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Die Stimme · 1935-11-01 · Heft 495 (1.11.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 495 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4 Oll STIMM» Nr. -105 — 1. November 11)35 im Gesamtbetrieb des Sporte in Deutschland Wettkämpfe zwischen Juden und N'iehtjuden statt finden, wie sie Mr. Brundage ausdrücklich als erlaubt hingest eilt waren. Jeder Verein, der es w a g t e. Wett k ä m p f e in i t j ii d isehen 6 p o r t gruppen z u v e r e i n baren, wurde d a r a n g e h i n d e r t Zuerst begnügte man sich damit, daß die betreffenden Vereine für diesen Wettkampf ein Startverbot bekamen, dann gniu inan zu schärferen .Mitteln über. Die Vorgänge. die sich an ein in aller Stille stattgefundeups Handballwettspiel einer Frauenmannschaft # des Berliner Polizei-Sportvereins mit einer F r a u e n s p o r t g r u p p e d es Schild knüpften, sind bekannt geworden. Der ,.S t ü r m e r" brachte eine Photographie der betreffenden Frauen mit einem seiner üblichen Artikel; das ..Schwarze Korps“. die weitverbreitete Wochenschrift der SS. brachte ebenfalls einen Angriffsartikel. und in der nächsten Nummer erschien dann eine Notiz, in der erklärt wurde, aus dem Büro des Reichssportkommissars sei mitgeteilt worden, daß die betreffenden Frauen, die an dem Wettspiel teilgenommen hätten, aus ihrem Verein ausgeschlossen worden seien. Es ist begreiflich, daß nach solchen Publikationen, hinter denen die drohende Macht der Parteiorganisation steht, kein Sportverein in Deutschland es mehr wa gen kann, irgend einen Wettkampf mit jüdischen Sportlern zu verabreden. Nebenbei sei noch erwähnt, daß dirrch eine vor wenigen Tagen ergangene Anordnung des Reichssportkommissars Juden das Tragen des Reichs Sportabzeichens verboten worden ist. Wir kommen mm zur letzten Frage der Auswahl und Förderung der Olympiakan didaten selbst. Die Auswahl der Olympiakandidaten geschieht in Deutschland auf breitester Basis. Seit Jahren werden in ständigen Wettkämpfen die besten Sportler aller Sportgattungen ausgesucht und ans ihnen die sogenannte Kernmannschaft zusammengestellt, die nicht mehr ihren einzelnen Verbänden, sondern dem Reichsfachamt für Leibesübungen direkt unterstellt ist. Das Fachamt kümmert sich in jeder Weise um diese ausgesuchten Sportler, schult sie in besonderen Kursen und schickt sie auf seine Kosten zu Aussoheidimgskämpfen. Bei der Heranziehung zu diesen Auswahlmannschaften sind auch die besten der jüdischen Sportler in Deutschland durch alle im vorstehenden geschilderten Hemmungen entscheidend gehindert gewesen, ihre volle Leistungsfähigkeit zu erreichen. Hochbegabte Sportler, wio die Kurzstreckenläufer Schattmann und L ev i n vom Makkabi, und Schwerathlet S eligmann aus Frankfurt a. M., konnten nicht in die deutsche Bestklasse kommen. Es ist nach dem Urteil von Sachverständigen durchaus anzunehmen, daß diese Sportler bei normaler Trainings- und Wettkampfmögliohkeit Bestleistungen erreicht haben würden. Einzig der Hochspringerin Gretel Bergmann vom Sportbund Schild des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gelang es, in die deutsche Bestklasse zu kommen. Sie wurde in diesem Jahre württembergische Meisterin und waT damit berechtigt gewesen, an den großen Reichsausscheidung'skämpfen teilzunehmen. Zu den Olympia-Frauenausficheidungskämpfen in Wuppertal-Elberfeld im Sommer 1935 war sie gemeldet. Sie wurde kurz vor dem Sportfest veranlaßt, mit Rücksicht EINZIG IN WIEN!!! rein seiden Herren Hemden beste paßform sowie Dlo nächsten billigen Reisen nach ’ 4. und 17. November 1935 Auskünfte bei Dr. S. TOCKER. IX.. Lieclitensteinslraüe 2 Tel. \ 14504. (RclncIHlro „In die Welt“) POLEN nur alles in Wäsche und Wirkwaren billigst bei BERGMANN, I., Rabensteig 3, U 20-709. Himmelpfortg. 5, R 25-8-84. 