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Die Stimme · 1935-11-01 · Heft 495 (1.11.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 495 (1.11.1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Pr«l< dieser Nummer 20 g Qto Nr. 49s | Wien, 1* November 1935 | JÜDISCHE ZEITUNG Redaktion und Administration; Wien, i, Msrc-Aurol-StriB# 5. I CftfijBfihvaft C6Q61 I Q. .latiygfUIN Tai.: U 22-3-91 RedsktionssehiuB Montan und Mittwoch vorm. I %9* VnWWlTWW | T» l>«aa*gaaa§ Das Wachstum der jüdischen Industrie Palästinas Arabischer Generalstreik mißlungen Jerusalem, 29. Oktober. (2. T. A.) Der von den vereinigten arabischen Parteien für Samstag, den 26. Oktober, proklamierte Generalstreik zum Protest gegen angeblichen jüdischen Waffenschmuggel und dessen Duldung durch die Regierung wurde nicht total durchgeführt; zahlreiche arabische Geschälte in Jerusalem und in den anderen Städten, ebenso die arabischen Restaurants blieben geöffnet, auch verkehrten zahlreiche arabische Autobusse. Im allgemeinen verlief der Generalstreik ruhig, nur in Jaffa kam es zu kleineren Zwischenfällen, und in Nablus (dem biblischen Schechem), der jetzt rein arabischen Stadt, demonstrierten 400 jugendliche Araber in der Siedlung der Sekte der Samaritaner, am Fuße des Berges Gerizim, und warfen einige Fenster ein. Verletzt wurde niemand. Die Polizei hatte von Freitag an überall verstärkten Dienst, die englischen Polizisten waren mit Gewehren ausgerüstet. Dem Vorsitzenden des Waad Leumi, Jizschak Ben-Zwi, der am Freitag im Regierungshause vorsprach, wurde die autoritative Versicherung gegeben, daß die Regierung alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen hat, um die Ruhe im Lande aufrecht zu erhalten. Für den Streiktag verbot die Regierung die Vorführung des Keren- Hajessod-Films „Land der Verheißung“ als Maßnahme zur .Garantierung der Ruhe. Keine Teilnahme der Haifaer Hafenarbeiter Jerusalem, 27. Oktober. (Paloor.) Die arabischen Arbeiter im Hafen von Haifa haben sich an dem Generalstreik nicht beteiligt, sie sind vielmehr ihren normalen Arbeitspflichten nachgekommen. Auf dem Wege von Jaffa nach Tel-Aviv hatten sich etliche Dutzend Neugierige beider Städte versammelt. Zu irgend einem Zwischenfall ist es nicht gekommen. Ghefsekretär Hall erklärt: Sidierheitsverhältnisse in Palästina zufriedenstellend Jerusalem, 30. Oktpber. Der Stellvertreter des High Commissioner, Chefsekretär Hall, hat mitgeteilt, die augenblicklichen Sicherheitsverhältnisse in Palästina seien durchaus zufriedenstellend. Was den Jaffaer Waffenschmuggel betreffe, so habe die Regierung keinen Grund zu einem Verdacht gegen die Juden in diesem Zusammenhang. An die arabische Presse Sei eine Warnung vor Fortsetzung ihrer aufreizenden Schreibweise ergangen. Gleichzeitig wurde die Einfuhr gewisser arabischer Zeitungen aus dem Ausland verboten. Über die kürzliche Unterredung des stellvertretenden High Commissioner mit den arabischen Führern wird bekannt, daß der Chefsekretär darauf hingewiesen habe, daß Waffen, die sich etwa in jüdischem Besitz befinden, ausschließlich für den Selbstschutz der Juden bestimmt seien. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die gegen die Juden gerichtet gewesenen blutigen Ausschreitungen des Jahres 1929. Eine Erörterung des Einwanderungsproblems lehnte der Chefsekretär mit dem Bemerken ab, daß diese mit dem Waffenschmuggel in keinem Zusammenhang gebracht werden können. Wie alljährlich hat die Statistische Abteilung der Jewish Agency in Jerusalem auch in diesem Jahre im Monat August eine Untersuchung über die Lage der jüdischen Industrie Palästinas durchgeführt. Die Untersuchung umfaßte vor allem die Zahl der in den Unternehmungen beschäftigten Arbeiter sowie die G r ö ß e der Produktion im Vergleich zum Vorjahr. Sie erstreckte sich auf 571 Fabriken, |n denen 9902 Arbeiter beschäftigt sind und die 40% der gesamten jüdischen Industrieunternehmungen de-s Landes bilden. Die Fabriken, in denen die Zählung vorgenommen wurde, wurden, um ein genaues Bild von ihrer Entwicklung zu erhalten, jn zwei Gruppen eingeteilt, und zwar In alte Fabriken, das heißt solche, die bis Ende Dezember 1933 gegründet worden sind, und neue, die n.ach dem l. Jänner 1934 entstanden sind. Die erste Gruppe umfaßt 366 Fabriken mit 7651 Arbeitern. Die Zahl der Arbeiter ist im Laufe des Jahres, das heißt von August 1934 bis Aligust 1935 um 12-5% gestiegen. Am stärksten haben die Zähl ihrer Arbeiter die Druckereien und Papierfabriken (Um 22%), die Unternehmungen für Textilien, Kleidungsstücke und Metallproduktion (um 14%) und die Unternehmungen für Baumaterialien (um 12%) erhöht. Das Anwachsen der Zahl der Arbeiter in den übrigen Industriezweigen ergibt folgendes Bild: in der Holzindustrie um 8%, im Holzhandel um 10%, ln Unternehmungen für Leder war e n 5%, andere 8%. Die Jahresproduktion der Fabriken, in denen die Zählung vorgenommen wurde, beträgt 2,500.000 Pfund. In den sechs Monaten Juli bis Dezember 