Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 497 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054243-3054253--5444-3061179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Satt# 0 Dil STIMMI Nt. '497 — 8. November 1936 Von Dr. Hugo Bojko entwachsen sind" (Götz von Seile, in „Hochschulrevolution und Politische Universität“, Minerva-Zeitschrift, Juli-August 1933). Aber auch die Gegner erblicken nicht in Lagarde oder Moeller von der Bruck den Vater des Dritten Reiches, sondern in George: „Nationalsozialismus: das ist nicht Rose.nberg und nicht Goebbels, am allerwenigsten Hitler, das ist George“, schreibt der Wiener Philologe Benda. Aber beide Feststellungen sind nicht ganz genau: es müßte heißen: Nationalsozialismus, das ist der Kreis um George. Dieser Kreis setzte .sich zum größten Teil aus jüdischen Renegaten zusammen — nur der ZionLst Wolfskehl ist bewußter Jude. Obwohl nun diese Sippe (Gundolf, Woltem, Simmel, Friedemann, Singer, Landsberg, Kantorowicz, Andrian und andere) durchaus nicht judenfreundlich war, so konnte sie doch nicht gut ihren Kulturpessimismue in Antisemitismus abreagieren — deshalb erfand sie als Sündenbock das Slawentum, das sie für alles Weiche und Demütige im Deutschtum verantwortlich machte, deshalb warf sie Österreich, das dem preußischen Kommandoton abhold war und ist, eine „slawische Gerichtetheit“ vor! George selbst war der Rassismus fremd, seiner antikiec-hen Haltung entsprechend verurteilte er durchaus nicht, daß die Germanen einst nach Süden zogen und sich mit den Völkern „im Reich von Korn und Wein“ vermischten, seine Bücher wie alle Veröffentlichungen des Kreises erschienen im Verlag des Berliner Juden Georg Bondi, seine besten Freunde und Mitstreiter waren Juden, der einzige Begleiter seiner letzten Lebenswochen war Karl Wolfskehl — wie ja George selbst den Nationalsozialismus verabscheute, der jene Menschenart bewußt heranzüchtet, die er leidenschaftlich haßte, jenen „artlosen, aber bis zum letzten, ja über das von Natur gegebene Maß zuverlässigen, aber liebeleeren, aber in jedem Augenblick tätigen und durch keine innere Erschütterung im Handels beirrbaren Menschen; der staatlich war, aber von fragloser Todbereitschaft, für den Können und Müssen eins war, aber aller innere Drang nur im Befehl, aller persönliche Wille nur in Pflicht aufging.“ Jedoch in vielen anderen „Belangen“ lieferte er, der edle, oft ergreifende Lyriker, da er sich überdies zum Prophetenamt berufen glaubte oder wenigstens von seinen eifrigen, allzu eifrigen jüdischen Anhängern zum Seher erhoben wurde, dem Nationalfaeohismus Material, woraus zweifelhafte Literaten vom Schlage eines Goebbels — Hakenkreuze stanzten! Es wird in etlichen Jahren, wenn von der Hakenkreuzpest nur mehr die leider zahlreichen Friedhöfe Kunde geben werden, interessant sein, nachzuforschen, wie das von tragischjüdLschen Hirnen erzeugte Gift in ein fremdes Volk eingednmgen ist, diese Ideen als „arteigen“ aufgegriffen wurden und eine heftige Reaktion gegen ihre Urheber erzeugten. So ist der scheusälige Goebbels, der den Horst-Wessel-Mythos künstlich erzeugt hat, Gundolf-Schüler gewesen! Er hat es dem Kreis abgeguckt, wie man einen Mythos fabriziert. (Fortsetzung folgt.) Das beste Einreibungsmittel bei Schmerzimd Ermüdungszuständen ist der jahrzehntelang bewährte DIANA - Franzbranntwein mit Menthol. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 rELEPHONNUMMEW A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. "ittfS-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos lX.,Bergga88e 15, XVIII.,Währingerstraße 71 .... —' .. Sektionsheim (I,n"ere stadt>. k°m(; plett eingerichtet) für Vereins- und Klubabende geeignet, für einige Tage in der Woche zu vergeben* Anfragen bei Herrn LEWIT (Viktoria- Druckerei), IV., SchäfFerg. 