Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 9 (1935-1936)
- Issue
- Heft 493 (25.10.1935)
- Date
- 1935-10-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Df! STIMM! Seit» 3 Nr. 493 — 28. Oktober 1035 Mni 6000 jüdische Einwanderer im September 1935. Jerusalem (Palcor). Nach den Ziffern der Statistischen Abteilung der Jevish Agency sind im Monat September 1935 5867 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. Diese Ziffer umfaßt jedoch nur die Einwanderer, die durch die Häfen Haifa und Ja'.a Ins Land gekommen sind, nicht aber die Einwanderer, die Uber die Festlandsgrenzen eingetroffen sind, sowie ferner nicht die Touristen, die von der Regierung die Erlaubnis erhalten haben, legal im Lande zu bleiben. Insgesamt ist die Zahl der jüdischen Einwanderer im September 1935 wahrscheinlich über 6a00 hinausgegangen. Im Laufe der abgelaufenen, neun Monate, vom 1. Jänner bis zum 1. Oktober 1935, sind 46.425 jüdische Einwanderer legal nach Palästina gekommen, ohne die Einwanderer, die über die Festlandsgrenzen ins Land kamen, und ohne die Touristen, die im Monat September legalisiert worden sind. Mir schadet kein Wetter und mich ermüdet nichts denn ich verwende ständig FRANZBRANNTWEIN mift Menthol Für aPeZweoke der Körperpflege: Einreibungen (Maasagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt Soll In keinem Haushalt fehlen In Jedem besseren Geschäft erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich ,,D i a n a“ und nehmen Sie nur ,,D i a n a“ Minderwertige Nachahmungen sind energisch lurddczuweisen 5Q0*000-P$umd-Anleihe der Stadt Jerusalem Jerusalem, 22. Oktober. (Z. T. A.) Im Finanzdepartement der Palästinaregierung wird zur Zeit der Plan einer 500.000- Pfund-Anleihe für die Stadt Jerusalem bearbeitet. Die Angelegenheit wird im Verlauf der Etatberatungen des Stadtrats behandelt werden. Militär-Regime in Palästina? Jerusalem, 22. Oktober. (Z. T. A.) Die arabische Tageszeitung „Felestin“ gibt der Meinung Ausdruck, daß es im Falle .weiterer internationaler Verwicklungen zur Einsetzung eines Militärregims in Palästina kommen werde. SEVILLA PASTOR KOMMT Dschemal Beham über das jüdische Aufbauwerk Jerusalem (Palcor). Dschemal Bek Beham, einer der bedeutendsten arabischen Schriftsteller, der zahlreiche Bücher über politische und soziale Fragen geschrieben hat und der Führer der Jugend- und Frauenorganisationen in Syrien und der Präsident der Wirtschaftlichen Akademie im Libanon ist, hat vor kurzem Palästina besucht. Er veröffentlicht jetzt in der Damaszener arabirfyeumatifdjett $e[<f)U)crbett itt Den ©eleitfcn tmb ©liebem, fotoie hei Äohftocb lüirfett iSixjaUSablcttctt rafd) unb jtcfjcr. SBentt Saufcttbe bou Siebten btcfeS Mittel berotb* neu, tonnen attefy ©tc e§ bcrtrauenSboIl laufen! allen ütyotfyefen. ^reiS S 2.40. sehen Zeitung „Al Ajam“ oinen Artikel über Palästina, in dem er unter anderem schreibt: „Dio zionistische Bewegung, die vor dem Kriege nur ein Traum war, ist nach dem Kriege verwirklicht worden und zeigt heute eine Leistung, dio sich auf wissenschaftliche und landwirtschaftliche Grundlagen stützt. Die Stärke der jüdischen Leistung in Palästina kommt nicht nur in der landwirtschaftlichen und wissenschaftlichen Tätigkeit zum Ausdruck, sondern auch in der militärischen, dio sich nach außen als Sportbewegung bezeichnet. Diese Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf Männer, sondern auch Frauen nehmen an ihr teil. Die Erfolge der Juden sind vor allem auf ihre Hartnäckigkeit, und Ausdauer bei der Durchsetzung ihrer Bestrebungen zurückzuführen. Als klassisches