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Die Stimme · 1935-10-29 · Heft 494 (29.10.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
9 (1935-1936)
Issue
Heft 494 (29.10.1935)
Date
1935-10-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DU STIMME Nr. 494 — 29. Oktober 1933 Seite 2 S2HHHHS5 m nach Recht und Gesetz zusteht. Sie haben,Fahnen geehrt, als noch die Monarchie bedem Kaiser gegeben, was des Kaisers ist: sie! stand. Sie ehren sie jetzt, wo sie der neue geben dem Staat, was des Staates ist, aber j Staat übernommen hat, und sie wünschen sie bestehen auf ihrem Recht, und werden , und hoffen, daß er mit (len alten Fahnen sich unter gar keinen Umstanden zu Parias'auch ihren Geist der Verträglichkeit und erniedriiren lassen. Sie haben die heiligen' Menschlichkeit übernommen hat. Palästinafragen im Unterhaus Die antienglische Propaganda Im | lierung der geplanten Automatisieivorderen Orient | r u n g desTelephons gegeben. Die Frage des der Geist der Gesetzlichkeit. Sie hat sieh nicht dem Chauvinismus ergeben, hat ihn vielmehr von sieh gewiesen, und erst als. wie dies Bethmann-Hollweg ausdrückte, der Krieg zwischen Germanen lind Slawen kam, mußte dieser Institution die Schicksals stunde schlagen. Tn dieser Armee, die immer nur Österreich war und s’ein konnte, haben viele Taufende von Söhnen des jüdischen Volkes der Monarchie gedient. Sie haben gern des Kaisers Rock getragen, so wie sie sich immer enthusiastisch und ohne Vorbehalt zur Monarchie bekannt haben. Die Juden sind immer das staatstreueste Element in dem Achtvölkerstaat gewesen, und insbesondere im Osten und in den Reichslanden haben eie eine fanatische selbstlose Ergebenheit zu Schwarz-Gell) an den Tag gelegt. Für den Juden des Ostens war das ferne strahlende Wien die Metropole der Kultur, des Rechtes, des Wissens, der Kunst — und dieses Wien war die Stadt des Kaisers und die Armee war der Kaiser, war Österreich; und der jüdische Soldat und Offizier stand gleichwertig und gleichberechtigt neben dem Soldaten und Offizier aus den anderen Nationen. Es war nur selbstverständlich, daß die Juden (Österreichs in ihrer Treue zu Staat und Dynastie nicht zu erschüttern waren und daß ihr Gefühl sich auch in der furchtbaren Zeit, des Krieges bewährt hat. Ihr durch Menschlichkeit veredelter Patriotismus hat viele Tausende von österreichischen Soldaten und Offizieren in Galizien vor den Russen geschützt. Männer, Väter, Brüder, Söhne standen an der Front, während Frauen und Kinder evakuiert und in die bittere, argwöhnische Gastfreundschaft des Westens, in die Flüchtlingslager abgeschoben wurden. Die jüdischen Soldaten und Offiziere haben äm Feld Leiden und Strapazen mit ihren Kameraden getragen, sind gefallen und zerschossen worden wie die anderen, sind an den Kriegsseuchen oder in der Gefangenschaft gestorben wie die anderen, während im Hinterland gegen sie gelogen und geschürt wurde. In den Schützengräben und in den Sturmkompagnien sind sie für das Reich und den Kaiser zugrunde gegangen, während in den deutschen Provinzen deklamiert wurde: „Überall grinst sein Gesicht, nur im Schützengraben nicht.