird sich die A. A. U. entschließen, zur Berliner Olympiade zu kommen, dann fällt jedes Hemmnis fort, und die Durchführungsbestimmungen werden verkündet werden. Sollte es schon vorher feststehen, daß die A. A. U. sich für Berlin entscheidet, so dürften die Durchführungsbestimmungen früher bekanntgegeben werden. Inzwischen nimmt die Liquidierung jüdischen Besitzes als Folge unterbrochenen gegen die Olympiade Das offiziöse Organ des österreichischen Klerus, „Der christliche Ständest a a t“, bringt einen sehr scharfen Artikel gegen den Geheimerlaß des Propaganda* miinisters des Dritten Reiches, Dr. Goebbels, über die Eliminierung der Namen der jüdischen Kriegsgefallenen von den Ehrentafeln. In dem Artikel beißt es unter anderem: Die Welt ist viel gewöhnt — sie hat es gelernt, sich über nichts mehr aufzuregen, was aus dem Dritten Reich kommt, und dieses etwa so zu betrachten, wie einen Raubt i er käfig, vor dessen Inhalt man eine Mischung von Angst und Neugierde empfindet. Die Welle des Abscheus und der Empörung zu Beginn der „nationalen Erhebung“ verebbte bald und machte „nationalen“ und „politischen“ Erwägungen, Pak-i ten und Sicherungen Platz — um im Bilde zu bleiben, man interessierte sich mehr für das Gitter als für das, was dahinter liegt und ließ das Dritte Reich Drittes Reich sein, oder fing gar an, zu glauben, daß es Deutschland sei. Da geschah in diesen Tagen — man glaubte offenbar in Berlin die Interessen der ganzen Welt ganz und gar auf den abessinisohen Konflikt konzentriert — etwas, was selbst den stumpfsten Nerven zu viel war und was kein Brückenbauer“ wagen könnte, irgendwie zu beschönigen. Die systematische Judenverfolgung des Dritten Reiches machte vor dem Tod nicht halt. Das Reichspropagandaministerium gab eine „Geheimanweisung“ heraus, daß in Zukunft auf Totengedenktafeln die Namen jüdischer Gefallenen — für Deutschland Gefallenen —- nicht mehr zu nennen seien. Gleichzeitig wurde es den lokalen Behörden überlassen, bestehende Ehrenmale durch neue, „judenreine“, zu ersetzen. Die Empörung der ganzem Welt war ungeheuer und einhellig. Es gab niemanden, der gewagt hätte, diesen Leichenschändungsversuch irgendwie, zu verteidigen. Für einen Moment nur, aber immerhin für einen Moment, wurde das Interesse der Kulturmensohheit von den Nebenproblemen, mit denen sie sich augenblicklich beschäftigt, abgezogen und auf das große entscheidende Problem hingelenkt, vor dem eie immer wieder die Augen verschließt: die Existenz einer kompakten, bedrohlichen Masse in Europas Mitte, die alle Grundlagen von Recht und Sitte leugnet und mit Füßen tritt, was diesem Europa heilig ist — oder sein sollte. Der Artikel schließt: Mit der Feststellung dieser Empörung sollte sich die Welt aber nicht begnügen. Eine praktische Konsequenz liegt nabe. Ein Wort genügt: Olympiade. Sollen Menschen, die auf Menschenwürde noch Wert legen, wirklich der Einladung zu harmlos-sportlichen Wettkämpfen in ein Land folgen, in dem solche Erlässe gemacht werden? Das „N e i n“ auf diese Frage muß das „ceterum oenseo“ aller anständigen Menschen in den kommenden Wochen sein, ob man nun damit durohdringen wind oder nicht,