Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 495 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Salto 2 DIE STIMME Nr. 495 ~r 1. November 1935 HAUSTAUSCH Gabe Wiener Wehnvilla und eventuell auch tschechische Wertpapiere für ZinsreaiitM ln Siiddautschland. Zuschriften unter »Bayern bevorzugt«, Nr. ISO, an Annoncenexp. A. Tausky, Wien, I., Singerstrafle 18. Stätte in Palästina zu schaffen, gegenübere tohe. Diese Erklärung konnte sieb nur an die zionistische Organisation wenden, deren innere Kraft durch den Krieg nicht beehr floßt worden war und die jetzt Beuch tun. forderte. Der Akt Englands ist nicht a Geschenk von oben erfolgt. Er war das Er gebnis langwieriger und schwieriger Ver handlangen. bei denen zum ersten Male das Judentum, vertreten durch die zioni sUschon Führer, als Fordernder auftrat. Sie konnten darauf verweisen, daß hinter ihnen der feste Wille clor Organisation stand, er Wachsen in einer fast 20jährigen politischen Erziehungsarbeit. die mit dem ersten Baseler Kongreß ibegonnen hatte. Inner halb der englischen Regierung gab es sehr starke Gegenströmungen, aber es siegte schließlich die realpolitische Erwägung künftighin an einer heiklen Stelle des vor deren Orients ein treues, europäisch er zogenos. nur seiner Arbeit ergebenes Eie ment zu wissen. Es mag sein, daß das en lische Interesse stärker wog als die histo risch begründete ethische Auffassung, „da, älteste Unrecht der Welt gutzumachen1 Entscheidend war in letzter Linie, daß die jüdische Forderung auf die Tagesordnung trat, und daß sich England mit ihr poli tisch auseinandersetzen mußte. Das ist da große und bleibende Verdienst der zioni«ti sehen Organisation, daß sie das Baseler Pro gramm unbeirrt durch den Kriegslärm in die internationale Politik hineingestellt und eine klare Stellungnahme errungen haben Alle Staaten mußten die Londoner Erklä •nmg durchberaten und alle mußten davon Kenntnis nehmen, daß das jüdische Volk kraft seines Rechtes in Palästina ist. Die Balfour-Deklaration ist eine Errungenschaft des politischen Zionismus Herziß. Sie hat das Tor in die Zukunft aufgeTissen. Es war von der nationalen Heimstätte die Rede. Das Wort ist nie anders anfgefaßt worden alß die Vorabnahme des politischen Begriffes Judenstaat und die erste Äußerung des damaligen Ministerpräsidenten Lloyd George ging auch auf dieser Linie: „Palästina so jüdisch wie England englisch!“ In der Folgezeit ist gerade dieser Endzweck bestritten worden, und vor kurzem hat auch der Kolonienminister MacDonald auf einem von zionistischer Seite gegebenen Bankett erklärt, es handle sich nicht um den J-udenstaat, sondern um die Heimstätte, wobei bis heute weder England noch die Mandatskommission eine genaue Definition dieses Terminus gegeben haben. Es ist bedauerlich, daß solche Äußerungen erfolgen und es ist noch bedauerlicher, daß ihnen von zionistischer Seite das Relief geliefert wird. Die Geschichte geht ihren Weg und sie kann von keinem Staat, und sei er noch so mächtig, gepachtet werden. Für alle Zionisten bleibt das freie, unabhängige jüdische Volk das Endziel der gegenwärtigen, durch die Balfour-Deklaration eingeleiteten Etappe in unserer .Entwicklung. Balfours Erklärung äst vom Völkerbund übernommen worden. Daß unsere historische Verknüpftheit mit Palästina, unser Recht auf die Heimstätte von den Nationen öffentlich anerkannt worden ist, hat einen über die Zeiten hinausgehenden Sinn. Es ist eine moralische Erklärung und sie kann nicht zurückgenommen werden. Regierungen kommen, Regierungen gehen — unser Ziel bleibt unverrückbar. Wir sind auf dem Wege. Die politische Lage und die Araber Von Ch. Haller, Tel-Avhr Hausverwaltungen