“ Tausende jüdischer Gefallener ruhen in den Friedhöfen im Osten und Westen, in den Friedhöfen der Städte Österreichs; in allen Synagogen kann man an den Gedenktafeln ihre Namen lesen, ewige Zeugnisse der Treue und Pflicht. Es sei gleich der Wahrheit g-^mäß festgestellt, daß die staatlichen und militärischen Behörden des heutigen Österreich den jüdischen Kriegstoten volle Anerkennung haben zuteil werden lassen. Dias zu sagen, Id Pflicht angesichts des schändlichen Verhaltens des Dritten Reiches, das in seinem bösen Gewissen die Auslöschung der jüdischen Namen auf den Ehrentafeln angeordnet hat. Den alten Fahnen haben die Juden. in Ehren gedient. Ihr Gefühl für Ehre und Treue ist durch den Ausgang des Krieges nicht beeinträchtigt worden. Die Juden sind in den Nachfolgestaaten loyale und pflichtbewußte Bürger, und sie sind es ohne Bindefctribh und ohne die beliebte Forderung von Honorierung — auch in Österreich. Wie im alten Staat, so treten sie auch ira Bundesstaat für Ordnung und Versöhnung ein und sie verlangen, da sie hier Bürger und Steuerzahler sind, nichts als ihr Recht. Sie werden sich immer gegen Lüge und Hetze wehren und den vollen Schutz des Staates fordern. Die Juden werden sich immer dagegen verwahren, daß ihnen die kompakte Majorität, die christlich-bodenständige Mehrheit entgegengehalten wird. Sie verzichten auf nichts, was ihnen als Bürgern, als Menschen Voraus muß man denken/ |!P|||p sich sichern — v ■ i l| i || versichern iii.lioi I! ill I I Phönix | 1jj "j'l'j Allgemeine Versicherung** |j I |j |;|j|||| Ges., WienJX./AUerploU3 London, 27. Oktober. (2. T. A.) Im Unterhaus richtete der Abgeordnete Captain Peter M a c D o n a 1 d an den Minister für die Kolonien Malcolm Mac Donald die Frage, ob er seine Aufmerksamkeit der Tatsache geschenkt habe, daß wiederholt Rundfunksendungen!n arabischer Sprache im Dienst der italienischen Propaganda für den Empfang in Palästina, Transjordanien und den Nachbargebieten erfolgen, ob Aufzeichnungen über diese Propagandasendungen vorliegen und ob das Kolonienministeriura oder die Regierungen in Ostafrika Schritte unternommen haben, um dieser Propaganda entgegenzuwirken. Im Namen des Ministers für die Kolonien antwortete Commander S o u t h b y, es seien gewisse Erklärungen in arabischer Sprache bekannt, die von italienischen Sendern verbreitet wurden. Niederschriften des angeblichen Textes seien ihm in einigen Fällen vorgelegt worden. Er wisse, daß die Angelegenheit dem i t a 1 i enischen Botschafter zur Kenntnis gebracht wurde. Die Vorbereitungen der Palästina-Regierung für die Einrichtung eines eigenen Rundfunkdienstes seien nunmehr fast beendet, und die Sendungen würden demnächst aufgenommen werden. Abg. Wedgwood sprach den Wunsch aus, daß das Kolonialamt einen Bericht aus Palästina über die dort seit längerer Zeit geführte italienische Propaganda einfordere. Commander Southby erklärte, er werde diesen Wunsch an den Minister für die Kolonien weiterleiten. In der letzten Sitzung des Unterhauses fragte der Abgeordnete Jänner den Kolonienminister, welche Ausgaben im Budget der Palästina-Regierung für allgemeines Erziehungswesen, jüdisches Erziehungswesen, Straßen, Eisenbahnen, Post, Häfen und öffentlichen Gesundheitsdienst für das .Finanzjahr 1935/36 vorgesehen seien. Für die Regierung antwortete Commander Southby, er werde im offiziellen Parlamentsbericht die betreffenden Zahlen angeben. Als Ausgaben für das Finanzjahr 1935/36 wurden in dem Bericht angeführt: Allgemeines Erziehungswesen 267.871 Pfund; jüdisches Erziehungswes e n 39.035 Pfund; Straßen und Brücken 234.405 Pfund; Eisenbahnen (Rohausgaben) 855.593 Pfund; Postwesen 341.536 Pfund; Häfen, außerordentliche und besondere Ausgaben in Haifa und Jaffa 237.200 Pfund; öffentliches Gesundheitswesen 245.595 Pfund. Barnett Jänner fragte, wie hoch jetzt der Gesamtiiberschuß der Palästinaregierung und wie hoch die Einnahmen und Ausgaben im Finanzjahr 1934/35 waren. Southby erwiderte: Am 30. September 1935 betrug der Überschuß der Regierung Palästinas 6,005.516 Pfund. In der Zeit vom 31. März 1935 bis 30. September 1935, also