Beispiel kann die Wiederbelebung der hebräischen Sprache dienen, die im Laufe einer kurzen Zeit aus einer toten Sprache zu einer Sprache des Volkes geworden ist. Dieselbe Ausdauer zeigen die Juden auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Es wird keinem Juden einfallen, irgend eine Ware ausländischer Herkunft zu kaufen, wenn er weiß, daß diese Ware auch in Palästina hergestellt wird. Man kann den großen Nutzen, den (j. r.) Im Rahmen einer schlichten, aber überaus eindrucksvollen Feier fand Mittwoch, den 23. d., die offizielle Einweihung des neuen Schulhauses des Chajes-Realgymnasiums in der Staudingergasse im XX. Bezirk statt. Die Feier, die durch die Anwesenheit offizieller Vertreter des Bundesministeriums für Unterricht, des Stadtschulrates und des Bürgermeisters von Wien sowie durch die Spitzen und Repräsentanten des jüdischen Wien ihren offiziellen Charakter erhielt, war mehr als bloß die Einweihung einer Bezirksschulanstalt. Über das Offizielle und Feierliche hinaus hinterließ diese kleine bescheidene Feier einen ganz außergewöhnlich starken Eindruck. Etwas von dem Geist und der lichtvollen Seele des Schöpfers und Begründers des Chajes-Realgymnasiums, des Oberrabbiners Prof. Zwi Perez Chajes, erfüllte die Atmosphäre, lagerte über dem Raum. Das lichtvolle Antlitz des Unvergeßlichen bückte von der Stirnwand des Saales herab. Wie unsterblich dieser Große in Israel, wie verankert und lebendig die Erinnerung an diesen Menschen in den Seelen und Herzen der Erwachsenen, die das Glück hatten, ihn persönlich zu kennen, wie wundersam lebendig und mit einer Gloriole umgeben das Bild dieses' Mannes auch in den zarten Kinderseelen, die heute die jüngste Garde seiner Schöpfung, des Chajes-Realgymnasiums, ist, offenbarte dieser Abend. Nicht der Name Chajes allein ist es, den zu führen — wie es der verdienstvolle, geistige Leiter der Schule, Direktor Kellner, in seiner Ansprache hervorhob — die Anstalt stolz ist, sondern der Geist Chajes, der das Werk erfüllt, ist das Bedeutsame. Es ist der Geist der jüdischen Freiheit, der Geist, aus dem der neue, seines Judentum bewußte Mensch genährt wird. Alle Redner des Abends haben diesem lebendigen Gefühl deB Dankes an den großen Führer Ausdruck zu geben gesucht. Vom Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, dem Nachfolger Chajes, der als erster seine Ansprache mit Gedenkworten an seinen Vorgänger einleitete, bis zu den Klängen des entzückenden Kinderchores schwang überall der Name Chajes, der zum Begriff geworden, mit. Die Einweihung des neuen Schulhauses, der neuen größeren Arbeitsstätte des Chajes-Realgymnasiums, die sich zu einer stillen und fast möchte man sagen inbrünstig zelebrierten Gedenkkundgebung für den großen Wiener Oberrabbiner Doktor Zwi Perez Chajes gestaltete, konnte nicht würdiger, nicht schöner, nicht eindruckstiefer sein. * Die Feier wurde mit einem ausgezeichneten Vortrag hebräischer und deutscher Lieder durch den Schttlerchor des Chajes- Realgymnasiums eingeleitet. Als erster ergriff Oberrabbiner Feuchtwang das Wort zu folgenden Ausführungen. Oberrabbiner Feuchtwang knüpfte an dio Worte von Prof. Chajes aus einem im Jahre 1920 gehaltenen Vortrag an, in welchem Chajes sagte: „Die jüdische Schule ist die Zukunftsfrage des Judentums. Was wir wollen und jetzt schon tun, ist folgendes: Den Kindern in der Schule, und zum in der Landessprache “alles die Entwicklung Palästinas Syrien gebracht hat, nichtleugnen. 