und ausverkaufe kulantest durch Realbüro HOFHANS, Wien, IX,, Berggasse 14 Kostenlose fachmännische Beratung — Telephon A 14-4*36 Die tägliche Reinigung rle» Mundes mit einem autiscptischen Mittel ist fiir die Mundhygiene und Gesundheit gleich wichtig. Das ODOL- Mundwasser wird in der ganzen Welt, seiner antiseptischen Wirkung und «eines starken, dabei aber angenehmen Geruches wegen, der auch unreinen Atem beseitigt, bevorzugt. Auch reinigt fts zwischen den Zähnen sehr gründlich. Außerdem enthält das Odol-AIundwasser neben dem Odol-Anfiseptikum den Myrrheextrakt, der gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleische« wirksam, yerwendet wird, . Für die außenpolitischen Interessen des palästinensischen Arabertums gibt es einen zentralen Faktor: den Zionismus. Die Außenpolitik der anderen arabischen Länder wird aber von ganz anderen Interessen bestimmt, auf die die eigenen Beweggründe der palästinensischen Araber, zu ihrem Schmerze, keinen oder nur einen sehr weitrangigen Eintluß auszuüben vermögen. In den folgenden Zeilen sei einiges über die Reaktion der Kreise, die in Palästina die arabische Politik führen, auf die jetzigen politischen Vorgänge in Europa mitgeteilt. Es ist nicht überflüssig, so oft dies auch geschehen, nochmals darauf hinzuweisen, daß die arabische Politik in Palästina von einigen führenden Familien gemacht wird, die miteinander im erbitterten Kampfe um die Vorherrschaft liegen. Ihre Handlungen sind deshalb oft von Beweggründen diktiert, die zu den Interessen der von ihnen Geführten, der Volksmassen, oft in schärfstem Gegensatz stehen. In den letzten Wochen kam dies in einer mutwillig und ohne Not hervorgerufeneu Kriegspanik, worüber im nachfolgenden gesprochen wird, zum Ausdruck, die weiten Volkskreisen schweren materiellen Schaden gebracht hat. Eine Darstellung der innerpolitisclien Interessenkämpfe ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Aber wie kaum in einer anderen politischen Gemeinschaft beeinflussen diese Interessenkämpfe die Haltung der verschiedenen Gruppen in außenpolitischen Fragen. Und deshalb soll hier zum näheren Verständnis die folgende interessante Episode angeführt werden, w'eil sie uns in medias res unseres Themas führt. Bekanntlich istRagiib Bey Naschaschibiam Anfang dieses Jahres bei den damals stattgefundenen Kommunalwahlen mitsamt seinem Anhang von dem Jerusalemer Stadthaus, das er 15 Jahre lang wie ein Pascha beherrscht hat, von dem früheren Regierungsbeamten Dr. Chaldi verdrängt worden. Diesen Sturz hat Nasehaschibi seinem langjährigen Widersacher, dem Jerusalemer. G r o ß m u f t i- E m i r H u s s e i n i, mit dem er um den Einfluß in der heute nicht mehr existierenden Arabischen Exekutive einen nie aufhörenden Kampf führte, zu verdanken. Der Mufti fand in Dr. Chaldi, dem Haupt einer anderen Familie, die vor Naschaschibi in Jerusalem herrschend war, einen geeigneten Anwärter auf den Bürgermeisterstuhl. für Nasehaschibi um so schmerzender. als Chaldi bislang seiner Gruppe angehört hatte. Der Mufti schloß mit ihm einen Pakt und entthronte den Gegner. Ragib Bey blieb ohne Amt und Würden und in diesem Land bedeutet dies den Ausschluß von jedem dauernden und wichtigeren Einfluß. Kein Wunder, daß Nasehaschibi seither nur ein Ziel vor sich sieht: Rache an Mufti. Dazu bot eich bald die erste große G-elegenheit. In dem Mufti-Organ „Al Ja me ah11 waren im Frühjahr dieses Jahres einige proitalienische Aufsätze erschienen, die in arabischen Kreisen Aufsehen erregten. Seit Tripolis und der Cyrenaica ist Italien bei den Moslimim nicht gut ungeschrieben. Daraufhin schritten die vereinigten Gegner des Mufti zum Angriff. Sie veröffentlichten