in einem Zeitraum von sechs Monaten, beliefen sich die Einnahmen auf 2,960.203 Pfund, die Ausgaben auf 1,688.242 Pfund. Auf die Anfrage Jauners hinsichtlich des Telephonwesens in Palästina erwiderte Southby: In den letzten sechs Monaten wurden in Palästina 1482 Telephone neu angelegt, 1342 Bewerbungen um Telephonanlagen mußten länger als drei Monate auf Erledigung warten. Um die Lage auf diesem Gebiete zu erleichtern, wurde die Zustimmung zum sofortigen Ankauf von Hilfeeinrichtungen feie zur. I»stal- Dumpings in Palästina wurde von Sir Wilfried Sugden angeschnitten. Er fragte den Kolonienminister, ob dieser nicht im Hinblick auf die Gefährdung zahlreicher junger Industrien in Palästina infolge japanischen Dumpings und mit Rücksicht darauf, daß Japan nicht mehr Mitglied des Völkerbundes ist, bei der Mandatskommission des Völkerbundes Vorstellungen mit dem Ziele erheben wollte, daß Maßnahmen zum Schutze Palöstinas gegen die unfaire japanische Konkurrenz gestattet werden. Commander Southby antwortete: D i e Palästina- Regierung ist jederzeit ermächtigt, zum Schutze der einheimischen Industrie Maßnahmen zu treffen, die sie im Interesse des gesamten Landes für wünschenswert hält lind die mit dem Mandat im Einklang stehen. Die Stellungnahme gegenüber japanischem Import in Palästina ist bedingt durch den englisch-japanischen Handelsvertrag, dem Palästina beigetreten ist und der jedes diskriminierende Vorgehen in bezug auf japanische Waren, solange er in Kraft ist, verhindert. Die Beschränkungen für neue Ärzte. Auf Wedgwoods Frage, ob die Bestimmungen der Palästina-Regierung, betreffend die Einschränkung in der Erteilung neuer Lizenzen für Ausübung der ärtzlichen Praxis in Palästina von der englischen Regierung gutgeheißen wurden und ob ähnliche Gesetz es bestimmungen in irgendeiner britischen Kolonie oder in einem Dominion in Kraft seien, erteilte der Kolonienminister Malcolm MacDonald die folgende schriftliche Antwort: Ein diesbezüglicher Entwurf ist von meinem Vorgänger, mit Vorschlägen zu geringfügigen Abänderungen, im Jänner d. J. g ebilligt worden. Mir ist von einer ähnlichen Verfügung in Kronkolonien oder Dominions nichts bekannt. Hausverwaltungen und ausverkäufe u>m»i durch Realbilro HOFH ANS, Wien, IX., Berggasse 14 Kostenlose fachmännische Beratung — Telephon A 14-4-36 Zuriickgewiesene einwanderer klagen die Englische Regierung Acht Palästina-Einwanderer aus Polen, die trotz ordnungsmäßiger Sichtvermerke zur Landung in Haifa nicht zugelassen wurden, haben die englische Regierung aiuf Ersatz der Reisekosten und Entschädigung für den mit der zwecklosen Reise verbundenen Zeitverlust geklagt. Bekanntlich wurde vor einiger Zeit mitgeteilt, daß gegen einen höhoren arabischen Beamten des Imniigrationsamtes der Palästina-Regierung eine Untersuchung wegen gewisser Mißbräuche geführt wird und daß Einwanderungs- Zertifikate für Angehörige von Paläetinaeinwohnern nicht anerkannt werden, falls sie die Unterschrift dieses Beamten tragen. Infolge der im Zusammenhang damit angeordneteu verschärften Einwandererkontrolle wurden 26 Personen, die am Vorabend des Jom Kippur an Bord des Dampfers „Kosziuszko“ in Hiadfa eintrafen, nicht an Land gelassen. Am folgenden Morgen wurde 18 Personen die Landung gestattet, die übrigen acht aber mußten mit demselben Schiff die Rückfahrt antreten. Später könnten auch diese acht Personen nachweisen, daß eie ordnungsgemäß vom polnischen Konsulat in Warschau visierte Pässe kitten und in keinerlei Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten im Einwanderungsamt der Palästina-Regierung standen, > Der Baum der Verständigung Bei einem Bankett, das zu Ehren des englischen Kolonulmdnisters Malcolm M a c I) o n a 1 d vom Anglo I’alestinian Glub veranstaltet wurde, sprach der Ober** kommissär Palästinas General Wau« ehope vom Baum der Verständigung, der in Palästina wachsen müsse. Er meinte damit die sicherlich notwendige Verständi« gung zwischen Juden und Arabern. Deutlicher war Malcolm MacDonald, der wieder einmal erklärte: „Es handelt sich nicht um die Errichtung eines Judenstaates, sondern um die Errichtung eines jüdischen Nation a 1 h e i m e s.