1934 betrug die Produktion der Fabriken 1,084.100 Pfund, in den sechs Monaten Jänner bis Juni 1935 1,252.500 Pfund, das heißt, daß eine Steigerung von 16% vorliegt. Am stärksten ist die Produktion in den Unternehmungen für die Herstellung von Baumaterialien, für Druck- und Schreibmaterialien (um 20%) und in den Metallfabriken (um 18%) gestiegen. Die zweite Gruppe — neue Industrieunternehmungen umfaßt 205 Fabriken, , die 2251 Arbeiter beschäftigen. Die Zahl der Arbeiter ist in diesen Fabriken im Laufe des letzten Jahres stark gewacfase n. In manchen Unternehmungen betrug die Steigerung bis 46%, andere haben diie Zahl ihrer Arbeiter um 25% erhöht. Die 205 neuen Fabriken, in denen die Zählung durchgeführt wurde, sind nur ein Teil der neuen Industrieunternehmungen, die in den letzten VA Jahren gegründet wurden. Neben ihnen sind Weitere 39 Fabriken entstanden, die über 360 Arbeiter beschäftigten. Die neuen Fabriken umfassen folgende Wirtschaftszweige: Holzindustrie mit 637 Arbeitern, Textilindustrie mit 83, Bekleidungsgewerbe mit 116, Metallproduktion mit 784, Holzproduktion mit 489, Lederproduktion mit 253, Druck- und Papiergewerbo mit 190, chemische Industrie mit 280, Produktion von Baumaterialien mit 846, Elektrizitätsgewerbe mit 63, andere mit 115 Arbeitern. Die Ergebnisse der Zählung zeigen deutlich den großen Fortschritt in der Entwicklung der jüdischen Industrie Palästinas. {Palcor.) Militärbauten in Aftfto eingestellt Vor einiger Zeit wurde ln der Umgebung von A k k o auf Anordnung der Militär, behörden mit der Errichtung von Militärbaracken begonnen, an deren Bau mit außerordentlicher Beschleunigung gearbeitet wurde. Jetzt wurde der Befehl zur Einstellung dieser Arbeiten gegeben. Dies wird in Haifa und Akko dahin gedeutet, daß keinerlei außerordentliche militärische Sicherheitsmaßnahmen mehr für erforderlich gehalten werden und daß für Palästina keinerlei K r i e g s g e f a h r b e s t e h e. Die aus zwei englischen und einem arabischen Beamten bestehende Zensurkommission der Regierung von Palästina verbot die Vorführung von Filmen, die Szenen des abessinisch - italienischen Konflikts zeigen. Änderung Im Transfer Deutschland—Palästina Berlin, 80. Oktober. Die in Aussicht genommene juristische Sondertagung der Palästina-Ämter in Deutschland muß verschoben werden, da auf dem Gebiete des Transfer- und Devisenrechts der Palästina-Wanderung w esentliclie Änderungen demnächst zu erwarten sind. Der BalfourTag Der Balfour-Tag ist mit gutem Grund bereits ein Traditionedatum im jüdischen Le* ben geworden. Er hat dem Bestreben dea politischen Zionismus eine international anerkannte Grundlage gegeben und so einen festen Halt geschaffen, von dem aus die Arbeit an der jüdischen Besiedlung Erez Israels in rascherem Tempo vorgetragen werden konnte. Die Erklärung Lord Balfours war im Auftrag des Kriegskabinetts erfolgt und eie war ein Teil jener im Krieg entstandenen Doktrin, daß das Seibstbestimmungsrecht der Völker aus jeder Gefährdung herausgehoben werden muß. Dies mußte logischerweiße dazu führen, daß das Recht des jüdischen Volkes, seine Zukunft selbst zu bestimmen, fertiggestellt wurde mit der Begründung aus der historischen Verbindung zwischen Volk und Land. Von seiten der Antizioniisten ist vielfach geeggt worden,' daß diese Deklaration nur ein Mittel der englischen. Kriegspropaganda g6-‘ wesen ist, das darauf berechnet war, die Juden der Ententestaaten stärker an diesen Kriegsblind zu fesseln. Vielleicht ist das wahr. Aber England hat es damals noch ungleich besser verstanden als die Mittelmächte moralische Eroberungen zu machen, und wenn es ein Propagandamittel war, Unrecht gutzumachen, so wäre nichts dagegen einzuwenden. Während England das jüdiische Recht anerkannte, nahm Deutschlands Oberste Heeresleitung eine Judenzählung in der Armee vor, vernichtete Dschemal Pascha die jüdischen Dörfer in Palästina. Wägt man diese Akte gegeneinander ab, so darf man nicht daran zweifeln, daß die Tat Englands die stärkere) Wirkung haben mußte. Die Erklärung Lord Balfours ging von der Existenz der zionistischen Organisation aus. In dieser Vertretung des nationalen Judentums sah England eine Zusammenfassung aktiver politischer Kräfte, die auf ein positives Ziel gelenkt werden mußten. Durch den Krieg war das jüdische Volk, insbesondere in Osteuropa, auf daß schwerste geschädigt worden. Zu beiden Seiten der Front waren die Juden evakuiert worden, hier nach Westeuropa, dort hach Innerrußland und Sibirien. Not und Hunger hatten um sich gegriffen und eine verzweifelte Stimmung gesehaffen, die sich noch unter dem Druck der ungeheuerlichen Menschenverluste des Ostjudentums verschärfte. Dies erzeugte auch eine sehr große soziale Gefahr und ihr beugte rechtzeitig die Erklärung Englands vor, daß es mit Wohlwollen den Bemühungen des jüdischen Volkes, sich eine nationale Heim- VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6

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