in ihrer Presse Dokumente, aus denen hervorging, daß der Emir S c h a kiv Arslan, der intime Freund des Mufti und Führer der syrisch-palästinensischen Delegation in Genf, mit Italien ein Abkom men geschlossen hat, demzufolge die Araber in der moslimischen Welt proitalienische Propaganda führen sollten. Der Emir Arslan und der Mufti aber ziehen an einem Strang und daher die plötzliche Änderung des Tones in der Muftipresse. Der von Herrn F a o u k i, dem Leiter der „I s 1 a m i a h“ unter der Überschrift: „Ich klage an“ veröffentlichte angebliche Brief Arslans an den Mufti wirkte wie eine Bombe. Der Mufti und der Emir bestritten scharf, erklärten en Brief als Fälschung, drohten mit dem Gericht. Nasehaschibi und »ein Anhang ließen sieh nicht beirren und fuhren mit der Veröffentlichung weiterer sensationeller Schriftstücke fort. Die Muftipresse antwortete mit Gegenangriffen und der Kampf wurde immer leidenschaftlicher. Der Mufti setzte zur Abwehr der Verunglimpfung, die an Form in den bisherigen Auseinandertzungen nichts ihresgleichen hatte, den stehenden hierarchischen Apparat in Bewegung. Die Dinge gingen so weit, daß sich angesehene unparteiische Muselmanen im In- und Auslande ins Mittel legten, um den Skandal zu stoppen, und es scheint, daß erst der Eingriff der Regierung, die bisher unbeteiligt, zugesehen hatte, aus Bedenken der öffentlichen Sicherheit die Einstellung des Kampfes erwirkte. Die Ereignisse, die einige Monate später folgten, brachten Klärung. Ob nun die veröffentlichten Dokumente echt oder gefälscht waren, es scheinen hinter den Dingen reale Tatsachen zu stehen. Die M u f t i p r e s s e sah sich nach den Angriffen veranlaßt, g egenüber Italien eine neutrale Haltung einzunehmen, während der Emir Arslan, der einmal sagte, daß er sein ganzes Leben dafür verwendete, die englischen Intrigen, besonders gegen die islamitische Welt, bloßzulegen, starke Angriffe gegen das Verhalten E n g- 1 a n d s im abessinisoh-italienischen Konflikt fortführt und auf der kürzlich stattgefundenen Konferenz der europäischen Muslimim in Genf nahm er die gleiche Haltung ein. Dies alles und die Tatsache, daß die Sendungen der italienischen Radiostation in Bari in arabischer Sprache sich auf diese Artikel berufen, zeigen auf bestehende Zusammenhänge hin. Diese politische Schwenkung auf seiten des Mufti ist besonders interessant, wenn man sich erinnert, daß er seine ganze Stellung und seinen Einfluß Sir Herbert Samuel zu verdanken hat und in bedeutendem Grade noch heute in seiner Stellung gegenüber seinen Widersachern vom guten Willen der palästinensischen Regierung abhängig ist. , Damit ist keineswegs gesagt, daß das andere Lager gegen den Krieg eingestellt ist. Im Gegenteil, eine förmliche Psychose des Krieges hat es ergriffen. Die Chance, des Krieges und die in ihm enthaltenen Mög lichkeiten erweckte die politischen Geister im arabischen Lager zu neuer fieberhafter Aktivität, .nachdem, der Erfolg.;.des jüdischen.: Aufbauwerkes in breiten. Schichten des ara bischen Volkes bereits einen Zustand der Resignation und der Abfindung mit dem be stehenden Tatsachen hatte entstehen lassen Der „F e 1 e 6 t i n£i, eines der Organe Naschaschibis, warnt die Araber davor, diesen gün stigen Augenblick, in dem man die Juden loswerden könne, zu verschlafen. Nicht nur die Italiener, sondern auch die Engländer suchen, schreibt das Blatt, die Araber für Billige Reise nach POLE CZ und Abfahrt: 3. u. 17. Nov., Rückfahrt: 5. Dezember, „Francopol 12. u. 22. Dez. 7. Jänner 1S36 II Wien, III., Ronnweg 1 9 Tel. U 16-4-90 Schädigung der Massen war nicht mehr rückgängig zu machen. Das war so vor anderthalb Monaten, und seither