“ Wir haben ähnliche Erklärungen von offizieller englischer Seite zu oft gehört, um uns darüber übermäßig zu ereifern. Es liegt auf der Hand, daß es keinen Sinn hat, offizielle Äußerungen maßgebender englischer Minister zu provozieren, da sie bekanntermaßen immer so lauten wie dio jetzt von MacDonald abgegebene Erklärung. Derartige Erklärungen gießen W a sser auf di e Mühle der Araber und erfreuen bestenfalls solche Zionisten, ehe es für notwendig befinden, immer und immea: wieder zu erklären, was der Zionismus nicht bezweckt. Diese Zionisten sind die Gegenspieler jener Zionisten, dio den ganzen Tag nach dem Judenstaat schreien. Spieler und Gegenspieler erweisen der unveräußerlichen Zielsetzung der zionistischen Bewegung einen schlechten Dienst« So richtig es ist, daß Reden, wie die vorliegende des Kolonialministers letzten Endes nicht zielhemmend sein können, wo der, Wille des jüdischen Volkes fest auf das Endziel gerichtet ist, so falsch war es, daß Freunde des Zionismus in diesem Augenblicke internationaler und auch palästinensischer Hochspannung zum Gaudium der Araber Malcolm MacDonald die Plattform zu einer derartigen Rede gaben. Mao Donald hätte seine Rede gewiß auch sonst halten können. Unsere Freunde haben uns aber sicher keinen guten Dienst 'damit er-' wiesen, daß gerade sie diese Rede ermöglichten. Die Sache wurde auch durch die offiziellen Lobsprüche auf das volkserlösende zionistische Aufbauwerk nicht besser gemacht. Sympiath Verklärungen für die zionistischen Leistungen in Palästina wirken heute schon einigermaßen anachronistisch. Sie erhalten aber einen besonderen Nachgeschmack dadurch, daß sowohl der Minister als auch der Oberkommiissär im drohenden Schatten des Gesetzgebenden Rates auf die notwendige Verständigung mit den Arabern; hinwiesen. Die Reaktion auf diese Reden’ kann nur sein: Wir wollen den Baum der Verständigung hegen und pflegen. Bedeutet aber Verständigung den Gesetzgebenden Rat, dann werden wir mit aller Macht die Keime einer Verständigung ersticken. Diejenigen aber, die meinen, daß wir zwar in! der Frage des Gesetzgebenden Rates einq Kooperation mit England ablehnen werden, in allen anderen Zweigen des Palästinaaufbaues aber mit England kooperieren müssen, mögen es sich gesagt sein lassen: Auch das ist nur zum Teile richtig. Überall dort, wo Englands Arbeit in Palästina den Weg zurErreichung unseres unverrückbaren Endziels verrammelt, kann es ebenfalls keine Kooperation geben« Unser Kampf in dieser Richtung kann’ sicher nicht darin bestehen, daß wir unablässig vom Judenstaat reden, ihn in Leitartikeln fordern und beschließen und in analoger Weise gegen Englands Politik zu Felde ziehen. Wir werden unsoren Staat erkämpfen, worin wir für ihn in Palästina praktisch und in London und Genf politisch arbeiten. Nur so wird der Baum der Verständigung wachsen. Eine merkwürdige Ankündigung Im Schaufenster eines jüdischen Geschäft* tes in Haifa prangt folgendes Plakat iö deutscher Sprache: „Man spricht hier Hebräisch.“ Kommentar über« flüssig,

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