42 Prozent des gesamten syrischen Exports de« Jahres 1934 wurden nach Palästina verkauft; ferner hat Syrien große Einnahmen von den Sommergästen und der großen Anzahl von Touristen, die aus Palästina nach Syrien kommen. Es gehen ferner viele syrische Arbeiter nach Palästina und verdienen dort sehr gut, aber nicht nur Arbeiter, auch viele Kapitalisten und Fabrikanten Syriens sind naoh Palästina gefahren, dort reich geworden und haben für das erworbene Geld in Syrien großes Vermögen erworben. Dies wird sich sicherlich in der Entwicklung des Landes auswirken. Die Araber können vom Zionismus manches lernen.“ vermitteln, ums sie in irgend einer Mittelschule lernen. XJnd ich sage Ihnen, noch besser werden wir es machen. Dia Juden sind durch eine Geschichte von Jahrtausenden erzogen worden. Wenn wir die jüdische Geschichte in die Hand nehmen, erzählt sie uns von moralischen Siegen in der Gelehrtenstube und in den Laboratorien. Deswegen sind wir in der Lage, Menschen zu erziehen, die nicht nur unser Volk, sondern auch die Welt, die Menschheit braucht. Ein Einwand gegen die jüdische Schule ist: Ihr wollt die Kinder wieder in das Ghetto bringen; ihr wollt zerstören, was wir in einem Jahrhundert erkämpft und erworben haben. Verstelen Sie unter Ghetto innigen, Ultimen Zusammenhang mit dem Judentum, mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, was für Jahrhunderte für uns gut war, verstehen Sie unter Ghetto die Erhaltung unserer Eigenart, die Gaben der Seele und des Geistes, so sage ich offen: Ja, ein s olch es Ghetto wollen wir errichten. Verstehen Sie unter Ghetto, das Nichtjüdische als etivas Belangloses hinzustellen und nur Jüdisches zu lehren, so sage ich: Ein solches Ghetto wollen wir nicht schaffen. Oberrabbiner Feuchtwang setzte diese Chajes sehen Worte seiner Ansprache voran, sagte hierauf den Segemsspruch „Sohehechejanu“ und fuhr fort: „Der Name der Anstalt bedeutet ein Programm, ein Ziel, eine Verantwortung. Chajes, der Gründer, sein Geist schwebt über der Anstalt, sein Geist müsse in ihr lebendig bleiben. Es ist ein religiöser Geist. Es ist der historisch-jüdische Geist, der diese Anstalt nicht zuletzt dank der verantwortungsbewußte^ Führung erfüllt. Die Leistungen der Anstalt, die Verdienste der Leitung haben in allen mit der Schule zusammenhängenden Instanzen Anerkennung gefunden und den Ruf der Anstalt weit über die Grenzen Österreichs hinausgetragen. Möge die Anstalt sich weiterentwickeln, wachsen und gedeihen.“ Bundeskulturrat Hofrat Frankfurter begrüßte die offiziellen Gäste im Namen des Kuratoriums des Vereines „Jüdisches Realgymnasium“ und berichtete von den Vorarbeiten, die vor nahezu siebzehn Jahren, von Professor Chajes ausgehend, gemacht wurden, die zur Gründung des Cbajes-Gymnasiums geführt haben. Es war ein langer und harter Weg, den die Anstalt in ihrer nunmehr fünfzehnjährigen Entwicklung zurückzulegen hatte. Schritt um Schritt ging es vorwärts, bis zum heutigen Tage, wo die Anstalt -dank der tatkräftigen Unterstützung der österreichischen Unterrichtsbehörden, insbesondere des Bürgermeisters, in den Besitz des neuen Schulgebäudes gekommen ist. Die große Anerkennung, deren sich die Anstalt des Chajes-Realgymnasiums bei allen offiziellen Stellen erfreut, kam darin deutlich zum Ausdruck, Bundeskulturrat Hofrat Frankfurter dankte ferner dem Vorstand der Israelitischen Kultusgomeinde und insbesondere Staatsrat Dr. Friedmann für die große, oft über die Subvention hinausgehende Unterstützung, die dio Kultusgemeinde dem Chajes-Realgymmasiarn angedeihen läßt.. EPHRUSSI & CO. GEGRÜNDET 1856 Bankgeschäfte aller Art Abteilungen für Wertpapiere u. Devisen WIEN, IX., WASAGASSE 2 Prof. Dr. Viktor Kellner, Direktor