13a. Tel. B 28-4-95 Im Herzl-Klub hielt Dr. Bojko einen Vortrag, dem wir einige Abschnitte entnehmen. Dr. Bojko, ein anerkannter Forscher auf dem Gebiete der Pflanzensoziologie, errichtet demnächst in Palästina eine pflanzensoziologischo Station, der internationale Bedeutung zukommen wird. Es ist. selbstverständlich, daß der nicht zu unterschätzende Erkenn tu iß trieb de«s Menschen gegenüber den unzähligen ungelösten Problemen, die uns die Natur stellt, gerade durch diese Wissenschaften einer Befriedigung nähergeführt wird. Aber auch vom teleologischen Standpunkt aus müssen wir zugeben, daß alle die größten Fortschritte in der Landwirtschaft und der Viehzucht, der Forstwirtschaft, eine Unzahl der größten Errungenschaften der Medizin vor allem auf den ihnen vorangehenden Ergebnissen der biologischen Forschung beruhen. Um etwas aus der eigenen Werkstatt zu erzählen: Wir sind zum Beispiel heute imstande, bei Entsumpfungen oder sonstigen künstlichen Grundwassererhebungen und -Senkungen den für die umliegenden Felder günstigsten Stand zu berechnen und die technischen Arbeiten danach einzurichten, vorausgesetzt, daß wir vorher eine pflanzensoziologische Untersuchung der wildwachsenden Arten im Gebiete durchgeführt haben. Das heißt, die Bedingungen erforscht haben, unter denen sich die verschiedenen Arten zu ganz bestimmten Gesellschaften zusammenschließen. WTir dringen aber auch auf Grund der allgemein biologischen, der botanischen und zoologischen Experimente immer tiefer in die wichtigsten Lebensprozesse ein, wie die Vererbung, den Kreislauf der Stoffe in der Natur und gewinnen so Erkenntnisse, die allmählich auch unmittelbar für die Menschheit immer größere Bedeutung gewinnen. In welchem Zusammenhang steht nun dieses gewaltige Arbeitsfeld menschlichen Geistes mit dem Judentum? Nicht mit den einzelnen Juden, die wie überall im Geistesleben auch hier Außerordentliches geleistet haben. Nur wenn wir so fragen, wenn wir die Beziehungen dieser Kulturgebiete zum Judentum selbst, zum jüdischen Volk aufzudecken trachten, werden wir unserem Standpunkt gerecht. Diese Beziehungen waren bisher nur äußerst geringe. Die Werte, die dureh dies-e Wissenschaften geschaffen wurden, sind in ihrem Wert für das Judentum nur gauz unbedeutend. Wir haben auch mit jenen verhältnismäßigen Anteil an diesen Werten, der unserem zahlenmäßigen Anteil innerhalb der Menschheit entsprechen würde, obwohl das für jedes andere Kulturvolk Geltung besitzt. Das französische, spanische oder irgend ein anderes Volk des europäischen Kulturkreiises hat selbstverständlich auch an den, neue Werte schaffenden Entdeckungen eines anderen Forschers seinen Anteil und umgekehrt. Ebenso haben sämtliche Völker Anteil an den von Juden geschaffenen hohen Werten auf allen diesen Gebieten. Hier aber ist das Wort „und umgekehrt“ nur mehr sehr eingeschränkt zu gebrauchen. Und dies gilt ganz besonders für die Naturwissenschaften, denn gerade von der Urproduktion, die die Hauptnutznießerin dieser Entdeckungen ist, ist das jüdische Volk in fast allen Ländern des Galutih so gut wie ausgeschaltet. Dabei ist die außerordentliche schöpferische Kraft, die dem jüdischen Volke innewohnt, auch in diesen Disziplinen, obwohl es den wenigsten bekannt ist, besonders stark zutage getreten. Die Quellen, aus denen wir unser Wissen darüber schöpfen können, sind allerdings sehr unzulänglich; sie sind entweder antijüdisoh oder zumindest a-jüdisch und selbst in jüdischen Kulturgeschichten können wir uns leicht davon überzeugen, daß wir, nicht nur die anderen, sondern auch wir selbst bei vielen jüdischen Forschern gar nicht wissen, daß sie Juden waren oder sind. Dies gilt bereits — vom Altertum können wir hier absehen — für die