Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 499 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054255--5457-3061194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 499 — 15. November 1935 Dil ttlMMI Seit« 3 \Mottus KREUZ OPERN Hugo Bergmann, Rektor der Hebreisdien Universität Der Senat der Hebräischen Universität Jerusalem hat den Professor an der Philo sophischen Fakultät Dr. Hugo Bergmann zum Rektor für das Studienjahr 1935/36 gewählt. Die Würde eines Rektors der Hebräischen Universität ist in diesem Jahr zum erstenmal verliehen worden. Während früher die wissenschaftliche und administrative Leitung der Anstalt im den Händen des Universitätskanzlers lag, ist auf der im Sep- Land der Verheißung! teraber d. J. in Luzern abgehaltenen 9. Tagung des Kuratoriums der Universität das Amt des Universitätskanzlers abgesohafft worden, nachdem Dr. Juda L. Magnes, der dieses höchste Amt der Universität seit ihrer Gründung bekleidete, seine Demission gegeben hatte. Dr. Hugo Bergmann, der erste Rektor der Hebräischen Universität Jerusalem, stand bis vor kurzem an der Spitze der Jerusalemer Univensitäts- und Nationalbibliothek. Er trat von dieser Stelle Mitte Mai d. J. zurück, um sich vollständig philosophisch-wissenschaftlicher Arbeit widmen zu können, und wurde im September zum ordentlichen Professor an der philosophischen Fakultät ernannt. Über die 15 Jahre seiner Arbeit an der Universitätsbibliothek, deren Leitung jetzt der berühmte Orientalist und frühere Professor an der Universität Frankfurt a. M. Dr. Gotthold Weil übernommen hat, veröffentlichte Pro fessor Bergmann vor kurzem eine Monographie, die einen umfassenden Überblick über Aufbau und Bestände der Bibliothek bietet. Als einer der Gründer und geistigen Führer der die Versöhnung zwischen Juden und Arabern in Palästina anstrebenden „B r i t S c h a 1 o m“-Bewegung war Dr. Bergmann in der Vergangenheit häufig Angriffen von gegnerischer Seite ausgesetzt. Dr. Bergmann steht im 52. Lebensjahre. zugelassenen Ärzte sich ausschließlich im Bereich des betreffenden Instituts betätigen dürfen. Ferner bestimmt das Gesetz, daß es allen Ärzten verboten ist, sich in kaufmännischen Geschäften zu betätigen. Ebenso ist den Ärzten verboten, durch Inserate Propaganda zu machen, und zwar weder in Zeitungen, noch auf andere Weise. Erlaubt ist lediglich ein Namensschild an dem Hause, wo sich die Ordination befindet. Der Arzt darf auch nicht dulden, daß andere für ihn Propaganda machen, und er darf weder Patienten anwerben, noch zu diesem Zweck Agenten beschäftigen. Agrarbank der Palästina- Regierung Jerusalem, 12. November. (2. T. A.) Die Vorbereitungen zu der Eröffnung der Agrarbank der Palästina-Regierung sind in vollem Gang. Das Kapital der Bank beträgt 400.000 Pfund in Aktien zu je 1 Pfund. Größere Aktienpakete befinden sich im Besitze von Barclays Bank, der Anglo Palestine Bank, der Versicherungsgesellschaft „Prudential“, der Versicherungsgesellschaft „Guardian Eastern“, der Ottoman Bank und der New-Yorker Palestine Economic Corporation. Der Leitung der Bank wird ein aus vier Personen bestehender Aufsichtsrat zur Seite stehen. Mitglieder des Rates werden sein: ein vom High Commissioner zu ernennender höherer Beamter der Palästinaregierung, der Direktor von Barclays Bank, Herr Clark, Land der Verheißung! wirte in den Rat berufen werden. Der Verband der jüdischen Landwirte hat 15.000 Pfund zum Kapital der Agrarbank beigetragen. „Haavarah“ und der deutsche Export nach Ägypten Jerusalem. 13. November. „Hajarden“ veröffentlicht den Text eines Schreiben? der „Haavarah“ (Kommission für Transfer Deutschland—Palästina) an einen deutschen Kousul in Ägypten, worin dieser ersucht wird, für eine Erhöhung des deutschen Imports in Ägypten, der durch die Haavarah geht, zu sorgen. Dabei erklärt sich die „Haavarah“ bereit, etwaige Preisunterschiedsverluste im Interesse der Verstärkung der deutschen Einfuhr in Ägypten und den Ländern des Nahen Ostens zu tragen. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur erklärte die „Haavarah“- Leitung, der Brief sei authentisch und wurde geschrieben, um die Möglichkeit zur Rettung immer größerer jüdischer Kapitalien aus Deutschland zu erhalten. Die Kopie des Briefes wurde aus dem Tel-Aviver „Haavarah“- Büro entwendet. Die Polizei hat in der Redaktion des „Haavarah“ eine Haussuchung vorgenommen, die aber keine Resultate erbracht hat. und je ein Vertreter der jüdischen und der arabischen Landwirtschaft. Als Vertreter der Juden wird ein angesehener Führer des Verbandes der jüdischen Land- 1934 wurden 7 Millionen Pfund Ins Bauwesen Palästinas Investiert Jerusalem, 12. November. (2. T. A.) Das Handelsbulletin der Regierung teilt mit, daß im Jahre 1934 in 26 Orten Palästinas 7 Millionen Pfund (gegen 5*6 Millionen Pfund im Jahre 1933) in Neubauten investiert worden sind. Land der Verheißung! als Generalrepräs. der l|VKDI9 Gdynia - Ameryka Line Telephon-Nr. R 21-9-78 Offizielles polnisches .Reisebüro Wien, I., Kärntnerstraße Nr. 41 bietet auf Luxusdampfern sehr billige und bequeme Reisen. Ab Constantza nach dem Orient und ab Gdynia nach Nordamerika. Abfahrt jede Woche. Reichliche Verpflegung. Streng rituelle Kticho. Außerdem Verkauf von Eisenbahn- Flugkarten nach allen Ländern. — Erledigung sämtlicher Paßangelegenheiten. sn Die Palästina-Regierung hat eine Verordnung erlassen, die folgendes besagt: Eino Erlaubnis, sieh als Arzt niederzulassen, kann von jetzt ab nur der bekommen, wer denn Leiter der Abteilung für Gesundheitswesen nachweist, daß er 1. einen einwandfreien Leumund besitzt, 2. nicht weniger als fünf Jahre an einer Universität oder Hochschule, die von der palästinensischen Regierung anerkannt wird, studiert und ein Diplom erhalten hat, 3. daß er dio palästinensische Staatsbürgerschaft oder das dauernde Aufenthaltsrecht im Lande besitzt. Diese Nachweise müssen alle Bewerber erbringen. Zugleich aber gibt das Gesetz dem High Commissioner das Recht, die Zahl der Lizenzen für die, die dio palästinensische Staatsbürgerschaft oder das dauernde Aufenthaltsrecht nach dem 1. Dezember 1935 erlangen, zu begrenzen. Nicht später als bis zum 31. Dezember jedes Jahres wird der High Commissioner die Maximalzahl der Lizenzen, dio solche Personen im Laufe des künftigen Jahres erhalten können, festsetzen. (Einer unoos tätigten palästinensischen Zritungsmcldung zufolge soll diese Zahl 5 bet'-;vgen. — A. d. R.) Ärztliche und wissenschaftliche Anstalten können Lizenzen für Ärzte auch außerhalb dieser jährlichen Quote anfordern, doch werden die auf solche Weise. .luden über dich, armes Arabien!" Von Ch. Haller, Tel*Aviv Am 15. Oktober 1935 glänzte dem Hafenlastträger Ibrahim Hussein el Ladavi in Jaffa aus dem Loch eines beschädigten Bleohfasses etwas Goldenes entgegen. Nichts natürlicher, als daß Ibrahim in das Zementmehl, in dem das Ding steckte, hineingriff. Er zog eine schwere Blechkiste heraus, und siehe da: zwei Mauserpistolen deutscher Provenienz und 1000 Patronen waren darin. Das war freilich kein Schatz, wie ihn Hussein Ibrahim erhoffte, aber als solcher erwies sich der Fund für jemand anderen. Seit dem Al-Piterfeste im Jänner 1934 waren die arabischen Politiker Palästinas praktisch arbeitslos. Damals veranstalteten sie Kundgebungen gegen die englische Mandatspolitik mit dem Ergebnis, daß sie ein schmähliches Fiasko erlitten, von dem sie sich lange nicht erholen konnten. Hierzu gesellte sich ein zweites Mißgeschick: einige Monate darauf wurde mehreren der leitenden Politiker, die die voraufgegangenen blutigen Demonstrationen vom Oktober 1933 auf ihrem Gewissen hatten, der Prozeß gemacht. Das Urteil lautete auf 5 bis 10 Monate Gefängnis oder Verpflichtung zu gesetzlichem Wohl verhalten für drei Jahre. Mit Ausnahme eines einzigen, des Scheichs M u z a f f a r, unterfertigten die nationalen Gewaltigen schnell und heldenhaft das ihnen vorgelegte Papier, und ein riesiges Gespött aus ihrer nicht sehr dankbaren Gemeinschaft heraus war die Quittung. Wer wird nun kein Verständnis dafür haben, daß sich dio von so viel Pech Verfolgten auf den Jaffaer Waffenfund warfen, wie der Wüstenwanderer auf eine plötzlich entdeckte Wasserquelle! Am nächsten Tag erschienen die drei Jaffaer Zeitungen in gewaltiger Aufmachung des Falles: ein riesiger Woffenschmuggel wurde entdeckt, und daß er gleich auf jüdische Rechnung gesetzt wurde, ist selbstverständlich. Laut durehgeführter Untersuchung enthielten von 537 Fässern Zement 359 Waffen und Patronen, und der „F a 1 a s t i n“ weiß ganz genau daß dieser Sendung vier andere voran gegangen sind. Eime weder vom guten Ge schmack noch von der Logik irgendwie gehemmte Hetzkampagne ßetzte ein. Man führte dem Volke die nun so augenscheinlich bewiesenen Vorbereitungen für einen plötzlichen jüdischen Überfall auf die Araber vor Augen. Der Scheich F a r o u k i, Redakteur der „Islamiah“, legte dar, daß jedes Haus in Tel-Aviv vollgespickt von Waffen sei, und nicht anders sei es in den Kolonien. Ja, wie er gehört habe, seien in diesen auch nicht wenige Kanonen versteckt. „Wird nun“, so fragt er, „die Regierung auch den Arabern erlauben, was den Juden gestattet ist?