war Zeit genug, in die frühere Tonart. die das Lebenselement dieser Politiker bildet, wieder zuriickzufallen. „A - d e f a h“, ein anderes Organ Nasehaschibi», ausgezeich-. net durch seinen extremen Ton und im Verdacht stehend, mit den Nationalsozialisten Beziehungen zu unterhalten, kündigt fortgesetzt den sicheren Ausbruch des Krieges an lind fordert, daß die Araber sieh auf „die Stunde der R e 11, u n’g“ vorbereiten. Das bekannte " ' n des Oberkommissärs, u h n * i, u i w <i uehope aus London, brachte diese arabischen Führer in große Erregung: cs störte ihre Kreise. Denn sie betreiben schon seit längerer Zeit die M i 1 i t a r i s i e r u n g der P f ä d f i n d e r - 0 r g a n i s a t i o n e n und D s c h e m a 1 e 1 H u s s e i n i, der Neffe des Mufti und dessen politischer Repräsentant, arbeitet intensiv an der Schaffung arabischer „SA.“. Der Weltkrieg brachte einem großen Teil der arabischen Länder: Hedschas, Jemen und Irak die politische Befreiüug; noch zwei Länder, Syrien und Palästina, erscheinen; ,unterjocht“, und nachdem diese Kreise füll* len, daß ihnen die Arbeit des Friedens immer mehr tlen Boden unter den Füßen wegziehtj setzen sie ihre letzte Hoffnung auf einen neuen Krieg. 3 ganzen, ihm, als religiösen Überhaupt unter¬ Stuhl verstopfte Zuckerkranke >. genießen da« aromatische dunkle Simonsbrot Das einzige Brot in hygienischer Verpackung. Sehr bequem I Schnittenpäckchen In Stanlol. Ambroslabrot, la FrUchtenbrot, Aulbaunahrung. 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Sie brachten die Arabische Bank an den Rand des Zusammenbruches, vor dem sie der Beistand anderer großer Banken rettete. Nachdem die Freunde gesehen hatten, was sie anrichteten, wurde der Krieg abgeblasen. Tag für Tag folgten beruhigende Artikel. „Au einen Krieg in Palästina“, hieß es auf einmal, sei nicht zu denken, im Lande herrsoho nicht mehr die Türkei, sondern eine große und starke Macht und — wie schwer kam wohl diese Feststellung an — die Wirtschaftslage Im Lande GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN L, Kärinersfrafie Nr. 4>l Besitzer Oflo Käserei4 WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise ln allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Olfo Kaserer Der Mufti im italienischen. Dienst Jerusalem, 29. Oktober. Die arabische Tageszeitung „Felestin1*, richtet scharfe Angriffe gegen den Großinufti, von dem sie behauptet,-er fördere*• die italienische Propaganda in den Ländern, des Nahen Ostens. Das Blatt behauptet ferner, daß die von dem Sender in Bar3 ausgehende italienische Propaganda für diear ab Ischen Länder von dem in der Verbannung lebenden, syrischen Emir S h c k i b' Arslan, dem Vorsitzenden des „syrisch**, palästinensischen Komitees“ in Genf, der die rechte Hand des Mufti sei, geleitet] werde. ■ Waffenfund bet Arabern In einem Dorfe bei Tulkarem wurden bei einer Durchsuchung 15 Gewehre gefunden, die kurz vorher auf geheimnisvolle Weise aus einem Polizeidepot verschwunden waren. 30 Araber wurden verhaftet, von diesen wurden nunmehr 18 zu kleineren Strafen verurteilt, 7 wurden dein Kreisgericht Ubergeben. Baubewegung in Jerusalem Jerusalem, 29. Oktober. Die infolge der nervösen Stimmung in der letzten Zeit zum Stillstand gekommene ß a u h e w o g u n g wird nunmehr auch in Jerusalem wieder aufgenommen. Eine Anzahl neuer Bauvorhaben wird gemeldet. So wird ein große« Eckhaus an der Kreuzung dor Jaffa- und der Ben-Yehuda-Straöo mit einem Kostenaufwand von 20.000 Pfund . durch Aufsetziuig weiterer vier Stockwerke lusgebuut. In dem Viertel Sichren Mosche wurde mit der Errichtung neuer G’obäudo »ei Teste. Allerdings, die [wirtschaftliche begonnen.