Blütezeit der arabischen Kultur, in der unter diversen arabischen Namen in arabischer Sprache außerordentlich viele Juden sehr Bedeutendes geleistet haben. Es wäre dies ja auch kaum anders möglich gewesen, deun diese fanatischen Eroberer dos achten Jahrhunderts standen bis dahin mit diesen Wissenschaften nur in sehr geringer Beziehung. Die arabischen Eroberer Spaniens treffen nun dort auf die zahlreiche und hochkultivierte jüdische Bevölkerung, die wegen ihres reichen Wissens schon vorher bei den Goten in höchster Achtung standen. So ließen sich zum Beispiel die Goten, solange sie noch Arianer und nicht Katholiken waren, ihre Felder bei der Saat von den Juden segnen. Diese jüdische Bevölkerung assimilierte sich bald und stark den stammverwandten Eroberern, und in ihnen haben die Araber erst ihre Lehrer gefunden. Schließlich ist ja auch die Einrichtung der Universitäten zur Gänze und das naturwissenschaftliche Denken zum größten Teil seitens der christlichen Staaten von denjüdisch-arabischcn Universitäten übernommen worden. Es ist falsch, wenn immer behauptet wird, daß die erste christliche Universität in unserem heutigen Sinn an der Sorbonne gegründet wurde. Wohl haben sich dort in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einige geistliche Gelehrte zwecks gemeinsamen Studiums zuscimmengeschlossen, doch kann das noch lange nicht als Universität betrachtet werden. ■ Die erste wirkliche Universität in unserem Sinne, die erste weltliche Uni versität ist unbestreitbar die von Montpellier, nach deren Muster sich die von Sorbonne und die späteren erst gestalteten Die Universität von Montpellier entstand dadurch, daß der Graf von Montpellier im Jahre 1289 aus Nord Spanien vertriebene arabisch-jüdische Gelehrte gastfreundlich aufnahm Und nur durch einen Zufall wissen wir wenigstens von einigen der hervorragendsten dieser wahren Gründer der europäischen Universitäten, daß sie Juden waren. So von dem ersten Dekan der philosophischen Fakultät, de'm berühmten Astronomen Prof a t i u s, und auch das nur deshalb, weil er in dem Streite um Maimonklee für diesen, und zwar unter seinem jüdischen Namen Jakob ben Machir Stellung genommen hat. Sonst hätten wir auch davon keine Ahnung. Betrachten wir ein anderes Ereignis, das ruckweise die menschliche Erkenntnis vorwärtsgetragen hat, die Entdeckungsfahrten zu Beginn der Neuzeit. Wir können hier keine Beweise dafür erbringen, ob die auf dem Landweg, nämlich über Gibraltar herübergekommenen Araber die Lehrer der Juden oder ob die Juden die Lehrer der Araber auch auf dem Gebiete der Nautik waren. Sicher aber ist das eine, daß nach der Eroberung der Halbinsel durch die christlichen Völker die Juden die Lehrer der Spanier und Portugiesen waren. Zur Zeit der höchsten Intoleranz berief Heinrich der Seefahrer Juden als Lehrer an die von ihm begründete nautische Schule, und die Juden, bezw. die Maranen hatten ja bekanntlich an den ihrem Wesen nach und in ihren Auswirkungen gigantischen Entdeckungsfahrten einen übergroßen Anteil. An dem gewaltigen Aufschwung der gesamten Wissenschaften, der sich daraus entwickelte, haben die Juden schon dadurch weit mehr mitgeholfen, als wir Juden es selbst, geschweige denn die anderen Völker es wissen. Entdeckungsfahrten und Naturwissenschaft hängen besonders innig miteinander zusammen, und es sei hier deshalb eine sonst eigentlich nicht hieber gehörige kleine Reminiszenz cingeflochten, die aber vielleicht manche historische Frage in neuem Licht zeigen kann. Phönizier und Juden waren bekanntlich gleichen Stammes und bloß verschiedener Religion, also ungefähr ähnlich voneinander verschieden wie deutsche Protestanten und deutsche Katholiken. Allerdings waren sie auch staatlich getrennt, was schließlieh auch bei den Deutschen