“ In zahllosen Artikeln und Versammlungen wurde nachgewiesen, daß die Sicherheit der arabischen Bevölkerung mit den Machtmitteln der Regierung allein nicht mehr gewährleistet sei und sie müßten dafür jetzt selbst sorgen. Damit aber nicht genug, schickten sie dringende Appelle an die ganze arabische Welt um Hilfe. Die Partei des Mufti schickte Telegramme an das englische Kolonialministerium, au dio „T i in e s“, die „M o r n i n g - P o s t“, den „Daily II e r a 1 d“, „D a i 1 y Mai 1“, „Daily E x p r e ß“, an den Bischof von Canterbury, an das Englische Frauen-Komitee und in beredter Schilderung legte sie die Gefahr dar, in d.ie das waffen- und wehrlose arabische Volk durch die jüdische Waffenrüstung, unterstützt durch mächtige finanzielle und politische Kreise, gebracht wurde. Es würden diejenigen fehlgehen, die die Beschäftigung mit all diesem Unsinn auf seiten der Juden bagatellisieren wollten; er bildet in diesem Lande einen politischen Faktor. Angst ist ein ansteckendes Element, und kein Popanz ist so unsinnig, als daß der Schreck vor ihm einer kritiklosen Masse Vor lästigen Verfärbungen schützt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpaeta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen I 'im innü m «S m Kleine Tube S —.90 GroOe Tube 3 140 nicht eingeredet werden könnte. Und das tun gewissenlose Führer wider ihre bessere Überzeugung. Eine ad hoc zustandegekommene Einigung der rivalisierenden Parteien entsandte eine Delegation an den amtierenden Stellvertreter des Oberkommissärs, der in England weilt, brachte ihre ,,schweren Sorgen“ vor und stellte ihre Forderungen: Auslieferung der jüdischen Waffen, Durchsuchung jedes jüdischen Hauses, Durchsuchung jedes jüdischen Gepäcks, Übertragung der Überwachung der illegalen Einwanderung an die Araber, Auswechslung der jüdischen Beamten. Die Regierung versprach strenge Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen, und sie schickte einen Beamten nach dem Ausland, um die näheren Umstände der Sendung klarzustellen. Eine Bemerkung jedoch, die der stellvertretende Oberkommissär in der Unterredung machte und den Hetzherren natürlich nicht paßte, wurde von ihnen in ihren Berichten unterdrückt, daß die bisherigen Untersuchungen keinen Hinweis darauf ergeben, daß der Waffenschmuggel mit den Juden in Zusammenhang stehe. Die Aktion hat mit der Durchführung Land der Verheißung! eines eintägigen Generalstreiks ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Hiefür wurde klugerweise ein Samstag gewählt, der viele Vorteile hatte. Der Volkszom verhinderte nicht die Forderung, daß die Sache mit den geringsten Unkosten durchgeführt werde und man wollte auf die jüdische Kundschaft an einem Wochentage nicht verzichten. Für die Politiker wieder hatte der jüdische Schabbat das gute, daß an ihm über die wichtigsten Verkehrspunkte ohnehin die Arbeitsruhe ausgebreitet ist und zu dem gewünschten Generalstredkeindrack sehr beitragen konnte. Die arabischen Dörfer gingen ihrer Arbeit nach, ebenso die Arbeiter in den jüdischen Kolonien, bei den Wetterharte Menschen?***«*» fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwenden ständig zurPflege und zurStählung ihresKörpers den vielfach bewahrten ’iana Franzbranntwein mit Menthol Kräftigt durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege. städtischen und Regierungsarbeiten. Nach all dem sollen wir uns nicht verhehlen, daß diese Führer es noch immer in der Hand haben, einen bedeuten-! den nationalen Druck auf das Volk auszuiibon. Und noch etwas: bei einer solchen Gelegenheit reichen sich sämtliche Judenfeinde, die offen und die verkappten, die nicht wenige sind, die Hände, um einer gegen uns gerichteten Bewegung zum Er» folg zu verhelfen. Die große Ausschlachtung des Waffensohmuggels hatte in sich vor allem die wunderbare Chance, das eigene Ansehen im Volke wieder aufaulrieohen and fttaeii