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Als letzte der großen Aussoheidungskämpfe fanden die A u ss oheklnngskämpfe in München statt Obwohl zu diesen Ausscheidungskämpfen alle dafür qualifizierten Sportler eingeladeu wurden, wurde Fräulein Bergmann wieder nicht e i n g e 1 a d e n. Erst auf wiederholte und mit äußerster Energie vorgebrachte Beschwerden beim Reichssportkommissar gelang es schließlich am Tage vor dem Sportfest, die Meldung von Fräulein Bergmann zu dem Hochsprungwettbewerb durchzusetzen, in dem sie dann auch prompt gesiegt h a t. Wichtiger aber als die Frage der Einzelperson ist, wie immer wieder betont werden muß, die Tatsache, daß der Gesamtbetrieb des jüdischen Sports in Deutschland unter Bruch und Nichteinhaltung aller im vergangenen Jahre gegebenen Zusagen so schwer behindert ist, daß von einer ordnungsmäßigen Breitenarbeit keine Rede sein kann. ist weiter festzustellen, daß der jüdische Sportler Bergmann kürzlich in Breslau ermordet wurde und daß es angesichts aller dieser Umstände und der sinkenden Finanzkraft der jüdischen Gemeinden und Organisationen fraglich ist, wie lange überhaupt noch ein jüdischer Sportbetrieb in Deutschland aufrecht erhalten werden kann. Daß die Welle von Hetze und Diffamierung, die seit dem Sommer 1935 wieder erneut über die deutschen Juden hinweggeht, mit dazu beiträgt, auch den jüdischen Sportbetrieb zu untergraben, ist selbstverständlich. In vielen Städten, und nicht nur in den kleineren, ist es f ü r junge Me nschen unmöglich geworden, sich gruppenweise im Freien zu zeigen, ohne sich der Gefahr pöbela f t e r Angriffe a u s z u s e t z e n. Unter den Orten, die sich den Besuch von Juden in diesem Sommer verbeten haben, befindet sieh neben zahlreichen anderen oberbayrischen Orten auch Garmisch Partenkirchen, der Schauplatz der W i n t e r - 0 1 y in p i a d e. Kein deutscher Jude wird es angesichts der Schärfe, mit der unter Mitwirkung der Parteiinstanzen solche Ortsverbote gehandhabt werden, wagen, als Zuschauer oder Mitwirkender zur Winterolympiade in Garmisch-Partenkirchen zu erscheinen. Ü! Darüber hinaus sollten auch die nichtjüdischen Sportverein!' außerhalb Deutschlands und die Spitzenorganieationen der Sportverbände in den einzelnen Ländern zur Überzeugung kommen, daß es ihre Pfiioht. wäre, jüdische Sportler von der Pflicht z u e n t b i n d e n, a n der Berliner Olympiade t e i 1 z litt e h m e n. Das wäre, wenn die katholischen Sportverhände die gleiche schmähliche Behandlung erfahren würden wie die jüdischen Sportler in Deutschland, sicher eine selbstverständliche Sache. * Gegen die Berliner Olympiade New York, 29. Oktober. (2. T. A.) Mehr als dreißig protestantische und katholische Führer auf religiösem, sportlichem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet vereinigten sich zu einer Bewegung für Amerikas Fernbleiben von der Berliner Olympiade. In einer Erklärung an die Öffentlichkeit, weisen diese Führer die nationalsozialistische Behauptung, die Agitation gegen die Olympiade gehe von Juden aus. zurück. * Falschmeldung des deutschen Nachrichtenbüros Berlin, 29. Oktober. (2. T. A.) Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro hat vor einigen Tagen eine Meldung aus New York verbreitet, daß das American Olympie Committee. .,e in s t i m m i g u u d endgültig“ beschlossen hat, an der Olympiade Berlin I93ß teilzunehmen. Nunmehr ersucht das Deutsche Nachrichtenbüro die deutschen Zeitungen, diese Meldung nicht, zu bringen, da. sie mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt. Restaurant Bidet m Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs ä S 1‘90 u.2’60 II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) Der Krieg gegen die jüdischen Kriegstoten Nachbemerkung der Redaktion: Diese sensationellen Bemerkungen von wohlinformierter Seite müssen jeden jüdischen Sportler außerhalb Deutschlands davon überzeugen, daß er aus Protest gegen die schmachvolle Behandlung der Juden und auch der jüdischen .Sportler in Deutschland auf die Einladung zur Olympiade nur eine Antwort geben kann: „l e h gehe nicht in ein Land, das meine Volksgenossen derartig barbarisch behandelt und wo unter Verletzung feierlich gegebener Zusagen den jüdische n Sportlern in Deutschland jedes Training unmöglich machte Der ehemalige Kommandant der 47. Infanterie-Truppendivision, Feldmarschalleutnant Franz Ritter W e i h s - Ti h a n y i v. M a i n p r u g g, schreibt dem „Neuen Wiener Tagblatt“: „Ich muß gestehen, schon lange hat mein Soldatenherz nichts so tief aufgewühlt, wie die Nachricht, daß