nach dem Augsburger Konzil und dem Grundsatz „cuius regio, eius roligio“ der Fall war. Seit Salomos Zeiten haben die Juden gemeinsam mit den Phöniziern Seeschiffahrt betrieben; daß die ganze Schiffahrt stets nur den Phöniziern zugeschrioben wird, hängt mit der Lage der Hafenstädte in Phönizien zusammen. Merkwürdig ist nun, daß wir von einer jüdischen Kolonisationstätigkeit größeren Stiles nur sehr wenig wissen. Trotzdem finden die Römer nach den Punischen Kriegen in Spanien eine große Zahl jüdischer Gemeinden vor. Dies dürfte wohl so zu erklären sein, daß der Vemicbtungskampf der Römer gegen die Karthager einen großen Teil der Phönizier in Spanien veranlaßte, sich durch Religions Übertritt in die j üd i s c he n G e mcinden Sch u t. z z u v erschaffen. Durch diesen kleinen gedanklichen Seitensprung erscheint die Wahrscheinlichkeit noch größer, daß die Juden auch in der Nautik die Lehrer der Araber waren und nicht umgekehrt, so wie sie mit Bestimmtheit nachher die Lehrer der Spanier und Portugiesen geworden sind. Bei den Grundlagen der Umwälzung des ganzen naturwissenschaftlichen Aufbaus haben die Jaden ebenfalls auch damit entscheidend mitgewirkt. Verlassen wir diese historischen Rückblicke und wenden wir uns der Zeit seit der Emanzipation zu oder besser, der Zeit seit Beginn des 19. Jahrhunderts, denn die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war ia nur die Einleitung des Mas s e n auf gehe n s jüdischen Geistes in der anderseuropäischen, und zwar vor allem in der deutschen Geisteswelt. Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts fängt jüdischer Geist an, sich in größerem Maße als bis dahin in allen profanen Wissenschaftszweigen zu betätigen, fast möchte ich sagen, sich in eie zu ergießen. Jüdische Gelehrte schaffen vor allean in Deutschland Werke, die ihren Weltruf begründen und die Deutschlands Ruhm und Ansehen in den Augen der ganzen Kultiumensohheit wesentlich mitbeeinflussen. Es ist nicht leicht, eine Frage1 wie zum Beispiel wer ist der größte deutsche Botaniker oder wer der größte Bakteriologe usw. zu beantworten. Aber selbst heute in Hitler-Deutschland würde die überwiegende Majorität der deutschen Gelehrten zur Antwort geben: Die größten deutschen Botaniker waren Sachs und Strasburger, die Begründer der Pfkuizeniphysiologie. Die Stimmenzahl für den Begründer der Bakteriologie würde allerdings viel geringer sein, weil Ferdinand Cohn, der Lehrer und Schwiegervater Robert Kochs, doch schon durch seinen Namen das Judesein angibt. Strasburger war es, der mit unerhört scharfer Beobachtungsgabe und durch sein intuitives Denken in einer aufseheneregenden Arbeit „Die Theorie der Zeugung“ dieses grundlegende biologische Problem bed den Blütenpflanzen aufklärte. Und dabei hatte er im Vergleich zu den heutigen Mikroskopen und vor allem Mikrotomen nur ganz unzulängliche Hilfsmittel zur Verfügung. Alle Schnitte mußten von ihm noch mit der Hand gemacht werden. Ungefähr um die gleiche Zeit entdeckte der Jude Prinigsheim die Sexualität der niederen Pflanzen — unter denselben ungünstigen Bedingungen. Eine andere Großtat menschlichen Geistes war die Arbeit Strasburgers über die „Zellbildung und Zellteilung“, deren Bedeutung weit über den Rahmen der Botanik hinausgeht. Auch mit diesem Problem haben sieh die bedeutendsten Forscher vor ihm abgegeben, ohne daß sio in diese Grundvorgängo aller Lebewesen, den Menschen inbegriffen, Klärung bringen konnten. Viel eher kann man behaupten, daß sie Verwirrung hinoingotragen haben. Der große „deutsche“ Botaniker Strasburger hat diese Fragen zu lösen vermocht und der ganzen intornationalen Forschung damit vollständig neue Wege gewiesen. Ich sage, der deutsche Botani- Zionisten! Meldet Eure Selbstkontlnsente für dos neiieMr 5SS3 ei!