des Chajes-Realgymnasiums, würdigte zunächst in gehaltvollen und überaus innigen Worten die Gestalt des Schöpfers dieser Anstalt, Prof. Z. P. Chajes. In kurzen, klaren Strichen zeichnete Pro?. Kellner diese herrliche, lichtvolle Gestalt und ließ sie vor uns lebendig erstehen. Voller Rührung und Ergriffenheit gedachte er der großen Liebe Prof. Chajes zum jüdischen Kinde, einer Liebe, der das heutige Werk zu danken ist. Nachdem Direktor Kellner noch über die äußere Geschichte der Entwicklung dieser Anstalt einige bemerkenswerte Daten vermittelte, ging er zu prinzipiellen Ausführungen über. Wir geben die Rede des Direktors Doktor Kellner, die auf alle Anwesenden durch ihren tiefen Gehalt starken Eindruck machte, unter dem Titel „Schule, Religion und Nation“ an anderer Stelle unseres Bfattes auszugsweise wieder. Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Rede Dr. Viktor Kellners ergriff Staatsrat Dr. Desider Friedmann das Wort, um die Anstalt im Namen des Kultusvorstandes zur Einweihung des neuen Heimes zu beglückwünschen. Auch Präsident Dr. Friedmann knüpfte an die Rede Chajes an, in der dieser die jüdische Schule als die Lebensaufgabe des Judentums gekennzeichnet hat- Die Tatsache, daß schon vor fünfzehn Jahren das Schulproblem in seiner wahren Bedeutung erkannt wurde, beweist, daß für die Gründung der jüdischen Schule andere Erwägungen und Aspekte maßgebend waren, als diejenigen, die der jüdischen Schulfrage von heute ihre Aktualität gegeben haben. Aus dreifachen Gründen war hach der Überzeugung Chajes die Notwendigkeit zur Schaffung dieser und anderer jüdischen Lehrinstitute gegeben: Aus unserer Pflicht der Vergangenheit gegenüber, der Pflicht gegenüber der heranwachsenden Generation und nicht zuletzt gegenüber der Menschheit. Unser Volk, das an eine Geschichte der Jahrtausende zurückbüokt, hat wie jedes andere Volk die Aufgabe, all das, was bisher seinen Bestand gesichert hat, zu erhalten und den kommenden Geschlechtern zu überliefern. Unsere Lehre, unsere Kultur and unser Wissensgut. Wir haben die Pflicht, die in uns lebenden geistigen und seelischen Kräfte zu erfassen und der Menschheit wiederum Großes zu geben. Dieses Ziel können wir nur erreichen, wenn wir unsere Jugend zu Juden heranbilden, die ihres Judentums bewußt sind, die in sich die Überzeugung aufnehmen, daß es sich lohnt, für daB Judentum zu kämpfen und zu leiden. Durch eine solche Erziehung dienen wir auch dem Staate, der wünschen muß, daß religiös lind sittlich gefestigte Menschen als Bürger heranwachsen. Es könne keinen besserer Prüfstein dafür geben, daß das jüdische Chajes-Realgymnasiiim dem vorgezeichneten Ziele dient, als der von Jahr zu Jahr steigende Zudrang der Schüler sowie die Anhänglichkeit der Elternschaft und der Jugend an diese Schule. Die Bedeutung dieser Schule vom jüdischen Standpunkt aus liegt nicht allein in dem hebräischen Sprachunterricht. Über das Praktische hinaus, das die Erlernung des Hebräisohen mit Rücksicht auf die große Entwicklung des jüdischen Palästina mit sich bringt, sei die Tatsache von entscheidender Bedeutung, daß die Erlernung und Kenntnis der hebräischen Sprache unsere Jugend zu den Quellen des Judentums zu- RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. Oporer) ü., Taborstraße 13 Telephon H 48-6-57 Ausgiebige Braten-Menüs S 1*60 «■».(«» '■» „ Geflügel. s a*ao sowie & la Carte, Speisen ain Rost Großer Saal mit Bühne für Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben. INDUSTRI IX. PORZELLANGASSE 39 NEUERÖFFNET! DasChai mnaslum im neuen Helm Eindrucksvolle Einweihungsfeier