die Namen deutscher Soldaten, die für ihr Vaterland den Heldentod erlitten haben, aus den Erinnerungstafeln gestrichen werden, wenn sie jüdischen Glaubens waren. Als wahrer Katholik jeder Unduldsamkeit fremd, als österreichischer Off i z i e r, einer alten katholischen österreichischen Soldatenfamilie entstammend und erfüllt von altösterreichischem ritterlichem Soldatengeiste, stehe ich entrüstet vor einer derartigen unfaßbaren ethischen Entgleisung. Wie kann man sich so weit verirren, daß man sogar die Pietät gegenüber Soldaten, die ihr Leben für das eigene Vaterland Eingaben, schändet! Ich kann es nicht glauben, daß der Vater dieses schmachvollen Gedankens an der Seite dieser verstoßenen Kriegskameraden gekämpft und miterlebt habe, was diese toten Helden gelitten und geleistet haben. (Der Vater dieses Gedankens ist Goebbels, der kein Soldat war und während die Juden an der Front starben, ruhig und selbstzufrieden im Hinterland saß. — Red.) Sie haben den Soldatentod erlitten in Treue für ihr Vaterland. Sie haben alles geopfert, was der Mensch geben kann. Es ist unfaßlich, daß man das Andenken an solche Märtyrer einfach auslöscht. So bin ich als österreichischer Offizier, in solidarischer Verbundenheit mit allen Soldaten, die bis zum Tode ihre Pflicht er füllen, insbesondere mit denen, die im Weltkriege gemeinsam mit uns kämpften, voll Abscheu über eine derartige Maßnahme, welche die Toten nochmals tötet, den Hinterbliebenen aber den letzten Trost, das dankbare Gedenken des geliebten Vaterlandes, nimmt und neuen Schmerz jäli aufwühlt. Unser alter österreichischer Soldatengeist muß fragen, wo ist da Moral, Gerechtigkeit, T r ciie, D a n k b a r k e i t, K am e r a (I s c h a f t? Die deutsche Reichswehr, die Erbin des alten ritterlichen deutschen Heeres, hat das Wort!“ Angeblicher Widerspruch der Reichswehr Wie aus Berlin gemeldet wird, ist der Erlaßj die tarnen Jüdischer Kriegsgefallener < auf den Denkmälern und den Erinnerungs-t tafeln auszulöschen, auf den W i d e m spruch des Reichswehrministe-i rdums gestoßen; der Erlaß soll auf Betreiben des Reichskriegsministeriums inhis b i e r t worden sein. Die Namen auf den bestehenden Denkmälern dürfen nicht angc-i tastet werden. Praktisch aber wird sicli Dr. Goebbels’ Erlaß dahin auswirken, daQ auf neu errichteten Denkmälern: und Gedenktafeln Namen gefallener Juden nicht verzeichnet sein werden. Lord Cecil: Kein Respekt vor. einer solchen Regierung In den „Times“ beschäftigt sich Lord. Cecil mit dem Goebbels-Erlaß und schreibt: „Es heißt, daß dies nicht bedeutet, daß schon vorhandene jüdische Namen auf den Steinen ausgekratzt werden sollen, obzwar es schwer ist, den Unterschied einzusehen. Solange die deutsche Regierung auf Taten solcher Arb beharrt, ist es für Deutschland unmöglich, die Sympathien und den Respekt einesdurchschnittldchenBriten; wiederzugewinnen.“ Goering über die Nürnberger. Gesetze Auf dein Gautag des Gaues Schlesien der NSDAP, in B r e s l a u erklärte Ministerpräsident G o e r i n g nach einem Bericht des „Völkischen Beobachters“, daß mit den Nürnberger Gesetzen ein wichtiger Punkt des Parteiprogramms durchgesetzt worden sei. Die neben dcnu Flaggengesetz erlassenen Gesetze seien, notwendig gewesen, „um auch jenen unerhört wichtigen Punkt durchzufilhren: Die; Reinhaltung unserer Rasse und damit die Wiedergeburt des deutschen Volkes zu sichern, darüber hinaus auch dafür zu sorgen, daß nicht jeder, der zufällig in Deutschland anwesend sei, die gleichen Rechte haben soll, wie der, der verantwortungsbewußt sein D e u ts c li t u ui zu v e rtreten gewillt i s t. Das sind Selbstverständlichkeiten, die nur einem Jibera- 11 stisch-marxistisoben System nicht eigen waren. Selbstverständlich, wenn ich alles in der Gleichmacherei gleich anerkenne, dann ist die logische Folgerung, daß ich schließlich auch jeden Juden zum Reichste Urtgcr zu stempeln habe. Wenn aber ein Reich und ein Volk rassebewußt in der Erkenntnis der Zusammengehörigkeit seines Blutes ist, dann muß dieses Volk es selbstverständlich als richtig empfinden, die Leitung seiner Geschicke nur rasseneigenen Menschen anzuvertrauen.

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